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Frankreich: Weiterhin hohe Abbrecherquoten in der Licence

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Das französische Bildungsministerium hat seine Studie zum Studienerfolg für das Jahr 2015 veröffentlicht, nach der weiterhin nur 27 Prozent der Studierenden grundständiger Universitätsstudiengänge nach drei Jahren ihren Abschluss schaffen.

Untersucht wurde die Studierendenkohorte, die sich im Wintersemester 2011/2012 für ein grundständiges Studium (Licence) an einer Universität eingeschrieben hat. Die Erfolgsquote hat sich demnach seit 2008 trotz zahlreicher Unterstützungsmaßnahmen (u.a. Orientierungsangebote, Umstrukturierung des Lehrangebots) nicht verbessert. Nur 27 Prozent der untersuchten Studierenden haben ihr Studium in der Regelstudienzeit abgeschlossen. Der Prozentsatz erhöht sich auf 39 Prozent wenn Studierende mitgezählt werden, die nach vier Jahren ihre Licence abschließen. Den meisten Studierenden gelingt das an der Universität Anger (55,5 Prozent) sowie der Universität Lyon 2 (51,4 Prozent). „Auch wenn ich provoziere, aber ich bin froh, dass der Prozentsatz angesichts der hohen Studierendenzahlen in den letzten zehn Jahren und der finanziellen Schwierigkeiten der Universitäten nicht zurückgegangen ist“, kommentiert Gilles Roussel von der französischen Hochschulrektorenkonferenz CPU (Conférence des présidents d’université) diese Ergebnisse.

Wie die Studie anmerkt, haben sich in den letzten Jahren vermehrt Studierende mit einem berufsorientierten Abitur (bac professionnel) an den Universitäten eingeschrieben. Ihr Anteil der Erstsemester ist von 2,6 Prozent im Jahr 2005 auf 6,2 Prozent im Jahr 2014 angestiegen. Darauf führen die Autoren der Studie zurück, dass im Vorjahr die Erfolgsquote bei vier Jahren Licence-Studium noch bei 40 Prozent lag. Denn die Art des Abiturs ist in Frankreich nach wie vor ein entscheidender Erfolgsindikator für das Studium. Während Studierende mit einem allgemeinen Abitur (bac général) zu fast 50 Prozent ihr Studium innerhalb von vier Jahren abschließen, schaffen dies nur 16 Prozent der Fachabiturienten (bac technologique) und sechs Prozent der Studierenden mit einem berufsorientierten Abitur. Dabei machen die letzten beiden Gruppen fast 20 Prozent der Erstsemester an den Universitäten aus. Ebenfalls entscheidend ist die Abiturnote. Abiturienten mit sehr gutem Abitur (mention très bien) bilden nur zwei Prozent der Erstsemester an den Universitäten und schließen ihre Licence zu 71 Prozent erfolgreich ab. Wer jedoch das Abitur gerade so geschafft hat, hat statistisch betrachtet nur eine 20-prozentige Erfolgschance.

Laut dem Staatssekretär für Hochschulwesen und Forschung, Thierry Mandon, sind in der aktuellen Studie die Reformeffekte des Hochschul- und Forschungsgesetzes von 2013 noch nicht abzulesen, da vor allem das erste Studienjahr kritisch sei. So würden erst für die Erstsemester 2015/2016 Verbesserungen sichtbar werden, wie zum Beispiel der leichtere Wechsel von Fach- und berufsorientierten Abiturienten an die praxisorientierten aber selektiven IUT (Institut universitaire de technologie). Und zum Wintersemester 2016/2017 sei die Zahl der allgemeinen Abiturienten deutlich angestiegen, die der Fach- und berufsorientierten Abiturienten jedoch zurückgegangen. Auch dies werde sich positiv auf die Erfolgsquote auswirken, so Mandon.

Wie die Autoren selbst schreiben, zeigt die Studie nur eine partielle Sicht auf die Erfolgsquoten der Studierenden. So werden nur die Studiengangwechsel innerhalb der Universitäten erfasst, nicht aber zu anderen Hochschulen wie zum Beispiel den Ingenieurhochschulen. Zudem basieren die Zahlen auf den Immatrikulationslisten, nicht aber auf der tatsächlichen Anwesenheit.

Quelle: Educpros.fr, MENESR Redaktion: von Kathleen Schlütter, Deutsch-Französische Hochschule Länder / Organisationen: Frankreich Themen: Berufs- und Weiterbildung Bildung und Hochschulen

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