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Überblick zur internationalen Kooperation: Polen

Zuständig für die Internationalisierung der Hochschulen ist das Ministerium für Wissenschaft und Hochschulwesen (MNiSW). Derzeit sind sowohl Studium als auch Forschung in Polen noch vergleichsweise wenig internationalisiert. Der Anteil von 2 Prozent der polnischen Studierenden, die 2016 einen Abschluss im Ausland anstrebten, entspricht dem OECD-Durchschnitt. Seit 2012 wirbt Polen mit Hilfe der KampagneReady, Study, Go! Poland" für ein Hochschulstudium im Land und hat zusätzlich 2015 ein Förderprogramm aufgelegt. Ziel ist es, den Anteil der internationalen Studierenden bis 2020 auf 5 Prozent zu steigern. Die Anstrengungen haben durchaus Früchte getragen: Die Anzahl der internationalen Studierenden, die in Polen einen Abschluss anstrebten, erreichte im Jahr 2017 fast 64.000 und hat sich somit seit 2013 mehr als  verdoppelt. Allerdings lag Polen mit einem Anteil von 4 Prozent internationaler Studierender im OECD-Vergleich immer noch im unteren Mittelfeld (siehe Bildungsindikatoren, Klick auf Grafik oben für Entwicklung seit 2017).

Auch der Anteil der internationalen Ko-Publikationen an allen wissenschaftlichen Publikationen hat in Polen seit 1996 noch nicht die Marke von 33 Prozent überschritten, auch wenn es seit 2011 einen klaren Aufwärtstrend gibt. Zum Vergleich: in Deutschland ist – ähnlich wie in vielen anderen westlichen Industrieländern – die internationale Ko-Publikationsrate zwischen 1996 und 2018 von 30,9 auf 51,3 Prozent angewachsen (Quelle: SCImago. SJR — SCImago Journal & Country Rank. Retrieved June 4, 2019, from www.scimagojr.com).

Die wichtigsten Herkunftsländer für internationale Studierende in Polen sind die Ukraine, Weißrussland, Indien, Norwegen und Schweden. Deutschland liegt an neunter Stelle. Die wichtigsten Zielländer für polnische Studierende sind Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Dänemark und die USA (Quelle: UNESCO Institute of Statistics Global Flow of Tertiary-Level Students, erfasst werden nur diejenigen Studierenden, die einen Abschluss im Ausland anstreben. Zu China als Zielland fehlen Daten).

Die fünf wichtigsten Ko-Publikationsländer der letzten drei Jahre entsprechen weitgehend den wichtigsten Zielländern für polnische Studierende: es sind die USA, Deutschland, Großbritannien, Italien und Frankreich. China liegt als zweites nichteuropäisches Land erst auf Rang 13 (Quelle: Scopus, Elsevier, 2016-18).

Polen investiert mittels der neu gegründeten National Agency of Academic Exchange (Narodowa Agencja Wymiany Academickiej, NAWA) weiter in Internationalisierung. Die Agentur, welche nach dem Vorbild des Deutschen Akademischen Auslandsdienstes (DAAD) die grenzüberschreitende Mobilität von Studierenden und Forschenden in beide Richtungen fördern soll, nahm im Oktober 2017 ihre Arbeit auf. Die NAWA soll unter anderem eine große Kampagne organisieren, um die in alle Winde zerstreuten Forschenden aus Polen zur Rückkehr in die Heimat zu bewegen (Pressekonferenz Wissenschaftsminister Gowin im November 2017).

Für den Abschluss von bilateralen Kooperationsabkommen ist in der Regel das Ministerium für Wissenschaft und Hochschulwesen (MNiSW) zuständig. Für spezielle Abkommen zur Biomedizin ist das Gesundheitsministerium der richtige Ansprechpartner. Derzeit gibt es zwar eine Vielzahl von Abkommen, es fehlt jedoch an einer strategischen Ausrichtung der bilateralen Kooperation. Das National Science Centre (NCN) administriert bilaterale Ausschreibungen für Grundlagenforschung, z.B. mit der chinesischen Förderagentur National Natural Science Foundation of China (NSFC). Daneben vergibt das NCN unter dem Programm HARMONIA Förderung für internationale Forschungskooperationen polnischer Forschender, die nicht anderweitig finanziert wird (NCN-Überblick über internationale Programme). Das National Centre for Research and Development (NCBR) hat im Zeitraum von 2005-17 mit dem norwegischen Forschungsrat (RCN) Projekte unter einem bilateralen Programm gefördert. Für die zweite Förderphase 2011-17 standen 71 Millionen Euro zur Verfügung (Pressemitteilung).

