StartseiteLänderAfrikaTunesienGründung der Academy of Advanced African Studies an der Universität Bayreuth

Gründung der Academy of Advanced African Studies an der Universität Bayreuth

In vielen Regionen Afrikas ist derzeit eine Aufbruchsstimmung zu beobachten, die kulturelle, wirtschaftliche und ökologische Entwicklungen beflügelt und kreative Ideen für die Gestaltung der Zukunft freisetzt. Mit ihrem neuen Vorhaben "Zukunft Afrika: Visionen im Umbruch" knüpft die Universität Bayreuth an diese Dynamik an.

Dabei wird eine internationale "Bayreuth Academy of Advanced African Studies" den Forschungshorizont der Afrikastudien ausweiten – hin zu anderen Regionalstudien und mit gezielter Vernetzung zur systematischen Forschung. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert dieses Vorhaben ab Oktober 2012 für vier Jahre mit insgesamt rund 4,2 Mio. Euro.

Eine neuartige Forschungswerkstatt

Die Bayreuth Academy wird sich Forschungsprojekten widmen, die nicht allein in wissenschaftlicher Hinsicht in die Zukunft weisen, sondern auch für die Gestaltung gesellschaftlicher und kultureller Entwicklungen besonders relevant sind. Zukunftsentwürfe Afrikas und der afrikanischen Diasporas aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven auszuloten, ist das Ziel, das die Bayreuther Academy sich mit ihrem ersten Projekt gesetzt hat. Ein zentrales Anliegen ist es dabei, die regional gewonnenen Ergebnisse in grundlegende Forschungsdebatten zum Thema "Zukunft" einzubringen.

"Wir freuen uns sehr, dass es gelungen ist, an der Universität Bayreuth dieses europaweit einzigartige Vorhaben verwirklichen zu können", erklärt Prof. Dr. Achim von Oppen, Erster Sprecher der Bayreuth Academy. "Eine Forschungswerkstatt auf höchstem wissenschaftlichen Niveau, dies ist eine völlig neue Facette des Bayreuther Afrikaschwerpunkts. Dessen Ausstrahlungskraft wird dadurch auf internationaler wie nationaler Ebene weiter gestärkt. Lebenselixier der Akademie wird neben ihren eigenen Forschungen der fächerübergreifende Ideen- und Erfahrungsaustausch sein, der in- und ausländische Gesprächspartner in wissenschaftlichen Arbeitsgruppen zusammenführt und den interdisziplinären Dialog auch innerhalb der Universität Bayreuth befördert."

Das Institut für Afrikastudien (IAS), ein multi- und interdisziplinäres Forschungszentrum der Universität Bayreuth, bildet das organisatorische Dach für das neue Vorhaben – wie bereits für die Bayreuth International Graduate School of African Studies (BIGSAS), die bis 2018 weiterhin durch die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder gefördert wird.

Von Geschichtsentwürfen bis zu revolutionären Aufbrüchen:
"Zukunft" im Fokus einer multi- und interdisziplinären Afrikaforschung

Welche Rolle spielen historische Erfahrungen und tiefgreifende Umbrüche bei der Entstehung von Zukunftsvisionen? Welche Bedeutung haben Dichotomien wie "Afrika und der Westen", "Kultur und Natur", "Religiosität und Säkularismus", "Männlichkeit und Weiblichkeit" in Zukunftsbildern und -konzepten aus Afrika und afrikanischen Diasporas? Dies sind nur einige Beispiele für die grundsätzlichen Leitfragen, an denen sich das Vorhaben "Zukunft Afrika" orientiert. Dabei sollen die epistemischen und kulturellen Voraussetzungen, die den jeweiligen Forschungsansätzen eingeschrieben sind, kritisch auf ihre Wirkungen hin untersucht werden. Prof. Dr. Susan Arndt, Zweite Sprecherin der Bayreuth Academy, warnt vor einem Missverständnis: "Unser Vorhaben hat nichts zu tun mit einem Projekt für Zukunftsforschung, das Entwicklungen in Afrika möglichst zuverlässig vorhersagen will. Vielmehr wollen wir Einsichten in die Strukturen und Prozesse gewinnen, aus denen innovative Zukunftsentwürfe hervorgehen. Uns interessieren vor allem Entwürfe, die aus Afrika und afrikanischen Diasporas heraus entstehen und über den Kontinent hinaus auch globale Bedeutung haben."

