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Überblick zur Kooperation mit Deutschland: Chile

Für Chile hat die Zusammenarbeit mit Deutschland in Bildung und Forschung einen hohen Stellenwert. Deutschland würde nach älteren Daten (2015) mit 680 chilenischen Studierenden als Zielland Rang 7 belegen, als Ko-Publikationsland (2016-18) sogar Rang 4.

Die Grundlage der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit (WTZ) mit Chile bildet das am 1. Oktober 2012 unterzeichnete bilaterale Regierungsabkommen. Das aktuelle Abkommen ersetzt das WTZ-Regierungsabkommen vom 28. August 1970. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) stellt über seine internationale Abteilung Mittel für Sondierungs- und Vernetzungsaktivitäten und Workshops sowie für die Nachwuchsförderung bereit. Seit 2006 werden regelmäßig Förderbekanntmachungen der internationalen Abteilung veröffentlicht. Projekte der Forschungskooperation werden bilateral von BMBF und dem chilenischen Forschungsrat CONICYT finanziert. Die vorletzte Bekanntmachung datiert von 2015. Die Schwerpunktthemen waren: Nachhaltige Nutzung von Naturressourcen; Biotechnologie und Bioökonomie (begrenzt auf Agrarproduktion nachhaltig gestalten; gesunde und sichere Lebensmittel produzieren; nachwachsende Rohstoffe industriell nutzen). Davon werden insgesamt zwölf Projekte mit einem Gesamtbudget von rund 3 Mio. Euro gefördert. Eine neue Förderbekanntmachung von April 2018 legt den Schwerpunkt auf den Schutz vor Naturrisiken und die Anpassung an den Klimawandel sowie Gesundheitsforschung, insbesondere nicht übertragbare Krankheiten (Herz-Kreislauf- und neurodegenerative Erkrankungen).

Das BMBF unterstützt mit der Fördermaßnahme „Forschungsstrukturen“ mit ausgewählten lateinamerikanischen Ländern den Aufbau nachhaltiger, gemeinsamer Forschungsstrukturen. Damit soll der Zugang zu Forschungsobjekten und -netzwerken sowie zu personellen und Infrastruktur-Ressourcen in Lateinamerika erleichtert und die WTZ-Vereinbarungen umgesetzt werden. Mit Chile werden die Themen Nachhaltige Energiesysteme (1 Projekt) und Gesundheitsforschung (3 Projekte) gefördert.

Die Fachabteilungen des BMBF fördern Kooperationsprojekte mit verschiedenen fachlichen Schwerpunkten. Dazu gehören Verbundprojekte im Rahmen der Förderbekanntmachung „Internationale Partnerschaften für nachhaltige Klimaschutz- und Umwelttechnologien und -dienstleistungen (CLIENT)“. Im Rahmen der Fördermaßnahme r4 wurde Chile als strategisches Partnerland für wirtschaftsstrategische Rohstoffe explizit erwähnt. Im Januar 2013 besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel Chile. Zu diesem Anlass wurde eine Rohstoffpartnerschaft zwischen Deutschland und Chile vereinbart und ein Deutsch-Chilenisches Forum für Bergbau und mineralische Rohstoffe eingerichtet, das Unternehmen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen zusammen führt. Chile ist auch Zielland bei der aktuellen Förderbekanntmachung „CLIENT II – Internationale Partnerschaften für nachhaltige Innovationen", die sich u.a. mit internationaler Verbundforschung zu wirtschaftsstrategischen Rohstoffen beschäftigt (zwei Förderbekanntmachungen bis 2019). Das BMBF fördert insgesamt drei Projekte im Bereich Rohstoffeffizienz und Naturrisiken. Auch im Rahmen der BMBF-Fördermaßnahme „Bioökonomie International“ ist Chile eines der Schwerpunktländer. Die erste Förderrunde wurde 2012 gestartet. Insgesamt werden derzeit drei deutsch-chilenische Vorhaben in der Bioökonomie gefördert. Die jüngsten Projekte haben 2016 begonnen.

