StartseiteLänderEuropaPolenZusammenfassungÜberblick zur Bildungs-, Forschungs- und Innovationslandschaft und -politik

Bildungssystem

Seit Dezember 2023 gibt es in Polen unter dem neuen Ministerpräsidenten Tusk wieder zwei separate Ministerien für Bildung und Wissenschaft: das Ministerium für Staatliche Bildung (Ministerstwo Edukacji NarodowejNational Education“, MEN) mit einer Zuständigkeit für alle Bildungsektoren außer den Hochschulen sowie das Ministerium für Wissenschaft und Hochschulwesen (Ministerstwo Nauki i Szkolnictwa Wyższego, MNiSW). Diese Aufteilung der Zuständigkeiten bestand bereits im Zeitraum von 2006-2020. Eine Fusion der Zuständigkeiten in ein und demselben Ministerium (Ministerstwo Edukacji i Nauki, MEiN) gab es nur für einen kurzen Zeitraum 2005-06 sowie zwischen Oktober 2020 und Dezember 2023.

Im Oktober 2015 hatte die nationalkonservative Partei Recht und Gerechtigkeit (Prawo i Sprawiedliwość, PiS) in Polen einen Wahlsieg erzielt. Sie löste anschließend die Koalitionsregierung aus liberalkonservativer PO und Bauernpartei ab, die seit 2007 die Regierung gestellt hatte. Die neue Regierung hat seitdem sowohl in der Bildungs- als auch in der Forschungspolitik umfangreiche Reformen durchgesetzt (siehe für eine Zusammenfassung und Bewertung OECD Working Paper (2018) „Strengthening Innovation in Poland"). Seit November 2019 regiert die PiS in einer Regierungskoalition mit weiteren Partnern. Da ein neuer Koalitionsvertrag von Ende September 2020 vorsah, die Anzahl der Ressorts zu verringern, wurden die beiden Ministerien nach 14 Jahren erstmals wieder zusammengelegt. Die Wahlen zum Sejm am 15.10.2023 sorgten für eine Veränderung der politischen Konstellation. Die Auswirkungen auf Bildungs- und Forschungspolitik sind noch nicht absehbar.

Das Bildungsministerium wird durch eine eigene Forschungseinrichtung, das Educational Research Institute (Instytut Badań Edukacyjnych, IBE) unterstützt. Im Dezember 2016 wurde in Polen eine Bildungsreform beschlossen, die bis Ende 2023 in Phasen umgesetzt werden soll (Beschreibung der Reform durch EURYDICE). Danach beginnt die Schulpflicht in Polen mit einem Vorschuljahr im Alter von sechs Jahren. Daran schließt sich eine achtjährige gemeinsame Schulzeit für alle an. Ab dem Alter von 15 Jahren trennen sich die Wege der polnischen Schülerinnen und Schüler:

  • Möglich ist der Besuch einer Berufsschule (szkoła branżowa I stopnia) für den Zeitraum von drei Jahren mit dem Ziel, ins Berufsleben einzusteigen. Die dadurch erworbenen Kompetenzen sind jedoch begrenzt. Einen besseren Ruf genießt dagegen eine Berufsqualifizierung durch den fünfjährigen Besuch einer Berufsoberschule (technikum). Daneben entscheidet sich ein kleinerer Anteil der jeweiligen Jahrgänge für eine duale Berufsausbildung (BQ-Portal Polen). Die OECD hat Polen empfohlen, massiv in die Berufsbildung zu investieren und die Wirtschaft besser miteinzubinden (OECD Working Paper (2018) „Strengthening Innovation in Poland", siehe unter Kooperation mit Deutschland).
  • Die Hochschulzugangsberechtigung wird durch eine Prüfung (Matura) nach dem fünfjährigen Besuch des Technikums oder dem vierjährigen Besuch eines allgemeinbildenden Lyzeums (liceum ogólnokształcące) erworben. Aber auch Berufsschülerinnen und -schüler haben noch die Möglichkeit, die Prüfung abzulegen, indem sie nach der ersten dreijährigen Berufsschulphase weitere zwei Jahre eine Berufsschule besuchen (szkoła branżowa II stopnia).

