StartseiteAktuellesNachrichtenFranzösische Hochschulen schließen sich für mehr internationale Sichtbarkeit zusammen

Französische Hochschulen schließen sich für mehr internationale Sichtbarkeit zusammen

Berichterstattung weltweit

Die neuen französischen Universitäten heißen Paris, Côte d’Azur oder Gustave Eiffel. Dahinter stehen Hochschulstrukturen, die die Kooperation der beteiligten Einrichtungen fördern und im internationalen Wettbewerb Erfolg bringen sollen.

Zum neuen Jahr entstehen in Frankreich mehrere neue Hochschuleinrichtungen, die aus der Fusion oder Assoziation bestehender Strukturen hervorgehen. Das Ministerium für Hochschulbildung, Forschung und Innovation MESRI hatte im Dezember 2018 dafür die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen und „experimentelle öffentliche Einrichtung“ (établissements public expérimentaux) ermöglicht. Diese ermöglichen erstmals, dass innerhalb einer gemeinsamen Struktur sowohl die Fusion von Hochschulen als auch deren Einbindung unter Wahrung der Rechtspersönlichkeit – möglich sind. Dies ergänzt die seit 2013 existierenden Hochschul- und Forschungsverbünde Comues (Communauté d’universités et établissements), als die viele Hochschulstandorte bisher organisiert waren.

Dahinter steht das langjährige Bemühen der Politik, die französischen Hochschulen insbesondere durch große Strukturen mit einem gemeinsamen, gut verständlichen Namen international sichtbarer zu machen. Viele der kleineren aber international bekannten Hochschulen wollen ihre Autonomie und ihre Marke jedoch nicht zugunsten eines Verbundes aufgeben, in dessen Zentrum zudem eine Universität steht. Um dennoch eine engere Kooperation zu befördern, wurde die Möglichkeit zum „Experimentieren“ geschaffen. Diese besteht vorerst bis zum Jahr 2028.

Auf Basis der neuen Rechtslage entstanden nun zum 1. Januar 2020 offiziell folgende Strukturen:

  • Universität Paris-Saclay (UPS): Die UPS entstand aus drei Universitäten (Paris-Sud, Versailles Saint-Quentin-en-Yvelines und Evry) und vier Hochschulen (Agro ParisTech, CentraleSupélec, ENS Paris-Saclay und Institut d’Optique Graduate School). Wobei nur die Universität Paris-Sud ihren eigenen Namen zugunsten der UPS aufgibt. Daneben gründete sich im September 2019 das IP Paris (Institut Polytechnique de Paris) aus fünf renommierten Ingenieurhochschulen (École polytechnique, ENSTA ParisTech, Ensae ParisTech, Telecom Paris Tech und Telecom Sud Paris). Ursprünglich kooperierten alle diese Einrichtungen im gemeinsamen Comue UPS und sollten eine Volluniversität auf dem Saclay-Plateau werden.
  • Universität Paris: Die Universität Paris entstand aus der Fusion der Universitäten Paris Descartes (Paris 5) und Paris Diderot (Paris 7). Das Pariser Institut für Geophysik (Institut de physique du globe de Paris) ist beteiligt, behält aber seine Rechtspersönlichkeit.
  • Universität Gustave Eiffel: Die Universität mit Schwerpunkt Stadtentwicklung und Nachhaltigkeit entstand aus der Fusion der Universität Paris-Est Marne-la-Vallée und dem Institut für Verkehrswesen IFSTTAR (Institut français des sciences et technologies des transports, de l’aménagement et des réseaux), unter Beteiligung der Architekturhochschule EAV&T und drei Ingenieurhochschulen (EIVP, ENSG Géomatique und ESIEE Paris).
  • CY Cergy Paris Université: Die Universität entstand aus der Fusion der Universität Cergy-Pontoise und der Informatikhochschule EISTI (Ecole Internationale des Sciences du Traitement de l'Information), unter Beteiligung der Hochschule für Soziales EPSS (Ecole Pratique de Service Social) und der Sporthochschule ILEPS (Ecole Supérieure des Métiers du Sport et de l'Enseignement).
  • Universität Grenoble-Alpes (UGA): Die UGA entstand aus der gleichnamigen Universität Grenoble-Alpes, der Architekturhochschule ENSAG (Ecole Nationale Supérieure d’Architecture de Grenoble), dem Polytechnischen Institut Grenoble INP (Institut polytechnique de Grenoble), der politikwissenschaftlichen Hochschulen Sciences Po Grenoble und der Comue Grenobles-Alpes.
  • Universität Côte-d’Azur (UCA): Diese neue Struktur wird wesentlich von der Universität Nice-Sophia Antipolis (UNS) getragen, die auch ihren Namen zugunsten der UCA aufgibt. Ebenso geht darin der gleichnamige Comue UCA auf, zu dem zahlreiche regionale Hochschul-  und Forschungseinrichtungen gehörten. Teilweise schließen sich neue Einrichtungen an während andere UCA-Mitglieder nicht mehr dabei sind.

Viele große französische Forschungseinrichtungen sind als assoziierte Partner und/oder über gemeinsame Labore (UMR, Unité mixte de recherche) an den neuen Strukturen beteiligt. Die genannten neuen Universitäten wurden bzw. werden im Rahmen der französischen Exzellenzinitiative Idex mit zusätzlichen Projektmitteln gefördert. Es existieren weitere Fusionsprojekte wie etwa an den Universitätsstandorten Lyon oder Nantes. Andere Universitäten wie die Universität Clermont Auvergne (entstanden 2017 aus der Fusion der Universitäten Blaise-Pascal und Auvergne) wollen die neuen rechtlichen Möglichkeiten lediglich nutzen, um mit den Hochschulen vor Ort enger zusammen zu arbeiten.

Neben diesen großen neuen Strukturen schließen sich auch kleinere Einrichtungen zusammen. So entstand zum Beispiel ebenfalls am 1. Januar 2020 das Centrale Lille Institut, ein Zusammenschluss von drei lokalen Ingenieurhochschulen (Centrale Lille, Chimie Lille und École nationale supérieure des arts et industries textiles).

Weitere Fusions- und Assoziationsprojekte französischer Hochschulen dürften folgen.

Zum Nachlesen (Französisch)

Quelle: Educpros.fr, MESRI Redaktion: von Kathleen Schlütter, Deutsch-Französische Hochschule Länder / Organisationen: Frankreich Themen: Bildung und Hochschulen Strategie und Rahmenbedingungen

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