StartseiteLänderEuropaFrankreichFrankreich: In der französischen Geschichtswissenschaft ist die Bereitschaft zur Mitarbeit an dem Projekt des "Maison de l&#39 histoire de France" geteilt

Frankreich: In der französischen Geschichtswissenschaft ist die Bereitschaft zur Mitarbeit an dem Projekt des "Maison de l&#39 histoire de France" geteilt

Das gespaltene Meinungsbild unter den französischen Historikern zu dem Projekt ist kürzlich bei der Besetzung des "Comité d' orientation scientifique de la Maison de l' histoire de France" offen zutage getreten.

Staatspräsident Nicolas Sarkozy hatte am 13.1.2009 in einer Ansprache in Nîmes, in der die Definition der "identité nationale" einen  Schwerpunkt bildete, die Notwendigkeit eines "Musée de l' histoire de France" unterstrichen. Die Wahl eines der Sache historisch angemessenen Standortes in Paris (Hôtel des Invalides) oder in seiner näheren Umgebung (Versailles) stand seitdem zunächst im Vordergrund der öffentlichen Meinungsbildung.

Am 12. September 2010 hat Nicolas Sarkozy anlässlich eines Besuchs der "Grotte de Lascaux" (Dordogne) bekanntgegegen, dass er sich für das "Hôtel de Soubise" (Sitz der Archives nationales) im Herzen von Paris (le "Marais") im sogenannten "quadrilatère historique" entschieden habe. Das Personal der Archives nationales wehrt sich durch wiederholte Streikaktionen gegen diese Standortentscheidung; daran hat bisher die Tatsache nichts geändert, dass mit erheblichem Kostenaufwand für die Archives nationales in Pierrefitte-sur-Seine (Seine-Saint-Denis) in der Nähe von Paris ein Neubau nach modernsten Gesichtspunkten (Architekt: Massimiliano Fuksas) sich bereits in einem fortgeschrittenen Baustadium befindet. Seine Fertigstellung ist für das Jahr  2013 vorgesehen.

Von Anfang an stand das - inzwischen in "Maison de de l' histoire de France" umbenannte - Projekt bei einem Teil der öffentlichen Meinung unter dem Verdacht politischer Einflussnahme auf die Struktur und den im Einzelnen noch zu definierenden Inhalt des Projekts ("Les historiens craignent une instrumentalisation").

Kulturminister Frédéric Mitterand hat am 13.1.2011 das 20-köpfige "Comité d' orientation scientifique de la Maison de l' histoire de France" offiziell eingesetzt. Seine Zusammensetzung ist so gewählt, dass Vertreter aller großen Abschnitte der französischen Geschichte darin einen Platz gefunden haben (Vorgeschichte; Mittelalter; Neuzeit; Neuere Geschichte; Zeitgeschichte; Persönlichkeiten des Nationalarchivs, der Nationalbibliothek, des Museumssektors und der "Ecole nationale des chartes").

Man war auf eine pluralistische Zusammensetzung des für die inhaltliche Ausgestaltung des künftigen "Maison de l' histoire de France" maßgebenden Gremiums bedacht, um seine Öffnung gegenüber den anderen Sozialwissenschaften zu signalisieren. Die Berufung der Komitémitglieder erfolgt auf zwei Jahre, eine Wiederbestellung ist möglich.

Die Aufgaben des "Comité d' orientation scientifique" bestehen - über eine rein beratende Funktion hinaus - in der Ausarbeitung, dem Zusammenfügen und der Entscheidung über die "Inhalte des Maison de l' histoire de France". Seine Zuständigkeit erstreckt sich auf die Gesamtheit der Komponenten und der "politique culturelle" der zu schaffenden Einrichtung:

  • die Schaffung eines "Portals" einschlägiger Dokumente
  • die Knüpfung eines Netzwerkes zwischen der "Maison de l' histoire de France" und den in Frankreich schon bestehenden Museen kleineren Zuschnitts mit historischer Zielsetzung
  • die Konzipierung vorübergehender Ausstellungen sowie von Veranstaltungen zu bestimmten Themen
  • die Festlegung einer "galérie chronologique" in der künftigen "Maison de l' histoire de France"
  • den Austausch mit einschlägigen Einrichtungen des Auslands
  • die Beziehungen zum Erziehungssektor und zu für das Profil der "Maison de l' histoire de France" relevanten Forschungseinrichtungen
  • die Zielansprache bestimmter Benutzergruppen ("politique des publics").

 Die Eröffnung des "Maison de l' histoire de France" ist für 2015 vorgesehen.

Trotz des von seiten der französischen Regierung gezeigten Bemühens, das Projekt zu "entpolitisieren" konnten mehrere bekannte Historiker nicht dafür gewonnen werden, Mitglied des "Comité d' orientation scientifique" zu werden (Fabrice d' Almeida, Pierre Assouline, Jean-Noel Jeanneney, Jacques Le Goff , Mona Ozouf, Pierre Nora ). Der Grund für die Zurückhaltung dieser Wissenschaftler gegenüber dem Projekt liegt in der Kontroverse über den aus ihrer Sicht politisch belasteten Begriff der "identité nationale" begründet.

Kulturminister Frédéric Mitterand hat am 13.1.2011 anlässlich der Einsetzung des "Comité d' orientation scientifique" in einer programmatischen Ansprache seine Vorstellungen zu Struktur und Inhalt der "Maison de l' histoire de France" dargestellt. Er sieht in der jetzt gewählten Zusammensetzung des "comité d' orientation scientifique" eine "Garantie für die Unabhängigkeit , die Glaubwürdigkeit und die Beständigkeit" des Projekts.

Eine zwei ganze Seiten umfassende Dokumentation von Le Monde vom 18.12.2010 unter der Überschrift "Maison de l' histoire de France: pourquoi tant de peurs ?" mit den Untertiteln

  • "Wozu dient die neue Einrichtung?"
  • "Welches sind die Gründe für die Zurückhaltung der Historiker gegenüber dem Projekt?"

spiegeln das zur Zeit noch kontroverse Meinungsbild zu dem Projekt wider.

Quelle: Le Monde vom 18.12.2010 und www.culture.gouv.fr Redaktion: Länder / Organisationen: Frankreich Themen: Geistes- und Sozialwiss.

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