Ziele

Die UNESCO bietet ein weltweites Forum, in dem Wissenschaft und Politik zusammenwirken, um Leitlinien für eine nachhaltige Entwicklung zu formulieren. Die UNESCO forscht nicht selbst und ist keine Einrichtung zur Forschungsfinanzierung. Sie unterstützt ihre Mitgliedstaaten bei der Schaffung von Kapazitäten (Ausbildung von Personal und Ausstattung von Institutionen), sie fördert internationale Forschungskooperationen und offenen Datenaustausch und sie definiert weltweite Standards.

Ziele des UNESCO-Wissenschaftsprogramms:

  • Frieden fördern durch wissenschaftliche Zusammenarbeit;
  • Entwicklungs- und Schwellenländern helfen, Forschungsinfrastrukturen aufzubauen, um am technischen und wirtschaftlichen Fortschritt teilzuhaben;
  • wissenschaftliche Erkenntnisse für konkrete, lokal angepasste Ziele einer nachhaltigen Entwicklung erarbeiten, unter anderem durch verbessertes Umweltmanagement;
  • ethische Fragen an den globalen Wandel und an neue Technologien stellen.

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Weitere Informationen
Links/Institutionen

Gremien

Träger des Wissenschaftsprogramms sind neben dem hauptverantwortlichen Pariser Sekretariat der UNESCO

  • UNESCO-Regional- und Landesbüros (z.B. Regionalbüro für Lateinamerika und die Karibik in Uruguay),
  • UNESCO-Wissenschaftsinstitute (z.B. IHE in Delft zur Ausbildung in Wasserthemen),
  • Wissenschaftliche Institute unter UNESCO-Schirmherrschaft,
  • Zwischenstaatliche und Experten-Gremien der wissenschaftlichen Langzeitprogramme,
  • UNESCO-Nationalkommissionen,
  • Nationalkomitees der wissenschaftlichen Langzeitprogramme,
  • und UNESCO-Lehrstühle.

Nationalkomitees wurden in vielen Ländern eingerichtet, um Wissenschaftler auf nationaler Ebene möglichst umfassend in die Arbeit der UNESCO einzubeziehen. In Deutschland existieren Nationalkomitees für vier der sechs Langzeitprogramme: IHP, MAB, IGCP sowie die deutsche IOC-Sektion (siehe nachstehend unter Aktivitäten).

Aktivitäten: Überblick

Zentrales Instrument, um die Ziele des UNESCO-Wissenschaftsprogramms zu erreichen, sind zwischenstaatlich gesteuerte, wissenschaftliche Langzeitprogramme zu konkreten Forschungsgegenständen und in bestimmten Disziplinen:

  • Internationales Hydrologisches Programm (IHP) zum Thema Süßwasser, vor allem Forschung zu und Management von Fluss-Einzugsgebieten;
  • Zwischenstaatliche Ozeanographische Kommission (IOC) zur Erforschung und Beobachtung der Ozeane, inklusive Frühwarnsysteme;
  • Programm „Der Mensch und die Biosphäre“ (MAB) zur Erforschung von Mensch-Umwelt-Beziehungen mit dem wichtigen Instrument der UNESCO-Biosphärenreservate;
  • Internationales Geowissenschaftliches Programm (IGCP);
  • Internationales Programm für die grundlegenden Naturwissenschaften (IBSP): Physik, Chemie, Biologie und Ingenieurswissenschaften;
  • Programm „Management des sozialen Wandels“ (MOST): Sozialwissenschaften.

Daneben gehören Bioethik und Menschenrechte zu den wichtigen Programmelementen.

Weiterhin engagiert sich die UNESCO bei der Information und Kommunikation zur nationalen und internationalen Wissenschaftspolitik, indem sie alle fünf Jahre einen Wissenschaftsbericht publiziert, das Informationsportal GO-SPIN aufbaut und sich als Partnerorganisation bei der Veranstaltung des Weltwissenschaftsforums beteiligt.

Aktivitäten: Wissenschaftliche Langzeitprogramme

Das Internationale Zentrum für Wasserressourcen und Globalen Wandel (ICWRGC) ist seit 2014 an der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) in Koblenz angesiedelt. Es unterstützt die Umsetzung des „International Hydrological Programme“ (IHP) der UNESCO und des „Hydrology and Water Resources Programme“ (HWRP) der WMO. Im Zuge der Gründung wurde die Geschäftsführung des IHP/HWRP-Sekretariats in das ICWRGC integriert. Die Aufgaben des Sekretariats im Rahmen dieser Programme werden weitergeführt. Das „International Hydrological Programme“ (IHP) fördert seit 1975 die Erforschung des Wasserkreislaufs vor dem Hintergrund einer sich verändernden Umwelt; ebenso fördert es neue Managementansätze zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung der Wasservorkommen. Beispiele sind die Definition von Regelungen zur gemeinsamen Bewirtschaftung grenzüberschreitender Flüsse, Strategien zur Abfederung von Dürrekatastrophen und zur Lösung von Ressourcenkonflikten zwischen Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung.

