Internationale Programmatik: Brasilien

  1. Strategien und Programme
  2. Internationale Präsenz

Strategien und Programme

Für die internationale Zusammenarbeit in Bildung und Forschung ist federführend das brasilianische Außenministerium (Ministério das Relações Exteriores, MRE, auch Itamaraty genannt) u.a. mit einer Abteilung für Wissenschaftskooperation (DCT) und einem Referat für die Bildungskooperation (DCE) verantwortlich.

Die brasilianische Strategie für Wissenschaft, Technologie und Innovation (siehe unter Forschungs- und Innovationspolitische Ziele und Programme) widmet der Internationalisierung von Wissenschaft und Forschung kein eigenes Kapitel. Internationalisierung taucht zwar in verschiedenen Zusammenhängen der Strategie als potenzielle Aktivität auf, ein konkretes Ziel zur Internationalisierung wird jedoch nicht formuliert.

Auslandsstipendien für Masterstudierende, Promovierende und ausgebildete Forschende werden sowohl vom Nationalen Hochschulrat CNPq als auch von der Förderagentur für Hochschulbildung CAPES vergeben.

Aushängeschild der brasilianischen internationalen Forschungspolitik war für mehrere Jahre das Stipendienprogramm "Wissenschaft ohne Grenzen - Science without borders". Mit dem Programm der brasilianischen Regierung sollten Studierende und Forschende Kontakt zu den weltweit besten Universitäten und Forschungseinrichtungen in den Schwerpunktbereichen Medizin, Lebenswissenschaften, Ingenieurwissenschaften und Technologieforschung aufbauen. In den Jahren 2011 bis 2016 nahmen über 90.000 brasilianische Studierende teil. Mit etwa 67.000 ging der überwiegende Teil der Stipendien an Studierende der ISCED-Stufen 6 und 7 (Bachelor und Master). Etwa 11.700 Promovierende realisierten ihre Forschungen oder einen Teil davon im Ausland. Außerdem hielten sich 5.500 brasilianische Post-Docs mit einer Förderung von "Wissenschaft ohne Grenzen" an internationalen Partnereinrichtungen auf. Knapp ein Drittel der Stipendien wurde für Aufenthalte in den USA vergeben. Großbritannien, Kanada und Frankreich waren die nächstwichtigen Zielländer; Deutschland stand an fünfter Stelle. Im Rahmen der massiven Budgetkürzungen der Übergangsregierung wurde das Programm 2016 eingestellt.

Ende 2017 hat CAPES ein neues Programm zur Förderung der institutionellen Internationalisierung von Hochschulen (Programa Institucional de Internacionalização de Instituições de Ensino Superior (IES) e de Institutos de Pesquisa do Brasil, CAPES/PrInt, Pressemitteilung) aufgelegt. Im Gegensatz zu dem Vorgängerprogramm „Wissenschaft ohne Grenzen“ ist CAPES/PRINT ein Strukturprogramm und legt einen klaren Schwerpunkt auf Postgraduiertenstudien. CAPES gewährt brasilianischen Einrichtungen Unterstützung bei der Entwicklung von strategischen Ansätzen zur Internationalisierung.  Jährlich werden etwa. 80 Millionen Euro zur Verfügung gestellt,  um vor allem Reisen ins Ausland und den Aufenthalt von Gastforschenden in Brasilien zu finanzieren. Im August 2018 wurden 25 Hochschuleinrichtungen zur Förderung ausgewählt, insgesamt sollen bis zu 40 Hochschulprojekte unterstützt werden. Die Projekte haben eine Laufzeit von bis zu vier Jahren. CAPES-PRINT wird als erster Schritt in Richtung hin zu einer brasilianischen Exzellenzinitiative gesehen (Bericht DFG-CAPES-Symposium November 2017).

Die internationale Zusammenarbeit in Forschungs- und Technologieprojekten wird sowohl von CNPq als auch von FINEP gefördert. In beiden Einrichtungen gibt es internationale Abkommen zur Zusammenarbeit. Auch CAPES fördert internationale Kooperationsprojekte, so zum Beispiel den Forschungsverbund „Brazilian-German Collaborative Research Initiative in Manufacturing Technology“ (BRAGECRIM, siehe unter Kooperation mit Deutschland). Zunehmende Bedeutung in der Förderung der internationalen Forschungszusammenarbeit hat die Förderagentur des Bundesstaates São Paulo (FAPESP). Wie bei den nationalen Einrichtungen besteht eine Reihe von internationalen Kooperationsabkommen. Internationale Forschungsprojekte werden entweder im Rahmen von bilateralen Bekanntmachungen oder einseitig von FAPESP unterstützt.

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Internationale Präsenz

Argentinien und Brasilien arbeiten in den Bereichen Biotechnologie und Nanowissenschaften eng zusammen. Die Länder haben zwei bi-nationale Forschungszentren gegründet: 1987 das Brasilianisch- Argentinische Zentrum für Biotechnologie (CBAB) und 2005 das Argentinisch-Brasilianische Zentrum für Nanowissenschaften und Nanotechnologie (Centro Argentino-Brasileño de Nanociencias y Nanotecnología, CABNN).

Die Zentren fördern die Ausbildung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Rahmen von Aufbaukursen, den regelmäßigen Austausch von Studierenden und Forschenden, die Durchführung gemeinsamer Forschungsprojekte sowie die Organisation bilateraler Symposien. Diese Maßnahmen werden auf der Grundlage von bilateralen Bekanntmachungen gefördert.

Seit 1998 hat Agrarforschungseinrichtung EMBRAPA unter dem Programm LABEX Auslandspräsenzen eingerichtet. EMBRAPA entsendet ausgewählte Forschende für zwei bis drei Jahre an Partnereinrichtungen im Ausland, um dort virtuelle gemeinsame Laboratorien aufzubauen. Ziel ist es, dadurch einen stärkeren Wissens- und Technologietransfer anzustoßen. Solche Außenstellen bestehen in den USA, Europa (primär Frankreich), China, Südkorea und Japan (im Aufbau). Im Forschungszentraum Jülich operiert seit 2018 „LABEX Germany“. Unter dem Motto „reverse Labex" können Forschende aus den Partnerorganisationen an Einrichtungen von EMBRAPA arbeiten.

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