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Überblick zur internationalen Kooperation: Australien

Federführend für die internationale Bildungszusammenarbeit ist das Bildungsministerium (DESER). Zur Betreuung wurde eine spezielle Abteilung, die International Education Group gebildet, die zum Beispiel Stipendien für international mobile Studierende und Forschende (Endeavour Scholarships / Fellowships) vergibt. Internationalisierung beginnt in Australien in der Schule: So wirbt das Land mit seinen vergleichsweise guten PISA-Ergebnissen, um Sekundarschülerinnen und -schüler aus der ganzen Welt für ein (kostenpflichtiges) Auslandsschuljahr zu gewinnen. Korrespondierend dazu bietet Australien mit seinem ELICOS-Programm („English Language Intensive Courses for Overseas Students“) Sprachkurse an, um Nicht-Muttersprachler auf tertiäre Bildungsangebote sprachlich vorzubereiten.

Für Australien hat sich der internationale Bildungssektor zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt (aktuelle Daten des Bildungsministeriums). Dieser liegt in Bezug auf seinen Beitrag zum australischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) inzwischen an dritter Stelle hinter dem Rohstoff- und dem Tourismussektor. Dazu tragen direkte Einnahmen aus Schul-, Ausbildungs- und Studiengebühren sowie die Lebenshaltungskosten der Gäste bei.

Um die günstige Positionierung des Landes weiter auszubauen hat die australische Regierung in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Strategien angenommen und zur Überwachung der Umsetzung den Council for International Education gebildet, der verschiedene australische Ministerien sowie Experten von Unternehmen und Hochschulen zusammen führt. 2021 wurde eine neue internationale Bildungssstrategie angenommen, die die Erfahrungen mit Covid-19 aufnimmt und eine Laufzeit bis 2030 hat (Überblick „Australian Strategy for International Education 2021-2030" und Council for International Education).

Die folgenden Daten beziehen sich nur auf internationale Studierende, die einen Abschluss im Ausland anstreben. 2020 hatte sich Australien als Zielland noch hinter den USA und Großbritannien an dritter Stelle positioniert. Zwar verteidigte Australien 2021 diesen Rang, Anzahl und Anteil int. Studierender nahmen jedoch als Folge der Corona-Pandemie deutlich ab (von 458.000 auf 378.000; von 28 auf 22 Prozent). Weniger betroffen sind die Promovierenden: Hier hat weiterhin ein Drittel ihre Hochschulzugangsberechtigung im Ausland erworben. Der Anteil an Studierenden aus Australien, die einen Abschluss im Ausland anstreben, ist verhältnismäßig gering (siehe Bildungsindikatoren).

Die fünf wichtigsten Zielländer für australische Studierende waren 2021 die USA, Neuseeland, Großbritannien, Deutschland und Japan. Die australischen Hochschulen sind stark auf Asien hin ausgerichtet: Die fünf wichtigsten Herkunftsländer sind China, Indien, Nepal, Vietnam und Indonesien. Erst auf Rang 10 ist mit Brasilien ein nicht-asiatisches Herkunftsland platziert (Quelle: UNESCO Institute of Statistics Global Flow of Tertiary-Level Students, erfasst werden nur diejenigen Studierenden, die einen Abschluss im Ausland anstreben. Zu China als Zielland fehlen Daten).

Traditionell waren die staatlichen Mittel für die Förderung von internationaler Mobilität und Kooperation im Bereich Forschung in Australien eher gering. Seit 2017 vergibt jedoch der Australische Research Council (ARC) die Australian Laureate Fellowships, um herausragenden einheimischen und internationalen Forschenden vor Ort in Australien Arbeitsmöglichkeiten zu eröffnen. Durch die Future Fellowships soll ebenfalls der Abwanderung entgegengewirkt werden. Federführend für die internationale Forschungszusammenarbeit ist das Ministerium für Industrie, Wissenschaft, Energie und Ressourcen (DISER). Australien hat eine ganze Reihe von Abkommen zur wissenschaftlichen Zusammenarbeit unterzeichnet, die jedoch nicht Voraussetzung für eine intensive Zusammenarbeit sind (dies gilt z.B. für Großbritannien).

Australien ist ein attraktiver Kooperationspartner: Der Anteil der internationalen Ko-Publikationen an der Gesamtzahl der wissenschaftlichen Publikationen hat sich von 28 Prozent (1996) auf 60 Prozent (2021) mehr als verdoppelt. Damit verzeichnete Australien eine noch deutlichere Steigerung als Deutschland, wo die Ko-Publikationsrate im selben Zeitraum von 30,8 auf 52,7 Prozent zunahm (Quelle: SCImago. SJR — SCImago Journal & Country Rank. Retrieved October 31, 2022, from www.scimagojr.com).

Unter den fünf wichtigsten australischen Ko-Publikationsländern der letzten vier Jahre liegen die USA noch an erster Stelle, dicht gefolgt von China. Großbritannien, Deutschland und Kanada folgen mit einigem Abstand. Mit der höchsten Zuwachsrate unter den Top Ten platziert sich Indien derzeit auf Rang 9 (Quelle: SciVal® database, Elsevier B.V., www.scival.com, 2019-22, downloaded on January 2, 2023).

