Indikatoren für Bildung

Indikator

Indien

Deutschland

OECD-Gesamt

Stand

Anteil internationaler abschlussorientierter Studierender aus dem Land [Prozent]*

1

4

2

2016

Anzahl Studierender im Tertiärbereich insgesamt [Mio.]

32,392

3,043

k.A.

2016

Anteil internationaler abschlussorientierter Studierender im Land [Prozent]**

0***

8

6

2016

Anzahl Promovierender insgesamt

132.204

197.000

k.A.

2016

Anteil 25- bis 34-Jähriger mit einem Abschluss im Tertiärbereich [Prozent]

14

31

44

2011/17/17

Anteil an neuen Studienabschlüssen in Mathematik, Statistik und Naturwissenschaften (Ingenieurwissenschaften) [Prozent]

13 (12)

9 (22)

6 (14)

2016

Tabelle 3: Bildungsindikatoren

Quelle: OECD - Education at a Glance 2018 und UNESCO Institute for Statistics

* OECD (UNESCO) registrieren nur diejenigen internationalen Studierenden, bei denen aufgrund der Aufenthaltsdauer davon auszugehen ist, dass sie einen Abschluss im Ausland anstreben.

** OECD (UNESCO) registrieren nur diejenigen internationalen Studierenden bzw. Promovierenden, bei denen aufgrund der Aufenthaltsdauer davon auszugehen ist, dass sie einen Abschluss in dem jeweiligen Land anstreben.

*** Statt auf internationale (d.h. bei im Ausland erworbener Hochschulzugangsberechtigung ohne Berücksichtigung der Staatsangehörigkeit) bezieht sich diese Angabe auf ausländische Studierende.

       

Nach oben

Weitere Informationen
Links/Institutionen
Dokumente

Schulen und Hochschulen

Das von der britischen Kolonialmacht eingeführte Bildungssystem ist nach der indischen Unabhängigkeit in seiner Struktur im Wesentlichen erhalten geblieben: Nach acht Jahren Grundschule (Primary und Upper Primary School) folgen insgesamt vier Jahre Mittelschule (Secondary und Upper Secondary School). Dieser so genannte "10 plus 2" Schulabschluss ermöglicht den Zugang zu Hochschulen. Das Ziel der Elementarbildung für alle wurde als eines der prioritären Ziele der indischen Regierung in Forschung und Bildung erklärt. Die Tatsache, dass 2005 erstmals ein zentrales Gesetz zum Recht auf Bildung formuliert und 2010 für ganz Indien (außer in den Unionsstaaten Jammu und Kaschmir) in Kraft gesetzt wurde, zeigt, dass Indien in diesem Prozess noch nicht sehr weit fortgeschritten ist.

In den letzten Jahren hat, mit dem Anstieg der Ausgaben, eine schnelle Expansion des Bildungssystems in Indien stattgefunden. In diesem Rahmen wurden viele Kinder aus marginalisierten Bevölkerungsgruppen in das Bildungssystem integriert. Trotzdem mangelt es nach wie vor an einer fundierten und modernen Lehrerausbildung und finanzieller, personeller und materieller Ausstattung der Schulen. In einigen der ärmeren Unionsstaaten erscheinen fast 40 Prozent der Lehrer nicht regelmäßig zum Dienst. In mehr als der Hälfte der Klassen in ländlichen Regionen sitzen Schüler unterschiedlicher Jahrgangsstufen zusammen, oft in Klassenstärken von 50-80 Schülern.

Eine große Herausforderung stellt nach wie vor die Alphabetisierung Indiens dar. Nichtregierungsorganisationen schätzen, dass mindestens sieben Millionen Kinder in Indien überhaupt keine Schulbildung erhalten und die Hälfte die Grundschule nicht beendet. 2015 wurde der Prozentsatz der Lese- und Schreibkundigen (literacy rate) mit 71,2 Prozent der Gesamtbevölkerung angegeben (81,3 Prozent männlich und 60,6 Prozent weiblich mit starken regionalen Unterschieden).

Der indische Hochschulsektor hat sich dynamisch entwickelt. Im Jahr 2016 waren 32,4 Millionen Studierende an den Hochschulen eingeschrieben. Die Anzahl der Studierenden hat sich damit ausgehend von etwa 10,5 Millionen im Jahr 2002 verdreifacht. Ursache ist neben dem Bevölkerungswachstum, dass der Anteil der jungen Bevölkerung, die ein Studium aufnimmt, im selben Zeitraum von 10 auf 26 Prozent gestiegen ist. Verglichen mit den westlichen Industrieländern hat Indien hier noch erhebliches Steigerungspotential (Quelle: UIS-UNESCO, Data retrieved 10-10-17).

