Indikatoren für Bildung

Indikator

Brasilien

Deutschland

OECD-Gesamt

Stand

Bildungsanteil am Bruttoinlandsprodukt: Bildung insgesamt [Prozent]

5,0

4,2

5,0

2015

Wachstum des Bildungsanteils am BIP (Differenz des BIP-Bildungsanteils zu dem des Vorjahres in Prozentpunkten) [Prozent]

0,1

-0,1

-0,2

2015

Bildungsanteil am Bruttoinlandsprodukt: tertiäre Bildung [Prozent]

1,0

1,2

1,5

2015

Anteil internationaler abschlussorientierter Studierender aus dem Land [Prozent]*

1

4

2

2016

Anzahl Studierender im Tertiärbereich insgesamt [Mio.]

8,319

3,043

k.A.

2016

Anteil internationaler abschlussorientierter Studierender im Land [Prozent]**

0***

8

6

2016

Anzahl Promovierender insgesamt

107.640

197.000

k.A.

2016

Anteil internationaler abschlussorientierter Promovierender im Land [Prozent]**

2***

9

26

2016

Anteil 25- bis 34-Jähriger mit einem Abschluss im Tertiärbereich [Prozent]

17

31

44

2015/17/17

Anteil an neuen Studienabschlüssen in Mathematik, Statistik und Naturwissenschaften (Ingenieurwissenschaften) [Prozent]

3 (11)

9 (22)

6 (14)

2016

PISA-Ergebnisse: Lesen [Punktzahl (Platzierung)]

407 (59)

509 (12)

493

2015

PISA-Ergebnisse: Naturwissenschaften [Punktzahl (Platzierung)]

401 (63)

509 (16)

493

2015

PISA-Ergebnisse: Mathematik [Punktzahl (Platzierung)]

377 (65)

506 (16)

490

2015

Tabelle 3: Bildungsindikatoren

Quelle: OECD - Education at a Glance 2018, UNESCO Institute for Statistics und "OECD - PISA 2015: Ergebnisse im Fokus"

* OECD (UNESCO) registrieren nur diejenigen internationalen Studierenden, bei denen aufgrund der Aufenthaltsdauer davon auszugehen ist, dass sie einen Abschluss im Ausland anstreben.

** OECD (UNESCO) registrieren nur diejenigen internationalen Studierenden bzw. Promovierenden, bei denen aufgrund der Aufenthaltsdauer davon auszugehen ist, dass sie einen Abschluss in dem jeweiligen Land anstreben.

*** Statt auf internationale (d.h. bei im Ausland erworbener Hochschulzugangsberechtigung ohne Berücksichtigung der Staatsangehörigkeit) bezieht sich diese Angabe auf ausländische Studierende bzw. Promovierende.

       

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Schulen und Hochschulen

Für Kinder zwischen dem 6. und 14. Lebensjahr besteht allgemeine Schulpflicht. Schulpflichtigen brasilianischen Kindern steht verfassungsgemäß das Recht auf kostenlose Grundschulbildung zu. Das primäre und sekundäre Bildungsprogramm in Brasilien umfasst 12 Jahre:

  • Primarstufe (ensino fundamental, 9 Jahre, Alter 6-14 Jahre)
  • Sekundarstufe (ensino médio, 3 Jahre, Alter 15-17 Jahre).

Die Schulbildung wird sowohl in privaten als auch in öffentlichen Schulen angeboten. Etwa 62 Prozent der Schulen werden von den Kommunen und 17 Prozent von den Bundesstaaten und 21 Prozent von privaten Einrichtungen getragen. Die Hochschulreife wird nach mindestens zwölf Schuljahren, frühestens aber im Alter von 17 Jahren erreicht.

In Brasilien gibt es etwa 116.000 Schulen der Primarstufe und etwa 28.000 Schulen der Sekundarstufe. Über 36 Mio. junge Brasilianerinnen und Brasilianer gehen zur Schule. Derzeit beträgt der durchschnittliche Schultag in Brasilien nur 4,5 Stunden (zum Vergleich: in Industrieländern liegt der durchschnittliche Schultag bei bis zu 8 Stunden). In der Sekundarstufe sollen vermehrt Ganztagsschulen eingeführt werden.

Die Qualität der Schulbildung in Brasilien wird als gering eingestuft. In internationalen Vergleichsstudien zum Ausbildungsstand von Schülern gehört Brasilien zu den Schlusslichtern (PISA 2015: zwischen Rang 59 und 65).

In Brasilien gibt es über 2.400 Einrichtungen für Hochschulbildung, mehr als 80 Prozent der Hochschulen sind privat. Im Einzelnen existieren 296 öffentliche Hochschuleinrichtungen (dazu gibt es 2.152 private Institutionen), darunter 108 Universitäten (und 89 weitere private Universitäten), 10 Universitätszentren (und 156 private Zentren), 138 öffentliche Colleges (1.866 private Colleges) und 40 nationale Bildungsinstitute für Wissenschaft und Technologie (siehe OECD (2018) Rethinking Quality Assurance for Higher Education in Brazil, S. 77).

