StartseiteLänderAfrikaSüdafrikaZusammenfassungÜberblick zur Kooperation mit Deutschland

Überblick zur Kooperation mit Deutschland: Südafrika

Für Südafrika hat die Zusammenarbeit mit Deutschland in Bildung und Forschung einen hohen Stellenwert. Als Zielland für südafrikanische Studierende wie auch als Ko-Publikationsland für wissenschaftliche Veröffentlichungen platziert sich Deutschland unter den Top 5 (siehe vorheriger Abschnitt). Auch in anderer Hinsicht ist die Verbindung eng: In Südafrika sind etwa 600 deutsche Unternehmen vor Ort vertreten, die rund 100.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen (Quelle: bundeskanzlerin.de).

Zwischen dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem südafrikanischem Wissenschaftsministerium (DSI) besteht seit 1996 ein Abkommen zur Wissenschaftlich-Technologischen Zusammenarbeit (WTZ). Dieses regelt das Einsetzen einer gemeinsamen Kommission (Joint Science and Technology Cooperation Committee) und fördert die Zusammenarbeit unter anderem bei der Durchführung gemeinsamer Forschungsvorhaben, Nutzung wissenschaftlich-technischer Einrichtungen, Informationsaustausch, gemeinsamen Veranstaltungen sowie Austausch und Entsendung von Fachleuten.

Gemeinsam mit dem DSI finanziert das BMBF im Zeitraum von 2017 bis 2021 zwölf Vorhaben zu den Themenschwerpunkten Bioökonomie und Ressourcenmanagement. Darüber hinaus fördert das BMBF Forschungsprojekte, vor allem in den Bereichen Umwelt, Klimawandel, Nachhaltigkeit und Gesundheit, in die zahlreiche Forschende und Institutionen aus Südafrika eingebunden sind. Die besondere Rolle Südafrikas in der gemeinsamen Kooperation wurde auch durch das gemeinsame Wissenschaftsjahr 2012/13 belegt. Das BMBF stellt über seine internationale Abteilung Mittel für Sondierungs- und Vernetzungsaktivitäten und Workshops sowie für die Nachwuchsförderung bereit.

Südafrika ist außerdem ein wichtiges Ziel- und Partnerland im Rahmen der Umsetzung von Maßnahmen der Afrika-Strategie des BMBF. Zusammen mit Angola, Botswana, Namibia und Sambia beteiligt sich Südafrika an dem Southern African Science Service Centre on Climate Change and Adapted Land Use (SASSCAL), für welches das BMBF seit 2010 Finanzierung bereitstellt. Ziel ist es, die Bildungs- und Forschungskapazitäten vor Ort so zu stärken, dass afrikanische Länder selbständig entscheiden könnenn, wie sie sich an den Klimawandel anpassen. Laut einer Vereinbarung, die im September 2019 unterzeichnet wurde, soll SASSCAL in Zukunft als Internationale Organisation (IO) durch die oben genannten Mitgliedsländer des südlichen Afrika getragen und finanziert werden. Das BMBF wird kein Mitglied sein, sich aber weiterhin mit Mitteln für Forschung und Kapazitätsentwicklung engagieren.

Die Kooperation der beiden Länder wurde 2013 durch eine Vereinbarung zwischen dem BMBF und dem Ministerium für Hochschulen und Ausbildung (DHET) um eine Komponente in der Berufsbildungszusammenarbeit erweitert, deren Laufzeit 2016 und 2019 jeweils um drei Jahre verlängert wurde. Der Fokus der Zusammenarbeit liegt zum einen auf der Stärkung des Praxisbezugs der südafrikanischen Berufsbildung. Ausbildungen sollen besser auf die Bedarfe der Wirtschaft zugeschnitten werden und kompetenzbasiert sein, um Auszubildende möglichst praxisnah auf das Berufsleben vorzubereiten. Hierfür werden Maßnahmen zur Modernisierung der Curricula eingesetzt. Eine weitere Maßnahme ist der Aufbau eines südafrikanischen Berufsbildungsinstituts, des „South African Institute for Vocational and Continuing Education and Training“ (SAIVCET). Weiterhin fördet das BMBF die Aus- und Weiterbildung von berufsschulischen Lehrkräften: Im Projekt TRAINME werden fachdidaktische und berufspädagogische Module für die Aus- und Weiterbildung südafrikanischer Berufsschullehrerinnen und Berufsschullehrer (TVET Lecturers) in den Berufsfeldern Elektrotechnik und Maschinenbau entwickelt und pilotiert.

Weitere Bundesministerien beteiligen sich mit relevanten Aktivitäten in einem gemeinsamen Aktionsplan und sichern so ein kohärentes Vorgehen der deutschen Bundesregierung in der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit mit Südafrika. Beispielhaft dafür stehen das Engagement des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zur Entwicklung von Berufsbildungsstandards in der Landwirtschaft und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zur Erprobung dualer Ausbildungsgänge. Seit 2015 unterstützt das BMZ die Berufsbildungspartnerschaft zwischen der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf und dem Umfolozi College in Richards Bay. Durch enge Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft (Industrie- und Handelskammern der Region KwaZulu-Natal) konnte die Bereitschaft von Unternehmen gesteigert werden, betriebliche Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen.

Deutsche Hochschulen bilden wichtige internationale Partner für südafrikanische Hochschulen. Der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) weist 240 offizielle Kooperationen zwischen Deutschland und Südafrika aus. 123 deutsche Hochschulen kooperieren mit 23 südafrikanischen Hochschulen und 6 sonstigen Einrichtungen (Stand: 08/2019).

