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Überblick zur internationalen Kooperation: Frankreich

Federführend für internationale Bildung und die Außenwissenschaftsbeziehungen sind das französische Außenministerium sowie das Ministerium für Hochschulbildung, Forschung und Innovation MESRI. Das MESRI bereitet eine dezidierte Internationalisierungsstrategie vor, aber auch in der Forschungsstrategie „France Europe 2020“ und der Hochschulstrategie StraNES finden sich internationale Ziele. Die Wissenschaftsstrategie des Außenministeriums aus dem Jahr 2013 „Eine wissenschaftliche Diplomatie für Frankreich“ (englische Version) gibt zudem eine internationale Orientierung. Zu den wichtigsten Zielen zählen:

  • Stärkere Beteiligung an europäischen Förderprogrammen;
  • Erhöhte internationale Sichtbarkeit der französischen Exzellenzforschung und der Hochschulen;
  • Verdoppelung der Anzahl internationaler Studierender in Frankreich sowie französischer Studierender im Ausland 2015 bis 2025.

Internationale Vergleichszahlen liegen zu den Studierenden vor, die einen Abschluss im Ausland anstreben. Der Anteil der französischen Studierenden, die 2016 im Ausland einen Abschluss anstrebten, liegt mit 4 Prozent über dem OECD-Durchschnitt von 2 Prozent. Der Anteil der internationalen Studierenden in Frankreich lag bei 10 Prozent, darunter 40 Prozent der Promovierenden. Damit übertrifft Frankreich bereits deutlich die OECD-Durchschnittswerte (Bildungsindikatoren). Mit 245.000 Studierenden liegt Frankreich gemeinsam mit Deutschland weltweit auf Rang 5 der Zielländer hinter den USA, Großbritannien, Australien und Russland. Allerdings könnte es zu einem Rückgang kommen, da Nicht-EU-Studierende in Frankreich zum Wintersemester 2019/20 an den staatlichen Universitäten erstmals bis zu 3.770 Euro Gebühren zahlen sollen, Promovierende werden davon ausgenommen.

Führende Herkunftsländer waren Marokko, China, Algerien, Tunesien und Italien. Die führenden Zielländer waren Belgien, Kanada, Großbritannien, die Schweiz und die USA (Quelle: UNESCO Institute of Statistics Global Flow of Tertiary-Level Students, erfasst werden nur diejenigen Studierenden, die einen Abschluss im Ausland anstreben. Zu China als Zielland fehlen Daten). Zu Deutschland als Zielland fehlen aktuelle Daten, nach den UNESCO-Daten von 2015 läge Deutschland als Zielland für 6.955 französische Studierende auf Rang 5.

Frankreich engagiert sich stark für den Europäischen Forschungsraum (EFR) und nutzt darüber hinaus verschiedene Instrumente der Wissenschaftspolitik, die auf internationale Kooperation und Mobilität hinzielen. Die nationale Forschungsagentur ANR hat ihre Ausschreibungen explizit für Kooperationen mit ausländischen Partnern geöffnet, veröffentlicht gemeinsame Ausschreibungen mit Partneragenturen und fördert den Aufbau internationaler Netzwerke. 2017 wurden 268 Projekte mit ausländischen Fördereinrichtungen finanziert (Quelle: Jahresbericht ANR 2017). Zudem existieren umfangreiche ministerielle Förderungen für bilaterale und regionale Forschungskooperationen mit ausländischen Partnern. Weiterhin wurden die rechtlichen Rahmenbedingungen für Aufenthalte ausländischer Studierender und Wissenschaftler sowie für fremdsprachliche Lehre seit 2013 kontinuierlich verbessert. Die Internationalisierungsagentur Campus France wirbt mit 178 Außenstellen weltweit um Studierende und Wissenschaftler.

Eine Karte von Campus France bietet eine Übersicht zu den französischen Forschungseinrichtungen im Ausland (Stand 2016). In der Entwicklungszusammenarbeit verfügt Frankreich über eine besondere Infrastruktur in Form von Netzwerken außeruniversitärer staatlicher Institute, die vorwiegend im Ausland operieren: IRD („L'Institut de recherche pour le développement") und CIRAD („Centre de coopération internationale en recherche agronomique pour le développement"). Dazu kommt das internationale Netzwerk der Pasteur-Institute. Andere Einrichtungen wie das Nationale Zentrum für wissenschaftliche Forschung CNRS sind überwiegend in Frankreich aktiv, aber durch das Netzwerk französischer Forschungsinstitute IFRE („Réseau des instituts français de recherche à l'étranger“) sowie Forschungsgruppen und -netzwerke in Kooperation mit internationalen Partnern („Unités mixtes internationales“, UMI / „Laboratoire International Associé“, LIA) auch im Ausland vertreten.