Ein wichtiger Akteur in der internationalen Forschungskooperation ist die Polnische Akademie der Wissenschaften PAN. Die Akademie hat eine Vielzahl von Kooperationsabkommen geschlossen und sich zudem an der Gründung von internationalen Forschungszentren in Polen beteiligt. Dazu gehören das Stefan Banach International Mathematical Center at the PAS Institute of Mathematics, das Internationale Institut für Molekular- und Zellbiologie (International Institute of Molecular and Cell Biology, IIMCB) sowie das mit der UNESCO verbundene European Regional Center for Ecohydrology (ERCE). Die Akademie PAN verfügt außerdem über sieben Außenstellen, unter anderem in Moskau, Paris, Rom, Wien und Kiew, die um Partner werben sollen. Die Außenstelle in Berlin nimmt eine Sonderrolle ein (siehe nächster Abschnitt). Die Polish Science Contact Agency (PolSCA) in Brüssel bringt polnische Perspektiven in die europäische Politikgestaltung mit ein (Überblick PAN-Außenstellen).

Als Mitgliedsland der Europäischen Union kann sich Polen an dem EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation Horizont 2020 (2014-20) voll beteiligen. Zentraler Ansprechpartner ist der „Polish National Contact Point for Research Programmes of the European Union“, der von einem Institut der Polnischen Akademie PAN aus ein Netzwerk regionaler Kontaktpunkte lenkt. Bis März 2019 warb Polen europäische Fördergelder in Höhe von 368 Millionen Euro ein. Unter den insgesamt 1.153 Projekten, an denen sich das Land bisher beteiligte, wies mit 752 Projekten knapp zwei Drittel auch eine deutsche Teilnahme auf (Quelle: H2020-ECORDA-Datenbank).

Andere Varianten europäischer Kooperation setzen nicht auf einen gemeinsamen Fördertopf unter dem Rahmenprogramm der EU, sondern auf die Verbindung verschiedener nationaler Fördertöpfe, um gemeinsame Projekte im Rahmen von Public Public Partnerships (P2Ps) zu finanzieren. Derzeit ist Polen an über 60 P2Ps beteiligt (Übersicht ERA-LEARN Plattform, Stand Februar 2019). Dazu gehören Forschungszusammenarbeit zur Umwelt im Ostseeraum (BONUS) sowie verschiedene ERA-NETS z.B. für Materialwissenschaften (M-ERA.NET), Informations- und Kommunikationstechnologien (CHIST-ERA), Krebserkrankungen (ERA-NET-TRANSCAN) und Erkrankungen im neurologischen Bereich (ERA-NET NEURON). Außerdem nimmt Polen an gemeinsamen Programminitiativen z.B. für neurodegenerative Krankheiten (JPND) und andere Gesundheitsthemen teil. Die zuständige Förderagentur in Polen ist meist entweder das National Centre for Research and Development (NCBR) oder das National Science Centre (NCN). Zudem hat das NCN die Koordination des ERA-NET Cofund zu Quantechnologien (QuantERA) übernommen.

Polen trat außerdem 1995 dem Netzwerk zur Unternehmens- und Innovationsförderung EUREKA bei und beteiligt sich an dem gemeinsamen Förderprogramm Eurostars. Dabei wird Polen durch das NCBR vertreten (EUROSTARS-Webseite Polen).

Neue Horizonte eröffnet die Auflage eines China-MOEL-Partnerschaftsprogramms, das 16 mittel- und osteuropäische Länder (MOEL), darunter auch Polen, mit China zusammen führt („16+1-Kooperation"). Das im Juli 2018 vereinbarte Programm ist umfassend angelegt. Es sieht vor

  • einen politischen Dialog zur Wissenschafts-, Technologie- und Innovationspolitik durchzuführen;
  • gemeinsame Forschungsinfrastrukturen aufzubauen;
  • den Austausch des wissenschaftlichen Nachwuchses zu fördern sowie
  • einen Finanzierungsmechanismus zur Förderung von gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsprojekten einzuführen.

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