Übersicht

Die Verteilung der Publikationen auf Fachgebiete kann erste Hinweise auf die Stärken eines Forschungssystems geben (Bezugsjahr 2016, (Quelle: SCImago (2007). SJR – SCImago Journal & Country Rank. Retrieved August 8, 2017, from www.scimagojr.com)).

In Indien hatte die Medizin, die weltweit an erster Stelle liegt, über einen längeren Zeitraum einen etwas größeren Anteil an den Publikationen als die Ingenieurwissenschaften, die weltweit auf Platz 2 stehen. Im Jahr 2016 liegen die Ingenieurwissenschaften (13,2 Prozent, Welt: 10,9 Prozent, Deutschland: 9,3 Prozent) in Indien klar auf dem ersten Platz. Die Computerwissenschaften (11,7 Prozent) und die Medizin (11 Prozent, Welt: 15,9 Prozent und Deutschland: 16,7 Prozent) liegen dahinter. Eine Spezialisierung Indiens ist in folgenden Fachgebieten festzustellen (Auswahl basierend auf Spezialisierungsindex Länderanteil/Weltanteil ≥ 1,3): Computerwissenschaften (Informatik) (11,7 Prozent, Welt: 7,3 Prozent, Deutschland: 7 Prozent), Pharmakologie, Toxikologie und Pharmazeutik (4,4 Prozent, Welt: 1,9 Prozent, Deutschland: 1,6 Prozent) Energie (3,3 Prozent, Welt: 2,2 Prozent und Deutschland: 1,6 Prozent).

Bei einem weltweiten Vergleich der Anzahl der Publikationen hat Indien im Jahr 2014 Frankreich und Japan überholt und liegt nun insgesamt auf Rang 5. Innerhalb von sechs Fachgebieten hat sich Indien nach und nach in den letzten Jahren auf den Rang 3 hinter China und den USA vorgearbeitet: Pharmakologie, Toxikologie und Pharmazeutik (seit 2009), Chemie (seit 2013), Ingenieurwissenschaften sowie Energie (seit 2014), Computerwissenschaften/Informatik (seit 2015) sowie zuletzt Materialwissenschaften (seit 2016).

Spitzenleistungen werden vorwiegend in der Weltraumforschung und -technik, im Bereich Kernenergie, in der Verteidigungsforschung sowie in der Chemie und Informationstechnologie erzielt.

Das indische Ministerium für Wissenschaft und Technologie (MST) hat in dem Dokument „Science, Technology and Innovation Policy (STIP 2013)" die Forschungsgebiete benannt, die die Politik priorisiert: Agrarwirtschaft, Wassermanagement, Umwelt- und Klimaveränderungen, Telekommunikation, Energie, Materialforschung sowie Gesundheit und die Entwicklung von Arzneimitteln. Außerdem soll die Politik dafür Sorge tragen, dass Innovationen für die größtmögliche Anzahl an Menschen erschwingliche und leicht zugängliche Lösungen liefern. Auch die Europäische Kommission sieht Indien zunehmend als interessanten Standort für sogenannte frugale kosteneffektive Innovation (Quelle: European Commission (2014): Roadmap for Cooperation between India and the European Union (COM (2014)567), S. 29).

Anreize im Umfeld von Forschung und Innovation setzt die Regierung Modi seit 2014 durch mehrere ressortübergreifende Flaggschiff-Initiativen: Make in India, „Skill India“, „Digital India“, „Clean India“, „Creating New Infrastructures“ sowie „Green India“ mit dem Programm „Smart Cities and Urban Development“ (weitere Regierungsinitiativen). Die Initiativen sind mit erheblichen Investitionen der indischen Regierung verbunden, die von 300 Millionen bis hin zu 9,3 Milliarden EUR reichen (Quelle: RIO Country Report (2015): India, S. 12 ff.).

