StartseiteLänderEuropaUkraineZusammenfassungÜberblick zur Kooperation mit Deutschland

Überblick zur Kooperation mit Deutschland: Ukraine

Für die Ukraine hat die Zusammenarbeit mit Deutschland in Bildung und Forschung einen hohen Stellenwert. Als Zielland für ukrainische Studierende wie auch als Ko-Publikationsland für wissenschaftliche Veröffentlichungen platziert sich Deutschland unter den Top 5 (siehe vorheriger Abschnitt).

2018 war das 25. Jubiläumsjahr des Abkommens zur Wissenschaftlich-Technologischen Zusammenarbeit (WTZ), das 1993 zwischen Deutschland und der Ukraine geschlossen wurde. Seitdem hat sich die Kooperation dynamisch entwickelt. Dies steht in einem engen Zusammenhang mit dem Aktionsplan der Bundesregierung zur Unterstützung der Ukraine. Für die WTZ ist auf deutscher Seite das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) federführend, auf Seiten der Ukraine das Ministerium für Bildung und Wissenschaft (MBW).

Den Reformprozess des ukrainischen Forschungs- und Innovationssystems unterstützt das BMBF durch Politikberatung. Als zentrales Kooperationsinstrument dienen bilaterale Projekte zur Anbahnung und Vertiefung der WTZ in folgenden Wissenschaftsbereichen:

  • Biotechnologie,
  • Nanotechnologie, neue Materialien und Produktionstechnologie,
  • Gesundheitsforschung und Medizintechnik,
  • Technologien für die effektive Nutzung der Ressourcen und Energie, nachhaltige Umwelttechnologie.

Neben der Förderung der Zusammenarbeit im Bereich der Naturwissenschaften wurde im Rahmen der Bekanntmachung 2016 auch die Zusammenarbeit im Rahmen der Strukturprojekte vorgesehen, die auf die Unterstützung der Reformprozesse in der Ukraine im Bereich Forschung, Entwicklung und Innovation abzielen.

Voraussichtlich noch im Jahr 2019 wird das BMBF eine neue Förderbekanntmachung „Aufbau deutsch-ukrainischer Exzellenzkerne in der Ukraine“ veröffentlichen. Zur nachhaltigen Begleitung der ukrainischen Reformbestrebungen und der Unterstützung von „brain circulation“ sollen exzellente deutsch-ukrainische Arbeitsgruppen (sogenannte Exzellenzkerne) in der Ukraine etabliert werden. Hierdurch soll der Abwanderung exzellenter Forschender entgegengewirkt sowie ukrainischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in der Diaspora ein Anreiz zur Rückkehr geboten werden. Als Vorbild dient das äußerst erfolgreiche Horizont 2020-Instrument „Teaming for Excellence“. Ziel der deutsch-ukrainischen Exzellenzkerne ist es:

  • die exzellenzorientierte Forschungszusammenarbeit mit der Ukraine auszubauen;
  • nachhaltige bilaterale Forschungsstrukturen zu stärken;
  • die Erforschung und Entwicklung von Innovationen voranzubringen;
  • die Sichtbarkeit des Forschungs- und Innovationsstandorts Deutschland im internationalen Wettbewerb zu erhöhen;
  • den Wissens- und Technologietransfer zu steigern;
  • nachhaltige internationale Wissens- und Innovationsnetzwerke zu knüpfen.

2016 wurde die Deutsch-Ukrainische Akademische Gesellschaft (German-Ukrainian Academic Society) in Berlin als gemeinnütziger Verein gegründet. Eine der zentralen Aufgaben der Gesellschaft ist die Etablierung einer Dialog- und Kooperationsplattform zur engen Vernetzung deutscher und ukrainischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Über Deutschland hinausgehend unterstützt die Gesellschaft zusätzlich das UKRAINE-Netzwerk („The UKRainian Academic International NEtwork – The UKRAINE Network“) als informelle Gemeinschaft, die Forschenden und Fachleuten – unabhängig von ihrer Nationalität und ihrem Aufenthaltsland – offensteht.

Der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) weist derzeit (Stand: 08/2019) 243 offizielle Hochschulkooperationen zwischen deutschen und ukrainischen Partnern aus. 108 deutsche Hochschulen kooperieren mit 87 ukrainischen Hochschulen und 6 sonstigen Einrichtungen. Die bayerisch-ukrainische Hochschulkooperation wird durch das Bayerische Hochschulzentrum für Mittel-, Ost- und Südosteuropa (BAYHOST - Ukraine) an der Universität Regensburg unterstützt. Der BAYHOST-Kompetenzatlas zur Ukraine ermöglicht es, sich mit Hilfe von Kurzprofilen über die wichtigsten ukrainischen Hochschulen zu informieren.

Internationale Mobilität zwischen Deutschland und der Ukraine wird vom Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD), der Alexander-von-Humboldt Stiftung (AvH) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Das ERASMUS Plus-Programm fördert Mobilität in beide Richtungen, auch wenn die Zahlen noch relativ gering sind: Zwischen 2016-18 erhielten 16 Studierende, Praktikantinnen und Praktikanten sowie 54 Hochschullehrkräfte und Mitglieder des Hochschulpersonals aus Deutschland Finanzierung für einen Aufenthalt in der Ukraine. Im Gegenzug kam die ERASMUS-Finanzierung für Aufenthalte in Deutschland 182 bzw. 160 Geförderten aus der Ukraine zugute.