Der demografische Wandel betrifft auch Polen. Mit knapp 1,4 Mio. Studierenden 2021 haben die polnischen Hochschulen seit 2008 starke Rückgänge der Studierendenzahlen zu verzeichnen (siehe Bildungsindikatoren). In der Folge hat sich insbesondere die Anzahl der privaten Hochschulen deutlich verringert. 2023 verfügt Polen über insgesamt 349 Hochschulen, davon 130 staatliche und 219 private Einrichtungen. Bei den nichtstaatlichen Hochschulen handelt es sich meist um kleinere Einrichtungen, die ihren Schwerpunkt in der Lehre haben. (siehe DAAD-Länderbericht 2022).

Die Mehrheit der polnischen Studierenden ist an staatlichen Einrichtungen eingeschrieben. Hier sind die 18 staatlichen Volluniversitäten zu nennen (2018/19: circa 29 Prozent aller Studierenden), 18 Technische Universitäten (2018/2019: 18 Prozent), 6 Landwirtschaftliche Universitäten (2018/19: 4,5 Prozent), sowie 5 Wirtschaftsuniversitäten (2018/19: 4,5 Prozent) und neun medizinischen Universitäten (siehe DAAD Länderbericht Polen 2022).

Das Ministerium für Bildung und Wissenschaft trägt die Verantwortung für die meisten polnischen staatlichen Hochschulen. Eine wichtige Ausnahme bilden die neun medizinischen Hochschulen, die dem polnischen Gesundheitsministerium (Ministerstwo Zdrowia) zugeordnet sind. Die polnische Hochschulrektorenkonferenz (Conference of Rectors of Academic Schools in Poland, CRASP, Konferencja Rektorów Akademickich Szkół Polskich, KRASP) vertritt die Interessen der staatlichen polnischen Hochschulen, die Doktorgrade verleihen können. Das Vollzeitstudium an öffentlichen Hochschulen ist für EU-Bürgerinnen und Bürger kostenfrei. Das Studium an privaten Institutionen ist dagegen für alle Immatrikulierten kostenpflichtig: die Gebühren liegen zwischen 2.000 und 12.000 Euro pro Jahr (siehe DAAD Länderbericht Polen 2022).

Umfassende Reformen im Hochschulbereich wurden in der sogenannten Constitution for Science beschlossen, die im Oktober 2018 in Kraft trat (siehe Ende nächster Abschnitt).

Forschungs- und Innovationssystem

Mit Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) in Höhe von 20,7 Milliarden USD (kaufkraftbereinigt, Bezugsjahr 2021) belegt Polen im weltweiten Vergleich etwa Rang 20 (eigene Berechnungen auf der Basis der OECD- und UNESCO-Daten). Polen hat die FuE-Intensität, das heißt den Anteil der gesamten FuE-Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP), zwischen 2008 und 2021 von 0,6 auf 1,4 Prozent mehr als verdoppelt, liegt aber dennoch weiter deutlich unter dem OECD-Durchschnitt (siehe FuE-Indikatoren). 

In Bezug auf die Anzahl der wissenschaftlichen Publikationen nimmt Polen 2022 weltweit Rang 19 ein (Quelle: SCImago. SJR — SCImago Journal & Country Rank. Retrieved June 30, 2023, from www.scimagojr.com).

Im Global Innovation Index (GII) 2022 werden Innovationsleistungen der Länder weitgehend unabhängig von absoluten Größenordnungen bewertet. Hier liegt Polen im weltweiten Vergleich auf Rang 38 und damit innerhalb Osteuropas an sechster Stelle knapp hinter fünf weiteren osteuropäischen Ländern (bestplatzierte Länder sind Estland auf Rang 18 und die Tschechische Republik auf Rang 30).

Zentraler Akteur im polnischen Forschungs- und Innnovationssystem ist in Polen traditionell das oben bereits erwähnte Ministerium für Wissenschaft und Hochschulwesen (Ministerstwo Nauki i Szkolnictwa Wyższego, MNiSW). 1991 war zunächst ein polnisches Staatskomitee für Wissenschaftliche Forschung (KBN) geschaffen worden, dem 2003 das erste Ministerium mit einem Fokus auf Wissenschaft und Informatisierung (MNiI) nachfolgte. Zwischen 2006 und 2020 hatte das Ministerium bereits den heutigen Zuschnit, danach  gab es zwischenzeitlich ein gemeinsames Ministerium für Bildung und Wissenschaft (Ministerstwo Edukacji i Nauki, MEiN). Beratungsgremien des Ministeriums sind das Committee for Science Policy (KPN) sowie der Central Council of Science and Higher Education (Rada Główna Nauki i Szkolnictwa Wyższego, RGNiSW, Webseite nur auf Polnisch verfügbar). Analysen stellt das National Information Processing Institute (Ośrodek Przetwarzania Informacji, OPI) zur Verfügung. Mit Hilfe der Polnischen Presseagentur PAP (Polska Agencja Prasowa) informiert das Ministerium über ein Portal aktiv zu Forschungspolitik und Forschungsleistungen im Lande, auch in englischer Sprache (Nauka W Polsce/, Science in Poland).

