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Überblick zur Kooperation mit Deutschland: Ägypten

Die Zusammenarbeit mit Deutschland hat einen hohen Stellenwert für Ägypten. Als Zielland für ägyptische Studierende liegt Deutschland unter den TOP 10, als Ko-Publikationspartner für wissenschaftliche Veröffentlichungen unter den TOP 5.

Basis der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit (WTZ) mit Ägypten sind die Regierungsabkommen der Jahre 1979 und 1981 sowie verschiedene Einzel- und Projektvereinbarungen aus den Jahren 1980-1985.

Zusätzlich wurden in den letzten 10 Jahren verstärkt Anstrengungen unternommen, die Wissenschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Ägypten zu intensivieren. Ausschlaggebend dafür war das 2007 gemeinsam organisierte und durchgeführte „Deutsch-Ägyptische Jahr der Wissenschaft und Technologie“, in dem wichtige Themenfelder und Kooperationsprojekte ausgebaut und weiterentwickelt wurden. Diese setzten starke Impulse für neue inhaltliche Schwerpunkte in der bilateralen WTZ.  Aus Anlass der Abschlussveranstaltung in Berlin vereinbarten das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das ägyptische Ministerium für Hochschulen und wissenschaftliche Forschung (MHESR) 2007 die Einrichtung eines deutsch-ägyptischen Forschungsfonds zur Förderung gemeinsamer anwendungsbezogener Forschungsprojekte (German-Egyptian Research Fund, GERF). Die erste Förderbekanntmachung wurde im Jahr 2008 veröffentlicht.

Themenschwerpunkte der WTZ mit Ägypten sind vor allem die Fachgebiete des gemeinsamen Wissenschaftsjahres 2007: Biotechnologie, Medizin, Materialwissenschaften, Wasser, Erneuerbare Energien, Geistes- und Sozialwissenschaften sowie darüber hinaus Nahrungsmittelproduktion und Lebensmittelsicherheit, Umweltforschung, Nanotechnologie bzgl. Risikobewertung und Auswirkungen auf Mensch und Umwelt, Robotik und Mechatronik, Informations- und Kommunikationstechnologie, Verkehrs- und Transportwesen sowie Stadtplanung.

Zum 10 jährigen Jubiläum des Deutsch-Ägyptischen Jahres zieht eine Publikation des BMBF („The German Egyptian Year of Science and Technology. 10 years beyond: History (and stories) of successful cooperation”, 2017) Bilanz. Seit Gründung des gemeinsamen Forschungsfonds sind insgesamt ca. 75 deutsch-ägyptische Forschungsvorhaben von beiden Seiten äquivalent gefördert worden. Zudem wurde auf deutscher Seite eine umfassende Evaluierung des Förderprogrammes vor allem hinsichtlich der Effizienz und Nachhaltigkeit der gemeinsamen Kooperationsprojekte durchgeführt. Der Bericht bescheinigt dem gemeinsamen Programm vor allem Erfolge bei der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sowie der kooperationspolitischen Ausrichtung. Nachgebessert werden muss noch bei der Anwendungsorientierung der Forschungsprojekte sowie bei der schnelleren Umsetzung der Ergebnisse beispielsweise durch die konsequente Einbeziehung von Industriepartnern (KMU’s). Folglich sollen zukünftig auch Begleitmaßnahmen insbesondere zur Unterstützung bei der Verwertung von Forschungsergebnissen gefördert werden.

Ägypten ist außerdem ein wichtiges Ziel- und Partnerland im Rahmen der Umsetzung von Maßnahmen der Afrikastrategie des BMBF. Als „Tor zu Afrika“ und mit dem derzeitigen Vorsitz der Afrikanischen Union spielt die ägyptische Wissenschafts- und Forschungslandschaft eine gewichtige Rolle in der Nord-Süd-Süd-Kooperation.

Der deutsch-afrikanische Innovationsförderpreis – erstmalig 2018 vergeben – dient der Unterstützung innovationsrelevanter Eigeninitiative in afrikanischen Ländern. Er adressiert die Verwertung von Forschungsergebnissen in der Zusammenarbeit zwischen deutschen und afrikanischen Forscherinnen und Forschern. Preisträger für Nordafrika 2018 war ein ägyptischer Forscher der German University Cairo (GUC). 

