StartseiteLänderAmerikaArgentinienZusammenfassungÜberblick zur Bildungs-, Forschungs- und Innovationslandschaft und -politik

Zwischen 2007 und 2018 waren Bildung und Wissenschaft in Argentinien in getrennten Ressorts organisiert. Die Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner hatte nach ihrem Amtsantritt 2007 das ehemalige Sekretariat für Wissenschaft, Technologie und Innovation in ein selbständiges Ministerium für Wissenschaft, Technologie und Innovation (Ministerio de Ciencia, Tecnología e Innovación Productiva, MINCyT) umgewandelt. Nach seinem Amtsantritt Ende 2015 erhielt der neue liberal-konservative Präsident Mauricio Macri zunächst die Trennung aufrecht. In Zusammenhang mit der Finanzkrise schuf Macri jedoch mittels Dekret am 05.09.2018 wieder ein gemeinsames  Ministerium für Bildung, Kultur, Wissenschaft und Technologie (Ministerio de Educación, Cultura, Ciencia y Tecnologia, MECCyT). Personell gibt es im Wissenschaftsbereich dennoch seit 2007 eine große Kontinuität: Der erste argentinische Wissenschaftsminister Lino Barañao übte unter den Präsidentschaften von Fernández de Kirchner und Macri sein Amt aus und übernahm 2018 auch das Amt des Staatsekretärs für Wissenschaft, Technologie und Innovation (Secretario de Gobierno de Ciencia, Tecnología e Innovación Productiva, SGCTIP), das Teil des neuen Ministeriums MECCyT ist.

Bildungssystem

Eine ausführliche Darstellung des argentinischen Bildungssystems enthält das Bildungssystemprofil des World Education Service (WES) (Monroy, Carlos (2018): Education in Argentina). Die folgenden Informationen zum Bildungssystem wurden daraus entnommen.

Die Zuständigkeit für die schulische Bildung hat Argentinien weitgehend auf die Provinzen verlagert, die sämtlich über eigene Bildungsministerien verfügen. Die Bildungsergebnisse in den PISA-Tests sind auch im lateinamerikanischen Vergleich bis 2012 nicht ermutigend. 2015 wurden nur Ergebnisse aus der Hauptstadt Buenos Aires berücksichtigt, die obgleich besser als in anderen lateinamerikanischen Ländern, nicht repräsentativ sind (siehe Bildungsindikatoren). In Argentinien wird ähnlich wie in Chile ein größerer Teil der Berufsbildung im nicht-universitären tertiären Sektor vermittelt. Die Berufsbildung im Sekundarbereich sowie im nicht-universitären Tertiärbereich (instituciones no universitarias/terciarias) fällt hauptsächlich in die Zuständigkeit der Provinzen. Gleichzeitig müssen Berufsbildungseinrichtungen auch den Leitlinien des 1995 gegründeten Nationalen Instituts für Technische Ausbildung (Instituto Nacional de Educación Tecnológica, INET) folgen.

Argentinien hat am Ende der Sekundarstufe II keine Abschlussprüfung vorgesehen und gewährt den Hochschulzugang somit allen, die das 12. Schuljahr beenden. Die Studierendenzahlen sind in den letzten zehn Jahren stark gestiegen. Dies gilt besonders für die tertiären nicht-universitären Bildungsgänge, die von über 1.000  öffentlichen und über 1.100 privaten Institutionen in Argentinien  angeboten werden. Insgesamt waren 2016 über drei Millionen Studierende in tertiären Bildungsgängen eingeschrieben (siehe Bildungsindikatoren), davon ein Drittel in nicht-universitären.

In Argentinien genießen die 62 staatlichen Universitäten und 5 staatlichen Universitätsinstitute (Institutos Universitarios) einen guten Ruf. Diese sind in dem Nationalen Interuniversitären Rat (Consejo Interuniversitario Nacional, CIN) zusammen geschlossen. Grundsätzlich dürfen staatliche Einrichtungen für grundständige Studiengänge in Argentinien keine Studiengebühren verlangen und seit 2015 ist es ihnen zusätzlich untersagt, den Zugang durch Aufnahmeprüfungen zu beschränken. Als Reaktion darauf sind einige argentinische Universitäten dazu übergegangen, von Allen, die ein Studium aufnehmen, den Besuch eines Vorbereitungsjahres zu verlangen.

