StartseiteLänderAfrikaKeniaZusammenfassungÜberblick zur internationalen Kooperation

Überblick zur internationalen Kooperation: Kenia

Die Internationalisierung der kenianischen Hochschulen ist bisher nur wenig ausgeprägt. Bisher streben 2,7 Prozent der kenianischen Studierenden einen Abschluss im Ausland an (zum Vergleich: Deutschland 4 Prozent, OECD-Durchschnitt 2 Prozent). Mit einem Anteil von weniger als 1 Prozent internationaler Studierender ist Kenia bisher kein beliebtes Zielland (siehe Bildungsindikatoren). Allerdings prüft die Nationale Qualifikationsbehörde Kenias (Kenya National Qualifications Authority, KNQA) Pläne, unter denen sich die Gesamtzahl internationaler Studierender von derzeit gut 5.000 innerhalb von fünf Jahren auf 30.000 erhöhen soll. Dabei stehen afrikanische Länder im Fokus. Die wichtigsten Herkunftsländer für internationale Studierende sind Tansania, Uganda, Somalia, Ruanda sowie Nigeria. Als wichtigste Zielländer sind bisher die USA, Australien, Großbritannien, Südafrika und Kanada registriert. Deutschland folgt auf Rang 9 (Quelle: UNESCO Institute of Statistics Global Flow of Tertiary-Level Students, erfasst werden nur diejenigen Studierenden, die einen Abschluss im Ausland anstreben. Zu China als Zielland fehlen Daten).

Der Anteil der internationalen Ko-Publikationen an der Gesamtzahl der wissenschaftlichen Publikationen war in Kenia bereits im Jahr 1996 mit 62 Prozent sehr hoch. 2020 waren sogar 78,3 Prozent aller kenianischen Veröffentlichungen internationale Ko-Publikationen. Zum Vergleich: In Deutschland und anderen westlichen Industrieländern ist die internationale Ko-Publikationsrate im selben Zeitraum ebenfalls stark angewachsen, jedoch von einer niedrigen Ausgangsposition aus: von 30,8 auf 54,5 Prozent (Quelle: SCImago. SJR — SCImago Journal & Country Rank. Retrieved May 20, 2021, from https://www.scimagojr.com).

Die fünf wichtigsten Ko-Publikationsländer Kenias spiegeln teilweise die wichtigsten Zielländer für internationale Studierende wider: die USA, Großbritannien, Südafrika, Deutschland und Uganda. Wachsende Bedeutung kommen China (Rang 7) und Indien (Rang 13) zu. Die dritt- und viertplatzierten afrikanischen Länder sind das Nachbarland Tansania auf Rang 11 und Nigeria auf Rang 15 (Quelle: Scopus-Datenbank, Elsevier, Zeitraum 2018-2020).

Ein wichtiges Partnerland Kenias ist Großbritannien, das zur Förderung bilateraler Projekte unter der Newton Initiative den Utafiti-Newton Fund (Utafiti ist Suaheli für Forschung) aufgelegt hat.

Eine Organisation der Vereinten Nationen, die Unterstützung für den Aufbau des kenianischen Forschungs- und Innovationssystems leistet, ist die Wirtschaftskommission für Afrika (United Nations Economic Commission for Afrika, UNECA, siehe Publikation eines Wissenschafts-, Technologie- und Innovationsprofils von Kenia). Nach dem Beitritt des Landes zur Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) im Jahr 1964 richtete die Organisation im darauf folgenden Jahr in Nairobi das UNESCO-Regionalbüro für Ostafrika ein. 2011 wurden die Zuständigkeiten des Büros von Wissenschaft auf Bildung und Kultur ausgedehnt.

Nairobi ist gleichzeitig ein wichtiger Standort für internationale Agrarforschungseinrichtungen. Das International Livestock Research Institute (ILRI) unterhält zentrale Standorte in Nairobi sowie in Addis Ababa (Äthiopien). Als Teil der Beratungsgruppe für Internationale Agrarforschung (Consultative Group on International Agricultural Research, CGIAR) verfügt ILRI über ein Netzwerk von Büros und Zentren auf dem afrikanischen Kontinent sowie in Ost-, Süd- und Südostasien. Ähnlich international ausgerichtet ist das World Agroforestry Centre (ICRAF) mit Hauptsitz in Nairobi, das in mehr als 30 Entwicklungsländern Forschungen zur Agroforstwirtschaft durchführt.

