StartseiteLänderAmerikaUSAZusammenfassungÜberblick zur Bildungs-, Forschungs- und Innovationslandschaft und -politik

Überblick zur Bildungs-, Forschungs- und Innovationslandschaft und -politik: USA

Die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) sind ein starker Forschungs- und Entwicklungsstandort. Im weltweiten Vergleich liegen sie mit Gesamtausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) von 543 Milliarden USD (kaufkraftbereinigt) und mit über 620.000 wissenschaftlichen Publikationen 2017 nach wie vor auf Rang 1 vor China auf Rang 2. Durch die massiven Investitionen asiatischer Länder haben die USA jedoch an Vorsprung verloren. In den 15 Jahren seit der Jahrtausendwende ist der Anteil der USA an den weltweiten FuE-Gesamtausgaben von 37 auf 26 Prozent geschrumpft (Quelle: National Science Board (NSB): Science & Engineering Indicators 2018, Cross-National Comparisons of R&D Performance). In Bezug auf die Anzahl wissenschaftlicher Publikationen wurden die USA in Fachbereichen wie z.B. Ingenieurwisenschaften, Chemie, Mathematik und Energie bereits von China überholt. Ein großer Vorsprung der USA besteht weiterhin in den verschiedenen Bereichen der Lebenswissenschaften (Datenquelle für bibliometrische Daten: SCImago. (2007). SJR — SCImago Journal & Country Rank. Retrieved February, 10 2018, from www.scimagojr.com). Der Anteil der gesamten FuE-Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP), und damit die FuE-Intensität lag in den USA 2017 bei 2,8 Prozent. Insbesondere die Unternehmen erweisen sich mit ihren Investitionen als Zugpferde, während der öffentliche Sektor in den letzten Jahren stagniert (siehe FuE-Indikatoren).

Die Zuständigkeiten für Forschung, Wissenschaft und Bildung sind zwischen bundesstaatlicher Regierung und den 50 Bundesstaaten aufgeteilt. Das gesamte Bildungswesen, einschließlich der Universitäten, unterliegt den Bundesstaaten. Viele Bundesstaaten, z.B. Kalifornien, haben auch ein Netz eigener Forschungsinstitute und eigene Forschungsprogramme etabliert. Der Bildungsbereich wird auf bundesstaatlicher Ebene vom 1980 gegründeten Bildungsministerium (U.S. Department of Education) vertreten, das aber nur einen sehr eingeschränkten Zuständigkeitsbereich hat.

Auf Bundesebene werden Wissenschaftspolitik und öffentliche Förderung von Forschung und Entwicklung von einem breiten Spektrum von Behörden, Fachministerien, Agenturen und Gremien getragen. Es gibt in den USA weder ein Wissenschafts- bzw. Forschungsministerium noch einen gemeinsamen Forschungsetat. Die vielfältigen Aktivitäten der verschiedenen Fachministerien und anderen staatlichen Einrichtungen werden formal im Weißen Haus durch das Office of Science and Technology Policy (OSTP), das Office of Management and Budget (OMB) und den National Science and Technology Council (NSTC) koordiniert.

Die nationalen Forschungs- und Technologiezentren („National Laboratories“) liegen im Verantwortungsbereich des Energieministeriums (U.S. Department of Energy, DoE). Im Zuständigkeitsbereich des Gesundheitsministeriums (U.S. Department of Health and Human Services, DHHS) werden die medizinischen Forschungsinstitute der Forschungs- und Förderorganisation National Institutes of Health (NIH) betrieben. Den mit Abstand höchsten Forschungsetat hatte im Jahr 2016 das Verteidigungsministerium (U.S. Department of Defence, 69 Mlliarden USD), gefolgt von dem Gesundheitsministerium (32 Mlliarden USD), dem Energieministerium (13 Mlliarden USD), der National Aeronautics and Space Administration (NASA, 12 Mlliarden USD) sowie der National Science Foundation (NSF, 6,1 Mlliarden USD, Quelle: Science & Engineering Indicators 2018, 4/75, Tabelle 4.15).

Die USA haben lange Zeit auf öffentlich finanzierte Einrichtungen zur Industrieforschung verzichtet. Die Überführung von Innovationen in industrielle Produktion vor Ort stellte sich jedoch als zunehmend problematisch heraus. Daher ergriff die Obama-Regierung 2014 eine Initiative, um Innovationsinstitute nach dem Vorbild von Fraunhofer einzurichten (Manufacturing USA).

Im Jahr 2015, also noch unter der Obama-Regierung, wurde die jüngste umfassende Forschungs- und Innovationsstrategie unter dem Titel „A Strategy for American Innovation: Securing Our Economic Growth and Prosperity“ zur Innovationspolitik veröffentlicht. Dabei werden vorrangig folgende Zielsetzungen verfolgt: starke Investitionen in die Grundlagenforschung, die die globale Führungsrolle der USA zementieren, Investitionen in eine zukunftsträchtige digitale Infrastruktur sowie Steuerleichterungen für innovative Unternehmen. Ein wichtiges Ziel ist es auch, den Bildungsstand der US-amerikanischen Schülerinnen und Schüler in Mathematik, Naturwissenschaften und Technik zu verbessern.