Das BMBF beteiligt sich auch an Förderbekanntmachungen der ERANet-LAC/EU-CELAC-Interessengruppe (siehe unter Überblick zur internationalen Kooperation). Projektkonsortien, die sich um eine Förderung bewerben, müssen Forschende aus mindestens vier Ländern (darunter zwei europäische und zwei lateinamerikanische) miteinander verbinden.

Das BMBF finanziert 26 Prozent der Kosten der Europäischen Südsternwarte (ESO) mit ihren Standorten Santiago, Paranal, La Silla und Chajnantor in Chile. Damit ist Deutschland der größte Beitragszahler innerhalb der 11 beteiligten europäischen Länder. Der Hauptsitz der ESO mit den wichtigsten wissenschaftlichen und technischen Abteilungen und der Verwaltung der Organisation befindet sich in Garching in der Nähe von München.

Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) pflegt seit 1996 intensive Kontakte zur chilenischen Partnerorganisation CRUCH, auch im Rahmen von regelmäßigen bilateralen Treffen. Die HRK schloss 2002 mit Chile das erste Cotutelle-Abkommen (HRK-Rahmenabkommen) zu binationalen Promotionsverfahren mit einem außereuropäischen Land ab. Laut Hochschulkompass existieren derzeit 325 Hochschulkooperationen zwischen deutschen und chilenischen Hochschulen (Stand 08/2018).

Internationale Mobilität von und nach Chile wird durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) gefördert. Der DAAD unterstützte 2017 durch eigene Programme 283 Studierende und Graduierte sowie 105 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern (einschließlich Post-Docs) und Hochschullehrkräfte aus Deutschland. In die Richtung von Chile aus nach Deutschland ist die Nachfrage etwas größer: Unter eigenen Programmen förderte der DAAD im Jahr 2017 435 chilenische Studierende und Graduierte sowie 145 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern (einschließlich Post-Docs) und Hochschullehrkräfte, um ihnen einen Deutschlandaufenthalt zu ermöglichen. Die Schwerpunkte des DAAD liegen im Bereich der Studierenden auf einem Programm für angehende chilenische Ingenieurinnen und Ingenieure, die zu einem zweisemestrigen Studienaufenthalt nach Deutschland kommen (jährlich bis zu 60), zum anderen auf der Förderung chilenischer Promovierender an deutschen Hochschulen.

Auch bei der DFG genießt die Kooperation mit Chile einen hohen Stellenwert. Seit 2013 haben chilenische Forschende beim CONICYT die Möglichkeit, eine finanzielle Förderung von Forschungsprojekten über das FONDECYT-Programm zu beantragen, wenn ihr deutscher Kooperationspartner bereits in einem damit verbundenen Vorhaben von der DFG gefördert wird. Die DFG hat bereits 10 Forschungsprojekte bewilligt.

Die AvH hat seit 1953 insgesamt 195 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Chile durch Forschungsstipendien gefördert. Bisher wurden vier Forschungspreise an Wissenschaftler aus Chile verliehen. Um den Austausch von international hochrangigen Spitzenwissenschaftlern zwischen beiden Ländern zu fördern, unterzeichnete die Alexander von Humboldt-Stiftung mit der chilenischen Partnerorganisation CONICYT ein Abkommen zur wechselseitigen Vergabe von Forschungspreisen.

Die vier großen außeruniversitären Forschungsorganisationen pflegen die Zusammenarbeit mit Chile seit langem intensiv. Die Max-Planck-Institute (MPIs) förderten 2017 insgesamt 28 Kooperationsprojekte mit Chile. 2017 hielten sich insgesamt 76 chilenische Nachwuchs- und Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler an MPIs auf. Insgesamt kooperieren zurzeit drei MPIs mit chilenischen Einrichtungen, darunter das MPI für Astronomie, das MPI für Strafrecht sowie das MPI für biophysikalische Chemie in Göttingen. Im März 2015 haben die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und das Zentrum für Neurowissenschaften der Universidad Valparaíso eine Kooperationsvereinbarung zur Einrichtung von Tandemgruppen unterzeichnet. Es besteht großes Interesse an einer nachhaltigen, projektorientierten Förderung für die in Max-Planck-Instituten ausgebildeten chilenischen Promovierten und Postdocs, die nach Chile zurückkehren (Portal MPG Lateinamerika - Chile).

