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Frankreich: Vorschläge zur Reform der universitären Wirtschaftswissenschaften

Die Lehre der Wirtschaftswissenschaften an den französischen Universitäten steht stark in der Kritik. Eine 12-köpfige Kommission um Pierre-Cyrille Hautcœur, Ökonom, Historiker und Präsident der französischen Universität EHESS, überreichte der Staatssekretärin für Hochschulen und Forschung, Geneviève Fioraso, nun einen Bericht mit Reformvorschlägen.

Die Staatssekretärin hatte Hautcœur am 23. Juli 2013 beauftragt, das Studienfach Wirtschaftswissenschaften hinsichtlich der verschiedenen theoretischen Ansätze, disziplinärer Schnittmengen sowie der Ausbildung und Berufseingliederung von Studierenden zu untersuchen. Zur Kommission gehörten neben Hautcœur 11 Persönlichkeiten aus den Wirtschaftswissenschaften, mehrheitlich Universitätsprofessoren.

Die universitären Wirtschaftswissenschaften ziehen immer weniger Studierende an, die stattdessen praktischer orientierte Management-Studiengänge oder private Handelshochschulen bevorzugen. Der Bericht hält als Ursache hierfür insbesondere einen zu theoretischen und zu mathematischen Unterricht fest. Die Forschungsgemeinschaft führe lebendige Debatten und habe sich auch längst von der neoklassischen Theorie emanzipiert, dies schlüge sich jedoch noch zu wenig in der Lehre nieder.

Der Bericht über "Die Zukunft der Wirtschaftswissenschaften in der französischen Universität" wurde der Staatssekretärin am 5. Juni 2014 überreicht und formuliert insgesamt 20 Verbesserungsvorschläge anhand von vier thematischen Schwerpunkten:

  • Ausbildung: Die pädagogischen Instrumente sollten überarbeitet werden, um die universitären Wirtschaftswissenschaften attraktiver zu machen. Auch sollte die Spezialisierung in der „Licence“ (den grundständigen Studiengängen) erst später erfolgen.
  • Forschung: In der Forschung sollten die Begutachtungskriterien insbesondere in Bezug auf die Publikationsformate, aber auch der Berufsethos überdacht werden.
  • Karriere: Die Karrierewege der Hochschullehrer, vor allem der Hochschuldozenten ("maîtres de conférences"), sollten hinsichtlich Rekrutierung, Gehalt, Aufgaben, Aufstiegschancen und Stellenwert der Lehre überdacht werden.
  • Informationspolitik: Die verfügbaren Informationen über die Disziplin sollten verbessert und transparenter werden. Hierfür sei insbesondere ein gemeinsamer Reflexionsprozess aller Vertreter der Wirtschaftswissenschaften notwendig.

Die Arbeit der Hautcœur-Kommission über die Wirtschaftswissenschaften ist Teil des Plans der Staatssekretärin, im Rahmen des 2013 verabschiedeten Gesetzes zu Bildung und Forschung alle großen Studienfächer hinsichtlich ihrer Rolle in den nationalen Strategien für Forschung und Hochschulen prüfen zu lassen. Hierbei geht es einerseits konkret um Fragen der Forschungsausrichtung, der Organisation und Evaluierung der Forschungsgruppen, der Struktur des Ausbildungsangebots, der Berufsaussichten und der Bezugnahme auf soziale und wirtschaftliche Bedürfnisse sowie andererseits allgemeiner um die beobachtbaren Entwicklungen auf internationaler Ebene.

Quelle: Ministerium für Bildung, Hochschulwesen und Forschung, Le Monde Redaktion: Länder / Organisationen: Frankreich Themen: Bildung und Hochschulen Wirtschaft, Märkte Strategie und Rahmenbedingungen

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