Die mehr als 60 privaten Universitäten und Universitätsinstitute dürfen zwar Aufnahmeprüfungen organisieren und Studiengebühren verlangen, jedoch keinen Profit aus ihrer Arbeit ziehen. Sie sind in der Hochschulrektorenkonferenz der Privaten Universitäten (Consejo de Rectores de Universidades Privadas, CRUP) zusammen geschlossen.

Nur eine Minderheit der argentinischen Studierenden überschreitet allerdings die Ziellinie. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2010 hat ergeben, dass Argentinien weltweit und in Lateinamerika eine der höchsten Studienabbruchsquoten hat. Lediglich etwas mehr als ein Viertel aller Studierenden erreichte einen Abschluss. Der Anteil der 25-34-Jährigen, die einen tertiären Bildungsgang abgeschlossen haben, liegt bei lediglich 18 Prozent und somit weit unter dem OECD-Durchschnitt (siehe Bildungsindikatoren).

Forschungs- und Innovationssystem

In Bezug auf die gesamten Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) in Höhe von 4,6 Milliarden USD (kaufkraftbereinigt) belegte Argentinien 2016 im weltweiten Vergleich etwa Rang 35, während das Land innerhalb von Lateinamerika auf Rang 3 hinter Brasilien und Mexiko liegt. In Bezug auf die Anzahl der wissenschaftlichen Publikationen nahm Argentinien 2018 Rang 44 ein (Quelle: SCImago. SJR — SCImago Journal & Country Rank. Retrieved June 4, 2019, from http://www.scimagojr.com).

Das Land hat in den vergangenen Jahren größere Anstrengungen unternommen, seine FuE-Ausgaben anzuheben. Zwischen 2005 und 2009 konnte Argentinien seine FuE-Intensität – das heißt den Anteil der FuE-Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt  – von 0,4 Prozent auf 0,6 Prozent steigern. Als Folge der Finanzkrise wurden die Ausgaben reduziert und die FuE-Intensität fiel 2016 erstmals wieder auf 0,5 Prozent zurück. Anteile in dieser Größenordnung sind typisch für die größeren lateinamerikanischen Länder, während die OECD-Länder eine deutlich höhere FuE-Intensität aufweisen (siehe Bericht Ricyt (2018): El Estado de la Ciencia. Red de Indicadores de Ciencia y Tecnología - Iberoamericana e Interamericana, S. 21, siehe FuE-Indikatoren).

Zu der Zeit der Militärdiktaturen wollten die damaligen Machthaber Rolle und Bedeutung von Universitäten möglichst minimieren. Daher ist in Argentinien der Hochschulsektor bei der FuE-Durchführung gegenüber den außeruniversitären Forschungseinrichtungen etwas ins Hintertreffen geraten. Vor allem die 62 staatlichen Universitäten führen heute FuE durch. Internationale Hochschulrankings können Anhaltspunkte zu Forschungs- und Innovationsstärken ausgewählter Hochschulen geben. Laut Times Higher Education - World University Ranking 2019, “Best for Research”  sind die vier bestplatzierten Hochschulen in Argentinien:

  1. Universidad Nacional de La Plata (UNLP),
  2. Universidad Nacional del Sur (UNS, in Bahia Blanca),
  3. Universidad Nacional de Córdoba (UNC) und
  4. Universidad Nacional de San Martin (UNSAM).

Allerdings fehlen im THE-Ranking wichtige Universitäten wie die Universidad Tecnológica Nacional (UTN) und die Universidad de Buenos Aires (UBA), welche im forschungszentrierten Shanghai Ranking (2018) mit Rang 201-300 die bestplatzierte Universität Argentiniens ist. Gerade die UBA nimmt als größte argentinische Universität in Lateinamerika eine herausragende Rolle in Lehre und Forschung ein.