Fünf Forschungsfelder sollen zunächst das Profil der Bayreuth Academy of Advanced African Studies prägen. Unter dem Motto "Jenseits von Europa: Geschichte(n) der Zukunft" werden europazentrische Zukunftsvorstellungen in Beziehung gesetzt mit Visionen im Wandel der Zeit, die ihre Ursprünge in Afrika oder in afrikanischen Diasporas hatten. Im Forschungsfeld "Natur-Visionen" geht es hingegen um die Frage, wie human- und naturwissenschaftliche Modellbildungen zusammenwirken – beispielsweise bei Strategien des Naturschutzes oder der Anpassung an den Klimawandel. "Mittelschichten im Aufbruch" lautet das Leitthema für Untersuchungen, die sich der Dynamik eines neuen aufstiegs- und bildungsorientierten Bürgertums in Afrika über dessen Zukunftsentwürfe annähern. Bilden sich im und durch das Internet neuartige Kunstgattungen heraus, die der medialen Gestaltung von Zukunftsvisionen dienen? Diese Frage steht im Mittelpunkt des Forschungsfelds „Zukunft Internet und afrikanische Diasporas“, das sich mit Funktionen von Sprache, Literatur und Bildern auseinandersetzt. "Revolution 3.0" ist schließlich die Devise für Forschungen, die speziell darauf abzielen, die Bilderwelten revolutionärer Bewegungen unter künstlerischen und politischen Aspekten zu erschließen.

Vernetzungen von Kulturen, Gesellschaften und Wirtschaftsräumen:
neue Impulse für die Regionalforschung

"Zukunft Afrika" wird zusammen mit einigen weiteren Projekten in Deutschland vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert, um die sogenannten area studies – also wissenschaftliche Forschungen vor allem zu außereuropäischen Regionen – zu stärken und deren Bedeutung für andere Forschungsrichtungen auch international hervorzuheben. Dieses Ziel verfolgen ebenso die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Bayreuther Afrikaschwerpunkts, die das Vorhaben initiiert haben. Sie wollen herkömmliche Fixierungen auf geographisch definierte Räume aufbrechen, indem sie historische Entwicklungslinien, die untrennbar mit Zukunftsprojektionen verbunden sind, in neue Forschungsthemen einbeziehen. Denn so treten die Vernetzungen von Kulturen, Gesellschaften und Wirtschaftsräumen zutage, die in bisherigen Regionalstudien häufig ausgeblendet bleiben.

Um diesen kultur- und raumübergreifenden Beziehungen ebenso wie globalen Fragen besser gerecht zu werden, will die Bayreuth Academy regionalbezogene und systematisch orientierte Forschungsansätze zusammenführen. Sichtweisen mit universalem Geltungsanspruch werden auf diesem Weg relativiert, während umgekehrt regional gewonnene Erkenntnisse auf allgemeinere Strukturen und Prozesse verweisen können.

Forschung im Dialog mit der Öffentlichkeit

In den kommenden Jahren werden Workshops, Tagungen und Vorträge regelmäßig über Arbeitsvorhaben und Forschungsergebnisse informieren, die im Rahmen von "Zukunft Afrika" entstanden sind. Die Veranstaltungen richten sich vor allem an interdisziplinäre Wissenschaftsforen sowie an Fachöffentlichkeiten in Politik, Gesellschaft und Kultur. Darüber hinaus sollen Vorträge, Podiumsdiskussionen, Filmreihen oder Literatursalons eine breitere Öffentlichkeit in Deutschland ansprechen.

Kontakt:

Prof. Dr. Achim von Oppen
Prof. Dr. Susan Arndt
Institut für Afrikastudien (IAS)
Universität Bayreuth
D-95448 Bayreuth
Telefon Prof. Dr. Susan Arndt: 0176 - 313 45 616 und +49 (0)921 55 -3551
Telefon Prof. Dr. Achim von Oppen: +49 (0)921 55 -4193 (ab 22.10.2012)
E-Mail: achim.vonoppen(at)uni-bayreuth.de / susan.arndt(at)uni-bayreuth.de

Homepage der Bayreuth Academy of Advanced African Studies (im Aufbau): http://www.bayreuth-academy.uni-bayreuth.de

Quelle: IDW Nachrichten / Universität Bayreuth Redaktion: von Tim Mörsch, VDI Technologiezentrum GmbH Länder / Organisationen: Benin Burkina Faso Côte d'Ivoire Gambia Ghana Kamerun Kenia Namibia Nigeria Region Ostafrika Region südliches Afrika Region Westafrika Ruanda Senegal Somalia Südafrika Tansania Togo Zentralafrikanische Republik Ägypten Algerien Libyen Mali Marokko Niger Tunesien Themen: Bildung und Hochschulen Geistes- und Sozialwiss.

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