Eine Besonderheit Polens ist, dass das Wissenschaftsministerium die institutionelle Grundfinanzierung an alle außeruniversitären Forschungseinrichtungen vergibt, obwohl diese fachlich größtenteils anderen Ministerien zugeordnet sind. Dies gilt auch für die Polish Academy of Sciences (Polnische Akademie der Wissenschaften, Polska Akademia Nauk, PAN), die dem Premierminister unterstellt ist. Die Akademie PAN wurde 1951 gegründet, ihre Wurzeln reichen jedoch bis zum Jahr 1800 zurück, als eine erste polnische Gelehrtenvereinigung gegründet wurde. Heute ist die PAN gleichzeitig Fachgesellschaft und die größte Forschungseinrichtung für Grundlagenforschung. 2010 unterzog die Regierung die PAN einer Reform: Die Anzahl der Fachbereiche und Institute wurde reduziert und die Institute wurden verpflichtet, stärker untereinander sowie mit anderen Nichtakademie-Instituten und Unternehmen zu kooperieren. Die 69 Institute sind heute fünf Fachbereichen zugeordnet: 1. Geistes- und Sozialwissenschaften, 2. Bio- und Agrarwissenschaften, 3. Mathematik, Physik, Chemie sowie Erdwissenschaften, 4. Ingenieurwissenschaften und 5. Medizin. Die Akademie beschäftigt insgesamt 8000 Forschende.

Neben den PAN-Instituten gibt es in Polen (Stand 2017) 114 weitere außeruniversitäre öffentliche Forschungsinstitute, die 16 Ministerien zugeordnet sind und die insgesamt etwa 12.000 Forschende beschäftigen. Seit 2010 werden die Institute durch den Main Council of the Research Institutes (Rada Główna Instytutów Badawczych, RGIB, Webseite in Polnisch) vertreten.

Das größte polnische Forschungsinstitut National Centre of Nuclear Research (Narodowe Centrum Badań Jądrowych, NCBJ) wurde 2011 durch eine Fusion zweier Vorgänger gegründet. Das NCBJ beschäftigt über 1000 Forschende, betreibt einen eigenen Forschungsreaktor und ist dem Ministerium für Energie unterstellt.

Das Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung (Ministerstwo Rozwoju, MR) war ursprünglich für 36 öffentlich finanzierte Institute (siehe Background Report PSF Peer Review, S. 46) von insgesamt über 70 Instituten verantwortlich, die industrienahe Forschung betreiben. Beispiele sind das Industrial Chemistry Research Institute (ICRI) und das Industrial Research Institute for Automation and Measurements (PIAP). Die meisten der dem MR zugeordneten Institute sind seit dem 1. April 2019 in dem „Łukasiewicz Research Network“ (Sieci Badawczej Łukasiewicz) zusammengeschlossen (siehe unten).

Dem polnischen Agrarministerium sind etwa zehn Ressortforschungsinstitute unterstellt. Die wichtigste Forschungseinrichtung des Ministeriums für Umwelt ist das 1986 gegründete Institute of Environmental Protection - National Research Institute (Instytut Ochrony Środowiska, IOS-PIB). Das Ministerium für Gesundheit hat 16 eigene Forschungseinrichtungen, darunter das 1918 gegründete zentrale Institut für öffentliches Gesundheitsmanagement National Institute of Public Health (Narodowy Instytut Zdrowia Publicznego, PZH-PIB, Webseite in Polnisch).

Wettbewerbliche Förderung für Hochschulen leisten im Wesentlichen vier Fördereinrichtungen:

