FuE-Indikatoren

Indikator

Südkorea

Deutschland

OECD

Stand

Nationale FuE-Ausgaben [Mio. USD*]

112.868

143.407

1.648.186

2020

FuE-Ausgabenwachstum im Vergleich zum Vorjahr [Prozent]

9,59

-2,10

4,55

2020

FuE-Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) [Prozent]

4,81

3,14

2,68

2020

Anteil der FuE-Ausgaben des Staates am BIP [Prozent]

1,08

0,88

0,60

2020/2019/2019

Anteil der FuE-Ausgaben der Wirtschaft am BIP [Prozent]

3,69

2,04

1,61

2020/2019/2019

Ausgaben für FuE in Unternehmen (BERD) [Mio. USD*]

89.255

96.204

1.178.977

2020

Anteil der öffentlich finanzierten Ausgaben für FuE in Unternehmen (direkter Förderanteil) [Prozent]

5,27

3,19

4,40

2020/2019/2019

Anteil der vom Ausland finanzierten Ausgaben für FuE in Unternehmen [Prozent]

0,10

8,49

8,66

2020/2019/2019

Ausgaben für FuE in Hochschulen (HERD) [Mio. USD*]

10.130

26.091

270.237

2020

Anteil der unternehmensfinanzierten Ausgaben für FuE in Hochschulen [Prozent]

13,78

13,56

6,16

2020/2019/2019

Ausgaben für FuE in außeruniversitären öffentlichen Forschungseinrichtungen (GOVERD) [Mio. USD*]

11.409

21.113

158.699

2020

Anteil der unternehmensfinanzierten Ausgaben für FuE in außeruniversitären öffentlichen Forschungseinrichtungen [Prozent]

3,40

9,75

3,38

2020/2019/2019

Anzahl der Forschenden (Vollzeitäquivalente)

446.739

451.859

5.502.554

2020/2020/2019

Anzahl der Forschenden (VZÄ) je 1000 Beschäftigte

16,60

10,07

9,07

2020/2020/2019

Anteil der Forschenden (VZÄ) in privaten Unternehmen [Prozent]

81,83

60,23

63,93

2020/2020/2019

Anteil internationaler Ko-Patente an Patentanmeldungen unter dem Vertrag über Patentzusammenarbeit (PCT) [Prozent](1)

2,37

16,56

7,73

2017

Tabelle 4: Indikatoren zu Forschung und Entwicklung (FuE)

Quelle: OECD Main Science and Technology Indicators 2021/2, Stand März 2022

(1) OECD Patents Statistics, Stand Juli 2020

* in laufenden Preisen, kaufkraftbereinigt

       

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FuE-Finanzierung

In den OECD-Ländern mit überwiegend hohem Einkommen finanziert meist die inländische Wirtschaft den größten Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung (OECD Gesamt und Deutschland 64 Prozent). Die Anteile betragen für den Staat 24 bzw. 28 Prozent und für das Ausland 7 Prozent (OECD Gesamt und Deutschland).

Die inländische südkoreanische Wirtschaft liegt mit Finanzierungsanteilen von über 75 Prozent noch deutlich vor Deutschland und den meisten OECD-Ländern. In den USA, Israel, China und Japan ist der Anteil der inländischen Wirtschaft ähnlich hoch. Auffällig ist der sehr niedrige Anteil an Auslandsfinanzierung.

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FuE-Durchführung

Bei der Durchführung von Forschung und Entwicklung nehmen die Unternehmen in den OECD-Ländern meist eine dominante Rolle ein (Anteile für Deutschland und OECD Gesamt liegen bei 67 und 71 Prozent). Im Vergleich dazu haben die Unternehmen in Südkorea ähnlich wie bei der Finanzierung sogar noch deutlich höhere Anteile.

Im öffentlichen Sektor sind der OECD-Raum und in geringerem Maße auch Deutschland hochschulzentriert (Verhältnis von GOVERD zu HERD von etwa 35 : 65 bzw. 45 : 55). Südkorea investiert jedoch stärker in die außeruniversitären öffentlichen Forschungseinrichtungen als in die Hochschulen (Verhältnis von GOVERD zu HERD von etwa 55 : 45).

