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Überblick zur internationalen Kooperation: Indien

Federführend in der internationalen Bildungszusammenarbeit ist das Ministerium für Bildung (MHRD). Indien stellt nach China weltweit das zweithöchste Kontingent an international mobilen Studierenden. 2016 strebten über 305,970 indische Studierende einen Abschluss im Ausland an. Zielland ist für über 40 Prozent die USA, gefolgt mit weitem Abstand von Australien, Großbritannien, Kanada und den Vereinigten Arabischen Emiraten.  Zu Deutschland als Zielland fehlen aktuelle Daten, nach den UNESCO-Daten von 2015 läge Deutschland als Zielland für 9.896 indische Studierende auf Rang 7. Indien selbst ist mit nur 46.703 internationalen Studierenden dagegen bisher kein beliebtes Zielland. Die Herkunftsländer liegen primär in Asien (Nepal, Afghanistan, Bhutan) (Quelle: UNESCO Institute of Statistics Global Flow of Tertiary-Level Students, erfasst werden nur diejenigen Studierenden, die einen Abschluss im Ausland anstreben. Zu China als Zielland fehlen Daten). Um die Anzahl der internationalen Studierenden in Indien zu erhöhen, hat das indische Bildungsministerium im April 2018 das Portal „Study in India (SII)" lanciert.

Federführend für die Außenwissenschaftsbeziehungen ist das indische Ministerium für Wissenschaft und Technologie (MST) in enger Abstimmung u.a. mit dem Ministerium für Auswärtige Beziehungen (MEA), den indischen Auslandvertretungen sowie den indischen Wissenschaftsreferenten an den Botschaften in Deutschland, Japan, Russland und den USA. Für die Internationalisierung von Wissenschaft und Forschung gibt es keine eigene Strategie und das Dokument "Science, Technology and Innovation Strategy (2013)" beschränkt sich im Wesentlichen darauf, Indiens Beteiligung an globalen Großforschungseinrichtungen als wichtiges Ziel hervorzuheben.

In Indien ist der Anteil internationaler Ko-Publikationen an allen wissenschaftlichen Publikationen über die letzten zwei Jahrzehnte hinweg konstant niedrig geblieben, den höchsten Wert erreichte der Anteil bereits 2007 mit 19,5 Prozent. 2017 lag er bei 17,3 Prozent. Dagegen ist ähnlich wie in vielen anderen Industrieländern auch in Deutschland die Ko-Publikationsrate im selben Zeitraum von 32,6 auf knapp 50 Prozent deutlich angewachsen (Quelle: SCImago (2007). SJR – SCImago Journal & Country Rank. Retrieved September 7, 2018 from www.scimagojr.com). Für Indien waren die beliebtesten Ko-Publikationsländer in den letzten drei Jahren die USA, gefolgt in weitem Abstand von Großbritannien, Deutschland, Südkorea und China (Quelle: Scopus-Datenbank, Elsevier, 2016-18). Im Jahr 2018 hat sich China bereits auf Rang 3 vorgeschoben.

Obwohl es einzelne Rückkehrer-Stipendien gibt, hat Indien nicht in demselben Umfang wie China Programme aufgelegt, um die zahlreichen ins Ausland abgewanderten Forschenden zurückzuholen. Inzwischen gibt es auch Maßnahmen, um ausländisches Lehr- und Forschungspersonal für Kurzaufenthalte in Indien zu gewinnen („Visiting Advanced Joint Research Faculty Scheme", VAJRA). Im Bereich Forschung und Entwicklung bestehen derzeit bilaterale Kooperationsvereinbarungen („bilateral S&T cooperation agreements“) mit 83 Ländern, die durch das Department für Wissenschaft und Technologie (DST) gepflegt werden. Als wichtige Partnerländer werden Australien, Kanada, die EU, Frankreich, Deutschland, Israel, Japan, Russland, Großbritannien und die USA genannt (Quelle: Webseite des DST). Dementsprechend gibt es eine Vielzahl von bilateralen Programmen und Ausschreibungen. Für naturwissenschaftliche Grundlagenforschung und angewandte Forschung ist auf indischer Seite meist das Department für Wissenschaft und Technologie (DST) zuständig. Teilweise beauftragt das DST die Global Innovation & Technology Alliance (GITA). Neben dem DST sind auch zahlreiche indische Fachministerien in der bilateralen Kooperation aktiv, so zum Beispiel das Ministerium für neue und erneuerbare Energien (MNRE).

