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Überblick zur Kooperation mit Deutschland: Tunesien

Für Tunesien hat die Zusammenarbeit mit Deutschland in Bildung und Forschung einen hohen Stellenwert. Als Zielland für tunesische Studierende platziert sich Deutschland unter den Top 5, als Ko-Publikationsland unter den Top 10 (siehe vorheriger Abschnitt).

Die Zusammenarbeit mit Tunesien hat seit dem erfolgreichen Sturz des langjährigen Machthabers Ben Ali im Jahr 2011 einen neuen Impuls bekommen. Im Koalitionsvertrag ist festgelegt, dass Deutschland die arabischen Staaten, in denen sich eine positive Entwicklung zur Demokratie und zum gesellschaftlichen Pluralismus abzeichnet, unterstützt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) intensiviert die Zusammenarbeit mit Tunesien vor allem im Rahmen der Transformationspartnerschaften der Bundesregierung. Insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Lage in Tunesien, in denen die junge Demokratie u.a. durch eine anfällige Wirtschaft bedroht ist, ist ein Engagement sinnvoll, welches zum Strukturaufbau im Land beiträgt.

Grundlage für die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit (WTZ) mit Tunesien ist das seit 1998 geltende Memorandum of Understanding (MoU). Seit 2012 hat das BMBF seine Unterstützung für Tunesien deutlich ausgebaut. Die internationale Abteilung fördert (Stand von November 2019) unter drei bilateralen Förderbekanntmachungen und drei Förderbekanntmachungen im Rahmen des ERANETMED insgesamt 37 Vorhaben mit einem Gesamtvolumen von ca. 7,6 Millionen Euro.

Die ersten bilateralen Förderbekanntmachungen mit Tunesien unter Beteiligung des tunesischen Forschungsministerien (MSERS) wurden in den Jahren 2012 und 2015 veröffentlicht, die Projekte sind inzwischen überwiegend ausgelaufen. Die dritte Förderbekanntmachung von 2018 setzt als „2+2“- Bekanntmachung erstmals die Beteiligung von Unternehmen für eine Förderung voraus. Sowohl auf deutscher als auch auf tunesischer Seite müssen an den Projekten jeweils ein Industriepartner (insbesondere KMU) und eine öffentliche Forschungseinrichtung beteiligt sein. Themen sind Biotechnologie (Umwelt, Gesundheit und Ernährung, Industrielle Biotechnologie), Anpassungen an den Klimawandel (Umwelttechnologien, erneuerbare Energien, Ressourceneffizienz), pharmazeutische Industrie, Industrie 4.0 und Mechatronik sowie Green Economy und Kreislaufwirtschaft. Insgesamt werden sechs Verbundvorhaben mit 12 Teilvorhaben, gefördert; die ersten Projekte nahmen im September und November 2019 ihre Arbeit auf. Für das Jahr 2020 plant das BMBF die Durchführung einer weiteren 2+2-Förderbekanntmachung, als Themen sind u.a. Wassermanagement, landwirtschaftliche System und Digitalisierung vorgesehen.

Das BMBF befindet sich mit dem tunesischen Wissenschaftsministerium im Austausch zum Aufbau einer zielführenden Fördermaßnahme zu Vernetzungsaktivitäten und regionaler Clusterbildung.

Eine Förderbekanntmachung des BMBF von 2017 zielt darauf ab, die innovationsrelevanten Rahmenbedingungen in den MENA-Ländern Tunesien, Ägypten, Jordanien und Marokko zu stärken, so z.B. über den Aufbau und die Ausrichtung von intermediären Strukturen auf Forschung und Innovation, wie etwa Verbände, Kammern, Transfernetzwerke sowie Technologie- und Gründerzentren. Die Vorhaben sind in eine Vorphase (1 Jahr) und Hauptphase (3 Jahre) gegliedert. Für die Vorphase ab 2018 wurden drei Vorhaben mit tunesischer Beteiligung ausgewählt. Für eine Förderung der Hauptphase müssen die Vorhaben nach erfolgreichem Abschluss der Vorphase dann u.a. Fördermittel aus dem relevanten Partnerland akquirieren.

Insbesondere unter den drei Förderbekanntmachungen des ERANETMED (2015, 2016 und 2017, siehe vorheriger Abschnitt) fördert die internationale Abteilung des BMBF insgesamt 13 multilaterale Projekte mit deutscher und tunesischer Beteiligung, die im Zeitraum bis Ende 2020 abgeschlossen werden. Weitere Einzel- und Verbundprojekte im Rahmen von multilateralen Förderbekanntmachungen liegen in der Verantwortung der Fachabteilungen des BMBF (Informations- und Kommunikationstechnologien, Bioökonomie).

Zwischen 2011 und 2016 hat das BMBF 11 Projekte zur Berufsbildung gefördert, derzeit werden bis Mitte 2020 drei Teilprojekte eines Verbundvorhabens zum Aufbau eines technischen privaten Berufsbildungszentrums in Tunesien (OpporTUNIty)  unterstützt.