Der Hochschulkompass verzeichnet über 610 bilaterale Kooperationen zwischen deutschen und ägyptischen Hochschulen.

Bei der 2002 gegründeten German University in Cairo (GUC) handelt es sich um eine private Universität ägyptischen Rechts, die mittlerweile weitgehend durch Studiengebühren und ägyptische Investitionen getragen wird. Der besondere Ansatz der Zusammenarbeit zwischen der GUC und den deutschen Partnern ist die selbstständige Finanzierung und Verwaltung der Universität. Die deutsche Seite unterstützt die GUC insbesondere durch hochschulpolitische Beratung sowie bei der Gestaltung der Kooperationen mit den Gründungspartnern Ulm und Stuttgart sowie deutschlandweit.

Das GUC-Projekt wird im Rahmen des Programms des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) „Transnationale Bildung – Förderung binationaler Hochschulen“ mit  BMBF-Mitteln gefördert. Der deutsche Anteil der finanziellen Unterstützung für die GUC dient/e dem Aufbau einer in Qualität und Studieninhalten an Deutschland orientierten Lehre. Seit 2015 liegt der Fokus vor allem auf dem Auf- und Ausbau einer nachhaltigen Forschungszusammenarbeit mit deutschen Partnern.

Aufgrund der hohen und kontinuierlich ansteigenden Nachfrage, kann i.d.R. nur ein Fünftel der Interessenten mit überdurchschnittlicher Qualifizierung zugelassen werden. Die GUC hat sich mit inzwischen mehr als 11.000 Studierenden zur größten bi-nationalen Hochschule entwickelt. In sieben Fakultäten, v.a. im Bereich der ingenieurwissenschaftlichen Fächer, werden insgesamt 71 Studiengänge angeboten, davon 31 im Bachelor- und 40 im Postgraduiertenbereich (MSc, MBA, PhD). Seit dem Wintersemester 2012/2013 können Studierende der GUC ein Semester auf dem GUC Campus in Berlin verbringen. Von bisher rund 400 Studierenden genutzt, sind künftig etwa 1.000 Studienplätze pro Jahr geplant.

Ein weiteres Hochschulprojekt ist die Einrichtung des „TU Campus El Gouna“ der Technischen Universität Berlin, der im Herbst 2012 eingeweiht wurde.  Die Studiengänge werden ausschließlich mit TU-Personal nach deutschen Qualitätskriterien umgesetzt und ermöglichen einen 100-prozentigen TUB-Abschluss; die Akkreditierung entspricht daher derjenigen der TU Berlin. Der Campus El Gouna am Roten Meer, die erste Außenstelle einer deutschen Universität in der arabischen Region, gilt als Kooperationsprojekt mit Vorbildcharakter.

Die internationale Mobilität von und nach Ägypten wird durch den DAAD, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) gefördert. Besonders der DAAD hat in Ägypten einen hohen Stellenwert im Bereich Bildung und Forschung. Gemeinsam mit dem ägyptischen Hochschul- und Forschungsministerium finanziert er diverse Stipendien- und Forschungsförderprogramme insbesondere für den wissenschaftlichen Nachwuchs wie Kurzzeitstipendien „German Egyptian Research Short-Term Scholarships“ (GERSS) und Langzeitstipendien „German Egyptian Research Long-Term Scholarships“ (GERLS) sowie im Rahmen der Projektförderung ein kofinanziertes Programm GE-SEED.

An Instituten der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) hielten sich 2017 64 ägyptische Nachwuchs- und Gastwissenschaftlerinnen  und -wissenschaftler, an Einrichtungen der Helmholtz-Gemeinschaft (HGF) 25 Gastwissenschaftlerinnen  und –wissenschaftler auf.

Unter den Bundesländern ist Baden-Württemberg, das den Aufbau der GUC über die Partneruniversitäten Ulm und Stuttgart unterstützt (siehe oben), besonders aktiv in der Kooperation mit Ägypten.

