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Frankreich engagiert sich für offene Wissenschaft

Berichterstattung weltweit

Forschungsergebnisse und -daten, die aus öffentlichen Projektmitteln finanziert wurden, müssen in Frankreich künftig verpflichtend auf frei zugänglichen Plattformen veröffentlicht werden. Dazu kommen weitere Maßnahmen, um den freien Zugang zu wissenschaftlichen Ergebnissen zu fördern.

Anlässlich der 47. Jahrestagung des Netzwerks Europäischer Forschungsbibliotheken LIBER (Ligue des Bibliothèques Européennes de RechercheAssociation of European Research Libraries) in Lille stellte die französische Ministerin für Hochschulbildung, Forschung und Innovation Fréderique Vidal am 4. Juli 2018 die französischen Pläne zur Förderung von offener Wissenschaft (Open Science) vor.

Forschungsergebnisse und -daten, die aus öffentlichen Projektmitteln finanziert wurden, sind in Frankreich künftig frei zugänglich. Indem die Möglichkeiten der Digitalisierung genutzt werden, soll so eine möglichst große Verbreitung und ein breiter Zugang ermöglicht werden. Dadurch wird auch ein Effizienzgewinn erwartet, da wissenschaftliches Material nicht mehr mehrfach gesammelt, ausgewertet und übermittelt werden muss.

Ziel ist es, dadurch ein offenes System zu schaffen, indem Wissenschaft kumulativer, datengestützter, transparenter, schneller und universeller zugänglich funktioniert. Diese „Demokratisierung des Zugangs zu Wissen“ ist laut dem französischen Ministerium für Hochschulbildung, Forschung und Innovation (MESRI) sinnvoll für Forschung, Lehre, Wirtschaft und Gesellschaft in Frankreich aber auch allen anderen Staaten. Vidal sagte dazu: „Die offene Wissenschaft ist kein Modus, keine Disziplin, kein neues Paradigma. Sie bedeutet eine neue Art des Handelns und neue Kompetenzen. (…) Die offene Wissenschaft wird nicht die Angelegenheit einer kleiner Gruppe von Spezialisten sein, sie wird die gesamte Forschungslandschaft prägen.“

Der entsprechende Handlungsplan (in englischer Sprache) sieht folgende drei Handlungsachsen vor:

  1. Breiter öffentlicher Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen
    1. Verpflichtender offener Zugang zu Forschungsergebnissen, die aus öffentlichen Projektmitteln finanziert wurden
    2. Schaffung eines Fonds für offene Wissenschaft
    3. Förderung des Nationalen Offenen Archivs HAL und leichterer Zugang zu HAL für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die bereits auf anderen Plattformen offen publizieren
  2. Forschungsdaten strukturieren und öffnen
    1. Verpflichtender offener Zugang zu Forschungsdaten, die aus öffentlichen Projektmitteln finanziert wurden
    2. Schaffung eines Chief Data Officers und eines entsprechenden Netzwerks in den Hochschul- und Forschungseinrichtungen
    3. Die Aneignung einer Open-Access-Datenpolitik für wissenschaftliche Artikel fördern und entsprechende Rahmenbedingungen schaffen
  3. Eine nachhaltige, europäische und internationale Dynamik schaffen
    1. Open Science insbesondere in die Doktorandenausbildung integrieren
    2. Forschungseinrichtungen zu einer Open Science-Politik verpflichten
    3. Sich auf europäischem Level aktiv an der European Open Science Cloud (EOSC) und der GO FAIR-Initiative beteiligen

Für die Umsetzung dieser Ziele sind im ersten Jahr 5,4 Millionen Euro eingeplant. In den Folgejahren sollen jeweils weitere 3,4 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden. Gesetzliche Neuerungen sind nicht notwendig. Ein Komitee aus 200 Expertinnen und Experten wird die Umsetzung begleiten.

Hintergrund sind insbesondere die hohen Kosten, die der öffentlichen Hand aus den Abonnements wissenschaftlicher Fachzeitschriften entstehen, in denen die Ergebnisse öffentlich finanzierter Forschung in der Regel publiziert werden. Frankreich gibt hierfür circa 100 Millionen Euro im Jahr aus und wie auf der LIBER-Tagung gezeigt wurde, steigen die Gebühren dafür europaweit an. Seit 2016 dürfen in Frankreich durch eine Gesetzesnovelle Fachartikel sechs bis zwölf Monate nach Erscheinen in einem kostenpflichtigen Journal in offenen Archiven wie HAL veröffentlicht werden. Der nun veröffentlichte Plan geht darüber weit hinaus.

Der Plan ist auch Teil des französischen Engagements im Rahmen der Open Government-Initiative (Open government partnership, OGP), die 2011 von den USA ins Leben gerufen wurde und der über 70 Länder angehören. Ebenso stellt er eine Antwort auf den Amsterdamer Handlungsaufruf für eine offene Wissenschaft (Amsterdam Call for Action on Open Science) dar.

Zum Nachlesen:

Quelle: MESRI Redaktion: von Kathleen Schlütter, Deutsch-Französische Hochschule Länder / Organisationen: Frankreich Themen: Strategie und Rahmenbedingungen sonstiges / Querschnittsaktivitäten Förderung Infrastruktur

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