  • Die 1991 gegründete Foundation for Polish Science (Fundacja na rzecz Nauki Polskiej, FNP) ist vom polnischen Staat unabhängig. Der Fokus liegt auf exzellenten Leistungen (Motto: “Supporting the best, so that they can become even better”). Die FNP fördert wissenschaftliche Nachwuchs, Rückkehrende aus dem Ausland und der Elternpause sowie etablierte Forschende. Seit 2008 erhält die Stiftung erhebliche Mittel aus den Strukturfonds der EU.
  • Das 2011 gegründete National Science Centre Poland (Narodowe Centrum Nauki, NCN) fördert im Auftrag des Wissenschaftsministeriums Grundlagenforschung. Ein besonderes Augenmerk gilt der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses.
  • Das 2007 gegründete und im Jahr 2010 reformierte National Centre for Research and Development (Narodowe Centrum Badań i Rozwoju, NCBR, auch als NCRD abgekürzt) fördert angewandte Forschung. Seit dem 01.08.2022 liegt das NCBR in der Verantwortung des Ministeriums für Fonds und Regionalpolitik. In den letzten Jahren wurden die Programme des NCBR/ NCRD stärker auf die Förderung von Unternehmen ausgerichtet, die als Mittelempfänger vor den Hochschulen und außeruniversitären Instituten stehen.
  • Dem weit verbreiteten angelsächsischen Modell folgend, schuf Polen im Februar 2019 eine neue Fördereinrichtung für Gesundheitsforschung. Die Zuständigkeit für die Medical Research Agency (MRA, Agencja Badań Medycznych, ABM) liegt beim polnischen Gesundheitsministerium. Während die Agentur grundsätzlich in allen Bereichen einschließlich der Grundlagenforschung und der Forschung zum Gesundheitssystem Mittel vergeben kann, liegt ein Schwerpunkt auf der Finanzierung von nicht kommerziellen klinischen Studien in der Krebsforschung und Kardiologie sowie auf epidemiologischen Studien. Die Stiftung finanziert den Aufbau von 10 Zentren für Klinische Forschung an den Medizinischen Universitäten des Landes („Clinical Research Support Centres"). Bis 2028 soll das Förderbudget der Agentur auf 1 Milliarde PLN anwachsen. Langfristiges Ziel ist der Aufbau eines innovativen Gesundheitssektors.

Zur Unterstützung von Unternehmen bei der Durchführung von Forschung und Innovation sind neben dem NCBR eine Reihe weiterer Fördereinrichtungen tätig. So unterstützt das Umweltministerium über den National Fund for Environmental Protection and Water Management (NFEP&WM) – teilweise in Kooperation mit dem NCBR – Umweltinnovationen. Seit 2016 operieren die verschiedenen Fördereinrichtungen des Ministeriums für wirtschaftliche Entwicklung (Ministerstwo Rozwoju, MR) unter dem Dach der Polish Development Fund Group (Polski Fundusz Rozwoju, PFR). Die Polish Agency for Enterprise Development (Polska Agencja Rozwoju Przedsiębiorczości, PARP) bietet vor allem kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) Förderung für die Entwicklung marktfähiger Produkte an. Größere Unternehmen können eine Förderung von der Industrial Development Agency (IDA) erhalten. Die Polish Investment and Trade Agency (Polska Agencja Inwestycji i Handlu, PAIH) wirbt um Investitionen von ausländischen Unternehmen, wobei einer ihrer Schwerpunkt auf Forschung und Entwicklung liegt (Klincewicz K., Marczewska M., Szkuta K., RIO Country Report 2017: Poland).

Energie und Digitalisierung werden als häufigste Themenfelder in den aktuellen polnischen Forschungsstrategien genannt, gefolgt von Gesundheit und Umwelt, Transport und Sicherheit.

2014 wurde eine weitere Fördereinrichtung, die Polish Space Agency (Polska Agencja Kosmiczna, POLSA) gegründet, um das polnische Raumfahrtprogramm umzusetzen. POLSA ist unter anderem damit beauftragt, ein System für die Beratung und finanzielle Förderung von polnischen Unternehmen aufzubauen, die Weltraumtechnologien entwickeln.

Der Anteil der Unternehmen bei der Durchführung von FuE ist in Polen über die letzten Jahre stetig gewachsen. Ab 2016 führt dann eine Neueinstufung von außeruniversitären Forschungseinrichtungen als Unternehmen zu einer starken Zunahme der Anteile (siehe unter FuE-Durchführung). Auch die Zuordnung zu Sektoren und Branchen hat sich damit geändert: Jetzt werden zwei Drittel der FuE in Unternehmen im Dienstleistungssektor durchgeführt.  An erster Stelle liegen ungefähr gleichauf Computerprogrammierung sowie professionelle FuE-Dienstleistungen. Der Anteil von FuE im Bereich industrieller Fertigung ist dagegen auf ein Drittel geschrumpft. Der Fahrzeugbau ist wie in Deutschland die FuE-aktivste Fertigungsbranche, gefolgt von elektrischer Ausrüstung und Maschinenbau (OECD Research and Development Expenditure in Industry 2019, ANBERD).