Derzeit erhalten die indischen Hochschulen ihre Zulassung zum Lehrbetrieb durch die University Grants Commission (UGC), während die technischen Colleges durch den All India Council for Technical Education (AICTE) zugelassen werden. In Indien werden bisher fünf Hochschultypen unterschieden (Stand Oktober 2018):

  • zentralstaatliche Universitäten („Central Universities", Anzahl 47, Liste)
  • bundesstaatliche Universitäten („State Universities", Anzahl 391, Liste)
  • gleichgestellte Universitäten („Deemed Universities", die UGC geht von 124 aus, Liste). Es sind spezialisierte Einrichtungen, die aufgrund ihrer Lehrqualität von der UGC den gleichen akademischen Status wie eine Universität verliehen bekommen haben. Die bekannteste „deemed university" ist das 1909 gegründete staatliche Indian Institute of Sciences (IISc) in Bangalore, das 1958 als erstes Institut die Anerkennung der UGC erhielt (Quelle: DAAD-Bildungssystemanalyse (2016), S. 11)
  • Institutions of National Importance (INI) (Je nach Quelle schwanken die Angaben zwischen 74 und mehr als 100 Einrichtungen). Die INI werden direkt durch die indische Regierung mit besonderer Autonomie und Finanzierung ausgestattet, um hoch spezialisierte Fachkräfte auszubilden. Zu den wichtigsten Gruppierungen innerhalb der INI zählen die Indian Institutes of Technology (IITs), die National Institutes of Technology (NITs), die All India Institutes of Medical Science (AIIMS), die National Institutes of Pharmaceutical Education and Research (NIPER) und die Indian Institutes of Information Technology (IIITs). Der Ausbau dieser INI wurde von der indischen Regierung in den letzten Jahren sehr forciert: alleine zwischen 2010 und 2016 wurden 35 INI neu gegründet (Liste des MHRD).
  • private Hochschulen (Anzahl 322, Liste). In den letzten Jahren hat die Anzahl der privaten Hochschulen rasant zugenommen. Etwas über 60 Prozent der indischen Studierenden – das heißt etwa 20 Millionen – schreiben sich an einer privaten Hochschule ein.

Die Mehrheit der indischen Studierenden ist nicht direkt an der Universität, sondern an einem der zahlreichen Colleges eingeschrieben, das mit einer Universität verbunden ist. Ihre Gesamtzahl liegt derzeit bei geschätzt 38.000, davon sind 76 Prozent privat. Studiengebühren werden generell erhoben, jedoch in sehr unterschiedlicher Höhe. Innerhalb des öffentlichen Sektors ist das Studium an prestigereichen Einrichtungen wie den Indian Institutes of Technology (IITs) grundsätzlich deutlich teurer als das an regulären staatlichen Hochschulen. Hier gewährt die Regierung jedoch auch vielfach eine Reduzierung der Gebühren für Studierende aus einkommensschwächeren Familien (Quelle: DAAD-Bildungssystemanalyse (2016), S. 11 ff.).

Das größte Problem der Hochschulen ist der Mangel an Lehrpersonal. 40-50 Prozent der Stellen sind nicht besetzt. Eine wesentliche Rolle für das knappe Angebot an gut ausgebildeten wissenschaftlichen und technischen Fachkräften auf dem indischen Markt spielt die gewaltige Abwanderung insbesondere Richtung Westen. Viele der Abgewanderten kehren auch nach dem Abschluss der Ausbildung nicht zurück nach Indien.

Derzeit sind umfangreiche Reformen im indischen Hochschulsektor geplant. Dies betrifft den weiteren Ausbau des Sektors, erschwingliche Studienangebote, die Einrichtung neuer Spitzenuniversitäten („Institutions of Eminence", IOEs), mehr Autonomie und eine Reform der Regulierung. Die Institutionen UGC und AICTE stehen wegen überlappenden Zuständigkeiten und Überregulierung in der Kritik. Die Reformen werden unter Bildungspolitische Zielsetzungen und Programme beschrieben. Eine weitere Reform, die bereits beschlossen wurde, ist die Einrichtung der neuen Agentur Higher Education Financing Agency (HEFA), die günstige Kredite vor allem für den Aufbau von Forschungsinfrastruktur an zentralstaatliche Hochschulen vergeben soll (siehe unter Forschungs- und Förderorganisationen).

Nach oben

Berufliche Bildung

Die Bedeutung der formalen Berufsbildung ist in Indien derzeit noch sehr gering. Von den 15-19 jährigen hat sich demnach nur 1 Prozent in einen formalen Berufsbildungsgang eingeschrieben. Zum Vergleich: Im OECD-Raum sind dies 25 Prozent (Quelle: OECD (2017): Education at a Glance, Country Note India). Ein Grund ist, dass in Indien viele Inhalte, die in Deutschland auf der Ebene der Berufsbildung vermittelt werden, im Sektor der höheren akademischen Bildung verortet sind, so zum Beispiel die Ausbildung für das Hotelgewerbe. Berufsbildung wird unter anderem durch die sogenannten Industrial Training Institutes (ITIs) vermittelt, die der Fachaufsicht durch die Bundesstaaten unterliegen und von diesen finanziert werden. Die berufliche Bildung in Indien wird unter vielen Gesichtspunkten als mangelhaft eingeschätzt (siehe iMOVE-Markstudie Indien (2011)).

Die Gründung des Ministeriums für Qualifizierung und Unternehmertum („Ministry of Skill Development and Entrepreneurship", MSDE) im Jahr 2015 unterstreicht die wachsende politische Bedeutung, die der Berufsbildung in Indien zugemessen wird. Ein zentrales Anliegen besteht darin, die zersplitterten Zuständigkeiten in der Berufsbildung zu fokussieren und damit schlagkräftigere Initiativen zu initiieren. Aktuell sind die dringlichsten Herausforderungen für die Berufsbildung in Indien:

Das zentrale Strategiedokument im Berufsbildungsbereich ist dieNational Policy for Skill Development and Entrepreneurship" , die 2015 angenommen wurde (siehe unter Bildungspolitische Zielsetzungen und Programme).

Nach oben

Eine Initiative vom

Projektträger