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Überblick zur internationalen Kooperation: Indien

Federführend in der internationalen Bildungszusammenarbeit ist das Ministerium für Bildung (MHRD). Indien stellt nach China weltweit das zweithöchste Kontingent an international mobilen Studierenden: 2017 strebten über 330.000 indische Studierende einen Abschluss im Ausland an. Indien ist dagegen mit etwa 45.000  internationalen Studierenden bisher kein beliebtes Zielland. In Bezug auf prozentuale Anteile liegt Indien jeweils weit unter dem OECD-Durchschnitt (siehe Bildungsindikatoren). Um die Anzahl und den Anteil der internationalen Studierenden in Indien zu erhöhen, hat das indische Bildungsministerium im April 2018 das Portal „Study in India (SII)" lanciert.

Die aktivsten Herkunftsländer liegen primär in Asien (Nepal, Afghanistan, Bhutan, Bangladesh, Iran). Zielland ist dagegen für über 40 Prozent der indischen Studierenden die USA, gefolgt mit weitem Abstand von Australien, Kanada, Großbritannien und Deutschland (Quelle: UNESCO Institute of Statistics Global Flow of Tertiary-Level Students, erfasst werden nur diejenigen Studierenden, die einen Abschluss im Ausland anstreben. Zu China als Zielland fehlen Daten).

Federführend für die Außenwissenschaftsbeziehungen ist das indische Ministerium für Wissenschaft und Technologie (MST) in enger Abstimmung u.a. mit dem Ministerium für Auswärtige Beziehungen (MEA), den indischen Auslandvertretungen sowie den indischen Wissenschaftsreferenten an den Botschaften in Deutschland, Japan, Russland und den USA.

Obwohl es einzelne Stipendien für Rückkehrende gibt, hat Indien nicht in demselben Umfang wie China Programme aufgelegt, um die zahlreichen ins Ausland abgewanderten Forschenden zurückzuholen. Inzwischen gibt es auch Maßnahmen, um ausländisches Lehr- und Forschungspersonal für Kurzaufenthalte in Indien zu gewinnen („Visiting Advanced Joint Research Faculty Scheme", VAJRA). Im Bereich Forschung und Entwicklung bestehen derzeit bilaterale Kooperationsvereinbarungen („bilateral S&T cooperation agreements“) mit 83 Ländern, die durch das Department für Wissenschaft und Technologie (DST) gepflegt werden. Als wichtige Partnerländer werden Australien, Kanada, die EU, Frankreich, Deutschland, Israel, Japan, Russland, Großbritannien und die USA genannt (Quelle: Webseite des DST). Dementsprechend gibt es eine Vielzahl von bilateralen Programmen und Ausschreibungen. Für naturwissenschaftliche Grundlagenforschung und angewandte Forschung ist auf indischer Seite meist das Department für Wissenschaft und Technologie (DST) zuständig. Teilweise beauftragt das DST die Global Innovation & Technology Alliance (GITA). Neben dem DST sind auch zahlreiche indische Fachministerien in der bilateralen Kooperation aktiv, so zum Beispiel das Ministerium für neue und erneuerbare Energien (MNRE).

Für die dauerhafte Pflege der bilateralen Beziehungen in Bildung und Forschung hat Indien mit einigen Staaten bilaterale Organisationen aufgebaut. Dazu gehören das Indo French Centre for the Promotion of Advanced Research (IFCPAR/CEFIPRA) sowie das India-US Science & Technology Forum (IUSSTF). Deutschland hat mit der Einrichtung des Indo-German Science and Technology Centre (IGSTC) eine ähnliche Initiative unternommen (siehe nächster Abschnitt).

In Indien ist der Anteil internationaler Ko-Publikationen an allen wissenschaftlichen Publikationen über die letzten zwei Jahrzehnte hinweg konstant niedrig geblieben, den höchsten Wert erreichte der Anteil bereits 2005 mit 18,9 Prozent. 2018 lag er bei 17,8 Prozent. Dagegen ist ähnlich wie in vielen anderen Industrieländern auch in Deutschland die Ko-Publikationsrate im selben Zeitraum von 30,9 auf 51,3 Prozent deutlich angewachsen (Quelle: SCImago. SJR — SCImago Journal & Country Rank. Retrieved June 4, 2019, from www.scimagojr.com). Unter den fünf wichtigsten Ko-Publikationsländern der letzten drei Jahre liegen für Indien die USA an erster Stelle, gefolgt in weitem Abstand von Großbritannien, Deutschland, Südkorea und China (Quelle: Scopus-Datenbank, Elsevier, 2016-18). Im Jahr 2018 hat sich China bereits auf Rang 3 vorgeschoben.

Seit 2001 besteht ein Abkommen zur wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit zwischen Indien und der Europäischen Union. Aktuelle Informationen können auf der Webseite der EU zur Kooperation mit Indien im Bereich Forschung und Innovation abgerufen werden. Thematische Prioritäten werden in einer jährlich erneuerten Roadmap for EU-India S&T Cooperation zusammengefasst. Angestrebt wird eine vertiefte Zusammenarbeit zu den globalen Herausforderungen Gesundheit, Wasser und saubere Energie. Dazu gehört eine große gemeinsame Flaggschiffinitiative über 30 Mio. EUR zum Thema Wasser.

Indien hatte sich sehr aktiv am Siebten EU-Forschungsrahmenprogramm (2007-13) beteiligt. Das Nachfolge-EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation Horizont 2020 (2014-20) ist zwar grundsätzlich für indische Partizipation offen, allerdings werden europäische Fördermittel für indische Einrichtungen nur in ausgewählten Fällen gewährt. Bis März 2019 warb Indien Fördergelder in Höhe von 2,3 Millionen Euro ein. Unter den insgesamt 50 Projekten, an denen sich das Land bisher beteiligte, wies mit 28 Projekten mehr als die Hälfte auch eine deutsche Teilnahme auf (Quelle: H2020-ECORDA-Vertragsdatenbank). Ab 2018 stellen das Department für Biotechnologie (DBT) sowie das Department für Wissenschaft und Technologie (DST) Ko-Finanzierungen für indische Einrichtungen in allen von Horizont 2020 abgedeckten Fachgebieten bereit.

Im Einklang mit seinen strategischen Zielen engagiert sich Indien in Organisationen, die in Europa Großforschungseinrichtungen aufbauen und betreiben (ITER, CERN und FAIR).

In der multilateralen Zusammenarbeit ist vor allem die Kooperation mit den südostasiatischen Ländern der ASEAN-Gruppe und mit den anderen BRICS-Ländern (Brasilien, Russland, China und Südafrika) von Interesse. Seit 2016 haben die BRICS-Länder drei Förderbekanntmachungen für prioritäre Themen unter einem gemeinsamen Rahmenprogramm für Wissenschaft, Technologie und Innovation veröffentlicht („BRICS STI FP“, Stand März 2019).

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