Polen verzeichnet außerdem einen überdurchschnittlichen Anteil ausländischer Investitionen im Unternehmenssektor (für einen Überblick, siehe Germany Trade and Invest (GTAI), Auslandskonzerne schaffen Entwicklungszentren in Polen). Der polnische Staat fördert FuE in Unternehmen in Polen vergleichsweise großzügig durch Zuschüsse und Kredite. Die steuerliche (indirekte) Förderung war jedoch bis zu den 2017 eingeführten Reformen sehr gering.

Bei der Verzahnung von Unternehmen und Hochschulen in Polen gibt es noch Verbesserungsbedarf: Die Unternehmen vergeben vergleichsweise wenige Forschungsaufträge an Hochschulen, hier liegt Polen klar unter dem OECD-Durchschnitt (siehe FuE-Indikatoren).

Hochschulrankings können Hinweise auf Forschungs- und Innovationsstärke geben. Die bestplatzierten polnischen Hochschulen sind laut dem Shanghai Ranking

  1. Jagiellonian University in Krakau,
  2. University of Warsaw,
  3. AGH University of Science and Technology,
  4. Wroclaw Medical University,
  5. Adam Mickiewicz University in Posen.

Mit Ausnahme der Wrolaw Medical University gehören die bestplatzierten Hochschulen im Shanghai Ranking auch zu den insgesamt 10 Hochschulen, die das Wissenschaftsministerium 2019 in der Kategorie Forschungshochschulen für die polnische Exzellenzinitiative auswählte. Dazu gehören weiter die Nicolaus Copernicus University in Torun, die Danziger Medizinische Universität (Medical University of Gdansk) sowie drei Technische Universitäten („Universities of Technology") in Danzig, Gleiwitz und Warschau.

Die 16 polnischen Regionen (Woiwodschaften) haben jeweils eigene Regionalstrategien für Forschung und Innovation angenommen und verfügen über eigene Fördermittel. Die regionalen Schwerpunkte von Forschung und Innovation liegen in der Region Masowien (poln. Mazowieckie), der Hauptstadtregion Warschau sowie in Kleinpolen (poln. Malopolskie) mit der Metropole Krakau (siehe EU-Kommission: Regional Innovation Scoreboard). Von Bedeutung ist das Automobilcluster Mitteleuropa, das sich über die Tschechische Republik und die Slowakei bis nach Kattowitz in der Region Schlesien erstreckt.

Reformprozess

Übergeordnete Ziele der Nationalen Wissenschaftspolitik der PiS-Regierung sind:

  • die kontinuierliche Verbesserung der Qualität von Bildung und Forschung;
  • Prioritätensetzung bei den Aktivitäten;
  • Steigerung der Attraktivität von Karrieren im System der Hochschulbildung und der Wissenschaft;
  • Wissens- und Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Industrie und das Streben nach technologischer Unabhängigkeit durch die Schaffung von polnischem "Know-how";
  • Unterstützung der Mobilität der akademischen Gemeinschaft;
  • Schaffung und Konsolidierung eines positiven Bildes der polnischen Wissenschaft in der Welt und Stärkung ihrer internationalen Wirkung.

Nach dem Regierungswechsel in Polen im November 2015 zeichneten sich neue politische Schwerpunktsetzungen ab. Im Februar 2016 wurde der Council for Innovativeness, ein neues interministerielles Komitee bestehend aus fünf Ministern, gegründet. Im Februar 2017 nahm die polnische Regierung die übergreifende „Strategy for Responsible Development“ an, die unter anderem das Ziel einer Reindustrialisierung Polens festlegt. Geplant war, die gesamten Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) so zu steigern, dass sie bis 2020 einen Anteil von 1,7 Prozent am Bruttoinlandsprodukt (BIP) erreichen sollten (mit ca. 1,4 Prozent wurde dieses Ziel verfehlt), bis 2030 wird ein Anteil von 2,5 Prozent angestrebt (OECD Economic Surveys Poland 2018, S. 19).

Der Wissenschaftsminister Gowin hatte bereits im September 2016 die sogenannte „Gowin-Strategie" vorgestellt, die vorsah

  • eine „Verfassung“ für Hochschulen und Wissenschaft zu schaffen, die viele fragmentierte Regelungen ersetzen und die Internationalisierung vorantreiben soll („Constitution for Science“);
  • die Förderung von Unternehmensinnovation zu verbessern, z.B. durch bessere steuerliche Absetzbarkeit im Rahmen von Innovationsgesetzen („Innovations for the Economy“);
  • Wissenschaft und Forschung stärker in der Gesellschaft zu verankern („Science for You“).