Mit der Europäischen Union (EU) hat Australien bereits 1994 ein Abkommen zur wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit abgeschlossen. Australien nutzt zudem einen Wissenschaftsreferenten in Brüssel, um die Beziehungen zu der Europäischen Kommission auszubauen und die Forschungskooperation mit europäischen Partnern zu intensivieren. Aktuelle Informationen können auf der Webseite der EU zur Zusammenarbeit mit Australien im Bereich Forschung und Innovation abgerufen werden.

Einrichtungen aus Australien können sich an dem EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation Horizont Europa (2021-27) beteiligen und in Ausnahmefällen auch eine Förderung erhalten. Für Vorhaben der Gesundheitsforschung stellt die australische Fördereinrichtung National Health and Medical Research Council (NHMRC) Ko-Finanzierungen für australische Projektteilnehmer zur Verfügung. Dasselbe galt bereits für das Vorgängerprogramm Horizont 2020 (2014-20). Zu der Beteiligung Australiens an Horizont 2020 liegen jetzt vorläufige finale Zahlen vor. Bis Dezember 2021 warb das Land europäische Fördergelder in Höhe von 16,85 Millionen Euro ein. Unter den 289 Projekten, an denen sich Australien beteiligte, wies mit 136 Projekten knapp die Hälfte auch eine deutsche Teilnahme auf (Quelle: H2020-ECORDA-Datenbank).

Australien engagiert sich zusätzlich in der Forschungszusammenarbeit mit Entwicklungsländern. So trägt das Ministerium für Auswärtige Beziehungen die Verantwortung für das 1982 gegründete Australian Centre for International Agricultural Research (ACIAR), das ein Netzwerk von Instituten zur Agrarforschung in Entwicklungsländern betreibt.

Eine wichtige Komponente der internationalen Forschungs- und Technologiezusammenarbeit Australiens ist die Errichtung des Square Kilometre Array (SKA), ein neues hochempfindliches Radioteleskop, mit dessen Hilfe fundamentale Fragen in der Weltraumforschung beantwortet werden sollen. Das SKA wird von einer internationalen Trägergemeinschaft mit Hilfe von über zwanzig Staaten aufgebaut. Die beiden Standorte in Südafrika und Australien wurden ausgewählt, da von dort aus die beste Sicht auf das galaktische Zentrum und minimale Radiointerferenzen gewährleistet sind. Das Ministerium für Industrie koordiniert den Aufbau in Australien sowie die Beteiligung der australischen Industrie (australische Webseite zum SKA).

Unter dem Projekt Square Kilometer Array (SKA) ist es gelungen, australische Unternehmen in internationale Netzwerke mit einzubinden. Dennoch gibt es Befürchtungen in Australien, dass die einheimischen Unternehmen mittelfristig von den globalen Technologiemärkten abgekoppelt werden könnten. Aus diesem Grund hat Australien eine Reihe von Maßnahmen angenommen (Überblick). Jährlich werden Schwerpunktbereiche wie Künstliche Intelligenz und Wasserstofftechnologien sowie Schlüsselpartnerländer ausgewählt (so 2022 beispielsweise unter anderem Deutschland für Wasserstofftechnologien). Förderung dazu wird unter dem „Global Science and Technology Diplomacy Fund” (GSTDF) vergeben. Spezielle bilaterale Programme existieren darüber hinaus mit China („Australia-China Science and Research Fund") und Indien („Australia-India Strategic Research Fund"). Um für Australien als Kooperationspartner international zu werben, hat das Ministerium für Industrie, Wissenschaft, Energie und Ressourcen (DISER) die Broschüre Partnering with Australia on Innovation, Science and Research veröffentlicht.

Die Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO), die dem Ministerium für Industrie untersteht, ist in einer großen Anzahl internationaler Projekte aktiv (Übersicht CSIRO Internationale Kooperation), so zum Beispiel in dem Australian Solar Thermal Institute (ASTRI). Unter der Führung von CSIRO arbeiten sechs australische Universitäten und zwei nationale Laboratorien des US-amerikanischen Ministeriums für Energie an einer Verbesserung der Solarthermik, um Strom zu erschwinglichen Preisen zu produzieren.

Das Global Carbon Capture and Storage Institute (Global CCS Institute)  wurde 2009 in Sydney, Australien etabliert. Mitglieder aus etwa 40 Staaten sind Regierungen, globale Firmen, kleine und mittlere Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen, Forschungseinrichtungen und Universitäten. Das Institut hat Auslandsbüros in China, Fankreich, Japan und den USA aufgebaut. Aufgabe des Instituts ist die Entwicklung, Demonstration und Anwendung von kohlenstoffabscheidenden und -speichernden Technologien mittels Wissensaustausch, Beratung und Verbesserung der Umsetzungsbedingungen.

Ein wichtiger Bestandteil der australischen Pläne für die Entwicklung einer sauberen Wasserstoffindustrie ist die Zusammenarbeit mit dem Ausland. Mit den USA besteht eine Kooperation . Australische Technologiepartnerschaften wurden mit den Ländern Großbritannien, Japan, Singapur, Südkorea und Deutschland begründet (siehe APRA-Bericht Wasserstofftechnologien, S. 42, nächster Abschnitt zu Deutschland).

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