StartseiteLänderEuropaFrankreichFrankreich: "Nationaler Plan für die Behandlung radioaktiver Stoffe und Abfälle 2010 -2012" (PNGMDR) vorgelegt

Frankreich: "Nationaler Plan für die Behandlung radioaktiver Stoffe und Abfälle 2010 -2012" (PNGMDR) vorgelegt

In Nachfolge des vorangegangenen Plans für den Zeitraum 2007 - 2009 wurde jetzt von der "Autorité de sûreté nucléaire" (ASN) die Marschroute für die nächsten drei Jahre festgelegt. Der Plan 2010 - 2012 schließt alle Kategorien radioaktiver Abfälle ein. Die im Zeitraum 2007 - 2009 eingeleiteten Projekte werden fortgeführt und intensiviert.

Das Gesetz vom 28.06.2006 betreffend die Behandlung radioaktiver Stoffe und Abfälle schreibt eine Fortschreibung des PNGMDR alle drei Jahre vor (Artikel L 542-1-2 des "Code de l' environnement").

Mit der Veröffentlichung des PNGMDR für den Zeitraum 2010 - 2012 beginnt für Frankreich eine neue Etappe in der durch ein hohes Maß an Transparenz gekennzeichneten Behandlung dieses für alle betroffenen Länder schwierigen Problems.

Das 146 Seiten umfassende Dokument wurde in Konzertation mit den Akteuren der Nuklearwirtschaft einschließlich der gewählten Volksvertreter und Umweltverbänden wie dem "Groupement des Scientifiques pour l' information sur l' Energie Nucléaire" (GSIEN) von einer "groupe de travail pluraliste" in Übereinstimmung mit dem "Grenelle de l' environnement" und auf der Grundlage des Gesetzes über die Transparenz und die nukleare Sicherheit vom 13.6.2006 vorbereitet.

Nach dem Stand von Ende 2007 (vgl. ANDRA-inventaire national 2009) belief sich in Frankreich das Volumen der radioaktiven Abfälle auf:

230.000 m3: kurzlebige (weniger als 31 Jahre) sehr schwachradioaktive Abfälle (Schrott, Plastik, Beton); Standort: Morvilliers / Departement Aube; oberirdische Lagerung  .

790.000 m3: aus nuklearen Anlagen und medizinischen Einrichtungen stammende, kurzlebige schwach- und mittelradioaktive Abfälle (Werkzeuge, Handschuhe, Kleidungsstücke, Flüssigkeiten); Standort: Soulaines / Departement Aube; oberirdische Lagerung.

80.000 m3: langlebige (mehr als 31 Jahre) schwach- und mittelradioaktive Abfälle (u. a. aus der Metallurgie stammendes Radium; Graphit aus KKW der 1. Generation); Lagerung in geringer Tiefe (15 - 200 Meter); Standort(e) müssen noch festgelegt werden, nachdem zwei, von 40 im Jahre 2008 eingereichten Bewerbungen, ausgewählte Standorte nach einer eigens durchgeführten Evaluierung zurückgezogen wurden. In der Zwischenzeit soll eine Zwischenlagerung an 11 KKW-Standorten stattfinden.

40.000 m3: langlebige mittelradioaktive Abfälle (Metallreste abgebrannter Brennelemente); Standort muss noch festgelegt werden.

2.300 m3: langlebige hochradioaktive Abfälle aus der Wiederaufbereitung bestrahlter Brennelemente (Cäsium 134 und 137, Strontium 90, Curium, Americium); sie sollen nur 0,2 % der insgesamt angefallenen Abfälle, aber 95 % deren Radioaktivität ausmachen; nach ihrer Umhüllung in Glas ist ihre rückholbare Lagerung in einer 500 Meter tiefen Formation geplant; der Standort (Bure / Meuse) wird seit 2005 auf seine Eignung untersucht. Die Anlage sollte 2025 in Betrieb gehen.

Eine PDF-Präsentation ("Conférence de presse" vom 4.6.2010) liefert eine differenzierte Aufschlüsselung und mit Photos sowie teilweise mit Zeichnungen unterlegte Beschreibung der z. Zt. bestehenden Kapazitäten für die Lagerung der verschiedenen Kategorien radioaktiver Abfälle sowie der im Zeitraum 2010 - 2012 geplanten oder diesen Zeitraum übergreifenden Maßnahmen (einschließlich noch notwendiger Forschungen).

Der jeweiligen Kategorie der Abfälle angepasste Formen der Zwischenlagerung spielen teilweise noch eine nicht unwesentliche Rolle.

Man geht davon aus, dass für fast 90 % der Abfälle bereits endgültige Lösungen verfügbar sind. Solche auch für die restlichen 10 % zu finden, wird von den verantwortlichen Stellen als die wichtigste Aufgabe der nächsten Jahre bezeichnet; zu ihnen gehören u.a. auch die langlebigen schwachradioaktiven Abfälle und insbesondere das aus dem Betrieb der 1. KKW-Generation herrührende Graphit.

Vor diesem Hintergrund gibt Le Figaro vom 8.6.2010 seiner ausführlichen Berichterstattung die Überschrift "L' État face au casse-tête des déchets nucléaires".

Die nächste Auflage des PNGMDR ist für das Jahr 2013 vorgesehen.

Die PDF-Präsentation schließt mit dem Hinweis, dass Frankreich das erste Land sei, dass einen PNGMDR ausgearbeitet habe. Frankreich arbeite auf europäischer Ebene aktiv an dem Entwurf einer Richtlinie mit, die das Ziel habe, jeden EU-Mitgliedstaat zur Ausarbeitung eines PNGMDR zu verpflichten.

Anstelle der Durcharbeitung des 146 Seiten umfasenden PNGMDR 2010 - 2012 wird wahlweise zum Einstieg in den äußerst komplexen Sachverhalt

  • das "Dossier de presse" vom 4.6.2010
  • die PDF-Präsentation des Präsidenten der ASN André-claude Lacoste
  • die 28 Seiten umfassende "Synthèse du PNGMDR 2010 - 2012"

empfohlen. Sie stehen neben dem vollen Wortlaut des "Plan national"  unter der oben bezeichneten Internetanschrift zur Verfügung.

Dem Gesamtwortlaut des "Plan national" sind ein Annex "Synthese der durchgeführten Arbeiten und der Forschung in ausländischen Staaten" (Seiten 107 - 119), ein Annex "Detaillierte Analyse der Entsprechung zwischen Zwischenlagerkapazitäten und dem voraussichtlichen Volumen radioaktiver Abfälle" (Seiten 119 - 125) und ein Annex "Der Forschungs-Flügel des PNGMDR" (Seiten 125 - 146) beigefügt.

Quelle: Le Figaro (Sciences / Médecine) vom 8.6.2010 Redaktion: Länder / Organisationen: Frankreich Themen: Energie Infrastruktur Geowissenschaften Umwelt u. Nachhaltigkeit

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