2018 hat der DAAD unter eigenen Programmen Förderung für einen Aufenthalt in der Ukraine an 205 Studierende und Graduierte (inkl. Promovierende, Statusgruppen I-III) und 108 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Hochschullehrkräfte (inkl. Post-Docs, Statusgruppe IV) aus Deutschland vergeben. In den gleichen Kategorien erhielten 891 und 317 Geförderte aus der Ukraine eine Unterstützung des DAAD, um eine Aktivität im eigenen Land oder einen Auslandsaufenthalt –  darunter auch Deutschlandaufenthalte – zu finanzieren.

Seit 2019 führt der DAAD mit Mitteln des BMBF das Förderprogramm „Digitale Zukunft gemeinsam gestalten – Deutsch-Ukrainische Hochschulkooperationen“ durch. Gefördert werden können Maßnahmen, die die Internationalisierung an ukrainischen Hochschulen unter Einbeziehung digitaler Komponenten vorantreiben, unter anderem durch die Unterstützung des Personenaustausches und der Netzwerkbildung zwischen deutschen und ukrainischen Hochschulen sowie durch Weiterbildungsangebote für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ukrainischer Hochschulen.

Als Grundlage der Zusammenarbeit der DFG mit der Ukraine dient das 1995 abgeschlossene und 2017 erneuerte Abkommen mit der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine (NAdWU) sowie ein Abkommen mit der Staatlichen Stiftung für Grundlagenforschungen der Ukraine (DFFD) aus dem Jahr 2009. Ähnlich wie das BMBF unterstützt auch die DFG den Reformprozess in der Ukraine. Bezüglich der Gründung einer neuen Fördereinrichtung für die Ukraine steht die DFG als größte europäische Forschungsförderorganisation dem ukrainischen Ministerium beratend zu Seite. Bis die Nationale Forschungsstiftung der Ukraine (NFSU) operativ tätig wird (siehe unter Forschungs- und Innovationssystem), hat die DFG die gemeinsamen Ausschreibungen mit der DFFD wieder aufgenommen, um bilaterale deutsch-ukrainische Forschungsprojekte zu fördern.

Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG), die ein Kooperationsabkommen mit der Nationalen Akademie der Wissenschaften (NAdWU) abgeschlossen hat, verzeichnet für 2018 11 Kooperationsprojekte mit der Ukraine. Ein Beispiel für eine deutsch-ukrainische Kooperation bieten das Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme und die Otto von Guericke-Universität in Magdeburg, die gemeinsam mit dem Institute of Applied Mathematics der NAdWU zu dem Thema „Optimale Steuerungssysteme von nicht-linearen mathematischen Modellen für Chemiereaktoren" forschen. Außerdem sind regelmäßig über 100 Nachwuchs- und Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus der Ukraine an Instituten der Max-Planck-Gesellschaft beschäftigt (2016: 118 / 2017: 121 /2018: 126).

Das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR), das Forschung in den Bereichen Energie, Gesundheit und Materie betreibt, sowie das Physical Engineering Teaching-and-Research Center der NAdWU erhalten unter der jüngsten WTZ-Ausschreibung (siehe oben) eine Förderung durch das BMBF und das ukrainische Ministerium für Bildung und Wissenschaft (MBW), um ein deutsch-ukrainisches Zentrum für Großversuche aufzubauen.

Die NAdWU führte 2016 ein neues Evaluierungsverfahren auf Institutsebene eint. Dabei dienten die Verfahren der Leibniz-Gemeinschaft, die die NAdWU beriet, als Vorbild. Ukrainische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die wissenschaftlichen Kontakte zu Instituten der Leibniz Gemeinschaft ausbauen wollen, können dazu ein Stipendienprogramm der Gemeinschaft für Forschende aus dem östlichen Europa nutzen.

Die Ukraine gehört zu den größten Agrarexporteuren der Welt. Aus diesem Grund hat das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) bereits früh Kontakte in die Ukraine geknüpft. An dem Aufbau eines Internationalen Kompetenzzentrums für großbetriebliche Landwirtschaft sind auch zwei ukrainische Einrichtungen, die Zhytomyr National Agroecological University (ZNAU) sowie der Ukrainian Agribusiness Club (UCAB) beteiligt. Darüber hinaus führt IAMO ein Pilotprojekt zur nachhaltigen Internationalisierung ukrainischer Forschungsstrukturen im Kontext der Globalisierung der ukrainischen Ernährungswirtschaft durch. Im Bereich „Materialien für Zukunftstechnologien“ setzt das Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung (IFW) in Dresden gemeinsam mit der Kyiv Academic University (KAU) ein weiteres Pilotprojekt um, um die Forschungsinfrastrukturen sowie die Internationalisierung in der Ukraine gezielt zu stärken.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) hat die Gründung einer Deutsch-Ukrainischen Industrie- und Handelskammer unterstützt, die im Oktober 2016 eröffnet wurde. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) unterstützt die Ukraine seit den 90er Jahren in mehreren Feldern, die auch Berührungspunkte mit Forschung, Entwicklung und Innovation haben. Dies betrifft die Modernisierung des Energiesektors, den Erhalt von Naturschutzgebieten und die Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs). Zwischen 1996 und 2018 hat der German-Ukrainian Fund (GUF) 150.000 Kredite an KMUs vergeben (KfW Development Bank - Ukraine). Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH ist im Auftrag von fünf deutschen Ministerien, für die Europäische Union (EU) sowie die britische und die schweizerische Regierung in der Ukraine tätig. Auch hier gibt es Berührungspunkte zu FuE und Innovation, so z.B. bei der Energieeffizienzberatung von Unternehmen.

Vor Ort in der Ukraine tragen und unterstützen unter anderem folgende Einrichtungen die deutsch-ukrainische Zusammenarbeit:

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