StartseiteThemenMeeres-, Küsten- und PolargebieteBundesministerium für Bildung und Forschung: Auswertungen der Polarstern-Mission zeigen geschichtliche Bedeutung der Arktis-Expedition

Bundesministerium für Bildung und Forschung: Auswertungen der Polarstern-Mission zeigen geschichtliche Bedeutung der Arktis-Expedition

Internationalisierung Deutschlands, Bi-/Multilaterales

Ein dreiviertel Jahr nach der Rückkehr der Polarstern haben Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und Expeditionsleiter Markus Rex ein erstes Zwischenfazit der Ergebnisse einer der größten Arktisexpeditionen aller Zeiten – der MOSAiC-Mission – gezogen.

Während der MOSAiC-Expedition erforschten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 20 Nationen die Arktis im Jahresverlauf. Von Herbst 2019 bis Herbst 2020 driftete der deutsche Eisbrecher Polarstern dazu eingefroren im Eis durch das Nordpolarmeer. MOSAiC wurde unter Leitung des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) realisiert.

Damit dieses einzigartige Projekt gelingen und möglichst wertvolle Daten gewonnen werden konnten, arbeiteten über 300 Forschende aus 80 Instituten aus 20 Nationen in einem Forschungskonsortium zusammen. Selbst als im Zuge der Corona-Pandemie weltweit praktisch alle Expeditionen abgesagt wurden, konnte MOSAiC durch die breite Unterstützung der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft und durch große Kraftanstrengungen des MOSAiC-Teams erfolgreich fortgesetzt werden. Das Budget der Expedition betrug über 140 Millionen Euro, die im Wesentlichen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) getragen wurden.

Die größte Arktisexpedition aller Zeiten ist ein historischer Meilenstein für die Klimaforschung. Während ihrer langen Zeit im arktischen Eis haben die Forscherinnen und Forscher über 100 Klimaparameter vermessen und einen einmaligen Datenschatz gehoben, von dem noch Generationen profitieren werden. Denn diese im Epizentrum des Klimawandels gewonnenen Daten werden helfen, entscheidende Wissenslücken aus dieser Region zu schließen. Dadurch können Klimamodelle präzisiert und neu bewertet werden. Zurzeit werden die Daten weltweit von mehreren Hundert Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in etwa 300 einzelnen wissenschaftlichen Aktivitäten analysiert. Allein in den Jahren 2021 bis 2023 wird mit einigen hundert Fachveröffentlichungen gerechnet, die ein weiteres Kapitel zum Verständnis des Klimawandels darstellen werden.

Eine der Erkenntnisse ist, wie weit der Rückgang des arktischen Eises bereits vorangeschritten ist. Dies bedeutet, dass zusätzlich zur dringenden Verringerung der globalen CO2-Emissionen wohl auch Technologien entwickelt werden müssen, um bereits in der Atmosphäre befindliches CO2 dieser wieder zu entziehen, um das Risiko eines saisonalen, vollständigen Verschwindens des Eises zu verringern, was zu einer Kaskade weiterer Erwärmung führen kann. Das BMBF fördert in einem ersten Schritt zwei Projekte mit rund 50 Millionen Euro, die genau diese Technik erforschen solle.

Mit dem Programm „Marine Kohlenstoffspeicher als Weg zur Dekarbonisierung“ werden in der „Deutschen Allianz Meeresforschung“ Möglichkeiten zur Entwicklung von Konzepten und Lösungsideen für die Aufnahme und Speicherung von CO2 aus der Atmosphäre durch die Ozeane untersucht. Diese anwendungsbezogene Forschungsmission soll der Politik und Gesellschaft konkretes Handlungswissen vermitteln.

