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Überblick zur internationalen Kooperation: Australien

Federführend für die internationale Bildungszusammenarbeit ist das Bildungsministerium (DESER). Zur Betreuung wurde eine spezielle Abteilung, die International Education Group gebildet, die zum Beispiel Stipendien für international mobile Studierende und Forschende (Endeavour Scholarships / Fellowships) vergibt. Internationalisierung beginnt in Australien in der Schule: So wirbt das Land mit seinen vergleichsweise guten PISA-Ergebnissen, um Sekundarschülerinnen und -schüler aus der ganzen Welt für ein (kostenpflichtiges) Auslandsschuljahr zu gewinnen. Korrespondierend dazu bietet Australien mit seinem ELICOS-Programm („English Language Intensive Courses for Overseas Students“) Sprachkurse an, um Nicht-Muttersprachler auf tertiäre Bildungsangebote sprachlich vorzubereiten.

Für Australien hat sich der internationale Bildungssektor zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt (aktuelle Daten des Bildungsministeriums). Dieser liegt in Bezug auf seinen Beitrag zum australischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) inzwischen an dritter Stelle hinter dem Rohstoff- und dem Tourismussektor. Dazu tragen direkte Einnahmen aus Schul-, Ausbildungs- und Studiengebühren sowie die Lebenshaltungskosten der Gäste bei.

Die folgenden Daten beziehen sich nur auf internationale Studierende, die einen Abschluss im Ausland anstreben. Auf dem globalen Bildungsmarkt nimmt Australien 2018 mit 445.000 internationalen Studierenden hinter den USA (987.000) und Großbritannien (452.000) die dritte Position ein (siehe OECD Education at a Glance 2020 Tabelle B6.1). Dabei liegt Australien mit einem Anteil von 27 Prozent weit über dem OECD-Durchschnitt von 6 Prozent. Ein Drittel der Promovierenden kommt aus dem Ausland. Weniger beeindruckend ist der geringe Anteil an Studierenden aus Australien, die einen Abschluss im Ausland anstreben (siehe Bildungsindikatoren).

Die Zahlen zu 2018 spiegeln naturgemäß noch nicht die negativen Auswirkungen der COVID-19-Krise auf die Anzahl der internationalen Studierenden wider. Im Juli 2020 waren an den australischen Hochschulen 5 Prozent weniger internationale Studierende eingeschrieben als noch im Vorjahr (Infografik des australischen Bildungsministeriums). Dazu kommt, dass auch die an den Hochschulen eingeschriebenen Studierenden aufgrund von Reisebeschränkungen teilweise in ihren Heimatländern bleiben und nicht vor Ort in Australien präsent sind.  

Die fünf wichtigsten Zielländer für australische Studierende waren 2018 die USA, Neuseeland, Großbritannien, Deutschland und Kanada. Die australischen Hochschulen sind stark auf Asien hin ausgerichtet: die fünf wichtigsten Herkunftsländer sind China, Indien, Nepal, Vietnam und Malaysia (Quelle: UNESCO Institute of Statistics Global Flow of Tertiary-Level Students, erfasst werden nur diejenigen Studierenden, die einen Abschluss im Ausland anstreben. Zu China als Zielland fehlen Daten).

Um die günstige Positionierung des Landes weiter auszubauen hat die australische Regierung in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Strategien angenommen („National Strategy for International Education 2025“; „Australian International Education 2025 (AIE 2025) market development roadmap“; „Australia Global Alumni Engagement Strategy“) und zur Überwachung der Umsetzung den Council for International Education gebildet, der verschiedene australische Ministerien sowie Experten von Unternehmen und Hochschulen zusammen führt (Überblick Strategien und Rat).

Traditionell waren die staatlichen Mittel für die Förderung von internationaler Mobilität und Kooperation im Bereich Forschung in Australien eher gering. Seit 2017 vergibt jedoch der Australische Research Council (ARC) die Australian Laureate Fellowships, um herausragenden einheimischen und internationalen Forschenden vor Ort in Australien Arbeitsmöglichkeiten zu eröffnen. Durch die Future Fellowships soll ebenfalls der Abwanderung entgegengewirkt werden. Federführend für die internationale Forschungszusammenarbeit ist das Ministerium für Industrie, Wissenschaft, Energie und Ressourcen (DISER). Australien hat eine ganze Reihe von Abkommen zur wissenschaftlichen Zusammenarbeit unterzeichnet, die jedoch nicht Voraussetzung für eine intensive Zusammenarbeit sind (dies gilt z.B. für Großbritannien).

Australien ist ein attraktiver Kooperationspartner: Der Anteil der internationalen Ko-Publikationen an der Gesamtzahl der wissenschaftlichen Publikationen hat sich von 28,1 Prozent (1996) auf 58,1 Prozent (2019) mehr als verdoppelt. Damit verzeichnete Australien eine noch deutlichere Steigerung als Deutschland, wo die Ko-Publikationsrate im selben Zeitraum von 30,9 auf 51,9 Prozent zunahm (Quelle: SCImago. SJR — SCImago Journal & Country Rank. Retrieved June 26, 2020, from www.scimagojr.com).

Unter den fünf wichtigsten Ko-Publikationsländern der letzten drei Jahre liegen die USA noch an erster Stelle. China konnte nach den jüngsten Daten Großbritannien überholen und sich auf Rang 2 platzieren. Mit weitem Abstand folgen Deutschland und Kanada auf Rang 4 und 5 (Quelle: Scopus-Datenbank, Elsevier, Zeitraum 2017-19). Darüber hinaus ist es Australien gelungen, sich zunehmend als Partner in asiatischen Forschungsnetzwerken zu etablieren (Quelle: Bibliometrische Analyse des Asiatisch-Pazifischen Raums 2016).