Die größte Forschungsorganisation in Lateinamerika ist der 1958 gegründete Nationale Rat für wissenschaftliche und technologische Forschung (Consejo Nacional de Investigaciones Científicas y Técnicas (CONICET), der zunächst direkt dem Staatsoberhaupt unterstellt war. 2007 wurde CONICET als autonome Einrichtung dem neu gegründeten Wissenschaftsministerium zugeordnet. Traditionell richtet CONICET Forschungszentren ein, die teilweise außeruniversitären Charakter haben, teilweise mit Universitäten verbunden wurden. Dazu zählen das Forschungsinstitut für Biotechnologie (IBB-INTECH) an der staatlichen Universidad Nacional de San Martin (UNSAM) sowie das Argentinische Ozeanographische Institut (Instituto Argentino de Oceanografia, IADO- CONICET) an der Universidad Nacional del Sur (UNS) in Bahia Blanca. Für die regionale Verankerung der Forschungszentren sorgen 15 Wissenschaftlich-Technologische Zentren (Centros Científico Tecnológicos, CCT). Seit 2005 hat CONICET sein Netzwerk stark ausgebaut: Die Anzahl der Forschungszentren wurde praktisch verdreifacht und beträgt inzwischen über 280. CONICET hat gezielt Orte ausgewählt, in denen es an Forschungsinfrastruktur fehlt, und dort gemeinsam mit Universitäten Zentren für Forschung und Wissenstransfer (Centros de Investigaciones y Transferencia, CIT) eingerichtet. Fachlich setzt CONICET vier Schwerpunkte: In Bezug auf die Anzahl der Forschenden und der Einrichtungen stehen die Bio- und Gesundheitswissenschaften an erster Stelle. Die Agrar-, Ingenieur- und Materialwissenschaften liegen etwa gleichauf mit den Exakten und Naturwissenschaften, gefolgt mit deutlichem Abstand von den Sozial- und Geisteswissenschaften (Basisdaten CONICET; Statistiken CONICET).

Die wichtigsten außeruniversitären Forschungseinrichtungen der Ministerien sind zusammen mit dem CONICET und den Hochschulverbänden CIN und CRUP in einem Koordinierungsgremium, dem Interinstitutionellen Rat für Wissenschaft und Technologie (Consejo Interinstitucional de Ciencia y Tecnología, CICYT) zusammen geschlossen. Die im CICYT vertretenen außeruniversitären Einrichtungen unterstehen folgenden Ministerien:

  • Ministerium für Bildung und Wissenschaft: Nationale Raumfahrtkommission (Comisión Nacional de Actividades Espaciales, CONAE);
  • Ministerium für Wirtschaft und Produktion: Nationales Institut für Agrartechnologie (Instituto Nacional de Tecnología Agropecuaria, INTA), Nationales Institut für industrielle Technologie (Instituto Nacional de Tecnología Industrial, INTI), Nationales Institut für Fischereientwicklung (Instituto Nacional de Desarrollo Pesquero, INIDEP) sowie der Geologische Dienst für den Argentinischen Bergbau (Servicio Geológico Minero Argentino, SEGEMAR);
  • Ministerium für Inneres und Infrastrukturen: Nationales Institut für Wasser (Instituto Nacional del Agua, INA);
  • Ministerium für Öffentliche Finanzen (Staatssekretariat für Energie): Nationale Kommission für Atomenergie (Comisión Nacional de Energía Atómica, CNEA);
  • Gesundheitsministerium: Nationale Verwaltung für Gesundheitslabore und -institute (Administración Nacional de Laboratorios e Institutos de Salud „Dr. Carlos G. Malbran“, ANLIS-MALBRÁN);
  • Außenministerium: Argentinisches Antarktisinstitut (Instituto Antártico Argentino, IAA) unter Führung der Nationalen Antarktisdirektion (DNA);
  • Verteidigungsministerium: Das Staatssekretariat für wissenschaftliche und technologische Forschungen vertritt im CICYT verschiedene Forschungseinrichtungen, darunter das Institut für wissenschaftliche und technologische Forschungen der Streitkräfte (Instituto de Investigaciones Científicas y Técnicas para la Defensa, CITEDEF), den Dienst für Hydrographie der Marine (Servicio de Hidrografía Naval, SHN), den Nationalen Dienst für Meteorologie (Servicio Meteorológico Nacional, SMN) sowie das Nationale Institut für Geographie (Instituto Geográfico Nacional, IGN).

Neben den außeruniversitären öffentlichen Forschungseinrichtungen sind in Argentinien auch verschiedene private gemeinnützige Forschungsstiftungen bei der Durchführung von FuE von Bedeutung. Dazu zählen die Stiftung Bariloche, die zu Umwelt, Klimawandel, Energie und komplexer Systemanalyse forscht. Klinische Forschung führt die Stiftung Favaloro durch. Die Stiftung Institut Leloir legt den Schwerpunkt auf biochemische und biomedizinische Grundlagenforschung. Das 1947 gegründete Institut wurde 2001 nach seinem prominentesten Mitglied, Dr. Luis Federico Leloir benannt, der 1970 als erster Argentinier mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde.

