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Überblick zur internationalen Kooperation: Frankreich

Federführend für internationale Bildung und die Außenwissenschaftsbeziehungen sind das französische Außenministerium sowie das Ministerium für Hochschulbildung, Forschung und Innovation MESRI. Die Wissenschaftsstrategie des Außenministeriums aus dem Jahr 2013 „Eine wissenschaftliche Diplomatie für Frankreich“ (englische Version) gibt eine internationale Orientierung aber auch in der Forschungsstrategie „France Europe 2020“ und der Hochschulstrategie StraNES finden sich internationale Ziele. Zu den wichtigsten zählen:

  • Stärkere Beteiligung an europäischen Förderprogrammen;
  • Erhöhte internationale Sichtbarkeit der französischen Exzellenzforschung und der Hochschulen;
  • Die Anzahl internationaler Studierender in Frankreich soll bis 2017 auf 500.000 steigen (2019: 324.000) und die Anzahl französischer Studierender im Ausland erhöht werden.

Um mehr internationale Studierende anzuziehen wurde 2019 ein Maßnahmenpaket unter dem Slogan „Choose France“ verabschiedet. Neben Visa-Vereinfachungen, mehr Französisch-Sprachkursen aber auch Lehrangeboten auf Englisch sieht es insbesondere die Studiengebühren für Nicht-EU-Studierende von bis zu 3.770 Euro ab dem Wintersemester 2019/20 vor. Promovierende werden davon ausgenommen. Mit den Einnahmen soll die Betreuung internationaler Studierender verbessert werden.

Internationale Vergleichszahlen liegen zu den Studierenden vor, die einen Abschluss im Ausland anstreben. Der Anteil der französischen Studierenden, die 2018 im Ausland einen Abschluss anstrebten, lag mit 4 Prozent über dem OECD-Durchschnitt von 2 Prozent. Der Anteil der internationalen Studierenden in Frankreich lag bei 9 Prozent, darunter 38 Prozent der Promovierenden. Damit übertrifft Frankreich ebenfalls die OECD-Durchschnittswerte (siehe Bildungsindikatoren).

Mit 229.623 internationalen Studierenden lag Frankreich 2018 weltweit auf Rang 6 der beliebtesten Zielländer hinter den USA, Großbritannien, Australien, Deutschland und Russland. Der Rückgang der absoluten Studierendenzahlen im Vergleich zum Jahr 2017 erklärt sich vor allem daraus, dass Frankreich in dieser Statistik nicht mehr die ERASMUS-Studierenden mit einschließt.

Führende Herkunftsländer waren Marokko, Algerien, China, Tunesien und Senegal. Die führenden Zielländer waren Kanada, Belgien, Großbritannien, die Schweiz und Deutschland (Quelle: UNESCO Institute of Statistics Global Flow of Tertiary-Level Students, erfasst werden nur diejenigen Studierenden, die einen Abschluss im Ausland anstreben. Zu China als Zielland fehlen Daten).

Frankreich nutzt verschiedene Instrumente der Wissenschaftspolitik, die auf internationale Kooperation und Mobilität hinzielen. Die Internationalisierungsagentur Campus France wirbt mit 186 Außenstellen weltweit um Studierende und Forschende. Die nationale Forschungsagentur ANR veröffentlicht gemeinsame Ausschreibungen mit Partneragenturen und fördert den Aufbau internationaler Netzwerke, u.a. im Europäischen Forschungsraum. Zusätzlich gibt es ministerielle Förderungen für bilaterale und regionale Forschungskooperationen mit ausländischen Partnern.

