Überblick zur Kooperation mit Deutschland: Singapur
Singapur zählt aufgrund seiner hervorragenden Forschungsinfrastruktur und seiner zentralen Lage in Südostasien zu den Schwerpunktländern der internationalen Kooperation Deutschlands. Für Singapur hat die Zusammenarbeit mit Deutschland in Bildung und Forschung einen hohen Stellenwert. Als Gastland für singapurische Studierende platziert sich Deutschland auf Rang 5, als Ko-Publikationsland für wissenschaftliche Veröffentlichungen mit Rang 7 unter den Top 10 (siehe vorheriger Abschnitt).
Seit der Unterzeichnung des Regierungsabkommens zur wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit im Jahr 1994 haben sich die Beziehungen zwischen deutschen und singapurischen Forschungseinrichtungen und Hochschulen sowie der Austausch von Studenten sehr positiv entwickelt. Die Attraktivität des Standortes Singapur hat dazu geführt, dass inzwischen eine vergleichsweise hohe Zahl an deutschen Forschenden dort tätig ist. Auch die Zahl der Forschungseinrichtungen deutscher Firmen vor Ort wächst (z.B. Siemens, Infineon, Bosch, Bayer, BASF). Das German Centre Singapore unterstützt seit 1995 insbesondere mittelständische deutsche Unternehmen beim Markteinstieg in Singapur bzw. Südostasien.
Das Bundesministerium für für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) als Nachfolger des BMBF (Überblick zu bilateralen und multilateralen Projekten mit einer Förderung des BMFTR) fördert über seine internationale Abteilung bilaterale Forschungsvorhaben mit der Partnerorganisation A*Star; seit Oktober 2025 sind vier Vorhaben im Bereich Kreislaufwirtschaft gestartet. Die nächste gemeinsame Bekanntmachung ist für 2026 geplant. Die internationale Abteilung förderte von 2017 bis 2024 den Aufbau einer Forschungspräsenz der TU Braunschweig an einem A*STAR-Institut. Seit 2023 ist die TU BS Singapore vor Ort vertreten (s. unten).
Der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) weist 83 offizielle Kooperationen zwischen Deutschland und Singapur aus. 48 deutsche Hochschulen kooperieren mit 9 singapurischen Hochschulen und 2 sonstigen Einrichtungen (Stand: 08/2025).
Die TU München (TUM) kann auf eine lanjährige Tradition in der Kooperation mit Singapur zurückblicken und baut die Beziehungen auch mittels Präsenz vor Ort ständig aus (siehe unten).
Internationale Mobilität von und nach Singapur wird vom Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD), der Alexander-von-Humboldt Stiftung (AvH) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.
2025 (in Klammern die Zahlen für 2019 Pre-Covid) hat der DAAD unter eigenen Programmen Förderung für einen Aufenthalt in Singapur an 105 (211) Studierende und Graduierte (inkl. Promovierende, Statusgruppen I-III) und 7 (8) Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Hochschullehrkräfte (inkl. Post-Docs, Statusgruppe IV) aus Deutschland vergeben. In den gleichen Kategorien erhielten 159 (150) und 8 (6) Geförderte aus Singapur eine Unterstützung des DAAD, um eine Aktivität im eigenen Land oder einen Auslandsaufenthalt; darunter auch Deutschlandaufenthalte, zu finanzieren.
Die AvH fördert ausländische Spitzenwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aller Fächer und Länder, die mit Hilfe von Forschungsstipendien und -preisen in Deutschland tätig werden. 2024 vergab die AvH 2 Forschungsstipendien an Geförderte aus Singapur.
Einen wichtigen Impuls für die Intensivierung der bilateralen Beziehungen setzte der Besuch von DFG-Präsidentin Prof. Katja Becker mit einer DFG-Delegation im April 2023. Die Reise ermöglichte persönliche Treffen mit zentralen Akteure des singapurischen Wissenschaftssystems persönlich kennengelernt und die Vertiefung bestehender Kontakte. Sowohl die National Research Foundation (NRF) als auch die Agency for Science, Technology and Research (A*STAR) bekundeten dabei großes Interesse an einer Auslotung gemeinsamer Fördermöglichkeiten. Im März 2025 wurde ein gemeinsames Memorandum of Understanding (MoU) zwischen der DFG und A*STAR unterzeichnet, dem eine gemeinsame Ausschreibung für dreijährige Forschungsprojekte im Themenfeld „Sustainable Chemistry“ folgte. Nach intensiven Gesprächen mit der NRF wurde das Förderformat „Forschungsgruppen“ als passende Grundlage für eine Zusammenarbeit identifiziert, da es die strukturellen Fördermechanismen beider Organisationen sinnvoll abbildet. Die Kooperation ist zunächst thematisch auf den Bereich Informatik begrenzt. Die Koordination soll bei der DFG liegen. Eine Ausschreibung ist für Sommer 2026 geplant.
2024 beherbergte die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) 27 singapurische Nachwuchs- und Gastforschende und sie führte 16 Projekte mit Partnern in Singapur durch. Für ein erstes Engagement vor Ort in Südostasien wählte die MPG 2019 Singapur aus (siehe unten).
Die Fraunhofer-Gesellschaft (FhG) verzeichnete 14 Kooperationsprojekte mit Singapur im Jahr 2024. Das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD) in Darmstadt ist bereits seit 1998 in Singapur aktiv. Zunächst wurde ein gemeinsames Forschungszentrum an der NTU aufgebaut, das 2010 mit einer Finanzierung der NRF in ein Fraunhofer Project Center umgewandelt wurde. Nach Zusage einer zweiten Förderperiode durch die NRF wurde dieses im Juli 2017 in eine Fraunhofer-Tochtergesellschaft, der bisher einzigen in Asien, überführt (siehe unten zur Präsenz der FhG vor Ort).
