StartseiteLänderAmerikaMexikoZusammenfassungÜberblick zur Kooperation mit Deutschland

Überblick zur Kooperation mit Deutschland: Mexiko

Mexiko bietet ein großes Kooperationspotenzial und nimmt für Deutschland eine Sonderstellung in Lateinamerika ein. Das liegt sowohl an der regionalen Bedeutung und Wirtschaftskraft Mexikos als auch an den traditionell engen kulturellen und wirtschaftspolitischen Beziehungen zwischen den Ländern. Von Mai 2016 bis Juli 2017 fand ein Deutschlandjahr in Mexiko sowie ein Mexikojahr in Deutschland statt. Die Durchführung in Mexiko oblag dem Goethe-Institut.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das mexikanische Bildungsministerium (SEP) unterzeichneten am 09. Juni 2015 ein gemeinsames Kooperationsabkommen zur Berufsbildung. Dieses legt die Grundlage für die bilaterale Zusammenarbeit der kommenden Jahre. Seit Juli 2015 läuft das Projekt „Weiterentwicklung des mexikanischen Modells der dualen Berufsbildung“ (Modelo Mexicano de Formación Dual, MMFD).  Die deutsche Seite, insbesondere das Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB)-GOVET  leistet technische Beratung bei der Einführung und Vertiefung von Ansätzen der dualen Berufsausbildung in Mexiko, insbesondere durch Einbindung des privaten Sektors. Damit wird auch zur Fachkräftesicherung für die deutsche Wirtschaft im Ausland beigetragen. Seit Oktober 2016 nimmt die Auslandshandelskammer (AHK/CAMEXA) in Mexiko an dem vom BMBF geförderte Projekt „VETnet“ (German Chambers worldwide network (AHK) for cooperative, work-based Vocational Education & Training) teil. Eine zentrale Rolle bei VETnet spielt die Qualitätssicherung der dualen Ausbildung "made in Germany": Fachkräfte für Ausbildung und Prüfung werden entsprechend geschult, Prüfungen auf Basis deutscher Standards durchgeführt (AHK Mexiko: Mexikanisches Modell der dualen Berufsausbildung).

Seit der Unterzeichnung des Regierungsabkommens zur wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit im Jahr 1974 haben sich zahlreiche und weitgefächerte Kooperationen entwickelt. Das BMBF stellt über seine internationale Abteilung Mittel für Sondierungs- und Vernetzungsaktivitäten und Workshops sowie für die Nachwuchsförderung bereit. In den Fachabteilungen werden Kooperationsprojekte mit verschiedenen fachlichen Schwerpunkten gefördert. Dazu gehören Verbundprojekte wie der Spitzencluster, der perspektivisch mit Mexiko in dem Bereich Gesundes Leben und der Internationalisierung des Sport‐Innovation‐Netzwerks kooperieren wird, sowie die Einrichtung von zwei Forschungskollegs, den „Maria Sybilla Merian Centers for Advanced Latin American Studies“. Während eines der Forschungskollegs, CALAS, seinen Hauptsitz in Mexiko hat (siehe unten), ist an dem Merian Center „Conviviality in unequal Societies“ Mecila mit Hauptsitz in Brasilien das Colegio de Mexico (COLMEX) beteiligt.

Die bilaterale wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit mit Mexiko hat sich kontinuierlich entwickelt. Es finden regelmäßig gemeinsame Förderbekanntmachungen statt. Projekte der Forschungskooperation werden bilateral von BMBF und dem mexikanischen Forschungsrat CONACYT finanziert. Zu den Aktivitäten des Deutschlandjahres mit Wissenschaftsbezug gehörten die Durchführung einer Konferenz zur Mexikanisch-Deutschen Kooperation aus Sicht von Wirtschaft und Hochschulen im Februar 2017 sowie ein gemeinsames Wissenschafts- und Technologie-Symposium von BMBF und CONACYT am 14./15. November 2016 in Mexiko-Stadt. Dabei wurden wichtige Impulse für eine bilaterale „2+2“- Bekanntmachung von CONACYT und BMBF für innovative Forschungsprojekte mit Beteiligung von Unternehmen gegeben. Sowohl auf deutscher als auch mexikanischer Seite müssen jeweils ein KMU und eine Forschungseinrichtung beteiligt sein. Themen waren: Biotechnologie, Materialforschung und Nanotechnologie. Es werden derzeit drei Verbundprojekte gefördert.

