Internationale Programmatik: Ägypten

  1. Strategien und Programme
  2. Internationale Präsenz

Strategien und Programme

Die Zuständigkeit für die internationale Kooperation in Schule und Berufsbildung liegt bei dem Ministerium für Bildung und Berufsbildung (Ministry of Education and Technical Education, MoE). Die OECD-Studie „Schools for Skills – A New Learning Agenda for Egypt”, stellt zahlreiche internationale Initiativen zur Unterstützung von Berufsbildungsreformen in Ägypten vor (S. 227 ff.). Inzwischen erstreckt sich die ägyptische Kooperation mit dem Ausland auch auf das Schulwesen. Japan hilft dabei, Schulen nach japanischem Standard in Ägypten aufzubauen. Zwischen dem Beginn des Schuljahres 2017/18 und dem Frühjahr 2018 wurden 28 ägyptisch-japanische Schulen eröffnet. Ziel ist es, eine neue Schulkultur zu etablieren und durch eine Einbeziehung der Eltern private Nachhilfe verzichtbar zu machen (2030 Vision of Egypt: Egypt's Voluntary National Review 2018, S. 31).

Für die Mobilität von Studierenden und die internationale Hochschul-, Forschungs- und Technologiezusammenarbeit ist das Ministerium für Höhere Bildung und Wissenschaftliche Forschung (Ministry of Higher Education and Scientific Research) zuständig. Ägypten ist es innerhalb weniger Jahre gelungen, sich als attraktiver Studienstandort zu etablieren. Die Herkunftsländer sind dabei breit gefächert: Sie umfassen Länder in Südostasien wie Malaysia, zu denen Ägypten bereits vor Jahrzehnten Beziehungen aufgebaut hatte, aber auch arabische Nachbarländer und Länder in Subsahara-Afrika wie Nigeria. Im Vergleich zu den Golfstaaten hat Ägypten als Hochschulstandort zwei Vorteile: die Regierung beschränkt den Zuzug kaum durch administrative Hürden und die Studiengebühren sind nicht nur für einheimische sondern auch für internationale /ausländische Studierende niedrig (Ramage Y. Mohamed und Stefan Trines (2019): Education in Egypt).

Der prozentuale Anteil der ausländischen Studierenden an allen Studierenden in Ägypten ist allerdings immer noch niedrig, verglichen mit den OECD-Ländern. Unter der Strategie zur nachhaltigen Entwicklung (Sustainable Development Strategy, SDS), der „Egypt Vision 2030“ (S. 29), soll der Anteil der internationalen Studierenden im Land von 2 Prozent (2015) auf 3 Prozent (2020) und auf 6 Prozent (2030) gesteigert werden. Der Anteil der Lehrkräfte an den Hochschulen, die mit Hilfe von Stipendien von internationalen Universitäten ausgebildet wurden, soll von 0,2 Prozent (2015 Bezugnahme Stipendien aus dem Ausland) auf 1 Prozent (2020) und auf 3 Prozent (2030) anwachsen.

Die bereits 1919 gegründete American University in Cairo (AUC) gilt als Erfolgsmodell. Im vergangenen Jahrzehnt wurde eine Reihe von privaten ägyptischen Hochschulen nach ausländischem Vorbild und mit ausländischen Partneruniversitäten gegründet, so z.B. die German University in Cairo (GUC), die British University in Egypt (BUE) und die Egyptian Russian University (ERU). Die Regierung Ägyptens strebt nun an, vor allem in „Neu-Kairo“ Zweigniederlassungen von Hochschulen anzusiedeln, die in ausländischer Trägerschaft  stehen („Branch Campuses“, ähnlich wie den „TU Berlin Campus El Gouna“). Die Hoffnung ist dabei, dass der Campus einer renommierten ausländischen Hochschule vor Ort das ägyptische Hochschulsystem auf ein neues Level hebt und gleichzeitig als Anker für eine vertiefte Wissenschaftskooperation dient (Quelle: Jason E. Lane: Importing Branch Campuses to Advance Egypt’s Development. In: International Higher Education  Nr. 95 / Fall 2018, S. 71 ff.).

Für die Umsetzung der internationalen Forschungs- und Technologiezusammenarbeit ist der 2007 eingerichtete Science and Technology Development Fund (STDF) die zentrale Einrichtung. Der STDF stellt unter diversen bilateralen Förderbekanntmachungen Finanzierung für die ägyptischen Projektpartner bereit (z.B. Japan, Italien, Spanien). Für die Kooperation mit China, Deutschland und den USA gibt es eigene Förderfonds, die der STDF administriert (siehe unter Auswahl an Regierungs- und Ressortabkommen mit Partnerländern).

Unter allen arabischen Ländern ist Ägypten das Land, welches am stärksten unter der Abwanderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ins Ausland leidet (AIWSI-Länderstudie Ägypten, S. 47 f.). Der STDF bemüht sich daher, die Rückkehr der Forschenden nach Ägypten zu fördern.

Die Academy of Scientific Research and Technology (ASRT) legt bei ihren internationalen Aktivitäten den Fokus auf multilaterale Kooperation. Die ASRT fördert ägyptische Projektpartner, die sich an transnationalen Projektkonsortien z.B. unter Bekanntmachungen europäischer Public Public Partnerships (P2Ps) wie WaterWorks 2017 oder dem ERA-NET für persönliche Medizin (ERA PerMed, siehe unter Teilnahme an europäischen Programmen und Initiativen) beteiligen.

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Internationale Präsenz

Derzeit konzentriert sich Ägypten auf den Ausbau internationaler Hochschulpräsenz im eigenen Land. Gleichzeitig bauen vereinzelt auch ägyptische Hochschulen im Ausland ihre Präsenz aus. Die Al-Azhar Universität verfolgt dabei eine klare Expansionsstrategie, auch andere ägyptische Hochschulen sind im Ausland vertreten, primär in afrikanischen Ländern.

In westlichen Ländern ist Ägypten bisher vor allem durch seine mobilen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler präsent. Eine Schätzung von 2014 geht von mehr als 17.000 ägyptischen Forschenden aus, die im Ausland aktiv sind  (Quelle: ASRT (2016): „STI Assessment and Evaluation. Fifth Issue: National STI Capacities and Local Performance“, S. 12).  Zu den bekanntesten gehört der 2016 verstorbene Chemiker Ahmed H. Zewail, dessen Karriere in den USA 1999 mit dem Nobelpreis gekrönt wurde (Nachruf Ahmed H. Zewail, Science  09 Sep 2016: Vol. 353, Issue 6304, pp. 1103). Zewail, der als erster Ägypter diese höchste wissenschaftliche Auszeichnung erhielt, entwickelte ein Konzept für einen neuen Typus von Hochschulcampus in Ägypten: exzellente Forschung auf Weltniveau in enger Zusammenarbeit mit der Industrie soll auf die wichtigsten Probleme des Landes fokussiert werden. Nach langer Verzögerung wurde schließlich 2011 die Gründung der Zewail City of Science and Technology als private gemeinnützige Einrichtung mit Sitz in der 6th October City realisiert.

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