Internationale Mobilität von und nach Südafrika wird durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) gefördert. 2018 hat der DAAD unter eigenen Programmen Förderung für einen Aufenthalt in Südafrika an 543 Studierende und Graduierte (inkl. Promovierende, Statusgruppen I-III) und 88 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Hochschullehrkräfte (inkl. Post-Docs, Statusgruppe IV) aus Deutschland vergeben. In den gleichen Kategorien erhielten 473 und 126 Geförderte aus Südafrika eine Unterstützung des DAAD, um eine Aktivität im eigenen Land oder einen Auslandsaufenthalt – darunter auch Deutschlandaufenthalte – zu finanzieren.

Die AvH fördert Spitzenwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aller Fächer und Länder, die mit Hilfe von Forschungsstipendien und -preisen in Deutschland tätig werden. 2018 vergab die AvH 4 Forschungsstipendien und 1 Forschungspreis an Geförderte aus Südafrika. Forschende aus Südafrika und aus anderen Ländern Subsahara-Afrikas können außerdem Mobilitätsförderung unter Programmen des African-German Network of Excellence in Science (AGNES) einwerben. AGNES bietet auch Förderlinien für innerafrikanische Mobilität sowie für Frauen, die in naturwissenschaftlichen und technischen Fächern forschen. Die Förderung von AGNES war zunächst mit der „Neville Alexander-Gedächtnisinitiative“ im Deutsch-Südafrikanischen Jahr der Wissenschaft 2012/2013 verknüpft. Damit ehrte die AvH den renommierten südafrikanischen Sprachwissenschaftler Neville Alexander, einen politischen Weggefährten Nelson Mandelas, der mehrere von der Humboldt-Stiftung geförderte Forschungsaufenthalte in Deutschland absolviert hatte.

Die vier großen deutschen Forschungsorganisationen pflegen die Zusammenarbeit mit Südafrika. 2018 beherbergte die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) 21 südafrikanische Nachwuchs- und Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler und sie führte 31 Projekte mit Partnern in Südafrika durch. Im Jahr 2012 hat die MPG eine Forschungsgruppe des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie gegründet, welche am unabhängigen Africa Health Research Institute (AHRI) in Durban, Südafrika, zurzeit zu den Themen „Reservoire der Infektion bei HIV und Tuberkulose“ sowie „Antivirale Immunmechanismen und virale Adaptation bei der HIV-Infektion“, forscht. Zudem war die MPG in Zusammenarbeit mit weiteren Forschungseinrichtungen und Industrie in Deutschland in vielen Bereichen an der Entwicklungsarbeit für das Square Kilometre Array (SKA) beteiligt, darunter an der Entwicklung der Teleskope für beide SKA-Standorte in Afrika und Australien, an der zentralen Datenverarbeitung und an den wissenschaftlichen Auswertungsmethoden. Im Mai 2019 wurde die MPG mit einem einstimmigen Votum als 13. Mitglied in das Square Kilometre Array Observatory (SKAO) aufgenommen, das Bau und Betrieb des SKA überwachen soll.

Weiterhin engagiert sich die Fraunhofer-Gesellschaft (FhG) durch Auftragsforschung, wissenschaftliche Zusammenarbeit sowie „Capacity Building“ in Südafrika. Im Jahr 2018 führte die FhG 5 internationale Projekte mit Südafrika durch.

Die Helmholtz Gemeinschaft (HGF) beherbergte 2018 9 Gastforschende, bei der Leibniz-Gemeinschaft arbeiteten 18 Gastwissenschaftlerinnen und –wissenschaftler.

Es folgt eine Auswahl von Einrichtungen vor Ort, die die deutsch-südafrikanische Kooperation tragen und unterstützen:

  • DAAD-Informationszentrum in Johannesburg an der University of the Witwatersrand mit Zuständigkeiten für Südafrika und das südliche Afrika;
  • Das BMBF finanziert über die AvH am Institut des African Institute of Mathematical Sciences in Kapstadt (AIMS South Africa) einen Lehrstuhl unter der „German Research Chairs Initiative", während begleitende Aktivitäten über den DAAD organisiert werden;
  • Das Auswärtige Amt finanziert im Rahmen der Projektförderung des DAAD „African Excellence – Fachzentren Afrika“ an der University of the Western Cape (UWC) in Bellville zwei Fachzentren: das Südafrikanisch-Deutsche Fachzentrum für Entwicklungsforschung, in Kooperation mit der Ruhr-Universität Bochum („South African German Centre for Development Research", SA GER CDR) sowie das Südafrikanisch-Deutsche Fachzentrum für Strafjustiz in Kooperation mit der Humboldt Universität Berlin („South African German Centre for Transnational Criminal Justice", TRANSCRIM);
  • Die FhG ist mit einem Senior Advisor in Pretoria vertreten;
  • Die Deutsche Industrie- und Handelskammer für das südliche Afrika in Johannesburg unterhält verschiedene Kompetenzzentren in Südafrika, u.a. das Kompetenzzentrum Erneuerbare Energien und Energieeffizienz mit Sitz in Kapstadt, das Kompetenzzentrum Bergbau & Rohstoffe in Johannesburg oder das Kompetenzzentrum für Corporate Social Responsibility (CSR) mit Sitz in Pretoria;
  • Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH ist seit 1996 vor Ort präsent und unterhält ein Büro in Pretoria (GIZ Südafrika), das über 200 Arbeitskräfte beschäftigt.

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