Für die dauerhafte Pflege der bilateralen Beziehungen in Bildung und Forschung wurden mit einigen Staaten bilaterale Organisationen und Stiftungen aufgebaut. Für Bildungszusammenarbeit sind die Stiftung United States India Education Foundation (USIEF) und das Shastri Indo-Canadian Institute (SICI) zuständig. Im Bereich der Forschung und Innovation haben sich das Indo French Centre for the Promotion of Advanced Research (IFCPAR/CEFIPRA) sowie das India-US Science & Technology Forum (IUSSTF) etabliert. Deutschland hat mit der Einrichtung des Indo-German Science and Technology Centre (IGSTC) eine ähnliche Initiative unternommen (siehe nächster Abschnitt). Großbritannien ist vor Ort durch UK Research and Innovation India (UKRI India) vertreten. Hinzu kommen bilaterale Forschungseinrichtungen, z.B. zahlreiche indisch-russische Einrichtungen sowie Forschungseinrichtungen für erneuerbare Energien, die die USA gemeinsam mit Indien aufbauen (Solar Energy Research Institute for India and the United States, SERIIUS).

Seit 2001 besteht ein Abkommen zur wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit zwischen Indien und der Europäischen Union. Aktuelle Informationen können auf der Webseite der EU zur Kooperation mit Indien im Bereich Forschung und Innovation abgerufen werden. Indien hatte sich sehr aktiv am Siebten EU-Forschungsrahmenprogramm (2007-13) beteiligt. Das Nachfolge- EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation Horizont 2020 (2014-20) ist zwar grundsätzlich für indische Partizipation offen, allerdings werden europäische Fördermittel für indische Forschende nur selektiv gewährt. Dies hat bis Ende 2017 zu einem Rückgang der indischen Beteiligung geführt.

Auf dem 14. EU-Indien Gipfel im Oktober 2017 wurde beschlossen, dass ab 2018 das Department für Biotechnologie (DBT) sowie das Department für Wissenschaft und Technologie (DST) Ko-Finanzierungen für indische Einrichtungen in allen von Horizont 2020 abgedeckten Fachgebieten bereitstellen. Angestrebt wird wie schon 2014 eine vertiefte Zusammenarbeit bei den globalen Herausforderungen wie Gesundheit, Wasser und saubere Energie. Dazu gehört eine große gemeinsame Flaggschiffinitiative über 30 Mio. EUR zum Thema Wasser. Alle Ergebnisse und Vorhaben wurden in einer Roadmap for EU-India S&T Cooperation zusammengefasst.

Unter dem EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation Horizont 2020 (2014-20) nutzt Indien auch die Möglichkeit, in Ausnahmefällen eine Förderung durch die EU selbst zu erhalten: Bis September 2018 warb das Land Fördergelder in Höhe von 2,1 Millionen Euro ein. Unter den insgesamt 37 Projekten, an denen sich Indien bisher beteiligte, wies mit 22 Projekten über die Hälfte auch eine deutsche Teilnahme auf (Quelle: H2020-ECORDA-Vertragsdatenbank).

Im Einklang mit seinen strategischen Zielen engagiert sich Indien in Organisationen, die in Europa Großforschungseinrichtungen aufbauen und betreiben (ITER, CERN und FAIR).

In der multilateralen Zusammenarbeit ist vor allem die Kooperation mit den südostasiatischen Ländern der ASEAN-Gruppe und mit den BRICS-Ländern (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) von Interesse. 2016 und 2017 haben die BRICS-Länder erste Förderbekanntmachungen für prioritäre Themen unter einem gemeinsamen Rahmenprogramm für Wissenschaft, Technologie und Innovation veröffentlicht („BRICS STI FP“).

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