Die Europäische Kommission hat den Reformprozess unterstützt, indem sie Polen die Teilnahme an einem sogenannten Policy Support Facility (PSF) Peer Review des Hochschuls- und Wissenschaftssystems ermöglicht hat. Unabhängige Expertinnen und Experten haben 2017 den Abschlussbericht vorgelegt (siehe European Commission (2017): Final Report PSF Peer Review). Es bleibt jedoch der polnischen Regierung überlassen, ob und wie sie die Reformvorschläge umsetzt.

Seit 2017 gilt eine großzügige Regelung zur steuerlichen Absetzbarkeit von Unternehmensausgaben für Innovation. Das polnische Parlament beschloss nach einer längeren Diskussion im Juli 2018 die Annahme der angekündigten Constitution for Science. Das neue Gesetz zu Hochschulen und Wissenschaft (Law 2.0), das als Rahmengesetz eine Reihe von Vorgängerregelungen ersetzt, trat am 1. Oktober 2018 in Kraft; sie wird ergänzt durch Verordnungen. Die Autonomie der Hochschulen wird gestärkt, auch können sich die Hochschulen zukünftig zu Verbünden zusammenschließen. Insgesamt passt die Reform die wissenschaftliche Laufbahn in Polen stärker an internationale Gepflogenheiten an: so ist die Habilitation nicht länger Voraussetzung für eine Professur. Die Mehrzahl der polnischen Promovierenden wird zukünftig mittels Stipendien unterstützt und im Rahmen von Graduiertenkollegs ausgebildet, die mindestens zwei Disziplinen abdecken. Die Regierung führt außerdem für drei Gruppen von Hochschulen – Forschungsuniversitäten, Hochschulen mit regionalem Schwerpunkt sowie berufsbildende Hochschulen – Exzellenzwettbewerbe durch (siehe oben zu den Forschungsuniversitäten). Der Rat zur Evaluierung der Wissenschaftlichen Einheiten wird 2019 durch einen Rat zur Evaluierung der Wissenschaft ersetzt.

Die Reform der außeruniversitären Forschungseinrichtungen war umstritten. Im Rahmen des EU PSF Peer Review hatten die Experten der polnischen Regierung empfohlen, die jeweils forschungsstärksten Institute der Ministerien und der PAN-Akademie in neue Forschungsuniversitäten einzugliedern. Die polnische Regierung hatte zwischenzeitlich erwogen, Industrieforschungsinstitute nach dem Vorbild der Fraunhofer Gesellschaft unter dem Dach eines National Technology Institute (NTI) zusammen zu schließen. Stattdessen wurde entschieden, FuE in industrienahen Instituten durch ein Netzwerk zu koordinieren. Am 1. April 2019 hat die polnische Regierung das „Łukasiewicz Research Network“ (Sieci Badawczej Łukasiewicz) gegründet. Abgedeckte Fachgebiete sind Mechanik und Elektronik, Biomedizin, Chemie, Wirtschaft, Informations- und Kommunikationswissenschaften (IKT), Zukunftsmaterialien und fortgeschrittene Fertigungstechnologien. Zu dem Netzwerk gehört auch das neue Forschungsinstitut Polish Centre for Technology Development (Polski Ośrodek Rozwoju Technologii, PORT), das über gute Forschungskapazitäten in Materialwissenschaften und Biotechnologie verfügt (Pressemitteilung).

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Indikatoren für Bildung

Tabelle 3: Bildungsindikatoren
Quelle: OECD - Education at a Glance 2023, OECD.Stat (Stand September 2023) und "OECD - PISA 2022: Ergebnisse"
* OECD (UNESCO) registrieren nur diejenigen internationalen Studierenden, bei denen aufgrund der Aufenthaltsdauer davon auszugehen ist, dass sie einen Abschluss im Ausland anstreben.
** OECD (UNESCO) registrieren nur diejenigen internationalen Studierenden bzw. Promovierenden, bei denen aufgrund der Aufenthaltsdauer davon auszugehen ist, dass sie einen Abschluss in dem jeweiligen Land anstreben.