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Agrar- und Biowissenschaften

Ein deutliches Indiz für die Wichtigkeit, die Biotechnologie in Indien einnimmt, ist die Tatsache, dass es ein eigenes Department für Biotechnologie (DBT) unter dem Ministerium für Wissenschaft und Technologie (MST) gibt, das alle Forschungsaktivitäten im Land koordiniert. Die Schwerpunktthemen sind an den Bedürfnissen Indiens orientiert, z. B. die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion durch biotechnologische Maßnahmen. Etwa 72 Prozent der Bevölkerung Indiens lebt im ländlichen Raum mit einem Pro-Kopf-Einkommen von weniger als 1,10 EUR pro Tag. Die Leistungen machen lediglich einen Anteil von 20 Prozent am BIP Indiens aus. Daher spielt die sogenannte grüne Biotechnologie eine wichtige Rolle in Indien. Das mit Abstand wichtigste Segment ist allerdings die Herstellung von Biopharmazeutika mit 64 Prozent des Gesamtumsatzes der Branche (siehe unter Gesundheitsforschung, Hightech-Region Hyderabad).

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Energie

Ein für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes unabdingbarer Bereich ist die Energieforschung. Die zivile Kernenergieforschung, die sich auf die Entwicklung eines kompletten, geschlossenen Brennstoffkreislaufs, also auch auf die Wiederaufarbeitung und -verwendung des Plutoniums in schnellen Brütern, konzentriert, wird im Wesentlichen von den Forschungseinrichtungen des Department für Atomenergie durchgeführt. Neben dem Ausbau der Energieversorgung durch Kernenergie setzt die indische Regierung insbesondere auf regenerative Energien. Die Tatsache, dass es in Indien ein Ministerium für Neue und Erneuerbare Energien gibt (Ministry of New and Renewable Energy Resources (MNRE), früher: Ministry of Non-Conventional Energy Sources - MNES), unterstreicht die politische Bedeutung des Themas. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Gesamterzeugung beträgt derzeit 14,8 Prozent und soll bis 2030 auf 40 Prozent der Energieerzeugung ausgebaut werden (Jahresbericht 2016 des MNRE). Bei den erneuerbaren Energien liegt die Windenergie mit einem Anteil von 57 Prozent derzeit vor der Solarenergie mit 18 Prozent. Indien ist weltweit drittgrößter Produzent von Windenergie sowie weltweit der viertgrößte Exporteur von Windenergieanlagen. Zur weiteren Förderung der erneuerbaren Energien hat die indische Regierung eine Reihe von steuerlichen Anreizen und direkten Fördermöglichkeiten geschaffen (Quellen: Annual Report Indian MNRE, GIZ-IGEF).

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Ingenieurswissenschaften und Produktionstechnologie

Die Ingenieurwissenschaften spielen in Indien eine wichtige Rolle. Leistungsträger sind die Forschungsinstitute Indian Institutes of Technology (IITs), das Indian Institute of Science (IISc), sowie eine Reihe von Instituten des Forschungsrats Council of Scientific and Industrial Research (CSIR). Der Bereich wird seit 2014 weiter gestärkt durch die Flaggschiffinitiativen „Make in India“, „Creating New Infrastructures“ und „Digital India“ (siehe weitere Regierungsinitiativen). Unter „Make in India“ öffnet Indien seinen Markt weiter für ausländische Direktinvestitionen, im Bereich der Infrastruktur soll sogar eine ausländische Finanzierung zu 100 Prozent möglich sein. Das IISc baut derzeit Indiens erste Smart Factory in Bangalore mit Unterstützung des Unternehmens Boeing. Das deutsche Unternehmen Bosch plant, bis 2018 an seinen 15 Standorten in Indien smarte Technologien einzuführen, und auch andere multinationale Konzerne streben die Umstellung auf smarte Produktionstechnologien an.