Die Stiftung Institut Leloir engagiert sich auch in der Wissenschaftskommunikation. Unter anderem betreibt sie ein argentinisches Wissenschafts- und Technologieportal, unter dem aktuelle Nachrichten zu Medizin, Agrar- und Umweltwissenschaften abrufbar sind (Portal Agencia CyTA-Leloir).

Ähnlich wie in Mexiko ist bedingt durch den staatlichen Mittelaufwuchs der Anteil der Wirtschaft zurückgegangen (siehe unter FuE-Finanzierung und FuE-Durchführung). Die OECD-Publikation ANBERD schlüsselt die in Unternehmen durchgeführte FuE nach Wirtschaftssektoren auf: An erster Stelle liegt demnach die industrielle Fertigung mit einem Anteil von 53,7 Prozent, gefolgt von Dienstleistungen mit 28,9 Prozent. Der vergleichsweise hohe Anteil der Agrar-und Forstwirtschaft von 13,6 Prozent spiegelt die Bedeutung der Agrarindustrie für Argentinien wider. Angaben zu Branchen fehlen. Ein bekanntes argentinisches Hochtechnologieunternehmen ist die Staatliche Gesellschaft für angewandte Forschung (Investigaciones Aplicadas Sociedad del Estado, INVAP), das zum Teil der Provinz Río Negro und zum anderen Teil der argentinischen Bundesregierung gehört. Bei der Entwicklung argentinischer Satellitentechnologie hat INVAP wichtige Beiträge geleistet. Weitere Arbeitsgebiete der INVAP sind Kernenergie, Verteidigung, industrielle Technologien und alternative Energien sowie Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT).

Die Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen und dem privaten FuE-Sektor ist in Argentinien noch relativ schwach ausgeprägt: sowohl Hochschulen als auch außeruniversitäre Forschungseinrichtungen decken weniger als 1 Prozent ihrer FuE-Ausgaben durch Aufträge von Unternehmen ab (siehe FuE-Indikatoren). Zu den Maßnahmen, die Kooperation und Wissenstransfer verbessern sollen, zählt die Einrichtung des  Argentinischen Sektorfonds FONARSEC im Jahr 2009 (siehe unten). Außerdem sind verschiedene Technologiezentren und Technologieparks aktiv (z.B. Polo Tecnológico Constituyentes S.A., PTC in San Martin; Polo Tecnológico del Sur in Bahia Blanca). Im Oktober 2011 weihte die damalige Staatspräsidentin Kirchner den Polo Científico Tecnológico in Buenos Aires ein.

In Bezug auf wettbewerbliche Förderung kommt dem Rat CONICET eine wichtige Rolle zu: Er vergibt Stipendien  für den wissenschaftlichen Nachwuchs an aktuell über 11.000 Promovierende und Post-Docs. Unter dem Laufbahn-Programm (Carrera del Investigador Científico y Tecnológico) finanziert CONICET die Beschäftigung von Forschenden in eigenen und fremden Einrichtungen sowie Universitäten. Insgesamt werden mehr als 10.000 Forschende durch CONICET finanziert (Basisdaten CONICET; Statistiken CONICET). Zusätzlich vergibt CONICET auf wettbewerblicher Basis Projektförderung an eigene Forschungszentren.

Anders als in vielen anderen Ländern hat das argentinische Ministerium für Wirtschaft und Arbeit (Ministerio de Producción y Trabajo, MPT) keine eigenen Fördereinrichtungen. 1996 schuf die argentinische Regierung die Nationale Förderagentur für Wissenschaft und Technologie (Agencia Nacional de Promoción Científica y Tecnológica, ANPCyT), die dem Wissenschaftsministerium untersteht. 2017 vergab ANPCyT 2,8 Milliarden Argentinische Pesos an Fördermitteln (siehe Förderstatistik 2017). Dies entsprach Mitte 2017 etwa 168 Mio.US-Dollar. ANPCyT nutzt dabei verschiedene Fonds:

