StartseiteLänderAmerikaKanadaBericht zum Missverhältnis in Kanadas Hochschulwesen: Mehr Promovierte konkurrieren um begrenzte Stellen

Bericht zum Missverhältnis in Kanadas Hochschulwesen: Mehr Promovierte konkurrieren um begrenzte Stellen

Berichterstattung weltweit

Ein neuer Expertenbericht des Council of Canadian Academies stellt fest, dass Kanada ein akademisches Problem hat: Eine wachsende Zahl kanadischer Promovierter hat Probleme beim Übergang in den Arbeitsmarkt. Der Bericht beschreibt die Herausforderungen, mit denen Promovierte zu Beginn ihrer Karriere konfrontiert sind, die Schlüsselfaktoren, die zu diesen Herausforderungen beitragen, und vielversprechende Praktiken, um sie zu bewältigen.

Um die Herausforderungen besser zu verstehen, mit denen Doktorandinnen und Doktoranden beim Übergang in den Arbeitsmarkt konfrontiert sind, hat der Council of Canadian Academies (CCA) 2019 ein 12-köpfiges Expertengremium einberufen. Der daraus resultierende 220-seitige Bericht "Degrees of Success" wurde am 26. Januar veröffentlicht.

Zwischen 2002 und 2017 habe sich die Zahl der Promotionen in Kanada von 3.700 auf über 8.000 mehr als verdoppelt, während die Zahl der angestrebten Stellen im Tenure Stream der Hochschullandschaft unverändert bei etwa 41.000 verharre. Dadurch seien viele Absolventen auf prekäre und befristete Stellen als Vertrags- und Teilzeitdozierenden angewiesen. Anders als zum Beispiel in den USA oder Australien stünden alternative Karrierewege abseits der Hochschullandschaft in Kanada noch nicht im Beratungsportfolio der Graduate Schools. Diese Kombination aus mehr promovierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie einer sinkenden Zahl neuer Tenure-Track-Stellen hat zu einem größeren Wettbewerb um die vorhandenen Stellen geführt. Darüber hinaus käme noch die Konkurrenz in Form von Absolventinnen und Absolventen aus aller Welt hinzu.

Zudem sind die Verdienstunterschiede beträchtlich, wie der Bericht feststellt: Promovierte Wirtschaftswissenschaftlerinnen und -wissenschaflter verdienen nach fünf Jahren über 80 Prozent mehr als Promovierte der Geistes- und Naturwissenschaften. Hinzu kommt, dass Diskriminierung und unbewusste Vorurteile sich ebenfalls auf Absolventen auswirken können. So verdienen Männer fünf Jahre nach ihrer Promotion 19 Prozent mehr als Frauen, während Frauen eher arbeitslos sind oder in Teilzeit arbeiten. Es gibt weniger Studierende verschiedener Ethnien auf den höchsten Bildungsebenen und auch Menschen mit Behinderungen haben es schwer.

Während ein fortgeschrittener Abschluss viele wichtige Fähigkeiten mit sich bringe, bereite ein Doktortitel die Studierenden oft nicht auf die Arbeitswelt vor und die Absolventinnen und Absolventen seien sich nicht bewusst, welche Fähigkeiten sie für einen zukünftigen Arbeitgeber mitbringen könnten. Oder es bestehe eine Diskrepanz zwischen den von Arbeitgebern gewünschten Fähigkeiten und den von PhD-Absolventen während ihres Studiums erworbenen Kompetenzen.

Zwar zieht der Bericht weder Schlussfolgerungen noch gibt er Empfehlungen ab, allerdings widmet sich ein Kapitel vielversprechenden Maßnahmen wie Mentoring, beruflicher Entwicklung und arbeitsintegrierten Lernprogrammen, mit denen der Doktortitel weiter eine relevante Möglichkeit bleiben kann.

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Quelle: University Affairs Redaktion: von Sarafina Yamoah, VDI Technologiezentrum GmbH Länder / Organisationen: Kanada Themen: Bildung und Hochschulen

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