StartseiteAktuellesNachrichtenEU-Projekt VERA präsentiert Zukunftsvisionen für den Europäischen Forschungsraum

EU-Projekt VERA präsentiert Zukunftsvisionen für den Europäischen Forschungsraum

Im Rahmen seiner Abschlusskonferenz präsentierte das VERA-Projekt vergangene Woche seine Einschätzungen zur Zukunft des Europäischen Forschungsraums. Dazu entwickelte das Projektteam vier mögliche Zukunftsszenarien für das Jahr 2030, um die Folgen heutiger Entscheidungsprozesse und Entwicklungen auf das Europäische Forschungssytem abschätzen zu können. Von deutscher Seite war das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI an dem Projekt beteiligt.

Die EU ist seit vielen Jahren um den Aufbau eines Europäischen Forschungsraums (EFR) bemüht. Zwar gibt es noch offene Fragen, die dessen Fertigstellung blockieren, dem EFR-Fortschrittsbericht 2014 (siehe unten) zufolge bewegen sich Europa aber in die richtige Richtung. In den kommenden Jahren wird sich der EFR den neuen globalen Herausforderung anpassen müssen. Im Rahmen des Projekts VERA („Forward Visions on the European Research Area“) haben in den vergangenen drei Jahren zehn Partnerinstitutionen gemeinsam geforscht, um den EFR auf die Bewältigung dieser Herausforderungen vorzubereiten.

Ein Großteil der Arbeit des VERA-Teams bestand in die Erarbeitung von vier Zukunftsszenarien zu einer möglichen Entwicklung der europäischen Gesellschaft und des EFR bis zum Jahr 2030. In ihrer Rede auf der Konferenz stellte Projektkoordinatorin Stephanie Daimer vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI diese vier möglichen Realitäten vor. 

Das VERA-Team entwickelte die Szenarien zusammen mit Interessengruppen auf Grundlage einer eingehenden Bestandsaufnahme der Aktivitäten in Forschung, Technologie, Entwicklung und Innovation (FTEI) und einer Überprüfung der Trends und Triebkräfte von langfristigen Veränderungen der europäischen FTEI-Governance. Der Inhalt jedes Szenarios wird im Titel zusammengefasst:

  • Privates Wissen - globale Märkte
  • Gesellschaftliche Herausforderungen - gemeinsames Handeln
  • Einzelne Lösungen - lokal gedacht 
  • Krisenzeiten - Experten am Steuer

Stephanie Daimer erklärte, wie das VERA-Team diese Szenarien auf zwei Arten verwendete: Zum einen verwendeten die Forscher sie als Instrument in einer strategischen Debatte mit den Interessengruppen, zum anderen betrachteten sie die Szenarien durch „Politik-Lupen“, um zur Strukturierung zukünftiger Möglichkeiten für den EFR beizutragen. Auf der Grundlage dieser Forschungsarbeiten werden alle Fragen, die das VERA-Team zur Prüfung durch politische Entscheidungsträger für wichtig hält, in Stellungnahmen hervorgehoben. Ein solches Grundsatzpapier zu den sich entwickelnden Dimensionen der europäischen Forschungs- und Innovationslandschaft („Evolving Dimensions of the European Research and Innovation Landscape“) präsentierte das VERA-Teammitglied Rafael Popper von der Universität Manchester auf der Abschlusskonferenz.

Das Papier beschreibt „Fragen, die von der Politik geprüft werden sollten“ und nicht „politische Empfehlungen“, sodass die Diskussionen zum EFR offen geführt werden können. Stephanie Daimer stellte fest: „Weil wir glauben, dass die übergreifenden Ziele des Europäischen Forschungsraums noch definiert werden müssen, sieht VERA seine Rolle in der systematischen Präsentation der möglichen Entwicklungen mithilfe von Szenarien. Darüber hinaus wollen wir die politischen Auswirkungen als Folge dieser Szenarien analysieren und sie in einer strukturierten Sammlung von Entscheidungen und den damit verbundenen Konsequenzen präsentieren.“

Es wird mindestens ein weiteres Grundsatzpapier geben, das Überlegungen zu einer langfristigen Perspektive auf Basis umfangreicher Analysen der entwickelten Szenarien für den EFR im Jahr 2030 enthalten wird. Dies sei wichtig, weil die politischen Entscheidungen von heute die Verfügbarkeit von Alternativen in der Zukunft beeinflussen, wie Stephanie Daimer erklärt: “Um unbeabsichtigte Auswirkungen der heutigen Entscheidungen zu vermeiden, müssen wir uns über ihre Folgen im Klaren sein. Zum Beispiel werden sich ‚Rahmenbedingungen‘ wie etwa IPR, Normen oder die Vergabe öffentlicher Aufträge je nach politischem Kontext, in dem sie tätig sind und den sie wiederum mitgestalten, stark unterscheiden. Obwohl diese Fragen häufig als reine technische Angelegenheit gesehen werden, haben uns die VERA-Szenarien an die politische Natur regulatorischer Debatten erinnert.“

Fabienne Gautier von der Generaldirektion Forschung und Innovation der Europäischen Kommission und dort zuständig für EFR-Politik legte in ihrer Rede auf der Abschlusskonferenz dar, wie die Arbeit von VERA ein Instrument für evidenzbasierte Politikgestaltung liefern könnte: sie formuliere Leitlinien für künftige politische Richtungen in verschiedenen Kontexten geprägt von unterschiedlichen gesellschaftlichen Herausforderungen. In der Tat diskutiert das Projektteam derzeit mit der Europäischen Kommission und der EFR-Stakeholder-Plattform darüber, wie man die VERA-Ergebnisse nutzen kann. Das Team wurde bereits eingeladen, VERA vor dem Ausschuss für den Europäischen Forschungsraum (ERAC) zu präsentieren.

Das VERA-Team sei davon überzeugt, dass das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Diskussion um den EFR leisten wird, unterstreicht Stephanie Daimer: „Durch seinen Beitrag zu einer Intensivierung und Ausweitung von Stakeholdernetzwerken sowie durch die systematische Betrachtung der Zukunft mittels Szenarioanalysen hat VERA einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer EFR-Vision getan, da die Schaffung einer solchen gemeinsamen Vision auf diesen beiden Voraussetzungen aufbauen muss.“

Quelle: CORDIS - Nachrichten Redaktion: von Tim Mörsch, VDI Technologiezentrum GmbH Länder / Organisationen: EU Themen: Strategie und Rahmenbedingungen

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