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Überblick zur Kooperation mit Deutschland: Jordanien

Für Jordanien hat die Zusammenarbeit mit Deutschland in Bildung und Forschung einen hohen Stellenwert. Als Zielland für internationale Studierende ist Deutschland unter den Top 10 platziert, als Ko-Publikationsland unter den Top 5.

Ein Abkommen zur Wissenschaftlich-Technologischen Zusammenarbeit (WTZ) besteht derzeit nicht. Bisherige Grundlage für die Zusammenarbeit in Wissenschaft und Forschung mit Jordanien ist das bilaterale Abkommen über kulturelle Zusammenarbeit von 1981. Daneben gib es seit 2009 ein Memorandum of Understanding (MoU), dass die Zusammenarbeit bezüglich der Deutsch-Jordanischen Hochschule regelt. Außerdem verhandelt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit dem Ministerium für Höhere Bildung und Wissenschaftliche Forschung (MHESR) und dem Higher Council for Science and Technology (HCST) ein MoU zur Regelung einer gemeinsamen Förderinitiative für die zukünftige Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft, Forschung und Innovation. Diskutiert werden die Themen Erneuerbare Energien und Energieeffizienz; Wasser, Umwelt, Landwirtschaft und Ressourcenmanagement; Gesundheit; Informations- und Kommunikationstechnologien; Geistes- und Sozialwissenschaften; Entrepreneurship, Valorisation von Forschung, Innovationsmanagement sowie Wissens- und Technologietransfer.

Das BMBF stellt unter anderem im Rahmen der Förderbekanntmachung „CLIENT II-Internationale Partnerschaften für nachhaltige Innovationen“ in den Themenbereichen Klimaschutz/Energieeffizienz, Anpassung an den Klimawandel, Landmanagement Mittel für Mobilitätsmaßnahmen und Forschungsprojekte in Kooperation mit Jordanien/jordanischen Einrichtungen bereit. Hier wurde 2018 das CLIENT II-Definitionsprojekt  „Hynovation: Hydroponie als innovativer Ansatz für nachhaltiges Land- und Ressourcenmanagement in der urbanen Nahrungsmittelproduktion“ gefördert.

Unter einer Bekanntmachung des BMBF zur Stärkung der innovationsrelevanten Rahmenbedingungen und angewandten Forschung in MENA-Ländern von 2017 wird ein Vorhaben zum Aufbau eines Jordan Innovation Center for Logistics gefördert.

Eine Fachabteilung des BMBF finanziert bis November 2019 unter der Projektbezeichnung NICE II (National Implementation Comittee) das Implementierungs-Büro Amman im jordanischen Wasserministerium (Ministry of Water and Irrigation, MWI). Jordanien gehört zu den wasserärmsten Regionen der Welt und steht damit exemplarisch für den Nahen Osten: Hier sind die für die Wasserversorgung unverzichtbaren Grundwasserressourcen oberstes Schutzgut. Ziel des Büros ist es, dezentrale Abwasserkonzepte für Jordanien zu entwickeln und zu implementieren. Als ein regionales Beispiel für gelungenes Abwassermanagement soll das Projekt langfristig einen Transfer der Methoden auch auf andere Länder im Nahen Osten bewirken. Das Büro, das im Oktober 2012 gemeinsam mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) eingerichtet wurde, baut auf dem grenzüberschreitenden Verbundprojekt SMART zum Integrierten Wasserressourcenmanagement am unteren Jordan auf. Unter SMART wurde auch die Forschungs- und Demonstrationsanlage am Standort Fuheis (Jordanien) aufgebaut, die interessierten Stakeholdern und Unternehmen offen steht (Pressemitteilung UFZ). Forschende der UFZ erhielten für ihre Arbeit 2018 den Deutschen Umweltpreis, den höchst dotierten Umweltpreis in Europa (Pressemitteilung UFZ).

Ein Flaggschiffprojekt der deutsch-jordanischen Bildungs- und Wissenschaftskooperation ist der Aufbau der Deutsch-Jordanischen Hochschule (German Jordanian University, GJU), die 2005 eröffnet wurde. Die GJU ist eine staatliche jordanische Universität, die nach dem Vorbild der deutschen Fachhochschulen eine wissenschaftlich anspruchsvolle Ausbildung mit starkem Praxisbezug vor allem in betriebswirtschaftlichen und technischen Fächern anbietet. Dabei orientiert sie sich am Bedarf der jordanischen Wirtschaft und Gesellschaft. Bereits nach zehn Jahren zählte die GJU 2.000 auf dem Arbeitsmarkt begehrte Absolventinnen und Absolventen; aktuell sind etwa 5.000 Studierende an der Hochschule immatrikuliert (Stand Juni 2019). Federführender Partner in Deutschland ist die Hochschule Magdeburg-Stendal. Die Rückbindung nach Deutschland erfolgt durch obligatorische Deutschkurse sowie einen einsemestrigen Studienaufenthalt an einer von derzeit 118 deutschen Partnerhochschulen und ein sechsmonatiges Praktikum in einem Unternehmen in Deutschland im 4. Studienjahr. Das BMBF hat den Aufbau der GJU seit 2004 gefördert. Das Auswärtige Amt leistet ebenfalls Förderung durch die Vergabe von Stipendien (Quelle Webseite DAAD).

