StartseiteLänderAfrikaÄgyptenZusammenfassungÜberblick zur Bildungs-, Forschungs- und Innovationslandschaft und -politik

Überblick zur Bildungs-, Forschungs- und Innovationslandschaft und -politik: Ägypten

An der Schnittstelle dreier Kontinente gelegen, ist Ägypten ein wichtiger Standort für Forschung und Innovation. In Bezug auf die Anzahl der wissenschaftlichen Publikationen liegt Ägypen 2018 auf Rang 35 (Quelle: SCImago (2007). SJR – SCImago Journal & Country Rank. Data retrieved June 7, 2019, from www.scimagojr.com). Mit Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) in Höhe von 6,8 Milliarden USD (kaufkraftbereinigt, Bezugsjahr 2017) belegt Ägypten im weltweiten Vergleich etwa Rang 30 (UNESCO eAtlas of –Research and Experimental Development, Gesamtausgaben für FuE). Die ägyptische Verfassung von 2014 sieht eigentlich vor, dass 1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für FuE eingesetzt werden. Tatsächlich lag der Anteil 2017 bei 0,6 Prozent und somit deutlich unter dem durchschnittlichen Anteil für diejenigen Industrieländer, die sich in der OECD zusammen geschlossen haben (2,4 Prozent, siehe FuE-Indikatoren).

Allerdings nimmt Ägypten sowohl innerhalb Afrikas als auch unter den arabischen Ländern eine Spitzenstellung ein. In Afrika belegt Ägypten in Bezug auf die absolute Höhe der FuE-Ausgaben sogar den ersten Rang noch vor Südafrika, unter den arabischen Ländern liegt Ägypten auf Rang 2 hinter Saudi-Arabien (mit etwa 12,5 Milliarden) und etwa gleichauf mit den Vereinigten Arabischen Emiraten. In Bezug auf die Anzahl der wissenschaftlichen Publikationen belegt Ägypten Rang 2 in Afrika (hinter Südafrika) und ebenfalls Rang 2 unter den arabischen Ländern (hinter Saudi-Arabien). Erweitert man die Gruppe der arabischen Länder zur sogenannten MENA-Gruppe („Middle East and North Africa“), wird Ägypten allerdings durch die publikationsstarken Länder Türkei und Iran überholt.

Sowohl Bildungs- als auch Forschungs- und Innovationspolitik werden vor dem Hintergrund eines  starken Bevölkerungswachstums entwickelt und umgesetzt. Noch in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts war Ägypten ein relativ kleines Land mit einer Bevölkerung von 27 Mio. Nun überschreitet Ägypten voraussichtlich im Jahr 2020 die 100 Mio.-Marke und für 2050 wird gar mit einer Bevölkerung in der Größenordnung von 150 Mio. gerechnet (Nature 544, S14–S16; 2017). Dieses Bevölkerungswachstum setzt die ohnehin knappen natürlichen Ressourcen wie Wasser, Energie und Nahrung stark unter Druck, selbiges gilt auch für erschwinglichen Wohnraum und öffentliche Dienstleistungen wie Transport, Abfall- und Abwasserentsorgung.

Natürlich wird auch die Vermittlung von Bildung an Schulen und Hochschulen durch das enorme Bevölkerungswachstum erschwert. Zuständig für die Bildungspolitik des Landes ist das Ministerium für Bildung und Berufsbildung (Ministry of Education and Technical Education, MoE). Durch kostenlose Sekundarschulen und niedrige Studiengebühren garantiert der ägyptische Staat zwar den Bildungszugang für breite Bevölkerungsschichten, es hapert aber an der Bildungsqualität. Dies zeigen u.a. Ergebnisse von Schulleistungstests, auch unter der jungen Bevölkerung ist die Rate an Analphabeten beträchtlich. Staatliche Schulen und Hochschulen sind überfüllt und viele Absolventinnen und Absolventen können ihre Abschlüsse auf dem Arbeitsmarkt nicht verwerten. Vor diesem Hintergrund bevorzugt die ägyptische Oberschicht für ihren Nachwuchs private Schulen und Hochschulen mit einem hohen Anteil an englischsprachigem Unterricht, auch wenn diese ganz überwiegend profitorientiert sind und hier deutlich höhere Gebühren anfallen.