Das BMBF unterstützt in fünf lateinamerikanischen Ländern den Aufbau von Forschungsstrukturen, um Forschende in Deutschland und Lateinamerika nachhaltig zu vernetzen. Von den neun geförderten Projekten ist das Projekt der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg zur Erzeugung von Biogas aus Abfallstoffen in Mexiko angesiedelt (Oaxaca).

Weiterhin fördert das BMBF mit der Maßnahme die Einreichung von Projektanträgen deutscher Antragsteller gemeinsam mit Partnerländern aus Nord- und Südamerika unter dem EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation Horizont 2020. Es werden Finanzmittel für Sondierungs- und Vernetzungsmaßnahmen bereitgestellt.

Das BMBF beteiligt sich auch an Förderbekanntmachungen der ERANet-LAC/EU-CELAC-Interessengruppe (siehe vorheriger Abschnitt). Projektkonsortien, die sich um eine Förderung bewerben, müssen Forschende aus mindestens vier Ländern (darunter zwei europäische und zwei lateinamerikanische) miteinander verbinden.

Die Hochschulbeziehungen mit Mexiko entwickeln sich dynamisch: Laut Hochschulkompass existieren derzeit 409 Hochschulkooperationen zwischen deutschen und chilenischen Hochschulen (Stand 03/2019). Das Deutsche Hochschulkonsortium für Internationale Kooperation (DHIK) erhält vom BMBF eine fünfjährige Förderung bis Ende 2019 zum Ausbau der Zusammenarbeit mit der renommierten  privaten Hochschule, dem Institut für Technologische und Höhere Studien Monterrey (ITESM oder auch Tec Monterrey). Das DHIK mit Sitz in Mannheim besteht aus 28 deutschen Hochschulen. Im Rahmen der Mexikanisch-Deutschen Hochschulkooperation (MDHK) werden in sieben Fachrichtungen der Ingenieurwissenschaften gemeinsame Bachelor- und Masterstudiengänge eingeführt.

Mexiko ist seit vielen Jahrzehnten eines der wichtigsten Partnerländer des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD) in Lateinamerika. Der DAAD ist vor Ort durch eine Außenstelle in Mexiko-Stadt vertreten. Die Austauschbeziehungen (18 verschiedene Austauschprogramme) mit Mexiko haben in den letzten Jahren stark zugenommen. Der DAAD förderte 2017 durch eigene Programme 548 Studierende und Graduierte sowie 61 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern (einschließlich Post-Docs) und Hochschullehrende aus Deutschland. In die Richtung von Mexiko aus nach Deutschland ist die Nachfrage allerdings größer: Unter eigenen Programmen unterstüzte der DAAD im Jahr 2017 861 mexikanische Studierende und Graduierte sowie 76 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern (einschließlich Post-Docs) und Hochschullehrende.

Internationale Mobilität von und nach Mexiko wird auch durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) gefördert. Bisher hat die Humboldt-Stiftung insgesamt 152 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Mexiko durch Forschungsstipendien gefördert und acht Forschungspreise verliehen. Die DFG hat mit ihrer Partnerorganisation CONACYT 2014 ein neues, flexibleres Abkommen unterzeichnet. Im Rahmen des neuen Abkommens können jetzt zweimal im Jahr Anträge gestellt werden. Anträge für sogenannte koordinierte Verfahren (Graduiertenkollegs, Forschergruppen usw.) können nach vorheriger Absprache mit den Förderorganisationen jederzeit eingereicht werden. Ende 2018 hat die DFG beschlossen, dass ein neues Internationales Graduiertenkolleg (IGK) „Temporalities of Future in Latin America: Dynamics of Aspiration and Anticipation“ gefördert wird, dass soziale Praktiken erforscht, welche darauf abzielen, gesellschaftliche Zustände zu verändern (FU Berlin, Sprecher: Prof. Dr. Stefan Rinke; Kooperationspartner: Centro de Investigaciones y Estudios Superiores en Antropología Social, El Colegio de Mexico, UNICIT-UNAM Campus Juriquilla).