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Forschungs- und Förderorganisationen

Das Ministerium für Wissenschaft und Informations- und Kommunikationstechnologien (Ministry of Science and ICT – MSIT) und das Wirtschaftsministerium (Ministry of Technology, Industry and Energy, MOTIE) tragen die Verantwortung für die wichtigsten Forschungs- und Fördereinrichtungen.

Dem MSIT sind die größte Fördereinrichtung des Landes (s. unten) sowie die größte öffentlich finanzierte Industrieforschungseinrichtung, der National Research Council of Science and Technology (NST) zugeordnet. Die dazu gehörigen 25 Government Research Institutions (GRI) wurden überwiegend in den 70er und 80er Jahren gegründet. 2014 wurden die Institute für angewandte Forschung und Grundlagenforschung, die ursprünglich separaten Einrichtungen zugeordnet waren, unter dem Dach des NST zusammengelegt. Im Ergebnis deckt der NST eine breite Palette von naturwissenschaftlichen und technischen Fachgebieten ab (siehe für einen Überblick der Institute Institutionenlink, auch rechte Spalte): Astronomie, Geowissenschaften, (Atom-)Energie, Materialwissenschaft, orientalische Medizin, Ernährungswissenschaften, Luft- und Raumfahrt sowie diverse Technologien (chemisch, industriell, Telekommunikation, Energie-, Elektro- und Biotechnologie). Das bekannteste NST-Institut ist das 1966 gegründete Korea Institute of Science and Technology (KIST), das auch international sehr aktiv ist (siehe unter Überblick Internationale Kooperation).

Das System der Finanzierung der GRIs wurde 1996 von der rein institutionellen Finanzierung stärker auf eine Programmfinanzierung umgestellt. Seitdem wurden weitere Reformen durchgeführt, welche die Effizienz und die Innovationsleistung steigern sollen. Die inhaltliche Ausrichtung wird weiterhin vor allem "top down" kontrolliert, auf der Ebene von einzelnen Arbeitsgruppen bzw. Projekten wurde die Autonomie jedoch erheblich gesteigert. Darüber hinaus ist mit einer weiteren Verbesserung der finanziellen Ausstattung der GRIs zu rechnen, da die verstärkten Anstrengungen der Regierung zur Grundlagenforschung überproportional den GRIs zugute kommen dürften. Die GRIs sollen darüber hinaus zusammen mit Hochschulen verstärkt in die Bildung von regionalen Technologie-Clustern integriert werden.

Das MSIT ist außerdem verantwortlich für verschiedene außeruniversitäre Forschungseinrichtungen außerhalb des NST. Eine wichtige Neugründung ist das Institute of Basic Science (IBS), das seit 2011 innerhalb und außerhalb von Hochschulen Kapazitäten für Grundlagenforschung aufbaut (siehe unter Fachliche Stärken – Grundlagenforschung).

Direkt dem Premierminister unterstellt ist der National Research Council for Economics, Humanities and Social Sciences (NRC), der wirtschafts-, geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung in etwa 25 außeruniversitären Instituten betreibt. Dazu gehören auch Institute für Bildungsforschung wie das Korea Educational Development Institute (KEDI) sowie das Korea Research Institute for Vocational Education and Training (KRIVET). Über eigene Ressortforschungseinrichtungen verfügen in Südkorea z.B. das

  • Ministerium für Landwirtschaft (Rural Development Administration, RDA mit vier Agrarforschungsinstituten)
  • das Ministerium für Umwelt (National Institute of Environmental Research, NIER)
  • sowie das Ministerium für Ozeane und Fischerei (u.a. Korea Institute of Ocean Science and Technology, KIOST).

Dem Ministerium für Gesundheit und Wohlfahrt (MOHW) unterstehen ebenfalls eigene außeruniversitäre Forschungsinstitute. Während sich die 2004 gegründeten Korea Centers of Disease Control and Prevention (KCDC) bisher vor allem auf die Bekämpfung von Infektionskrankheiten konzentrieren, betreibt das 1945 gegründete Korea National Institute of Health (KNIH) auch biomedizinische Forschung zur Verhinderung chronischer Erkrankungen. Das National Cancer Center (NCC) ist auf Forschungen zu Krebserkrankungen spezialisiert.