Der Anteil der internationalen Ko-Publikationen an der Gesamtzahl der französischen wissenschaftlichen Publikationen ist zwischen 1996 und 2016 kontinuierlich von 31,2 auf 54,3 Prozent angewachsen. Zum Vergleich: In Deutschland hat die Ko-Publikationsrate im selben Zeitraum ebenfalls zugenommen, jedoch nicht ganz so stark: von 32,6 auf 49,3 Prozent (Quelle: SCImago (2007). SJR – SCImago Journal & Country Rank. Retrieved March 1, 2018).

Frankreich arbeitet innerhalb des Europäischen Forschungsraums besonders eng mit Deutschland zusammen. Es unterhält darüber hinaus Forschungsbeziehungen in verschiedener Intensität zu fast allen Staaten der Welt, sei es durch gemeinsame Ausschreibungen, internationale Forschungslabore, Wissenschaftsattachés an den Botschaften oder in Form von Entwicklungshilfe. Zu den Ländern, mit denen Frankreich seine Kooperation ausbauen möchte, gehören seit etwa zehn Jahren insbesondere Brasilien, Russland, China, Indien, Japan, Südkorea, Taiwan und Singapur. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Mittelmeer-Raum. Frankreichs fünf wichtigste Ko-Publikationsländer der letzten drei Jahre sind die USA, gefolgt von Großbritannien, Deutschland, Italien und Spanien. China folgt auf Rang 10 (Quelle: Scopus-Datenbank, Elsevier, Zeitraum 2016-18).

Französische Einrichtungen waren an einem Drittel aller Projekte des 7. EU-Forschungsrahmenprogramms (2007-13) beteiligt, und Frankreich war und ist nach Deutschland und Großbritannien der drittgrößte Fördermittelempfänger. In der Raumfahrt und der Nuklearforschung beteiligte sich Frankreich am stärksten, im Transportwesen (inklusive Luftfahrt) belegte es Platz zwei hinter Deutschland - eine Tendenz, die sich im 2014 gestarteten EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation Horizont 2020 (2014-20) fortsetzt. Bis September 2018 warb Frankreich europäische Fördergelder in Höhe von 3,8 Milliarden Euro ein. Unter den insgesamt 4.344 Projekten, an denen sich das Land bisher beteiligte, wies mit 2.235 Projekten über die Hälfte auch eine deutsche Teilnahme auf. 

Andere Varianten europäischer Kooperation setzen nicht auf einen gemeinsamen Fördertopf unter dem Rahmenprogramm der EU, sondern auf die Verbindung verschiedener nationaler Fördertöpfe, um gemeinsame Projekte im Rahmen von Public Public Partnerships (P2Ps) zu finanzieren. Derzeit ist Frankreich an etwa 90 P2Ps beteiligt (Übersicht ERA-LEARN Plattform, Stand Februar 2019). Dabei hat Frankreich in etwa 20 P2Ps die Koordination übernommen, darunter in verschiedenen gemeinsamen Programminitiativen, z.B. für „Neurodegenerative Krankheiten, insbesondere Alzheimer“ (JPND) und ERA-NETs, z.B. zu Informations- und Kommunikationstechnologien (CHIST-ERA). Vertreten wird Frankreich überwiegend durch die Nationale Forschungsagentur ANR.

Fankreich, das 1985 zu den Gründungsmitgliedern des Netzwerkes zur Unternehmens- und Innovationsförderung EUREKA gehörte, beteiligt sich auch an dem gemeinsamen Förderprogramm Eurostars. Zuständig ist die Fördereinrichtung Bpifrance (EUROSTARS-Webseite Frankreich).

Frankreich fungiert als Sitzland für eine Reihe von internationalen Organisationen mit Bildungs- und/ oder Wissenschaftsfokus. In Paris haben sowohl die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur UNESCO, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD, die Internationale Energieagentur IEA, die Europäische Weltraumorganisation ESA als auch der Internationale Rat für Wissenschaft ISC ihren Hauptsitz. Zusätzlich beherbergt Frankreich eine Reihe von wichtigen internationalen Forschungsinfrastrukturen. Darunter sind der internationale Kernfusions-Forschungsreaktor ITER („International Thermonuclear Experimental Reactor“), der sich im Bau befindet. Zusammen mit der Schweiz ist Frankreich Sitzland der Europäischen Organisation für Kernforschung CERN.

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