  • Für Hochschulen bildet der Fonds für die Technologische und Wissenschaftliche Forschung (Fondo para investigación tecnológica y científica, FONCyT) die wichtigste Förderquelle. Darunter werden Projekte der Grundlagenforschung und angewandten Forschung sowie Stipendien für den wissenschaftlichen Nachwuchs finanziert.
  • Unternehmen, insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) sowie Konsortien unter Beteiligung von Unternehmen können Fördermittel aus dem Argentinischen Technologiefonds (Fondo tecnológico argentino, FONTAR) erhalten.
  • Durch den Argentinischen Sektorfonds (Fondo Argentino Sectorial, FONARSEC) sollen gesellschaftliche Herausforderungen mit Hilfe von öffentlich-privater FuE-Kooperation gelöst werden.  Der Fonds zur Förderung der Softwareindustrie (Fondo Fiducario de Promoción de la Indústria del Software, FONSOFT) fördert FuE-Projekte zur Gestaltung, Design, Produktion und Implementierung von Softwaresystemen.

Traditionell konzentrieren sich die FuE-Aktivitäten in Argentinien auf die Hauptstadtmetropole (Ciudad Autónoma) Buenos Aires sowie die Provinz Buenos Aires mit den Universitätsstädten De La Plata, Mar del Plata, Bahia Blanca und San Martin. Mehr als die Hälfte der Fördermittel von ANPCyT kam zuletzt der Provinz und Stadt Buenos Aires zugute (Förderstatistik 2017).

Die Argentinische Stiftung für Nanotechnologie (Fundación Argentina de Nanotecnología, FAN) wurde 2005 gegründet und operiert mit einer Finanzierung des Wissenschaftsministeriums von der Universidad Nacional de San Martin (UNSAM) aus. Aufgabe von FAN ist es, eine Gemeinschaft von Fachleuten aufzubauen und mehr Bewusstsein für die Chancen der neuen Technologie in Argentinien zu kreieren.

Seit 2015 unterstützt das neue Interdisziplinäre Zentrum für Wissenschafts-, Technologie- und Innovationsforschung (Centro Interdisciplinario de Estudios en Cienca, Tecnologia e Innovación, CIECTI) die argentinische Politik, indem es Programme evaluiert sowie strategische und Foresight-Studien durchführt (siehe UNESCO-Wissenschaftsreport 2015, S. 201). Träger des CIECTI ist ein zivilrechtlicher Verband aus Hochschuleinrichtungen.

Unter der Präsidentin Fernández de Kirchner legte der „Plan Argentina Innovadora 2020“ (PAI2020) die forschungs- und innovationspolitischen Zielsetzungen für den Zeitraum von 2012-15 fest. Kerngedanke ist, dass a) der private Sektor stärker mit dem öffentlichen Sektor verzahnt werden soll, um b) mehr Innovationen hervorzubringen, die c) die Lebensqualität der argentinischen Bevölkerung verbessern und so d) mehr Unterstützung für Forschung generieren (Zusammenfassung PAI 2020). Unter dem liberal-konservativen Präsidenten Macri wird eine Fortschreibung der Strategie, die Agenda 2016-20 angewandt. Ein wichtiger Ansatz Macris ist die Verlagerung von Kompetenzen auf die argentinischen Provinzen („Federalización“). Fachlich liegt der Schwerpunkt auf Bioökonomie, Gesundheit und Industrie 4.0. Zudem wurde 2017 ein Dokument zur Zukunft der Grundlagenforschung in Argentinien veröffentlicht.

Derzeit erhält das Wissenschaftsministerium Unterstützung durch eine spezielle Beratungskommission, um eine neue langfristigen Strategie, den „Plan Argentina Innovadora 2030“ (PAI2030) vorzubereiten.

Indikatoren für Bildung

Indikator

Argentinien

Deutschland

Stand

 

Anteil öffentlicher Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) [Prozent]

5,6

4,8

2016/15

 

Wachstum des öffentlichen Bildungsanteils am BIP (Differenz des BIP-Bildungsanteils zu dem des Vorjahres in Prozentpunkten) [Prozent]

-0,1

-0,1

2015

 

Anteil öffentlicher Ausgaben für die tertiäre Bildung am BIP [Prozent]

1,1

1,2

2016/15

 

Anteil internationaler abschlussorientierter Studierender aus dem Land [Prozent]*

0,3

3,9

2016

 

Anzahl Studierender im Tertiärbereich insgesamt [Mio.]