Der Hochschulkompass verzeichnet insgesamt 42 bilaterale Kooperationen zwischen 27 deutschen Hochschulen sowie 15 jordanischen Hochschulen und 2 sonstigen  Einrichtungen (Stand 08/2019).  Der „DAAD-Hochschulreader Tunesien“ informiert zu Profil, Fach- und Studienrichtungen sowie Kooperationen mit Deutschland. Unter der Deutsch-Arabischen Transformationspartnerschaft hat der DAAD zwischen 2012 und 2017 mit Tunesien 8 Hochschulkooperationen und 8 Forschungspartnerschaften (Al Tawasul) sowie ca. 100 kurz- oder mittelfristige Projektmaßnahmen gefördert. Ab 2019 sollen unter dem neuen DAAD-Hochschulprogramm „Entrepreneurial Universities in Africa“ (EpU) Partnerschaftsprojekte zwischen deutschen und tunesischen Universitäten gefördert werden. Ziel ist dabei letztlich die Verbesserung der Beschäftigungsaussichten der tunesischen Hochschulgraduierten (siehe unter Bildungssystem).

Die internationale Mobilität von und nach Tunesien wird durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) gefördert.  

Das ERASMUS Plus-Programm fördert Mobilität in beide Richtungen, auch wenn die Zahlen hier noch gering sind. 2018 hat der DAAD unter eigenen Programmen Förderung für einen Aufenthalt in Tunesien an 141 Studierende und Graduierte (inkl. Promovierende, Statusgruppen I-III) und 76 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Hochschullehrkräfte (inkl. Post-Docs, Statusgruppe IV) aus Deutschland vergeben. In den gleichen Kategorien erhielten 417 und 204 Geförderte aus Tunesien eine Unterstützung des DAAD, um eine Aktivität im eigenen Land oder einen Auslandsaufenthalt – darunter auch Deutschlandaufenthalte – zu finanzieren.

Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) beherbergte 2018 acht tunesische Nachwuchs- und Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler und sie führte ein Projekt mit Partnern in Tunesien durch.

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH kooperiert mit Tunesien im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), anderer Ressorts und der EU. Die GIZ arbeitet mit ihren Partnern vor Ort in mehr als 45 Projekten und unterstützt das Land in seiner wirtschaftspolitischen und demokratischen Entwicklung. Schwerpunkte sind: Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und Beschäftigungsförderung, dezentrale Entwicklung und Regierungsführung, Schutz natürlicher Ressourcen sowie Energie und Klima.

Ein spezieller Fokus des BMZ in Tunesien liegt im Rahmen der Deutsch-Tunesischen  Partnerschaft zur Beschäftigungsförderung auf der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Zwischen 2012 und 2015  war es unter dem  „Beschäftigungspakt  Tunesien“ („Pacte pour l’Emploi Tunisie“) Ziel, eine höhere Qualität der beruflichen Bildung zu erreichen und einen Beitrag zur ökonomischen Stabilisierung und erfolgreichen Demokratisierung  Tunesiens zu leisten. Im Rahmen des Programms wurden vom tunesischen Ministerium für Berufsbildung zunächst neun Berufsbildungszentren der Tunesischen Agentur für berufliche Bildung (Agence Tunisienne de la Formation Professionnelle, ATFP, Internetauftritt in Arabisch) ausgewählt, die direkte Empfänger der Unterstützungsmaßnahmen sind (siehe imove (2017: Marktstudie Tunesien für den Export beruflicher Weiterbildung, S. 44 ff.). Die Projekte befinden sich aktuell in der zweiten Phase. Der Fokus des Saar-Lor-Lux-Umweltzentrums (UWZ) der Handwerkskammer des Saarlandes liegt in dem Projekt „Berufliche Bildung zu Solartechnik in Tunesien“ aktuell darauf, die national anerkannte Photovoltaik-Zusatzausbildung für handwerkliche Fachkräfte durchzuführen. Das Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft (bbw) hat in ausgewählten Pilotklassen der ATFP-Zentren für Industriemechatronik und Kunststoffverarbeitung die Kooperation mit Unternehmen gestärkt und formalisiert. Mit dem Projekt „Duale Ausbildung in Tunesien“ soll dieser Ansatz nun weiter ausgebaut werden.

Die Weltbankgruppe und das BMZ haben im Januar 2019 ihre verstärkte Partnerschaft für wirtschaftliche Zusammenarbeit mit sechs afrikanischen Ländern, die Mitglieder der „G20-Compact-with-Africa-Initiative" sind, bekannt gegeben (siehe vorheriger Abschnitt). In Nordafrika gehören Marokko und Tunesien dazu. Die neue Partnerschaft deckt unter anderem die Sektoren erneuerbare Energien, Modernisierung von Stromnetzen, Aus- und Weiterbildung, Investitionspolitik und Landreformen sowie die Entwicklung des Automobilsektors ab.

Es folgt eine Auswahl von Einrichtungen vor Ort, die die deutsch-tunesische Kooperation tragen und unterstützen:

  • Der DAAD betreibt seit 2012 ein Informationszentrum in Tunis, das auch für die Nachbarländer im Maghreb zuständig ist. In den ersten fünf Jahren wurden über 10.000 Studien- und Kooperationsinteressierte im DAAD Büro persönlich beraten. Hinzu kommen regelmäßige Sprechstunden der DAAD-Lektorate in Algerien, Tunesien und Marokko. Mehrfach pro Jahr veranstaltet der DAAD im gesamten Maghreb Info-Tage zu „Studieren und Forschen in Deutschland“, die regelmäßig mehr als 1000 Besucher erreichen (siehe Broschüre „Der DAAD im Maghreb“).
  • Die GIZ arbeitet seit 1975 vor Ort in Tunesien. 1999 wurde ein Büro in Tunis eröffnet, das aktuell über 300 Beschäftigte hat (GIZ Tunesien).
  • Im März 2017 hat die GIZ in Tunis ein Migrationsberatungszentrum eröffnet, um Einheimische zu Chancen auf dem deutschen und tunesischen Arbeitsmarkt zu beraten.

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