Die zahlreichen Förderagenturen Südkoreas sind in dem Korea Council of R&D Funding Agencies (Corfa) zusammengeschlossen. Die wichtigste Förderquelle für die Hochschulen ist die National Research Foundation (NRF), die 2009 aus einer Fusion von drei verschiedenen Vorgängerorganisationen entstand. Die NRF ist im Bereich der Grundlagenforschung aktiv, aber zunehmend auch im Bereich der angewandten Forschung. Die NRF ist direkt dem MSIT unterstellt und verfügt über ein jährliches Budget von umgerechnet 6,4 Milliarden US-Dollar. Für die internationale Zusammenarbeit gibt es ein Budget von 67 Millionen US-Doller (NRF, 2021).

Eine wichtige Förderquelle für Unternehmen ist das Ministerium für Handel, Industrie und Energie (MOTIE) und die ihm unterstellten Förderagenturen KIAT, KEIT und KETEP:

  • Das Korea Institute for Advancement of Technology (KIAT) administriert Förderprogramme, die sich auf die regionale Innovationsförderung, die Kooperation von Hochschulen und Unternehmen, die internationale Zusammenarbeit und die Kommerzialisierung von Förderergebnissen konzentrieren. KIAT verfügt über ein Budget von 1,2 Milliarden US-Dollar. Für die internationale Zusammenarbeit gibt es ein Budget von 88 Millionen US-Dollar (KIAT, 2021).
  • In Schlüsselsektoren betreiben das Korea Evaluation Institute of Industrial Technology (KEIT) sowie das Korea Institute of Energy Technology Evaluation and Planning (KETEP) eine langfristige Planung zur Entwicklung von Technologien. Auf dieser Basis leisten sie wettbewerbliche Förderung, wobei sie einen Teil der Mittel durch gezielte Ausschreibung von zuvor definierten Projekten vergeben (siehe OECD (2014): Industry and Technology Policies in Korea).
  • Für den Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) wurde 2014 die Förderagentur Institute of Information & Communications Technology Planning and Evalution (IITP) geschaffen.

Insgesamt  gibt es in Südkorea etwa 20 Organisationen, die FuE-Förderung  bereitstellen. Vor diesem Hintergrund wird bis 2022 ein einheitliches Informationsportal geschaffen, das mehr Nutzerfreundlichkeit garantieren soll (UNESCO Science Report 2021,  S. 667).

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FuE im öffentlichen und privaten Sektor

Regional konzentrieren sich die Aktivitäten zur Forschung und Entwicklung (FuE) in Südkorea vor allem auf die Metropolregion Seoul, in der zwei Drittel der FuE-Gesamtausgaben anfallen.  Um dem Entgegenzuwirken wurden unter dem Vierten Nationalen Plan für die regionale Entwicklung von Wissenschaft und Technologie 2013-20174 532 Billionen KRW (ca. 3,9 Mrd. US-Dollar) in regionale F&E investiert (MSIT und KISTEP, 2018). Das Hauptaugenmerk dieses Plans lag auf der Dezentralisierung der industriellen Spezialisierung in jeder Provinz, um Cluster rund um regionale Prioritäten zu schaffen. Der Schwerpunkt jedes Clusters wurde von der jeweiligen Regionalregierung vorgeschlagen, um die lokale sozioökonomische Realität widerzuspiegeln, bevor er vom MOTIE mit anderen Bereichen der Regierung geteilt wurde (siehe Überblick zu nationalen Innovationsclustern im UNESCO Science Report 2021, S. 668).