3,061

3,043

2016

 

Anteil internationaler abschlussorientierter Studierender im Land [Prozent]**

2,5

8,0

2016

 

Anzahl Promovierender insgesamt

26.568

197.000

2016

 

Anteil tertiär Graduierter (ISCED 5 oder höher) an der über 25-jährigen Bevölkerung [Prozent]

19,4

26,2

2016

 

Anteil 25- bis 34-Jähriger mit einem Abschluss im Tertiärbereich [Prozent]1

18

31

2017

 

Anteil an neuen Studienabschlüssen in Mathematik, Statistik und Naturwissenschaften (Ingenieurwissenschaften) [Prozent]

6,5 (7,1)

9,5 (22,0)

2016

 

PISA-Ergebnisse: Lesen [Punktzahl (Platzierung)]

475 (38)***

509 (12)

493

2015

PISA-Ergebnisse: Naturwissenschaften [Punktzahl (Platzierung)]

475 (38)***

509 (16)

493

2015

PISA-Ergebnisse: Mathematik [Punktzahl (Platzierung)]

456 (42)***

506 (16)

490

2015

Tabelle 3: Bildungsindikatoren

Quelle: UNESCO Institute of Statistics, Stand September 2018

"OECD - PISA 2015: Ergebnisse im Fokus"

1OECD - Education at a Glance 2018

* UNESCO registriert nur diejenigen internationalen Studierenden, bei denen aufgrund der Aufenthaltsdauer davon auszugehen ist, dass sie einen Abschluss im Ausland anstreben.

** UNESCO registriert nur diejenigen internationalen Studierenden, bei denen aufgrund der Aufenthaltsdauer davon auszugehen ist, dass sie einen Abschluss in dem jeweiligen Land anstreben.

*** Region der Ciudad Autónoma de Buenos Aires

       

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Weitere Informationen
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Dokumente

FuE-Indikatoren

Indikator

Argentinien

Deutschland

OECD

Stand

Nationale FuE-Ausgaben [Mio. USD*]

4.682

131.339

1.357.746

2016/17/17

FuE-Ausgabenwachstum im Vergleich zum Vorjahr [Prozent]

-14,4

9,5

6,0

2016/17/17

FuE-Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) [Prozent]

0,5

3,0

2,4

2016/17/17

Anteil der FuE-Ausgaben des Staates am BIP [Prozent]

0,4

0,8

0,6

2016

Anteil der FuE-Ausgaben der Wirtschaft am BIP [Prozent]

0,1

1,9

1,5

2016

Ausgaben für FuE in Unternehmen (BERD) [Mio. USD*]

1.119

91.019

957.418

2016/17/17

Anteil der öffentlich finanzierten Ausgaben für FuE in Unternehmen (direkter Förderanteil) [Prozent]

2,0

3,2

5,3

2016/17/16

Anteil der vom Ausland finanzierten Ausgaben für FuE in Unternehmen [Prozent]

23,2

6,7

7,9

2016/17/16

Ausgaben für FuE in Hochschulen (HERD) [Mio. USD*]

1.208

22.685

233.195

2016/17/17

Anteil der unternehmensfinanzierten Ausgaben für FuE in Hochschulen [Prozent]

0,3

13,8

5,8

2016

Ausgaben für FuE in außeruniversitären öffentlichen Forschungseinrichtungen (GOVERD) [Mio. USD*]

2.319

17.635

135.282

2016/17/17

Anteil der unternehmensfinanzierten Ausgaben für FuE in außeruniversitären öffentlichen Forschungseinrichtungen [Prozent]

0,5

11,2

3,7

2016

Anzahl der Forschenden (Vollzeitäquivalente)

54.046

413.542

4.829.817

2016/17/16

Anzahl der Forschenden (VZÄ) je 1000 Beschäftigte

3,0

9,3

8,3

2016/17/16

Anteil der Forschenden (VZÄ) in privaten Unternehmen [Prozent]

8,1

59,7

61,8

2016/17/16

Anteil internationaler Ko-Patente an Patentanmeldungen unter dem Vertrag über Patentzusammenarbeit (PCT) [Prozent](1)

31,3

16,9

7,7

2014

Tabelle 4: Indikatoren zu Forschung und Entwicklung (FuE)

Quelle: OECD Main Science and Technology Indicators 2018/2, Stand Februar 2019

(1) OECD Patents Statistics, Stand Oktober 2017

* in laufenden Preisen, kaufkraftbereinigt

       

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FuE-Finanzierung

In den OECD-Ländern mit überwiegend hohem Einkommen finanziert meist die inländische Wirtschaft den größten Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung (OECD Gesamt 62 Prozent, Deutschland 65 Prozent). Die Anteile betragen für den Staat knapp 26 bzw. 28,5 Prozent und für das Ausland 6 Prozent (OECD Gesamt und Deutschland).