Der überwiegende Teil der Hochschulen fällt in die Kategorie "Faculdades" (Colleges). Diese 138 öffentlichen und 1.866 privaten Colleges bieten nur wenige Studienfächer an, die Qualität der Lehre entspricht nicht deutschen Hochschulstandards und es findet keine nennenswerte Forschung statt. Die meisten privaten Colleges sind profitorientiert.

Demgegenüber ist die Qualität der Lehre (und der Forschung) in den 108 öffentlichen Universitäten, darunter Universitäten des Bundes (63), der Bundesstaaten (39) und der Kommunen (6) sehr gut. Der größte Teil der Forschung in Brasilien findet an diesen Universitäten statt. Die öffentlichen Universitäten genießen wissenschaftlich-didaktische und finanzielle Autonomie. Sie beziehen ihre Mittel je nach Trägerschaft zu unterschiedlichen Teilen aus nationalen oder bundesstaatlichen Quellen.

Neben den öffentlichen Hochschulen gibt es 89 private Universitäten. Sie müssen vom Bildungsministerium anerkannt werden und haben nur begrenzten Zugang zu öffentlichen Mitteln. Die meisten privaten Universitäten haben einen nicht-kommerziellen Schwerpunkt und konzentrieren sich auf die Lehre. Einige wenige private Universitäten, wie die in katholischer Trägerschaft (PUC), sind darüber hinaus auch in der Forschung aktiv.

In Brasilien legt die Verfassung fest, dass an öffentlichen Hochschulen (Universitäten und Colleges) grundsätzlich keine Studiengebühren erhoben werden dürfen. Die Anzahl der Studienplätze an öffentlichen Hochschulen ist jedoch beschränkt und der Zugang wird nach ausgewählten Kriterien wie den Ergebnissen einer national vereinheitlichten schulischen Abschlussprüfung, aber auch universitätseigenen Prüfungen (vestibular) gewährt (siehe OECD (2018), S. 76). Im Ergebnis schreiben sich etwa 75 Prozent der Studierenden an privaten Hochschulen ein, an denen meist Gebühren erhoben werden. Zur Unterstützung vergibt der brasilianische Staat Stipendien.

Das reguläre Studium bis zum ersten Abschluss dauert im Schnitt fünf Jahre (bacharelado), Im Anschluss ist ein Master-Abschluss (mestrado) nach zwei Jahren möglich, für eine Promotion werden vier Jahre benötigt. Während die Anzahl der Studierenden 2009 unter 6 Millionen betrug, waren 2016 über 8,3 Mio. Studierende in Brasilien in tertiären Bildungsgängen eingeschrieben. Die Entwicklung wurde durch einen massiven Ausbau der privaten, aber auch der öffentlichen Hochschulen möglich. Derzeit verlassen über 1 Mio. Brasilianerinnen und Brasilianer jährlich die Hochschulen mit einem Bachelor- oder Masterabschluss. Über 16.000 Absolventen bekommen einen Doktorgrad verliehen.

Trotz des großen Wachstums der absoluten Studierendenzahlen hat Brasilien im internationalen Vergleich noch erheblichen Nachholbedarf: mit einem Anteil von 17 Prozent der 25-34-Jährigen, die einen tertiären Bildungsgang abgeschlossen haben, liegt Brasilien weit unter dem OECD-Durchschnitt von 43 Prozent. Und auch unter den lateinamerikanischen Ländern, zu denen Daten vorliegen, bildet Brasilien mit diesem geringen Anteil das Schlusslicht (zum Vergleich: Mexiko hat einen Anteil von 22 Prozent). Ein wichtiges bildungspolitisches Ziel Brasiliens ist daher, die Anzahl der Studierenden und der Postgraduierten sowie den Anteil der Studierenden an der Altersgruppe der 18-24-Jährigen zu steigern (siehe unter Bildungspolitische Ziele und Programme).

Eine weitere Besonderheit ist, dass der Anteil der neuen Abschlüsse in den Natur- und Ingenieurwissenschaften in Brasilien sehr gering ist (siehe Bildungsindikatoren). 

