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Neue Maßnahme zur Förderung dualer Ausbildung in Frankreich

Berichterstattung weltweit

Mithilfe einer Online-Plattform sollen mehr französische Jugendliche für die Vorteile der dualen Ausbildung begeistert und über freie Lehrstellen informiert werden.

Fünf französische Berufsschulnetzwerke aus verschiedenen Branchen (unter anderem Logistik, Handwerk, Management,  Landwirtschaft) sowie Opcalia (staatlich zertifizierte Organisation, die die Ausbildungssteuer von Unternehmen einsammelt und verwaltet) haben sich zusammengeschlossen und die Online-Plattform WALT (Work in Alternance) ins Leben gerufen. Sie ist als zentrale Anlaufstelle für Jugendliche und ihre Familien konzipiert, um sich über die Möglichkeiten und Vorteile einer beruflichen dualen Ausbildung zu informieren. Berufsberater könnten „nicht die Gesamtheit aller Berufe kennen“, erläuterte einer der Initiatoren, Dominique Ravon vom Netzwerk MFR (Landwirtschaft), dem Online-Magazin educpros.fr. Auch sei es das erste Mal, dass die verschiedenen Akteure kooperierten, statt sich gegenseitig Konkurrenz zu machen, erläutert der Leiter von Opcalia, Yves Hinnekint. Die Initiative wird sowohl vom Bildungs- als auch vom Arbeitsministerium unterstützt.

WALT startet als Chatbot im sozialen Netzwerk Facebook, also als automatisiertes Chatprogramm, bei dem ein technisches System auf Basis einer Datenbank auf Anfragen antwortet. 2019 wird es aber um eine eigene Online-Plattform erweitert, auf der Jugendliche je nach Ausbildungsinteresse nach passenden Lehrstellen suchen können und Unterstützung beim Verfassen ihres Lebenslaufs erhalten. Die Betriebe sollen ihrerseits bei der Rekrutierung neuer Auszubildender von WALT unterstützt werden. Auch über ein eigenes Label für besonders azubifreundliche Unternehmen denken die Plattform-Betreiber nach.

Die Entwicklung des Angebots hat die sechs Partner 600.000 Euro gekostet. Für die Nutzer – sowohl Individuen als auch Unternehmen – soll es komplett kostenfrei bleiben. Für den Chatbot wurde Facebook gewählt, da laut einer Studie des französischen Kultusministeriums für 71 Prozent der 15- bis 34Jährigen die sozialen Medien die erste Informationsquelle darstellen. „Wir müssen innovativ werden um die Jugendlichen zu erreichen. Messeauftritte und Werbung reichen nicht mehr.“, so Loïc Charbonnier vom Netzwerk Aftral (Transport und Logistik). Alle Beteiligten beklagen, dass die duale Ausbildung in Frankreich nach wie vor als eine Art letzter Ausweg gesehen werde, obwohl 70 Prozent der Lehrlinge innerhalb von sieben Monaten eine Stelle finden. Es ist daher ein weiteres Ziel der neuen Plattform, die bestehenden Vorurteile abzubauen.

Hintergrund für die Entwicklung von WALT ist laut educpros.fr auch eine Liberalisierung des Berufsausbildungsmarkts. Im September hat Frankreich ein Gesetz verabschiedet, das für neue Anbieter Hürden abbaut, Berufsausbildungen anzubieten. So können nun beispielsweise auch Unternehmen selbst Berufsschulen gründen. Zudem wird die Verantwortung für die duale Ausbildung von den Regionen zugunsten der einzelnen Wirtschaftszweige verlagert, um schneller auf Veränderungen im Arbeitsmarkt reagieren zu können. Die neuen Regeln führten dazu, dass die existierenden 965 Berufsschulen ihr Wirtschaftsmodell und ihre Geschäftsstrategie überdenken müssten, so Dominique Gobourg von Opcalia.

Die Regierung will den Ausbau der beruflichen Ausbildung breit fördern und hat erst vor kurzem bekannt gegeben, die Zahl der dualen Auszubildenden in der Industrie bis 2023 um 40 Prozent steigern zu wollen, von aktuell 62.000 auf 87.000 Lehrlinge. Insgesamt absolvierten 2016/17 4,9 Prozent bzw. 412.266 aller 16- bis 25Jährigen eine Lehre (dual oder komplett in einem berufsbildenden Gymnasium).

Zum Nachlesen (Französisch):

Quelle: Educpros.fr Redaktion: von Kathleen Schlütter, Deutsch-Französische Hochschule Länder / Organisationen: Frankreich Themen: Berufs- und Weiterbildung

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