Der deutsche Beitrag zum IHP wird durch ein Nationalkomitee organisiert, das auch das Süßwasserprogramm HWRP der Weltmeteorologieorganisation (WMO) betreut. Das Nationalkomitee leistet einen eigenständigen Beitrag zu IHP und HWRP mit den folgenden Schwerpunkten: nachhaltige Nutzung von Süßwasservorkommen, grenzüberschreitende Zusammenarbeit an Donau und Rhein und Zusammenarbeit mit allen nordeuropäischen Staaten im Projekt FRIEND, das unter anderem den offenen Datenaustausch in der Region unterstützt.

Mehr Informationen zum ICGRC und IHP/HWRP-Nationalkomitee finden Sie hier.

Die „Intergovernmental Oceanographic Commission“ (IOC) fördert seit 1960 die Erforschung und Beobachtung der Weltmeere. Im Rahmen der IOC werden Forschungsprogramme koordiniert, zum Beispiel zur Wechselwirkung zwischen den Ozeanen und dem Klimawandel, zu gefährlichen Algenblüten, zur Korallenbleiche, dem CO2-Haushalt des Meeres und zum Nährstoffeintrag an den Küsten.

Die Ozeanbeobachtung, zum Beispiel durch das „Global Ocean Observing System“ (GOOS), ist der zweite Schwerpunkt der IOC. Die Schifffahrt hängt in entscheidender Weise von aktuellen Daten über die Ozeane ab. GOOS fasst für Nutzer in Wissenschaft und Verwaltung Echtzeit-Beobachtungsdaten einer Vielzahl von Instrumenten und Plattformen zusammen: freischwimmende und verankerte Bojen, auf Schiffen installierte Instrumente und Satelliten. Das globale Netzwerk der Meerespegel GOSS liefert Daten für die Forschung zum Klimawandel und für die Katastrophenfrühwarnung. Das Programm IODE fördert den Aufbau globaler Kommunikationsinfrastrukturen zum Austausch ozeanographischer Daten.

Die Hauptaufgabe der am Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie angesiedelten Deutschen IOC-Sektion ist die Koordinierung der Mitwirkung deutscher Institutionen und Wissenschaftler in den IOC-Gremien. Deutschland stellt laufend nationale Infrastruktur für die IOC-Ausbildungsprogramme zur Verfügung, z.B. die deutschen Forschungsschiffe.
Die Vereinten Nationen haben für 2021 - 2030 eine Dekade der Ozeanforschung für nachhaltige Entwicklung ausgerufen. Damit sollen verbesserte Bedingungen für eine nachhaltige Entwicklung der Ozeane erreicht werden.

Mehr Informationen zur Ozeanbeobachtung finden sich hier.

Das Programm „Man and the Biosphere“ (MAB) erarbeitet seit 1970 Grundlagen für den Schutz und die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen weltweit. Wichtigstes Instrument des MAB-Programms ist das Weltnetz der 696 Biosphärenreservate (Stand Juni 2018). Die UNESCO-Biosphärenreservate sind einerseits im Weltmaßstab repräsentative Ökosysteme, wichtiger noch ist andererseits ihre Rolle als Modellregionen für nachhaltige Entwicklung. Deutschland besitzt 16 Biosphärenreservate, z.B. die Wattenmeere, Schaalsee, Rhön, Schorfheide Chorin, Flusslandschaft Elbe und Spreewald.

Das Nationalkomitee für das UNESCO-Programm „Der Mensch und die Biosphäre“ ist eine Einrichtung des Bundesumweltministeriums, das Bundesamt für Naturschutz trägt das Sekretariat. Persönlich berufene Fachleute tragen zur nationalen Umsetzung und Fortentwicklung von MAB bei, insbesondere evaluieren sie die deutschen Biosphärenreservate und begutachten Neuanträge.

Mehr Informationen zu dem MAB-Nationalkomitee finden sich hier und zu den UNESCO-Biosphärenreservaten hier

Das „International Geoscience Programme“ (IGCP) ist ein thematisch breit angelegtes Programm der Geowissenschaften, mit einem Fokus auf gesellschaftlich relevante Forschungsthemen. Das IGCP ist ein Programm von Einzelprojekten, die auf Basis von Anträgen aus der Forschergemeinde bewilligt werden. Bisher haben in über 500 IGCP-Projekten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus rund 150 Staaten zusammengearbeitet. Mit mehr als 25.000 Veröffentlichungen seit 1972 gehört das IGCP zu den erfolgreichsten internationalen Forschungsprogrammen in den Geowissenschaften.

Mehr Informationen zum IGCP und dem deutschen Beitrag zu diesem Programm finden Sie hier.