Mit der Europäischen Union (EU) hat Australien bereits 1994 ein Abkommen zur wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit abgeschlossen. Australien nutzt zudem einen Wissenschaftsreferenten in Brüssel, um die Beziehungen zu der Europäischen Kommission auszubauen und die Forschungskooperation mit europäischen Partnern zu intensivieren. Aktuelle Informationen können auf der Webseite der EU zur Zusammenarbeit mit Australien im Bereich Forschung und Innovation abgerufen werden.

Bis vor einigen Jahren hat die Europäische Kommission spezielle Netzwerke zur Vertiefung der Kooperation mit Australien wie das AUS-ACCESS4EU-Projekt und CAESIE (Connecting Australian and European Science and Innovation Excellence, 2012-2015) gefördert. Unter dem Siebten EU-Forschungsrahmenprogramm (2007-13) waren australische Forschende insgesamt an 169 Projekten beteiligt, vor allem in den Bereichen Gesundheit (43), Informations-und Kommunikationstechnologien (35) sowie Ernährung, Landwirtschaft, Fischereiwesen und Biotechnologie (21). 132 Projekte hatten auch eine deutsche Beteiligung oder Koordination.

Ausschlaggebend für die zukünftige Zusammenarbeit ist die „Roadmap for EU-Australia Science and Technology Cooperation", die im Oktober 2018 beschlossen wurde. Australien beteiligt sich aktiv an Ausschreibungen unter dem EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation Horizont 2020 (2014-20), vor allem in den Fachgebieten Gesundheit und Bioökonomie. Die australische Fördereinrichtung National Health and Medical Research Council (NHMRC) stellt Ko-Finanzierungen zur Verfügung. Australien nutzt jedoch auch die Möglichkeit, in speziellen Fällen eine Finanzierung der EU zu erhalten: Bis Mai 2020 warb das Land europäische Fördergelder in Höhe von rund 11 Millionen Euro ein. Unter den 255 Projekten, an denen sich Australien bisher beteiligte, wies mit 124 Projekten fast die Hälfte auch eine deutsche Teilnahme auf (Quelle: H2020-ECORDA-Datenbank).

Australien engagiert sich zusätzlich in der Forschungszusammenarbeit mit Entwicklungsländern. So trägt das Ministerium für Auswärtige Beziehungen die Verantwortung für das 1982 gegründete Australian Centre for International Agricultural Research (ACIAR), das ein Netzwerk von Instituten zur Agrarforschung in Entwicklungsländern betreibt.

Die Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO), die dem Ministerium für Industrie untersteht, ist in einer großen Anzahl internationaler Projekte aktiv (Übersichtskarte), so zum Beispiel in dem Australian Solar Thermal Institute (ASTRI). Unter der Führung von CSIRO arbeiten sechs australische Universitäten und zwei nationale Laboratorien des US-amerikanischen Ministeriums für Energie an einer Verbesserung der Solarthermik, um Strom zu erschwinglichen Preisen zu produzieren.

Das Global Carbon Capture and Storage Institute (Global CCS Institute)  wurde 2009 in Sydney, Australien etabliert. Mitglieder aus etwa 40 Staaten sind Regierungen, globale Firmen, kleine und mittlere Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen, Forschungseinrichtungen und Universitäten. Das Institut hat Auslandsbüros in China, Fankreich, Japan und den USA aufgebaut. Aufgabe des Instituts ist die Entwicklung, Demonstration und Anwendung von kohlenstoffabscheidenden und -speichernden Technologien mittels Wissensaustausch, Beratung und Verbesserung der Umsetzungsbedingungen.

Eine wichtige Komponente der internationalen Forschungs- und Technologiezusammenarbeit Australiens ist die Errichtung des Square Kilometre Array (SKA), ein neues hochempfindliches Radioteleskop, mit dessen Hilfe fundamentale Fragen in der Weltraumforschung beantwortet werden sollen. Das SKA wird von einer internationalen Trägergemeinschaft mit Hilfe von über zwanzig Staaten aufgebaut. Die beiden Standorte in Südafrika und Australien wurden ausgewählt, da von dort aus die beste Sicht auf das galaktische Zentrum und minimale Radiointerferenzen gewährleistet sind. Das Ministerium für Industrie koordiniert den Aufbau in Australien sowie die Beteiligung der australischen Industrie (australische Webseite zum SKA).

Unter dem Projekt Square Kilometer Array (SKA) ist es gelungen, australische Unternehmen in internationale Netzwerke mit einzubinden. Dennoch gibt es Befürchtungen in Australien, dass die einheimischen Unternehmen mittelfristig von den globalen Technologiemärkten abgekoppelt werden könnten. Aus diesem Grund hat Australien im Rahmen der „National Innovation & Science Agenda (NISA)“ als eine von 24 Maßnahmen die „Global Innovation Strategy“ angenommen. Australische Forschende und Unternehmen können unter der Strategie Unterstützung zum Aufbau von Kooperationen mit Partnern aus insgesamt 17 sogenannten Schlüsselökonomien erhalten (Überblick zu Fördermöglichkeiten). Die Förderung ist jedoch überwiegend unilateral, bilaterale Programme existieren zurzeit nur mit China (Australia-China Science and Research Fund) und Indien (Australia-India Strategic Research Fund). Um für Australien als Kooperationspartner international zu werben, hat das Ministerium für Industrie, Wissenschaft, Energie und Ressourcen (DISER) darüber hinaus die Broschüre Partnering with Australia on Innovation, Science and Research veröffentlicht.

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