Indikator

Polen

Deutschland

OECD-Gesamt

Stand

Bildungsanteil am Bruttoinlandsprodukt: Bildung insgesamt [Prozent]

4,64

4,60

5,10

2020

Wachstum des Bildungsanteils am BIP (Differenz des BIP-Bildungsanteils zu dem des Vorjahres) [Prozent]

0,18

0,26

0,19

2020

Bildungsanteil am Bruttoinlandsprodukt: tertiäre Bildung [Prozent]

1,31

1,34

1,50

2020

Öffentlicher Anteil an den Ausgaben für tertiäre Bildung [Prozent]

79,68

82,50

67.13

2020

Anteil internationaler abschlussorientierter Studierender aus dem Land [Prozent]*

2,20

4,19

2,09

2021

Anzahl Studierender im Tertiärbereich insgesamt [Mio.]

1,348

3,352

- -

2021

Anteil internationaler abschlussorientierter Studierender im Land [Prozent]**

5,49

11,23

6,44

2021

Anzahl Promovierender insgesamt

30.630

192.270

- -

2021

Anteil internationaler abschlussorientierter Promovierender im Land [Prozent]**

9,88

22,48

23,61

2021

Anteil 25- bis 34-Jähriger mit einem Abschluss im Tertiärbereich [Prozent]

40,50

37,28

47,23

2022

Anteil an neuen Studienabschlüssen in Mathematik, Statistik und Naturwissenschaften [Prozent]

3,34

7,99

5,28

2021

Anteil an neuen Studienabschlüssen in Ingenieurswissenschaften, Fertigung und Konstruktion [Prozent]

12,49

22,21

13,68

2021

PISA-Ergebnisse: Lesen [Punktzahl (Platzierung)]

489 (15)

480 (21)

472

2022

PISA-Ergebnisse: Mathematik [Punktzahl (Platzierung)]

489 (12)

475 (24)

485

2022

PISA-Ergebnisse: Naturwissenschaften [Punktzahl (Platzierung)]

499 (16)

492 (22)

476

2022

         

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FuE-Indikatoren

Tabelle 4: Indikatoren zu Forschung und Entwicklung (FuE)
Quelle: OECD Main Science and Technology Indicators, Stand September 2023
(1) OECD Patents Statistics, Stand Oktober 2022 (Die Jahreszahl bezieht sich auf das Eingangsdatum der ersten Patentanmeldung (Prioritätsdatum).)
* in laufenden Preisen, kaufkraftbereinigt

Indikator

Polen

Deutschland

OECD

Stand

Nationale FuE-Ausgaben [Mio. USD*]

20.669

153.724

1.832.067

2021/2021/2021

FuE-Ausgabenwachstum im Vergleich zum Vorjahr [Prozent]

11,41

4,57

7,60

2021/2021/2021

FuE-Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) [Prozent]

1,43

3,13

2,72

2021/2021/2021

Anteil der FuE-Ausgaben des Staates am BIP [Prozent]

0,54

0,94

0,63

2021/2021/2021

Anteil der FuE-Ausgaben der Wirtschaft am BIP [Prozent]

0,73

1,96

1,76

2021/2021/2021

Ausgaben für FuE in Unternehmen (BERD) [Mio. USD*]

13.040

102.898

1.337.880

2021/2021/2021

Anteil der öffentlich finanzierten Ausgaben für FuE in Unternehmen (direkter Förderanteil) [Prozent]

12,67

3,52

5,03

2021/2021/2021

Anteil der vom Ausland finanzierten Ausgaben für FuE in Unternehmen [Prozent]

7,98

7,90

8,44

2021/2021/2021

Ausgaben für FuE in Hochschulen (HERD) [Mio. USD*]

7.164

28.062

289.531

2021/2021/2021

Anteil der unternehmensfinanzierten Ausgaben für FuE in Hochschulen [Prozent]

2,70

13,09

6,25

2021/2021/2021

Ausgaben für FuE in außeruniversitären öffentlichen Forschungseinrichtungen (GOVERD) [Mio. USD*]

423

22.765

162.567

2021/2021/2021

Anteil der unternehmensfinanzierten Ausgaben für FuE in außeruniversitären öffentlichen Forschungseinrichtungen [Prozent]

3,53

7,93

3,23

2021/2021/2021

Anzahl der Forschenden (Vollzeitäquivalente)

135.650

461.645

5.670.745

2021/2021/2020

Anzahl der Forschenden (VZÄ) je 1000 Beschäftigte

8,07

10,27

9,64

2021/2021/2020

Anteil der Forschenden (VZÄ) in privaten Unternehmen [Prozent]

53,15

60,01

65,82

2021/2021/2020

Anteil internationaler Ko-Patente an Patentanmeldungen unter dem Vertrag über Patentzusammenarbeit (PCT) [Prozent](1)

35,15

18,05

7,88

2019

         

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FuE-Finanzierung

In den OECD-Ländern mit überwiegend hohem Einkommen finanziert meist die inländische Wirtschaft den größten Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung (OECD Gesamt und Deutschland 64 Prozent). Die Anteile betragen für den Staat 24 bzw. 28 Prozent und für das Ausland 7 Prozent (OECD Gesamt und Deutschland).