Das „International Basic Science Programme“ (IBSP) wurde 2005 aufgelegt. Es umfasst Einzelprojekte in den Disziplinen Mathematik, Physik, Chemie, Biologie und Ingenieurwissenschaften, die auf Basis von Anträgen aus der Forschergemeinde bewilligt werden. Im Mittelpunkt soll die Stärkung regionaler Kooperationen stehen. Mehr Informationen finden sich hier

Das Programm „Management of Social Transformations“ (MOST) zielt auf einen intensiveren Austausch zwischen Politik und Sozialwissenschaften ab. Themen sind zum Beispiel Migration, Armutsbekämpfung und die alternde Gesellschaft. Das seit 1993 bestehende MOST finanziert keine Forschungsprojekte, sondern dient als Multiplikatorforum für politikrelevante Forschungsergebnisse.

Mehr Informationen finden sich hier.

Das Bioethik-Programm der UNESCO setzte bis 2005 einen Schwerpunkt auf die Formulierung neuer internationaler normativer Instrumente. Hintergrund ist der rasante Fortschritt der Lebenswissenschaften und der Medizin und die fortschreitende Globalisierung der Forschungsstrukturen. Viele Schwellen- und Entwicklungsländer sind nicht in der Lage, selbst angemessene Antworten auf die neuen Herausforderungen zu finden. Die drei Erklärungen der UNESCO zur Bioethik sind im globalen Maßstab die maßgeblichen Referenzdokumente zu diesem Themenkomplex.

•     Allgemeine Erklärung über das menschliche Genom und Menschenrechte (1997)
•     Internationale Erklärung über humangenetische Daten (2003)
•     Allgemeine Erklärung über Bioethik und Menschenrechte (2006)

Erarbeitet wurden die drei Erklärungen maßgeblich vom Internationalen Ausschuss für Bioethik (IBC) und vom Zwischenstaatlichen Ausschuss für Bioethik (IGBC). Derzeit liegt der Schwerpunkt der UNESCO-Aktivitäten darin, die Umsetzung der etablierten Standards zu unterstützen. Beispiele sind die „Globale Ethikwarte“, ein System von Internet-Datenbanken mit Informationen zu Fachleuten, Gesetzgebung und Ausbildungsprogrammen in der Ethik, und ein Programm zur ethischen Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten, Forschenden und Krankenpflegepersonal.

Mehr Informationen befinden sich hier.

Aktivitäten: Publikationen und Veranstaltungen

Die UNESCO engagiert sich bei der Information und Kommunikation zur nationalen und internationalen Wissenschaftspolitik weltweit. Wichtiger Bestandteil ist alle fünf Jahre die Publikation des UNESCO-Wissenschaftsberichts. Der letzte Bericht aus dem Jahr 2015 „Der Weg bis 2030“ zeigt, dass derzeit viele Länder STI in ihre nationalen Entwicklungsstrategien integrieren, um ihre Wirtschaft unabhängiger von natürlichen Ressourcen zu machen und stärker auf Wissen und Fortschritt zu begründen. Zwischen 2007 und 2013 sind die Ausgaben für Forschung und Entwicklung weltweit schneller angestiegen als die Wirtschaft gewachsen ist. Auf der ganzen Welt verankern viele Nationen nachhaltige Entwicklung in ihren regionalen und nationalen Strategien für die nächsten 10 bis 20 Jahre. Das Engagement für eine nachhaltige Entwicklung wird häufig von weiteren Motiven begleitet, wie dem Wunsch, die Vulnerabilität gegenüber dem Klimawandel zu reduzieren, die Energieversorgung zu sichern und/ oder die eigene Wettbewerbsfähigkeit in globalen Märkten zu stärken, in denen grüne Technologien eine wachsende Rolle spielen.

Die UNESCO baut derzeit ein Informationsportal mit dem Namen Global Observatory of Science, Technology and Innovation Policy Instruments (GO-SPIN) auf. GO-SPIN soll insbesondere für Entwicklungsländer nationale Wissenschafts-, Technologie- und Innovationslandschaften (STI) abbilden und STI-Strategien und deren Umsetzung analysieren. Die Open-Access-Plattform bietet innovative Datenbanken mit leistungsstarken grafischen und analytischen Werkzeugen für Entscheidungsträger, Parlamentarier, Universitäten, Wissensvermittler, Unternehmen, Fachleute. Ein Vorgänger von GO-SPIN, das lateinamerikanische Netzwerk für wissenschaftspolitische Informationen (SPIN), ist bereits in Betrieb. Es deckt Lateinamerika und die Karibik ab und wurde regelmäßig mit Informationen zu den STI-Systemen der 33 Länder in der Region befüllt.

Das Weltwissenschaftsforum (World Science Forum, WSF) ist eine internationale Konferenzreihe zur globalen Wissenschaftspolitik, die seit 2003 jedes zweite Jahr stattfindet, seit 2013 abwechselnd in einem nichteuropäischen Land und in Ungarn. Organisator ist die Ungarische Akademie der Wissenschaften – oder eine andere nationale Akademie im Ausrichtungsland – in Zusammenarbeit mit der UNESCO und dem Internationalen Wissenschaftsrat (International Science Council, ISC). In diesem Jahr findet die Konferenz mit dem Schwerpunkt „Ethik und Verantwortung der Wissenschaft“ vom 19.-23. November wieder in Budapest statt. 2021 wird das WSF in Südafrika tagen. Aktuelle Informationen finden sich hier.

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