Weiterhin setzt Frankreich stark auf die Präsenz seiner Forschungseinrichtungen vor Ort (Übersichtskarte, Campus France, Stand 2016). In der Entwicklungszusammenarbeit verfügt Frankreich über eine besondere Infrastruktur in Form von Netzwerken außeruniversitärer staatlicher Institute, die vorwiegend im Ausland operieren: IRD („L'Institut de recherche pour le développement") und CIRAD („Centre de coopération internationale en recherche agronomique pour le développement"). Dazu kommt das internationale Netzwerk der Pasteur-Institute. Andere Einrichtungen wie das Nationale Zentrum für wissenschaftliche Forschung CNRS sind durch das Netzwerk französischer Forschungsinstitute IFRE („Réseau des instituts français de recherche à l'étranger“) sowie Forschungsgruppen und -netzwerke in Kooperation mit internationalen Partnern („Unités mixtes internationales“, UMI / „Laboratoire International Associé“, LIA) auch im Ausland vertreten.

Der Anteil der internationalen Ko-Publikationen an der Gesamtzahl der französischen wissenschaftlichen Publikationen ist zwischen 1996 und 2019 kontinuierlich von 30,5 auf 58,5 Prozent angewachsen. Zum Vergleich: In Deutschland hat die Ko-Publikationsrate im selben Zeitraum ebenfalls deutlich zugelegt, allerdings nicht ganz so stark: von 30,9 auf 51,9 Prozent (Quelle: SCImago. SJR — SCImago Journal & Country Rank. Retrieved June 26, 2020, from www.scimagojr.com).

Unter den fünf wichtigsten Ko-Publikationsländern der letzten drei Jahre liegen die USA an erster Stelle, gefolgt von Großbritannien, Deutschland, Italien und Spanien. China folgt auf Rang 8 (Quelle: Scopus-Datenbank, Elsevier, Zeitraum 2017-19). Zu den Ländern, mit denen Frankreich seine Kooperation ausbauen möchte, gehören seit etwa zehn Jahren insbesondere Brasilien, Russland, China, Indien, Japan, Südkorea, Taiwan und Singapur. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Mittelmeer-Raum.

Unter dem EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation Horizont 2020 (2014-20)  warb Frankreich bis März 2020 europäische Fördergelder in Höhe von 5,55 Milliarden Euro ein. Von den insgesamt 6.021 Projekten, an denen sich das Land bisher beteiligte, wies mit 3.144 Projekten mehr als die Hälfte auch eine deutsche Teilnahme auf. 

Andere Varianten europäischer Kooperation setzen nicht auf einen gemeinsamen Fördertopf unter dem Rahmenprogramm der EU, sondern auf die Verbindung verschiedener nationaler und europäischer Fördertöpfe, um gemeinsame Projekte im Rahmen von Public Public Partnerships (P2Ps) zu finanzieren. Derzeit ist Frankreich an etwa 90 P2Ps beteiligt (Übersicht ERA-LEARN Plattform, Stand Februar 2019). Dabei hat Frankreich in etwa 20 P2Ps die Koordination übernommen. Das Land wird dabei überwiegend durch die Nationale Forschungsagentur ANR vertreten.

Frankreich, das 1985 zu den Gründungsmitgliedern des Netzwerks für Unternehmens- und Innovationsförderung EUREKA gehörte, beteiligt sich auch an dem gemeinsamen Förderprogramm Eurostars. Zuständig ist die Fördereinrichtung Bpifrance (EUROSTARS-Webseite Frankreich).

Frankreich fungiert als Sitzland für eine Reihe von internationalen Organisationen mit Bildungs- und/ oder Wissenschaftsfokus. In Paris haben sowohl die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO), die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die Internationale Energieagentur (IEA), die Europäische Weltraumorganisation (ESA) als auch der Internationale Rat für Wissenschaft (ISC) ihren Hauptsitz. Zusätzlich beherbergt Frankreich eine Reihe von wichtigen internationalen Forschungsinfrastrukturen. Dazu gehört der internationale Kernfusions-Forschungsreaktor ITER („International Thermonuclear Experimental Reactor“), der sich im Bau befindet. Zusammen mit der Schweiz ist Frankreich Sitzland der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN).

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