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Berufliche Bildung

Die Berufsausbildung wird in Brasilien überwiegend an Technischen Schulen (Escolas Técnicas) und in verschiedenen Berufsbildungszentren angeboten. Kurse zur beruflichen Bildung auf der Fachstufe (CNCT) werden landesweit von mehr als 3.500 beim Bildungsministerium anerkannten Einrichtungen angeboten. Die Bildungseinrichtungen werden entweder öffentlich oder von privaten gemeinnützigen Institutionen getragen. Es besteht keine klare Trennung zu Hochschuleinrichtungen. Zum Teil werden Studiengänge und Berufsbildungskurse an der gleichen Einrichtung angeboten. Dabei gibt es eine große Zahl unterschiedlicher Modelle:

  • Technische Schulen (Escolas Técnicas):  Technische Schulen sind meist in öffentlicher Trägerschaft, entweder auf nationaler, bundesstaatlicher oder munizipaler Ebene. In den Technischen Schulen wird die sekundäre Schulbildung mit einer beruflichen Ausbildung der Fachstufe verknüpft. In einigen Fällen sind die Technischen Schulen an nationale Universitäten angegliedert.
  • Bundesinstitute für Bildung, Wissenschaft und Technologie (Institutos Federais): Die Institutos Federais sind öffentliche Einrichtungen in nationaler Trägerschaft in denen sekundäre Schulbildung verbunden mit beruflicher Ausbildung auf der Technologischen Stufe angeboten wird. Die Institutos Federais sind im Netzwerk für Berufliche, Wissenschaftliche und Technologische Ausbildung (Rede Federal de Educação Profissional, Científica e Tecnológica) zusammengefasst. Darüber hinaus werden an den Institutos Federais Kurse der Hochschulbildung angeboten. Die Einrichtungen werden in Brasilien als Hochschulen klassifiziert.
  • Ausbildungszentren von SENAI, SENAC und SENAR: Der weitaus größte Teil des Berufsbildungsangebotes in Brasilien wird von gemeinnützigen Einrichtungen getragen. Die Institutionen des „System S“ bieten in ihren Zentren eine breite Zahl von Ausbildungskursen an. Dabei ist der Nationale Dienst für Industrielle Ausbildung (Servico Nacional de Aprendizaqem Industrial, SENAI) für Industrieberufe, der Nationale Dienst für Ausbildung im Handel (Serviço Nacional de Aprendizagem Comercial, SENAC) für Tätigkeiten in Handel und Dienstleistung, und der Nationale Dienst für Ausbildungen im Ländlichen Raum (Serviço Nacional de Aprendizagem Rural, SENAR) für land- und forstwirtschaftliche Ausbildung zuständig. In den genannten Ausbildungszentren werden darüber hinaus zum Teil auch Hochschulkurse angeboten. Der SENAI bietet sogar Promotionskurse an.

In Brasilien wird grundsätzlich zwischen Beschäftigung (Ocupação) und Beruf (Profissão) unterschieden. Der größte Teil der beruflichen Tätigkeiten fällt unter den Begriff "Beschäftigung" und bedarf deshalb keiner formalen Ausbildung. Die hierunter geführten Tätigkeiten (ca. 3.800) sind in der brasilianischen Klassifikation für Beschäftigungen (CBO) des Ministeriums für Arbeit festgelegt.

Daneben gibt es ca. 80 Berufe, für die eine staatlich anerkannte Ausbildung absolviert werden muss. Dazu gehören Berufe z.B. in den Bereichen Chemie, Handel, Informatik, Umwelt etc.

Allgemein werden in der beruflichen Ausbildung drei Ebenen unterschieden:

  • Aus- und Weiterbildung von Jugendlichen und Erwachsenen mit geringer schulischer Vorbildung
  • Fachstufe: Berufliche und technische Ausbildung mittleren Niveaus für Jugendliche und Erwachsene mit schulischer Vorbildung und Oberschulabschluss (nível técnico)
  • Technologische Stufe: Berufliche und technische Ausbildung auf hohem nicht-universitärem Niveau für Jugendliche und Erwachsene mit Gymnasialbildung (nível tecnológico).

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Weiterbildung

Die meisten der höheren Bildungseinrichtungen in Brasilien bieten Weiterbildungsmaßnahmen an. Nach brasilianischem Recht (Gesetz Nr. 9.394/1996) dürfen sie diese in den Fächern anbieten, in denen auch grundständige Studiengänge angeboten werden.

Das Angebot an Weiterbildung an Hochschulen, sogenannte „pós-graduação“, umfasst über 8.800 verschiedene Kurse. 85 Prozent dieser Kurse werden von den „faculdades" angeboten, Hochschulen mit eingeschränktem Fächerangebot, ohne Promotionskurse.

Eine typische Weiterbildung ist der Erwerb des MBA – Master of Business Administration. Die Dauer der sogenannten pós-graduação muss mindestens 360 Unterrichtsstunden betragen, Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten am Ende ein Zertifikat, aber kein Diplom. Absolventinnen und Absolventen mit einem Abschluss für Industrieberufe des SENAI (Servico Nacional de Aprendizaqem Industrial)  können pós-graduação-Kurse bei dem Nationalen Dienst für Ausbildung im Handel (Serviço Nacional de Aprendizagem Comercial, SENAC) belegen; hier werden technische Kurse und Verwaltungskurse angeboten.

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