Kenia engagiert sich auch in der panafrikanischen Forschungszusammenarbeit. Als Mitglied der Afrikanischen Union (AU) beteiligt sich Kenia aktiv an dem Aufbau der Panafrikanischen Universität (PAU): An der Jomo Kenyatta University of Agriculture and Technology wurde 2012 das PAU Institute for Basic Sciences, Technology and Innovation (PAUSTI) eingerichtet. Die University of Nairobi vertritt Kenia in der Allianz der afrikanischen Forschungsuniversitäten (African Research University Alliance, ARUA) und unterhält zwei Exzellenzzentren. Kenia engagiert sich auch im Netzwerk afrikanischer Fördereinrichtungen Science Granting Councils Initiative (SGCI). Mehrere Organisationen mit panafrikanischem Charakter haben ihren Sitz in Nairobi, darunter die African Academy of Sciences (AAS), das Network of African Science Academies (NASAC) und der Think Tank African Technology Policy Studies Network (ATPS). Das 1988 gegründete African Centre for Technology Studies (ACTS) wird als politikberatende zwischenstaatliche Einrichtung von Ghana, Kenia, Uganda, Malawi und Malta getragen.

1970 gründete der renommierte kenianische Wissenschaftler Thomas Odhiambo das private gemeinnützige International Centre of Insect Physiology and Ecology (icipe), das seitdem eine Führungsrolle in Afrika bei der wissenschaftlichen Erforschung von Insekten übernommen hat. Eine Reihe privater gemeinnütziger Einrichtungen, die in mehreren Staaten auf dem afrikanischen Kontinent Forschungen durchführen bzw. fördern, haben ebenfalls Nairobi als Hauptsitz gewählt. Dazu zählen das African Population & Health Research Centre (APHRC), die African Wildlife Foundation (AWF), die African Medical and Research Foundation (AMREF mit der AMREF International University) sowie die African Agricultural Technology Foundation (AATF).

Kenia gehört zu den acht afrikanischen Partnerländern, die sich an der Errichtung des Square Kilometre Arrays (SKA), einem neuen hochempfindlichen Radioteleskop, beteiligen und dabei die Unterstützung Südafrikas erhalten (siehe Südafrika: Sitzland für Einrichtungen internationaler Organisationen).

Auch die ostafrikanische Bildungs- und Forschungskooperation ist für Kenia von Bedeutung. Die Staaten der East African Community (EAC) Burundi, Kenia, Ruanda, Tansania und Uganda streben die Bildung eines gemeinsamen ostafrikanischen Hochschulraums an („common higher education area”, siehe DAAD-Ländersachstand 2019, S. 4). Die East African Science and Technology Commission (EASTECO) treibt als semi-autonome Organisation der EAC seit 2015 die Koordination im Bereich Wissenschaft und Technologie voran. Mit internationaler Unterstützung bemüht sich EASTECO derzeit, ein multilaterales Förderprogramm zu etablieren. Seit kurzem ist das East African Research and Technology Organisation Portal online.

Kooperation mit der Europäischen Union

Zur Kooperation in Wissenschaft und Technologie hat Kenia mit der EU bisher keine bilaterale Vereinbarung abgeschlossen, es pflegt die Kooperation jedoch auf regionaler Ebene (Webseite der EU zur Kooperation in Wissenschaft und Forschung mit Afrika). Ein Schwerpunkt liegt auf der Partnerschaft europäischer Länder und Entwicklungsländer zur langfristigen klinischen Untersuchung von Impfstoffen und Arzneimitteln, unter anderem gegen HIV/AIDS, Malaria und Tuberkulose („European and Developing Countries Clinical Trials Partnership“, EDCTP). Dazu kommt die europäisch-afrikanische Forschungs- und Innovationspartnerschaft zu Ernährungssicherheit und nachhaltiger Landwirtschaft („Long-Term European and African Research and Innovation Partnership on Food Security and Sustainable Agriculture“, LEAP-Agri 2016-21). Sie wird als Public-Public Partnership mit nationalen und europäischen Fördermitteln durchgeführt (Übersicht zur Beteiligung an Partnerschaften auf ERA-LEARN).

An Ausschreibungen unter dem EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation Horizont 2020 (2014-20) konnte sich Kenia beteiligen und in der Regel Förderung erhalten. Bis Juni 2021 warb Kenia europäische Fördergelder in Höhe von 23,83 Millionen Euro ein. Unter den insgesamt 71 Projekten, an denen sich Kenia bisher beteiligte, wies mit 38 Projekten über die Hälfte auch eine deutsche Teilnahme auf (Quelle: H2020-ECORDA-Vertragsdatenbank).

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