Von den Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft (HGF) unterhalten vor allem das Karlsruhe Institut für Technologie (KIT) und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) wissenschaftliche Kontakte mit singapurischen Einrichtungen.
Derzeit kooperieren 13 Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft (WGL) mit singapurischen Partnern, sowohl mit Hochschulen als auch mit außeruniversitären Forschungs- und Serviceeinrichtungen, mit Unternehmen und mit sonstigen Partnern. Damit kooperieren rund zehn Prozent aller 97 Leibniz-Institute mit singapurischen Institutionen.
Das deutsche Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) und die Förderagentur Enterprise Singapore bieten kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland und Singapur seit 2017 öffentliche Fördermittel für länderübergreifende Kooperationsprojekte an. In Deutschland erfolgt die Förderung im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM).
Besonders aktiv in der bilateralen Zusammenarbeit mit Singapur ist das Land Baden-Württemberg. Knapp 30 Prozent aller Kooperationsabkommen zwischen deutschen und singapurischen Hochschulen entfallen auf Einrichtungen in Baden-Württemberg.
Es folgt eine Auswahl von Einrichtungen vor Ort, die die deutsch-singapurische Kooperation tragen und unterstützen:
- Der DAAD ist seit 2021 mit einem Informationspunkt in Singapur vertreten.
- TU München seit 2002 mit der eigenständigen Auslandstochter TUM Asia in Partnerschaft mit der National University of Singapore (NUS) und der Nanyang Technological University (NTU);
- TU München seit 2010 mit der Beteiligung an dem Forschungscampus TUM CREATE (zum Konzept des Forschungscampus siehe vorheriger Abschnitt unter Überblick zur internationalen Kooperation) und dem inzwischen abgeschlossenen Projekt „Towards the Ultimate Public Transport System" (2016-21) in Partnerschaft mit der NTU. In der aktuellen Förderphase liegen die Forschungsschwerpunkte in den Bereichen Proteinforschung, Nachhaltigkeit, medizinische Diagnostik, post-quantum Chipdesign und erneuerbare Energiequellen. Ein Ziel des Projektes „Proteins4Singapore" ist es, den Eigenanteil der Nahrungsmittelproduktion in Singapur von 10 auf 30 Prozent erhöhen, um die Abhängigkeit von Importen zu verringern.
- TU BS Singapore: Am 2. November 2023 wurde im Beisein des deutschen Forschungsministeriums die Ausgründung einer eigenständigen Forschungs- und Bildungsentität der TU Braunschweig als Tochter der iTUBS – Innovationsgesellschaft Technische Universität Braunschweig mbH an den A*Star Partnerinstituten SIMTech und dem Advanced Remanufacturing Centre (ARTC) offiziell vollzogen. In den Fachabteilungen werden Kooperationsprojekte mit verschiedenen fachlichen Schwerpunkten gefördert, so zum Beispiel die Internationalisierung von zwei deutschen Spitzenclustern in Kooperation mit singapurischen Partnern.
- Fraunhofer Singapore, eine selbständige Fraunhofer-Auslandsgesellschaft und gemeinnütziges Unternehmen, setzt sich aus mehreren Säulen zusammen (Erläuterung zum Fraunhofer Singapore Modell). Seit 2025 ist Fraunhofer Singapore mit FSR@NTU ein offizieller Partner des Campus CREATE (siehe vorheriger Abschnitt) und trägt so zur weiteren Verankerung von Fraunhofer in der Institutionenlandschaft Singapurs bei. Fachliche Schwerpunkte liegen auf fortgeschrittener Mikroelektronik, Künstlicher Intelligenz, Cybersecurity, Resilience und Quantentechnologien sowie nachhaltigen Aquakultursystemen. Aus- und Weiterbildung durch die Fraunhofer Academy ist eine wichtige Schlüsselkomponente. Die zwei Akteure vor Ort sind:
- Fraunhofer Singapore Research Center an der Nanyang Technical University (FSR@NTU), das öffentliche Fördermittel zur Durchführung von Forschungsprojekten einwirbt;
- Fraunhofer Singapore Research Ltd (FSR) wurde 2017 von der NTU sowie von dem Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD) gegründet und erhielt eine finanzielle Unterstützung durch die singapurische National Research Foundation (NRF) and Infocomm Media Development Authority (IMDA). FSR führt mit verschiedenen öffentlichen und privaten Partnern Kooperations- und Auftragsforschung durch.
- Das Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung (MPIKG) mit Sitz in Potsdam mit der Beteiligung an dem Max Planck-NTU Joint Laboratory for Artificial Senses an der NTU in Singapur. Seit 2019 werden innovative Forschungsaktivitäten im Bereich der künstlichen Sensorik an der NTU gebündelt und sollen z.B. in der Robotik und im modernen Gesundheitswesen ihren Einsatz finden. Darüber hinaus ist die MPG mit dem weiter oben genannten Institut seit 2025 Teil des CREATE-Campus und forscht dort zur nachhaltigen chemischen Umwandlung von Biomasse. Zudem wurden zwei Max-Planck-Center mit Singapur in den Themenbereichen „Biocultural Worlding” und „Data-driven Chemistry” bewilligt. Die beiden Center werden am 20.-21. April 2026 durch MPG-Präsident Cramer eröffnet.