StartseiteAktuellesNachrichtenFrankreich sieht sich führend bei Rohrturbinen für Gezeitenkraftwerke

Frankreich sieht sich führend bei Rohrturbinen für Gezeitenkraftwerke

Die Firma OpenHydro, eine auf Turbinen spezialisierte Filiale der französischen DCNS-Gruppe, und Alderney Renewable Energy (ARE) haben am 10. April 2014 ein Abkommen zur Gründung des Joint Ventures “Race Tidal Ltd“ unterzeichnet. Die beiden Unternehmen wollen ihre Kompetenzen und ihre Ressourcen zusammenführen, um ein Gezeitenkraftwerk mit einer Leistung von 300 MW nahe der Kanalinsel Aurigny (engl.: Alderney) zu errichten.

Beide Unternehmen bringen ihre jeweilige Expertise in das Projekt ein : ARE hat im Jahre 2008 von der Verwaltung der Insel Aurigny die Lizenz erworben, 65 Jahre lang in ihren Gewässern Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien durchzuführen; OPenHydro liefert seinerseits die Turbinen, die in Cherburg in einer Fabrik hergestellt werden sollen, die in Zukunft Gezeitenkraftwerke entlang der französischen Küste ausrüsten soll.

Das Abkommen zwischen ARE und OpenHydro steht im Einklang mit dem Projekt FAB Link Limited, einem Joint Venture zwischen ARE und Transmission Investment LLP, welches eine elektrische Leitung zwischen Frankreich, Aurigny und Großbritannien errichten soll; diese Leitung würde es ermöglichen, in Aurigny produzierten Strom in das europäische Netz einzuspeisen.

Im Verlauf der kommenden drei Jahre werden OpenHydro und ARE eng mit der Verwaltung von Aurigny, mit der dortigen Kommission für erneuerbare Energien, den lokalen Gebietskörperschaften und regionalen Interessengruppen zusammenarbeiten, um die Umwelteinflüsse eines 300 MW-Kraftwerkes bestmöglich abzuschätzen. Die Einrichtung soll bis 2020 voll funktionsfähig sein, wenn im gleichen Jahr die Leitung FAB Link stehen soll. Die Kanalinseln und Gezeiten an ihren Küsten verfügen über eines der weltweit größten Potenziale für Gezeitenkraftwerke.  Dieses Potenzial könnte mittelfristig der Versorgung von 1.5 Mio Haushalten dienen. Mit einem ersten Schritt in diese Richtung soll die jetzt von OpenHydro und ARE entwickelte Turbinenfarm mit 150 Turbinen der jeweiligen Leistung 2 MW elektrische Energie für 150.000 Haushalte bereitstellen.

Das Kapital von OpenHydro wird zu 60% von dem ehemaligen französischen Staatsunternehmen Direction de Construction Navale, DCN (seit 2008 DCNS groupe) und zu 35 % von Thales gehalten. Die DCNS-Gruppe hatte bereits die Turbine Arcouest (16 m Durchmesser) entwickelt, die im Jahre 2013 bei Paimpol-Bréhat für die EDF zu Wasser gelassen wurde. Für diesen Typ sind  jetzt mit dem neuen Abkommen sowie weiteren Verträgen mit Kanada Schottland und Irland  insgesamt 1 GW in Planung. Die Entwicklung  wurde von der französischen Agence de l'Environnement et de la Maîtrise de l'Energie, ADEME, gefördert, wie auch die Turbine Sabella für ein mittelständiges Unternehmen in Quimper gefördert hatte sowie das Projekt Orca bei Alstom.

Die Turbine Arcouest ist noch nicht am Netz; sie ist derzeit für 0,5 MW ausgelegt, ihre Leistung soll sich jedoch noch vervierfachen. ADEME hat hierzu einen Projektaufruf veröffentlicht, der zu 15 Anträgen geführt hat. Im Rahmen einer ersten Bewilligung soll der Meeresuntergrund für Turbineneinsatz verbessert werden. Im Rahmen eines zweiten Projektes sollen die Turbinen unter Wasser an einen Transformator angeschlossen werden können.

Außer der Turbine  Arcouest  der DCNS-Gruppe werden von anderen Industrieunternehmen ihre verschiedenen Prototypen im European Energy Marine Center (EMEC) (Schottland) getestet, wo die Meeresströmung sehr vielversprechend ist.  Neben  Lockheed Martin (USA), Voith (Deutschland) und Andritz (Norwegen) hat Alstom dort seinen Prototyp Deep Gen IV installiert. Alstom sieht für sein Produkt gegenüber der Konkurrenz den Vorteil, dass Deep Gen IV schwimmt und keine aufwendigen Schiffe benötigt, wie sie für die Installation von Ölplattformen nötig sind.

Quelle: Deutsch-Französische Gesellschaft für Wissenschaft und Technologie e. V. Redaktion: von Alexander Bullinger Länder / Organisationen: Frankreich Themen: Engineering und Produktion Energie

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