StartseiteLänderEuropaFrankreichFrankreich: Reformbedingt stehen die Junglehrer des Jahrgangs 2010 in der Schulpraxis vor einer Bewährungsprobe

Frankreich: Reformbedingt stehen die Junglehrer des Jahrgangs 2010 in der Schulpraxis vor einer Bewährungsprobe

Durch das Reformgesetz vom 23.4.2005 betreffend die Zukunft der Schule (Loi Fillon) wurde die Ausbildung der künftigen Lehrer aller Schulstufen unter starker Verkürzung der Einweisung in die pädagogische Praxis von den "Instituts universitaires de formation des maîtres" (IUFM) in ein Universitätsstudium mit Master-Abschluss überführt ("mastérisation"). Das hat jetzt für die Lehramtsanwärter der Kolleg- und Lyzeumsstufe zu in dieser Form nicht erwarteten Problemen geführt.

Die hier einschlägigen Vorschriften des Reformgesetzes vom 18.12.2005 kamen erstmals mit dem Beginn des Schuljahres 2010 / 2011 zur Anwendung.

Seitdem haben 75 Lehramtskandidaten u.a. wegen Übermüdung infolge Überforderung und fehlenden Abstandes von dem Lehrstoff ihren Dienst quittiert; das ist gegenüber dem Vorjahr eine Zunahme um 32 %.

Die von den oberen Schulverwaltungsbehörden versandten Fragebogen bestätigen im Grundsatz die Schwierigkeiten der Junglehrer, mit dem Mangel an theoretischer und pädagogischer Einweisung in den Schulalltag fertigzuwerden.

Ein ressortinterner Bericht der "Direction générale des ressources humaines" (DGRH) des französischen Erziehungsministeriums bestätigt die Probleme, denen sich die Junglehrer im Jahre 2010 gegenübersahen. Der Grund hierfür wird - so Le Figaro vom 7.1.2011 - in dem Wegfall des dual ausgestalteten Ausbildungsjahres in den jetzt aufgelösten "Instituts universitaires de formation des maîtres" und den damit verbundenen drastischen Umstellung der pädagogischen Ausbildung der künftigen Lehrer gesehen. Diese wurden im Jahre 2010 erstmals ohne eine ausreichende theoretische und praktische einweisung bei vollem Stundenpensum vor ihre Klasse gesetzt.

Das führte im Dezember 2010 zu Demonstrationen vor dem Erziehungsministeriuim, mit denen die Betroffenen sich gegen die Auswirkungen der "mastérisation" und damit auch indirekt gegen die des Bologna-Prozesses wandten.

Die erwähnten Probleme sind hauptsächlich auf der Kolleg- und Lyzeumsstufe aufgetreten. Der oben erwähnte Bericht der DGRH des Erziehungsministeriums zeigt sich hinsichtlich der Bilanz der Einführung des hier interssierenden Reformschritts in den Grundschulen optimistischer.

Quelle: Le Figaro vom 7.1.2011 Redaktion: Länder / Organisationen: Frankreich Themen: Bildung und Hochschulen Lebenswissenschaften

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