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Frankreichs Weißbuch zu Hochschulen und Forschung

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Wenige Monate vor Ende der Amtszeit von Staatspräsident François Hollande hat das französische Bildungsministerium ein Weißbuch zu Hochschulen und Forschung veröffentlicht. Das Expertenkomitee empfiehlt dort Investitionen in Höhe von insgesamt zehn Milliarden Euro für die nächsten zehn Jahre, um die Zukunftsfähigkeit Frankreichs zu sichern.

Das Weißbuch geht auf das Hochschul- und Forschungsgesetz 2013 zurück und wurde von der französischen Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem und ihrem Staatssekretär für Hochschulbildung und Forschung Thierry Mandon 2016 in Auftrag gegeben. Am 31. Januar 2017 übergab das zuständige Expertenkomitee seine Ergebnisse dem Ministerium. Ende Februar werden sie dem Parlament vorgelegt und sollen in die nationale Haushaltsplanung einfließen. Alle fünf Jahre ist eine Neuauflage geplant.

Die Experten haben die 2015 und 2016 veröffentlichten Nationalen Strategien zu Forschung, Hochschulen, Forschungsinfrastrukturen und die in der Entstehung begriffene Nationale Strategie zu Wissenschafts-, Technik- und Industriekultur zu einander in Bezug gesetzt. Darüber hinaus ziehen sie eine Bilanz der ersten umgesetzten Maßnahmen der Strategien für Forschung und für Hochschulbildung, benennen künftige Herausforderungen und setzen für die nächsten zehn Jahre Prioritäten. Zudem hat die Kommission eine kurz- und mittelfristige Finanzplanung für die Umsetzung der Strategien erstellt. In den kommenden drei Jahren sollten laut den Empfehlungen vier bis fünf Milliarden Euro investiert werden, davon 1,5 bis drei Milliarden Euro in die Hochschulen. Diese sollen damit die Mittel erhalten, die stetig zunehmende Zahl Studierender gut auszubilden und dazu beizutragen, dass 60 Prozent einer Altersklasse studieren. Es sei mit etwa 370.000 zusätzlichen Studierenden in den nächsten vier Jahren zu rechnen, so die Autoren.

Langfristig, in den nächsten zehn Jahren, seien Investitionen in Höhe von zehn Milliarden Euro notwendig. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung würden dadurch auf drei Prozent des Brutto-Inlandsprodukts (BIP) steigen. Dies wiederum würde laut einer entsprechenden Studie der Französischen Informationsstelle für Konjunktur OFCE (Observatoire français des conjonctures économiques) zu einer zehnprozentigen Erhöhung des BIP bis 2047 und dem Erhalt von 400.000 Arbeitsplätzen führen. Darunter versteht die OFCE, dass sie nicht von der Rationalisierung durch Automatisierung und künstliche Intelligenz betroffen sein werden.

Thierry Mandon betonte, es sei das erste Mal, dass man die Auswirkungen und das makroökonomische Interesse dieser Investitionen sehe. Auch hofft er, dass das Thema im Wahlkampf eine zentrale Rolle einnehmen wird. Für den Vorsitzenden der Weißbuchgruppe Bertrand Monthubert, Präsidenten der Universität Toulouse III und Mathematiker, zeigen die Empfehlungen, dass „Hochschulwesen und Forschung unabdingbar sind, um ein Land zu schaffen, das die Zukunft jedes einzelnen sichert.“

Wie das Bildungsministerium betonte, habe man 2017 bereits mit der Budgeterhöhung begonnen. So wurden die Ausgaben für Hochschulwesen und Forschung um 850 Millionen Euro erhöht. Weitere 300 Millionen Euro werden projektgebunden aus dem Programm für Zukunftsinvestitionen PIA (Programme d’investissement d’avenir) bereit gestellt.

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Quelle: MENESR, Le Monde Redaktion: von Kathleen Schlütter, Deutsch-Französische Hochschule Länder / Organisationen: Frankreich Themen: Förderung Bildung und Hochschulen Strategie und Rahmenbedingungen

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