Die vier großen außeruniversitären Forschungsorganisationen pflegen die Zusammenarbeit mit Mexiko seit Langem intensiv. Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) fördert insgesamt 20 Kooperationsprojekte mit Mexiko (Portal MPG Lateinamerika - Mexiko). Mexiko gehört in Lateinamerika nicht zu den Schwerpunktländern der Fraunhofer-Gesellschaft (FhG). Nach Brasilien ist es jedoch in den letzten Jahren das Land mit den höchsten Auslandserträgen in der Region. Wichtigster Kooperationspartner ist VW Mexiko. Das Fraunhofer IME und das Zentrum für Forschung und Postgraduiertenstudien des Instituto Politécnico Nacional (CINVESTAV) in Mexiko-Stadt haben im  Juli 2016 eine Kooperationsvereinbarung zum Aufbau einer bilateralen Forschungs- und Entwicklungsallianz auf den Gebieten Life Science, Health care, Biotechnologie und angewandte Ökologie unterzeichnet. Das Fraunhofer-ISE kooperiert mit mexikanischen Partnern beim Aufbau von solarthermischen -Testlaboren und bei der Integration von Solarkollektoren in industriellen Prozessdampfanlagen.

Die Helmholtz-Gemeinschaft (HGF) arbeitet in zahlreichen Projekten mit mexikanischen Partnern zusammen. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) kooperiert mit der 2010 gegründeten mexikanischen Raumfahrtagentur (Agencia Espacial Mexicana, AEM) und unterstützt sie beim Aufbau eigener Raumfahrtkapazitäten. Im Einvernehmen mit CONACYT hatte das DLR Ende 2013 Eigentum und Betrieb einer Bodenstation in Chetumal auf AEM übertragen. Die Antennen-Station wird weiterhin für Forschungsaktivitäten des DLR zur Verfügung stehen.

Das Alfred-Wegener Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) ist in der Meeresforschung ein Schlüsselpartner, z.B. mit dem Centro de Investigaciones Biológicas del Noroeste (CIBNOR) in Mexiko. Zukünftig werden auf deutscher Seite besonders die Studierenden des neuen Master-Studienganges „Marine Biology“ an der Universität Bremen von der Zusammenarbeit mit dem AWI und CIBNOR profitieren. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) kooperiert mit mexikanischen Hochschulen in der Lehre und Forschung im Bereich der Physik. Weiterhin haben das Institut für Meteorologie und Klimaforschung (IMK) und die Universidad Nacional Autonoma de Mexico (UNAM) eine NDACC-Messstation (internationales Netzwerk zur Beobachtung des atmosphärischen Klimawandels) eingerichtet. Außerdem unterhalten sechs Institutionen der Leibniz-Gemeinschaft acht Projektkooperationen mit Universitäten und außeruniversitären Einrichtungen in Mexiko.

Andere Ressorts und Bundesländer sind ebenfalls aktiv. So kooperiert die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB), die dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) zugeordnet ist, im Bereich Metrologie mit Mexiko. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert deutsch-mexikanische Kooperationsprojekte mit dem Biomasseforschungszentrum (DBFZ), Julius Kühn-Instituten (JKI) sowie mit Thünen-Instituten (TI).

Das Bundesministerium für Entwicklungszusammenarbeit (BMZ) finanziert zurzeit rund 20 Projekte in der bilateralen staatlichen technischen und finanziellen Zusammenarbeit mit Mexiko sowie ein Mehrzahl an Projekten von Nichtregierungsorganisationen und Kirchen in den Bereichen nachhaltige Energie, städtisch-industrieller Umweltschutz, Erhalt der Biodiversität, Zivilgesellschaft / Rechtsstaatlichkeit/ soziale Gerechtigkeit sowie berufliche Bildung.

Vor Ort in Mexiko sind deutsche Kammern, Hochschulen und Förderorganisationen wie folgt vertreten: 

  • Auslandshandelskammer AHK Mexiko (Cámara Mexicano-Alemana de Comercio e Industria, CAMEXA): Sie ist im German Centre For Industry and Trade im Westen von Mexiko- Stadt präsent und in wichtigen Industrieregionen im Land vertreten.
  • DAAD-Außenstelle Mexiko-Stadt
  • Forschungskolleg „Maria Sybilla Merian Centre for Advanced Latin American Studies“ (CALAS), das seit 2017 an der Universidad Guadalajara angesiedelt ist. Auf deutscher Seite sind die Universitäten Bielefeld, Kassel, Hannover und Jena beteiligt. Thema ist die regionale Krisenforschung („Coping with Crisis: Perspectives from Latin America“).

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