Die Fraunhofer-Gesellschaft (FhG) ist in Chile mit zwei Instituten, mehreren Projekten und rund 150 Mitarbeitern stark vertreten (siehe unten).

Aus der großen Vielzahl von Kooperationen der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF) ragen vor allem das Forschungsvorhaben “Riesgos” zur Entwicklung eines prototypischen Multi-Risiko-Informationssystems für die Andenregion in Chile, Ecuador und Peru heraus. Das Projekt hat zum Ziel, die Informationsgrundlagen für das Management von Naturkatastrophen zu verbessern und Strategien zur Vermeidung von Risiken zu entwickeln.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) betreiben seit 1991 die deutsche Forschungsstation GARS O’Higgins (German Antarctic Receiving Station) in der Antarktis. Seit Anfang 2010 befinden sich ganzjährig Kampagnenteams vor Ort. Der Betrieb der Station erfolgt in enger Kooperation mit dem Chilenischen Antarktis-Institut (INACH).

Andere Bundesministerien und Bundesländer sind ebenfalls in Chile aktiv. So kooperieren mehrere Einrichtungen mit Chile, die dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zugeordnet sind.

Vor Ort in Chile sind deutsche Hochschulen, Forschungs-, Förder- und Mittlerorganisationen wie folgt vertreten:

  • Das DAAD-Informationszentrum in Santiago de Chile wurde 1999 gegründet.
  • Unter Beteiligung des DAAD richtete die Universität Heidelberg 2001 mit dem Heidelberg Center für Lateinamerika (HCLA) das erste Graduierten- und Weiterbildungszentrum einer deutschen Universität im Ausland ein. Seit 2009 wird das HCLA im Rahmen der vom Auswärtigem Amt und DAAD initiierten Initiative für Exzellenzzentren noch bis 2020 gefördert. Gemeinsam mit der Universidad de Chile und der Pontificia Universidad Católica de Chile baut das Heidelberg-Center ein international orientiertes Ausbildungsangebot in den Fächern Medizinische Physik, Astronomie, Geo- und Umweltwissenschaften sowie Jura auf, das sich auch an Studierende und Graduierte anderer lateinamerikanischer Länder richtet.
  • Ende 2010 gründete die Fraunhofer-Gesellschaft (FhG) mit der Stiftung Fraunhofer Chile Research (FCR) ihre erste Tochtergesellschaft in Lateinamerika.
  • Das Fraunhofer Chile Center for Systems Biotechnology (FCR-CSB) nahm Anfang 2011 seine Arbeit auf. Das CSB ist eines der Einrichtungen, die unter dem chilenischen Förderprogramm für internationale Exzellenzzentren gefördert werden (siehe vorheriger Abschnitt).)
  • Am 28.Mai 2015 wurde das Fraunhofer Chile Research Center for Solar Energy Technologies (FCR-CSET) in Santiago eröffnet, das in der zweiten Ausschreibungsrunde für internationale Exzellenzzentren erfolgreich war. Es wird wie das FCR-CSB für die Dauer von 8 Jahren von CORFO gefördert. Ziel des Zentrums ist es, mit Hilfe der umfangreichen Erfahrung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE die Entwicklung einer nachhaltigen Solarwirtschaft in Chile zu unterstützen.
  • An dem Integrierten Plattengrenzen Observatorium in Chile (IPOC) ist das Geoforschungszentrum (GFZ) Potsdam der Helmholtz-Gemeinschaft mit fünf weiteren deutschen Einrichtungen (IFM-GEOMAR, FU Berlin, Universität Potsdam, Universität Hamburg, Institut für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben der Leibnizgemeinschaft Hannover) und mehreren internationalen Partnern in einem Konsortium beteiligt. Die GFZ hat die IPOC-Stationen im März 2010 an die Universidad de Chile und die Universidad Catolica del Norte übergeben (siehe vorheriger Abschnitt).

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