Nach den Neuwahlen vom 8. November 2016 wurde der Republikaner Donald Trump am 19. Dezember 2016 durch ein Kollegium von Wahlfrauen und -männern ("electoral college") zum 45. Präsidenten der USA gewählt. Inhaltlich unterscheidet sich die Politik der republikanischen Regierung stark von der demokratischen Regierung zuvor, eine neue inhaltliche Gesamtstrategie für Wissenschaft, Forschung und Innovation wurde bislang nicht vorgestellt. Das Personal des White House Office of Science and Technology Policy (OSTP) wurde stark reduziert. Die Position des Direktors, der als Wissenschaftsberater des Präsidenten fungiert, blieb zunächst unbesetzt. Erst im Januar 2019 bestätigte der Senat die Ernennung des Meteorologen Kelvin Kay Droegemeier. Neben der Sicherheitsforschung bleibt die Gesundheitsforschung ein wichtiger Schwerpunkt. Präsident Trump hat in den beiden Jahren 2017 und 2018 jeweils deutliche Kürzungen der öffentlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung im Haushalt vorgeschlagen. Der Kongress konnte dies jedoch abwenden. Auch der Plan des Präsidenten, zwei spezialisierte Fördereinrichtungen für angewandte Energieforschung und für Geisteswissenschaften – die Advanced Research Projects Agency-Energy (ARPA-E) sowie das National Endowment for the Humanities (NEH) – zu schließen, wurde vom Kongress im Jahr 2018 abgelehnt. Die Verbesserung des Bildungsstandes in Mathematik, Naturwissenschaften und Technologien ist weiterhin eine Priorität unter Präsident Trump. Im Dezember 2018 wurde ein neuer Fünf-Jahresplan angenommen („Charting a Course for Success: America’s Strategy for STEM Education“, „STEM Education Strategic Plan 2018“), der den vorherigen Fünf-Jahresplan der Obama-Administration ersetzt.

Die Hochschullandschaft in den USA ist divers, es gibt öffentliche und private, religiös geprägte und säkulare, berufsorientierte und allgemeinbildende Hochschulen. Die Studiengebühren sind an privaten wie an öffentlichen Hochschulen hoch und insbesondere in Folge der Wirtschaftskrise 2007 noch gestiegen. Ein internationaler Vergleich für einheimische Studierende an öffentlichen Hochschulen zeigt, dass die USA innerhalb der OECD nur von Großbritannien übertroffen werden. Angesichts der damit verbundenen hohen Verschuldung der Studierenden wird ein Verzicht auf Studiengebühren diskutiert.

In der Association of American Colleges & Universities (AAC&U) haben sich fast 1400 Hochschulen und Colleges zusammengeschlossen. Die AAC&U legt ihren inhaltlichen Schwerpunkt auf ein breites Angebot in der tertiären Ausbildung. Die American Association of Community Colleges (AACC) vertritt bundesweit etwa 1.200 Colleges, die zweijährige Studienprogramme anbieten.

Im Forschungssektor spielen die Hochschulen eine wichtige Rolle. Die höheren Positionen der internationalen Hochschulrankings werden durchweg von Universitäten aus den USA dominiert. Die 62 führenden Forschungsuniversitäten, die sich für die Förderung der akademischen Forschung und Lehre in Nordamerika einsetzen, haben sich zur Association of American Universities (AAU) zusammengeschlossen. Derzeit sind 60 US-amerikanische und zwei kanadische Universitäten Mitglieder.

Von bundesstaatlicher Seite werden Transferzahlungen an die Hochschulen geleistet, z.B. durch spezielle strategische Forschungs- und Förderprogramme. Drittmittel für Forschungsprojekte können bei den nationalen Förderorganisationen National Science Foundation (NSF) und National Institutes of Health (NIH) beantragt werden. Des Weiteren spielen Stiftungen eine wichtige Rolle in der Forschungsförderung, insbesondere in der Gesundheitsforschung.

Regionale Schwerpunkte US-amerikanischer Forschung und Innovation liegen traditionell in Kalifornien und an der Ostküste. Das Portal Kooperation International bietet zu den folgenden Hightech-Regionen Porträts an: Silicon Valley, San Diego, Albany, Boston und Seattle.

Die Bundesregierung wird in wissenschaftsrelevanten Themen von verschiedenen Wissenschaftsorganisationen beraten. Die National Academies setzen sich zusammen aus der 1863 gegründeten National Academy of Sciences (NAS), der National Academy of Engineering (NAE), der National Academy of Medicine (NAM, früher das Institute of Medicine IOM), sowie dem National Research Council (NRC). Ihr Auftrag ist die Beratung der Bundesregierung und des Kongresses zu wissenschaftlichen und technologischen Themen.

Die American Association for the Advancement of Science (AAAS) ist die weltweit größte Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft. Auch sie spielt eine wichtige Rolle bei der Politikberatung.

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