Die ägyptische Forschungs- und Innovationspolitik wird von dem Ministerium für Höhere Bildung und wissenschaftliche Forschung (Ministry of Higher Education and Scientific Research, MHESR) gestaltet. Traditionell sind die FuE-Aktivitäten in Ägypten stark auf den öffentlichen Sektor konzentriert. Seit 2008 verfügt das Ministerium über eine eigene Fördereinrichtung, den Science and Technology Development Fund (STDF). Für Grundlagenforschung und angewandte Forschung stellt der STDF institutionelle Förderung, Projektförderung und Stipendien bereit. Seit einigen Jahren liegt ein neuer Schwerpunkt auf der Innovationsförderung.

Die mit Abstand größte und wichtigste der außeruniversitären öffentlichen Forschungseinrichtungen ist das multidisziplinäre National Research Center (NRC). Es wurde 1956 mit dem Mandat gegründet, Grundlagenforschung und angewandte Forschung für Industrie, Landwirtschaft und öffentliche Gesundheit sowie sonstige Sektoren durchzuführen.

Die regionalen Schwerpunkte für Forschung und Entwicklung (FuE) in Ägypten liegen in Alexandria sowie im Großraum Kairo. Hier sind die großen staatlichen forschungsaktiven Universitäten wie die Alexandria University, die Ain Shams University sowie die Cairo University mit Hauptsitz in Gizeh aktiv. In Neu-Kairo, das voraussichtlich bereits 2019 neue administrative Hauptstadt und Regierungssitz wird, ist eine Wissenschaftsstadt geplant. Diese soll aus Zweigstellen US-amerikanischer, britischer und kanadischer Universitäten und Forschungseinrichtungen bestehen. Vor Ort präsent sind bereits heute die  American University in Cairo (AUC), die German University in Cairo (GUC) und die Future University in Egypt (FUE).

Die Unternehmen in Ägypten finanzieren und führen nur in sehr geringem Umfang FuE durch, die entsprechenden Anteile zählen zu den niedrigsten weltweit (siehe FuE-Indikatoren). Auch die öffentlich-private Kooperation ist nur wenig entwickelt. Wichtige Impulse gehen hier von neuen Einrichtungen aus: Die 2006 gegründete Nile University (NU) und die 2011 gegründete Zewail City of Science and Technology setzen bei der Durchführung von FuE von Anfang an auf öffentlich-private Kooperationen.

Die wichtigsten bildungs-, forschungs- und innovationspolitischen Ziele sind in der 2015 angenommenen Strategie zur nachhaltigen Entwicklung (Sustainable Development Strategy, SDS), der „Egypt Vision 2030“ festgelegt. Zur Umsetzung der Vision 2030 wurden mehrere bildungs- und forschungspolitische Programme angenommen, die jedoch bisher nur in arabischer Sprache vorliegen.

Für die Bildungspolitik liefert die Vision 2030 in sämtlichen Bildungssektoren von der frühkindlichen Bildung bis hin zum Hochschulstudium detaillierte Vorgaben. Der Anteil der Auszubildenden, die eine betriebliche Ausbildung erhalten, soll 2030 30 Prozent erreichen. Die ägyptische Regierung plant mit Hilfe der Weltbank einen starken Ausbau des Hochschulsektors, der einen größeren Anteil der Alterskohorten aufnehmen soll. Auch die Bildungsergebnisse sollen sich unter der Vision 2030 in allen Sektoren verbessern, so z.B. in Bezug auf Schulleistungstests und die Arbeitslosigkeit von Hochschulgraduierten.

Input in die Forschungs- und Innovationspolitik liefert die Academy of Scientific Research and Technology (ASRT). Unter der Egypt Vision 2030 wird vor allem eine bessere Platzierung Ägyptens in dem Länderranking „Global Innovation Index“ angestrebt. Einen wichtigen Anreiz für Innovation bildet der Aufbau von insgesamt 15 neuen Städten, die Nachhaltigkeitskriterien beachten müssen.

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