Vor Ort in Ägypten ist seit Jahrzehnten die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) tätig. Mit der ägyptischen Regierung sind aktuell folgende Schwerpunkte vereinbart: Erneuerbare Energien und Energieeffizienz, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung, Bewässerung und Abfall sowie Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung für Beschäftigung. Zwischen 2015-20 wird ein Programm zur Förderung der Entwicklung von kleinen und mittleren Unternehmen („Egyptian-German Promotion of Small and Medium Enterprises“, PSME) umgesetzt, das eine starke Innovationskomponente hat.

Bereits 1994 begann mit Finanzierung des BMZ ein Pilotprojekt, um die berufliche Ausbildung in Ägypten enger mit der Privatwirtschaft zu verzahnen („Mubarak-Kohl-Initiative“-Dual System, MKI-DS). Im Jahr 2008 wurde das Projekt komplett an den ägyptischen Staat übergeben, der die Initiative seitdem in Kooperation mit Verbänden, Kammern und der ägyptischen Privatwirtschaft in Eigenregie weiterführte. Die Auszubildenden, die teilnehmen, verbringen zwei Tage weniger pro Woche in den Technischen Sekundarschulen (TSS) als diejenigen Auszubildenden, die die klassische rein schulische Ausbildung absolvieren. Dennoch erreichen sie im Durchschnitt gute Abschlüsse; viele werden direkt von den Unternehmen übernommen. Nachdem das Projekt in Ägypten etwas ins Stocken geraten war, wurde von Seiten des BMZ 2015 ein neues Projekt „Enhancement of the Egyptian Dual System“ (EEDS) gestartet (Quelle: iMOVE-Marktstudie Ägypten (2017), S. 19 f.). Das Projekt wird für den Zeitraum von 2015-20 von der GIZ administriert. Ziel ist es, Lehrpläne zu reformieren, das Ausbildungspersonal besser zu qualifizieren und mehr Ausbildungsplätze in ägyptischen Unternehmen zu schaffen, um die dualen Ansätze auf eine breitere Basis zu stellen (Webseite GIZ zur Förderung der dualen Ausbildung in Ägypten).

Deutschland ist vor Ort in Ägypten durch folgende Hochschulen, Forschungs-, Förder- und Mittlereinrichtungen vertreten:

  • Bereits im Jahr 1960 eröffnete der DAAD eine Außenstelle in Kairo;
  • Die 2011 gegründete DAAD Cairo Academy (DCA) verfolgt das Ziel, ägyptische Universitäten und Forschungseinrichtungen bei der Ausarbeitung von Bildungsmaßnahmen sowie beim Ausbau von internationalen Kooperationsprojekten zu unterstützen. Sie strebt an, ägyptische Forschende international wettbewerbsfähiger zu machen, etwa indem sie Unterstützung bei der Verbesserung von Lehr- und Forschungsmethoden leistet. Die Akademie bietet eine große Bandbreite an Workshops in verschiedenen Bereichen an, beispielsweise zu wissenschaftlichem Schreiben oder der Aneignung von Soft Skills;
  • Der Campus der 2002 gegründeten German University in Cairo (GUC) liegt in Neu-Kairo;
  • Die Technische Universität Berlin hat 2011 den „TU Berlin Campus El Gouna“ am Roten Meer eröffnet;
  • Die Arab German Young Academy of Sciences and Humanities (AGYA) ist seit Oktober 2018 durch ein Regionalbüro vertreten, das in der Academy of Scientific Research and Technology (ASRT) in Kairo angesiedelt ist;
  • Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH ist seit 1956 vor Ort präsent und unterhält ein Büro in Kairo (GIZ Ägypten), das über 300 Arbeitskräfte beschäftigt;
  • In Kairo war 1907 das Deutsche Institut für Ägyptische Altertumskunde gegründet worden, 1929 wurde es anlässlich der 100-Jahr-Feier des Deutschen Archäologischen Institutes (DAI) in eine Abteilung des DAI umgewandelt (DAI Kairo).
  • Das 1961 gegründete Orient-Institut Beirut (OIB) ist seit 2003 Teil der „Max Weber Stiftung (MWS) – Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland“. Seit 2010 unterhält das OIB eine Zweigstelle in Kairo.

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