Von den 433 Hochschulen in Südkorea engagieren sich nur etwa 50 in der Forschung (Quelle: GATE-Länderprofil Südkorea). Internationale Rankings können Hinweise auf Forschungs- und Innovationsstärke von Hochschulen geben. Die fünf bestplatzierten Universitäten in Südkorea sind (in Klammern Platzierung Shanghai Ranking 2021):

  • Seoul National University (SNU, Rang 101-150)
  • Sungkyunkwan University (SKKU, Rang 151-200)
  • Hanyang University (Rang 201-300)
  • Korea Advanced Institute of Science and Technology (KAIST, Rang 201-300)
  • Korea University (Rang 201-300)
  • Yonsei University (Rang 201-300)

Eine deutlich bessere Platzierung hatten die südkoreanischen Hochschulen in dem Reuters Innovation Ranking (RIR) von 2019 erreicht. Hier waren insgesamt sechs südkoreanische Universitäten unter den TOP 100 platziert. Neben den obengenannten (mit Ausnahme der Korea University) gehört die Pohang University of Science and Technology (POSTECH, Rang 12) dazu.

Die südkoreanischen Unternehmen liegen innerhalb der OECD an der Spitze in Bezug auf ihre Bereitschaft, in die Durchführung von Forschung und Entwicklung zu investieren (gemessen als Anteil BERD am Bruttoinlandsprodukt (BIP)). Obwohl bisher für die wirtschaftliche und ökonomische Entwicklung des Landes vorteilhaft, sieht die koreanische Regierung in dem hohen Anteil des privaten Sektors an den FuE-Ausgaben allerdings auch ein Problem. Da die private Forschung und Entwicklung vor allem auf Technologietransfer und Kommerzialisierung ausgerichtet ist, fehlt es für eine höhere Innovationsleistung an einer ausreichend ausgebauten Grundlagenforschung. Diese soll daher verstärkt durch den Staat gefördert werden, was angesichts der geplanten Ausgabensteigerungen auch zu einer Erhöhung des öffentlichen Anteils an den FuE-Ausgaben führen dürfte (Quelle: Jahreswissenschaftsbericht der deutschen Botschaft Seoul 2016).

Die Unternehmen in Südkorea gehören im OECD-Vergleich bereits heute zu denjenigen, die am stärksten durch die Regierung gefördert werden. Der Anteil direkter Finanzierung durch Zuschüsse oder Kredite liegt zwar unter dem OECD-Durchschnitt (siehe FuE-Indikatoren), dazu kommt jedoch eine großzügige steuerliche (indirekte) Förderung.

Forschung und Entwicklung findet in Südkorea traditionell vor allem in den großen Industrieunternehmen statt. In dieser Kategorie fallen zwei Drittel der Ausgaben an. Ähnlich wie in Deutschland und Japan dominiert auch 2018 in Südkorea die industrielle Fertigung mit Anteilen von knapp 89 Prozent, Dienstleistungen haben einen Anteil von weniger als 10 Prozent (Quelle: Main Science & Technology Indicators of Korea 2019-2, S. 10 f.). Die koreanische Politik sieht daher vor, kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) sowie den Dienstleistungssektor zukünftig verstärkt zu fördern (siehe unter Forschungs- und Innovationspolitische Ziele und Programme). Die Branche Informations- und Kommunikationstechnologien zeichnet für etwa die Hälfte der Ausgaben veranwortlich (siehe unter Fachliche Stärken: Digitaler Wandel).

In Bezug auf die Höhe der FuE-Investitionen liegt das Unternehmen Samsung mit 15,9 Milliarden USD (kaufkraftbereinigt) inzwischen weltweit auf Rang 4. Allerdings ist Samsung gleichzeitig das einzige Unternehmen mit Hauptsitz in Südkorea, das sich unter den TOP 50 platzieren konnte. Zum Vergleich: In Deutschland gelingt dies 9 Unternehmen. Unter den Top 100 sind mit dem Elektronikhersteller LG Electronics, dem Halbleiterhersteller SK Hynix und dem Fahrzeughersteller Hyundai Motors drei weitere Unternehmen mit Hauptsitz in Südkorea vertreten. Unter den Top 2.500 platzieren sich insgesamt 60 südkoreanische Unternehmen (zum Vergleich: Frankreich: 66 Unternehmen; Deutschland: 124; Japan: 293; China: 597; USA: 779; Quelle: 2021 EU Industrial R&D Investment Scoreboard, IRI, Anm.: FuE-Ausgaben je Unternehmen im IRI umfassen Ausgaben für Aktivitäten im Hauptsitzland, aber auch allen anderen Ländern).

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