In Polen, das erst seit 2009 als Land mit hohem Einkommen eingestuft wird (Einteilung Weltbank), wuchs der geringe Anteil der inländischen Wirtschaft bis 2007. Er reduzierte sich zunächst nach der Wirtschaftskrise und nahm seit 2010 wieder deutlich zu. Seit 2016 liegt der Anteil über 50 Prozent, so dass sich Polen allmählich dem „OECD-Modell" annähert.

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FuE-Durchführung

Bei der Durchführung von Forschung und Entwicklung nehmen die Unternehmen in den OECD-Ländern meist eine dominante Rolle ein (Anteile für Deutschland und OECD Gesamt liegen bei 67 und 71 Prozent).

Polen stuft anscheinend seit 2016 einen großen Teil seiner außeruniversitären Forschungseinrichtungen als Unternehmen ein. Die Konsequenzen sind drastisch: der Anteil der Unternehmen wuchs von 46,6 Prozent in 2015 auf über 60 Prozent an. Im öffentlichen Sektor ist der Anteil der außeruniversitären Forschungseinrichtungen durch die Neuklassifizierung von 24,4 auf zuletzt 2 Prozent gefallen. Im öffentlichen Sektor war bis 2015 das Ausgabenverhältnis von außeruniversitären Forschungseinrichtungen zu Hochschulen (GOVERD zu HERD) ähnlich wie in Deutschland relativ ausgeglichen. Nach der Neuklassifizierung haben die polnischen Hochschulen nunmehr einen Anteil von 95 Prozent an den Ausgaben des öffentlichen Sektors, die außeruniversitären Forschungseinrichtungen von lediglich 5 Prozent.

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Bibliometrie

Die Verteilung der Publikationen auf Fachgebiete kann erste Hinweise auf die Stärken eines Forschungssystems geben (Bezugsjahr 2016, (Quelle: SCImago (2007). SJR – SCImago Journal & Country Rank. Retrieved August 8, 2017, from http://www.scimagojr.com).  Das fachliche Profil von Polen entspricht nicht mehr dem klassischen osteuropäischen Profil mit sehr starker Physik und Astronomie sowie relativ schwacher Medizin. An erster Stelle liegt in Polen seit etwa zehn Jahren die Medizin. Allerdings ist die Tendenz in den letzten Jahren wieder leicht sinkend und der Anteil in Polen erreicht nicht die Werte, mit denen die Medizin weltweit an erster Stelle liegt (12,2 Prozent, Welt: 15,9 Prozent sowie Deutschland: etwa 16,7 Prozent). Ebenfalls an erster Stelle liegen in Polen die Ingenieurwissenschaften, die weltweit erst an zweiter Stelle stehen (12,2 Prozent, Welt: 10,9 Prozent, Deutschland: 9,3 Prozent). Physik und Astronomie liegen nach einem deutlichen Rückgang der Anteile mit 10,5 Prozent in Polen nur noch an dritter Stelle.

Eine Spezialisierung Polens ist in folgenden Fachgebieten festzustellen (Auswahl basierend auf Spezialisierungsindex Länderanteil/Weltanteil ≥ 1,3): 

  • Physik und Astronomie (10,5 Prozent, Welt: 7,8 Prozent, Deutschland: 9,6 Prozent);
  • Materialwissenschaften (7,9 Prozent, Welt und Deutschland: 6,0 Prozent);
  • Chemie (6,5 Prozent, Welt: 5,1 Prozent, Deutschland: 5,4 Prozent);
  • Mathematik (5,8 Prozent, Welt: 4,3 Prozent und Deutschland: 4,6 Prozent).

Bei einem weltweiten Vergleich der Anzahl der Publikationen lag Polen im Jahr 2016 insgesamt auf Rang 19. Innerhalb der einzelnen Fachgebiete erreicht Polen die beste Platzierung in Physik und Astronomie (Rang 13), Materialwissenschaften (Rang 14) sowie Agrar- und Biowissenschaften und Mathematik (jeweils Rang 15).

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