Unter der Flaggschiffinitiative „Digital India“ hat die indische Regierung das ehrgeizige Ziel vorgegeben, bis 2020 den gesamten indischen Eigenbedarf an Elektronikgütern im eigenen Land zu produzieren, um die hohen Kosten für den Import zu senken (Quellen: GTAI, (siehe weitere Regierungsinitiativen), IISc).

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Gesundheitsforschung

Die indische Gesundheitsforschung hat eine vergleichsweise hohe, z.T. internationalen Standards entsprechende Qualität. Die Schwerpunkte liegen derzeit bei Untersuchungen zu Infektionskrankheiten. Indien zählt heute in der pharmazeutischen Industrie (insbesondere bei Generika) zu den bedeutendsten Herstellern weltweit und gilt dank seiner Generikabranche als Weltapotheke. Firmen wie z.B. Ranbaxy unterhalten eigene große Forschungsabteilungen mit international besetzten Forscherteams. Nicht nur die Exporte von Arzneimitteln legen rasch zu, sondern auch der heimische Pharma-Markt. Die Regierung hat die Bedingungen für ausländische Direktinvestitionen in die Branche verbessert und erhofft sich dadurch eine noch höhere Produktion im Inland (Porträt Hightech-Region Hyderabad). Als problematisch erweist sich allerdings nach wie vor der Patentschutz. Indien verweigert sich bisher einem Ausbau des Patentschutzes. Das bereitet der europäischen Pharmaindustrie Sorgen, die den Patentschutz ihrer Produkte in Gefahr sieht (Quelle: GTAI).

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Information und Kommunikation

Indien macht seit etwa zwei Jahrzehnten durch die rasante Entwicklung der Informationstechnologie ("Silicon Valley“ Bangalore, siehe Porträts auf Kooperation International (Hightech-Region Bangalore, Hightech-Region Hyderabad) auf sich aufmerksam. Es sind vor allem (ausgelagerte) Geschäftsprozesse, vom "Call Center" bis zur Softwareentwicklung im Auftrag ausländischer Firmen, die einen großen Anteil dieses Industriesektors ausmachen. Im Hardwarebereich ist Indien in Forschung und Innovation sehr stark vertreten, derzeit noch weniger im Softwarebereich (Quelle: GTAI). Einen neuen Schub erhält die Technologieentwicklung durch die Flaggschiffinitiative „Digital India“, unter der die Regierung stark in den Breitband-Ausbau investiert. Außerdem soll die digitale Verwaltung ausgebaut werden, um die Hoheitsaufgaben in allen Regionen besser erledigen zu können. Einheitliche und biometrische Personalausweise wurden bereits für 800 Millionen Bürger erstellt. Weitere Impulse für die Entwicklung von Informations- und Kommunikationstechnologien setzt die indische Regierung durch den Aufbau von 100 neuen digital vernetzten „Smart Cities“ unter der Initiative „Green India“ (weitere Regierungsinitiativen).

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Mobilität und Raumfahrt

Das erfolgreiche indische Weltraumprogramm ist das Aushängeschild indischer Forschung und Technologie. Ziel ist es, indische Satelliten mit indischen Trägerraketen im Weltraum zu stationieren und über eigene Bodenstationen und Datenaufbereitungsanlagen für sogenannte sozio-ökonomische Zwecke wie Rundfunk und Fernsehen, Wettervorhersage, Erntevoraussagen oder Katastrophenschutz zu nutzen. Ein weiteres Ziel ist die Teilnahme an dem lukrativen Weltmarkt für Startdienstleistungen, Satellitenkommunikation und Fernerkundungsdaten. Am 22.10.2008 schickte Indien die erste eigene unbemannte Raumsonde zum Mond. Die Raumfahrtforschung liegt in der Hand der Indian Space Research Organisation (ISRO), des Departments für Weltraum (Department of Space, DOS) und deren kommerziellem Arm „Antrix Corporation“ (Quellen: DOS, ISRO, CII).

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