Der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) weist derzeit 112 offizielle Kooperationen zwischen Deutschland und Jordanien aus. 95 deutsche Hochschulen kooperieren mit 10 jordanischen Hochschulen (Stand: 08/2019).

Die internationale Mobilität von und nach Jordanien wird durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) gefördert.

  • Die ERASMUS-Förderung des DAAD wird in beiden Richtungen (2016-18) in Anspruch genommen, auch wenn die Zahlen hier noch relativ gering sind.
  • 2018 hat der DAAD unter eigenen Programmen Förderung für einen Aufenthalt in Jordanien an 186 Studierende und Graduierte (inkl. Promovierende, Statusgruppen I-III) und 130 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Hochschullehrkräfte (inkl. Post-Docs, Statusgruppe IV) aus Deutschland vergeben.
  • In den gleichen Kategorien erhielten 511 und 99 Geförderte aus Jordanien eine Unterstützung des DAAD, um eine Aktivität im eigenen Land oder einen Auslandsaufenthalt – darunter auch Deutschlandaufenthalte – zu finanzieren. Dabei zielt der DAAD auch darauf ab, Geflüchteten insbesondere aus Syrien in der Region Studienmöglichkeiten zu eröffnen. So wurde 2014 in Kooperation mit der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit GmbH (GIZ) für den Zeitraum 2015-19 das Programm „New Perspectives for Young Jordanians and Syrians" aufgesetzt, welches Sur-Place Stipendien für ein Master-Studium an einer von vier jordanischen Partneruniversitäten vorsieht, darunter auch an der GJU (DAAD-Ländersachstand). Das Auswärtige Amt finanziert darüber hinaus die Deutsche Akademische Flüchtlingsinitiative Albert Einstein (DAFI), die in Jordanien im Jahr 2017 721 Flüchtlingen ein Hochschulstudium ermöglicht hat.
  • Die DFG ermöglicht in Kooperation mit dem Higher Council for Science and Technology (HCST) jährlich etwa 70 Jordanierinnen und Jordanier einen meist dreimonatigen Forschungsaufenthalt in Deutschland.

Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) beherbergte 2018 sechs jordanische Nachwuchs- und Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler.

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH kooperiert mit Jordanien im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Die GIZ, die seit über 30 Jahren in Jordanien tätig ist, berät das Partnerministerium für Wasser in strategischen Fragen und bei der Erarbeitung einer neuen Wassergesetzgebung. Weiterhin führt die GIZ regionale Projekte im Bereich der Schulbildung, der Berufsausbildung und der Schaffung von Arbeitsplätzen durch.

Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) ist zentraler Träger des NICE II-Projektes (siehe oben und Vertretungen vor Ort).

Deutschland ist durch Hochschulen, Förder- und Forschungseinrichtungen vor Ort in Jordanien wie folgt vertreten:

  • Der DAAD betreibt ein Informationszentrum an der University of Jordan in der Hauptstadt Amman;
  • Der Campus der Deutsch-Jordanischen Hochschule (GJU) befindet sich in Mushaqar bei Madaba, etwa 35 Kilometer südlich von Amman.
  • Seit 1979 ist die GIZ mit einem Büro in Amman vertreten (GIZ Jordanien).
  • Seit 2012 ist ein Implementierungsbüro für dezentrales Abwassermanagement in Amman tätig (Träger: UFZ und Jordanisches Wasserministerium); 2010 wurde eine Forschungs- und Demonstrationsanlage in Fuheis in Betrieb genommen.
  • Eine 1982 eröffnete Niederlassung des Deutschen Evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes (DEI Amman) ist seit 2007 zugleich Forschungsstelle des Deutschen Archäologischen Institutes (DAI). Das DEI Amman steuert gemeinsame Grabungen mit dem jordanischen Antikendienst, vor allem im Norden des Landes (Tell Zira'a, Umm Quais). Das Büro Amman ist organisatorisch mit der Außenstelle des DEI in Jerusalem verbunden.

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