In Argentinien liegt dagegen traditionell das Schwergewicht auf dem Staat. Durch die Wirtschaftskrise 2007 und die zunehmenden staatlichen Investitionen ist der Anteil der einheimischen Wirtschaft, der 2005 bei über 30 Prozent lag, weit zurückgegangen und erreichte zuletzt weniger als 20 Prozent. Argentinien hat sich somit von dem OECD-Modell entfernt.

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FuE-Durchführung

Bei der Durchführung von Forschung und Entwicklung nehmen die Unternehmen in den OECD-Ländern meist eine dominante Rolle ein (Anteile für Deutschland und OECD Gesamt liegen 69 und 70 Prozent). Im Vergleich dazu halten sich die Unternehmen in Argentinien ähnlich wie bei der Finanzierung sehr zurück.

Der OECD-Raum und in geringerem Maße auch Deutschland sind hochschulzentriert (Verhältnis von GOVERD zu HERD von etwa 35 : 65, bzw. 45 : 55). Im öffentlichen Forschungssektor in Argentinien dominieren dagegen die außeruniversitären öffentlichen Forschungseinrichtungen nach wie vor klar gegenüber den Hochschulen (Verhältnis von GOVERD zu HERD von etwa 66 : 33 bzw. 2 : 1).

 

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Fachliche Stärken

Die Verteilung der Publikationen auf Fachgebiete kann erste Hinweise auf die Stärken eines Forschungssystems geben (Bezugsjahr 2016, (Quelle: SCImago (2007). SJR – SCImago Journal & Country Rank. Retrieved August 8, 2017, from http://www.scimagojr.com)). Weltweit wie in Argentinien steht die Medizin mit den meisten Publikationen an erster Stelle. Jedoch liegt der Anteil in Argentinien mit 15 Prozent unter dem weltweiten Durchschnitt (Welt: 15,9 Prozent sowie Deutschland: 16,7 Prozent). Die Ingenieurwissenschaften in Argentinien können mit relativ geringen Anteilen (5,9 Prozent, zum Vergleich Deutschland: 9,3 Prozent) nicht den zweiten Platz einnehmen, den sie weltweit mit einem Anteil von 10,9 Prozent behaupten. Auf dem zweiten Platz liegen stattdessen Agrar- und Biowissenschaften (s. unten).

Eine Spezialisierung Argentiniens ist in folgenden Fachgebieten festzustellen (Auswahl basierend auf Spezialisierungsindex Länderanteil/Weltanteil ≥ 1,3):

  • Agrar- und Biowissenschaften (Argentinien: 13,6 Prozent, Welt: 5 Prozent sowie Deutschland: 4,4 Prozent);
  • Erd- und Planetare Wissenschaften (Argentinien: 5,2 Prozent, Welt: 3,1 Prozent und Deutschland: 3,6 Prozent);
  • Umweltwissenschaften (Argentinien: 4,7 Prozent, Welt: 3,4 Prozent und Deutschland: 2,8 Prozent);
  • Geisteswissenschaften (Argentinien: 3,6 Prozent, Welt: 1,9 Prozent und Deutschland: 2 Prozent);
  • Immunologie und Mikrobiologie (Argentinien: 3,4 Prozent, Welt: 1,9 Prozent und Deutschland: 2 Prozent).

Bei einem weltweiten Vergleich der Anzahl der Publikationen liegt Argentinien im Jahr 2016 insgesamt auf Rang 43. Die beste Platzierung erreicht Argentinien in den Agrar- und Biowissenschften (Rang 25).

Forschungskapazitäten an Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen haben die beiden nationalen Akademien (La Academia Nacional de Ciencias, ANC sowie die Academia Nacional de Ciencias Exactas, Físicas y Naturales, ANCEFN) 2015 in einer Studie („Estado y pespectivas de las ciencias exactas, físicas y naturales en la Argentina") identifiziert. Abgedeckt sind die Fachgebiete Astronomie, Systembiologie,  Informatik, Physik, Geologie, Ozeanografie, Paläontologie, Chemie, Biologische Chemie und Molekularbiologie.

 

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