Das Programm „Methoden zur Entnahme von atmosphärischen CO2“ widmet sich terrestrischen Ansätzen. Aus den Ergebnissen soll die Wissenschaft Bilanz ziehen, welche der Methoden die größten Hebelwirkungen ermöglichen und gleichzeitig umweltschonend umsetzbar sind.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek erklärt:

„Auch die erste Zwischenbilanz der Auswertung der Ergebnisse der Polarstern-Mission zeigt die geschichtliche Bedeutung dieser einmaligen Expedition. Nie zuvor konnten so viele Daten über die klimatische Lage in der Arktis gesammelt werden. Und das wird sich nun auch in der Zahl der zu erwartenden Publikationen niederschlagen. Die Klimaforschung wird dadurch noch einmal einen neuen wichtigen Impuls erhalten. 

Die ersten vom Alfred-Wegener-Institut präsentierten Erkenntnisse der MOSAiC-Expedition machen schon deutlich, wie ernst die Lage und wie groß der Handlungsbedarf ist. Auch diese Zwischenbilanz unterstreicht, wie richtig es war, dass die Bundesregierung die Klimaziele für Deutschland nach kurzer Beratungszeit noch einmal verschärft hat.

Deutschland wird nun bis 2045 klimaneutral werden. Das ist ein sehr ambitioniertes, aber ein notwendiges Ziel. Mein Haus stellt alleine für die Strategie „Forschung für Nachhaltigkeit“ bis 2024 rund vier Milliarden Euro zur Verfügung.

Wir unterstützen das Alfred-Wegener-Institut nun weiter, den einmaligen Datenschatz der MOSAiC-Expedition auszuwerten. Denn nur, wenn wir den Klimawandel verstehen, können wir ihm mit fundierten politischen Entscheidungen entgegentreten. Wir werden den Kampf gegen die Erderwärmung nur gewinnen, wenn Wissenschaft, Forschung und Innovation in den nächsten Jahren überall vorankommen. Wir brauchen gerade in den Klimatechnologien nicht nur einen raschen, sondern einen rasanten Fortschritt. Dafür brauchen wir spürbare Investitionen.

Der Grüne Wasserstoff muss der Energieträger der Zukunft in der Schwerindustrie werden. In der Mobilität müssen die CO2-armen Antriebsarten weiterentwickelt werden. Auch die Digitalisierung muss möglichst energiesparend gestaltet sein.

Aber: Wir müssen und wollen mehr tun. Wir werden unsere Emissionen reduzieren und darüber hinauslernen, massiv CO2 wieder aus der Atmosphäre rauszuholen. Sehr wahrscheinlich werden wir nur so das Pariser Klimaziel erreichen können, die Klimaerwärmung deutlich unter zwei Grad zu halten. Wir müssen jetzt in diese Forschung investieren. In einem ersten Schritt geben wir 50 Millionen Euro für zwei Programme aus, die erforschen, wie CO2 in Ozeanen und Böden eingelagert werden kann. Das darf aber nur der Anfang sein.

MOSAiC hat das Epizentrum des Klimawandels umfassender erforscht, als es jemals zuvor möglich war. Die Mission hat gezeigt, dass der Wille vorhanden ist, diese Herausforderung anzunehmen. Und zwar im internationalen Schulterschluss. Von diesem Geist sollten wir uns weiter inspirieren lassen.“

Expeditionsleiter Markus Rex erklärt:

„Wir haben gesehen, wie es um das Eis der Arktis steht. Erst die Auswertung der nächsten Jahre wird zeigen, ob wir das ganzjährige arktische Meereis durch konsequenten Klimaschutz noch retten können, oder ob wir diesen wichtigen Kipppunkt im Klimasystem bereits überschritten haben. Und dies kann zum Start einer Kaskade führen, in deren Verlauf weitere Kipppunkte ausgelöst werden, die die Erwärmung immer weiter antreiben können – so etwa ein Verschwinden des grönländischen Eisschildes oder das Auftauen immer größerer Bereiche des arktischen Permafrosts. Um das Risiko solcher Kaskaden zu reduzieren, müssen wir der Atmosphäre spätestens in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts Treibhausgase im großen Umfang entziehen. Und die Technologien dafür müssen wir heute entwickeln.“

Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung Redaktion: von Mirjam Buse, VDI Technologiezentrum GmbH Länder / Organisationen: Deutschland Global Themen: Geowissenschaften Umwelt u. Nachhaltigkeit

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