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Frankreich will Ausbildungssystem im Frühjahr 2018 reformieren

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Die duale Berufsausbildung in Frankreich soll attraktiver für junge Menschen werden. Vier Arbeitsgruppen erarbeiten dafür nun konkrete Vorschläge.

In der dualen Berufsausbildung sieht die Regierung eine effiziente Möglichkeit, die hohe Jugendarbeitslosigkeit von 23 Prozent bei den unter 25jährigen zu bekämpfen. Doch obwohl sieben von zehn Lehrlingen eine Arbeitsstelle finden und der Ausbildungsweg damit als sehr erfolgreich gilt, hat die duale Ausbildung in Frankreich nach wie vor einen schlechten Ruf und gilt weiterhin als eine Art letzte Chance für Jugendliche ohne sonstige Perspektiven. „Unser Ziel ist es, das Image der beruflichen Ausbildung zu verändern und sie grundlegend zu reformieren, ihre neue Bedeutung zuzumessen, als einen Weg der Exzellenz und des Erfolgs für alle Jugendlichen.“, so die Ministerin für Arbeit, Muriel Pénicaud.

Bisher absolvieren nur sieben Prozent der 16- bis 25jährigen bzw. 275.000 Personen in Frankreich eine duale Ausbildung und ihre Zahl ist seit 2012 um zehn Prozent zurückgegangen. Hierbei finden sich insbesondere für traditionelle Lehrberufe wie im Bauwesen, Friseurbetrieben oder dem Hotelgewerbe immer weniger Auszubildende (24 Prozent Rückgang seit 2008). Einzig im Bereich des dualen Studiums an Hochschulen ist seit 2014 ein leichter Zuwachs zu verzeichnen.

Am 10. November 2017 stellten Muriel Pénicaud, der Bildungsminister Jean-Michel Blanquer sowie die Ministerin für Hochschulwesen, Forschung und Innovation Frédérique Vidal nun vier Arbeitsgruppen vor, die bis Anfang 2018 konkrete Empfehlungen für eine Reform vorlegen sollen. Der Prozess steht unter der Leitung der Expertin für Personalwesen Sylvie Brunet vom Rat für Wirtschaft, Soziales und Umwelt Cese (Conseil économique social et environnemental). Die Arbeitsgruppen werden sich mit der Rolle der Schule, dem Auszubildenden im Unternehmen, Steuerung und Finanzierung sowie Ausbildungsangeboten beschäftigen. Vertreter der Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände, Regionalräte und der Handelskammern sind daran beteiligt. Hierbei besteht Einigkeit, dass vor allem Schülerinnen und Schüler besser über die Möglichkeiten einer beruflichen, dualen Ausbildung informiert werden müssen. Eine Streitfrage hingegen betrifft die Steuerung der Ausbildungsinhalte. Der Arbeitgeberverband Medef plädiert für eine deutlich stärkere Einbindung der Branchenvertreter, während die Regionen ihre bisherige Steuerungsposition behalten wollen und vor der „Kurzsichtigkeit“ der Unternehmen bezüglich des Auszubildendenbedarfs warnen. Zudem wird berufliche Ausbildung auf Sekundarniveau in Frankreich sowohl von Berufsschulen (Centres de formation d’apprentis, CFA), die den Handelskammern oder den entsprechenden Branchen unterstehen, als auch von berufsbildenden Gymnasien (Lycées professionnelles), die dem Bildungsministerium unterstehen, angeboten. Die daraus resultierende Konkurrenzsituation ist ein weiteres Thema der Gespräche. 

Anders als seine Vorgänger will Staatspräsident Emmanuel Macron keine Zielgröße formulieren, wie viele Auszubildende in seiner Amtszeit erreicht werden sollen.

Die Reform steht in engem Zusammenhang mit der Reform der Weiterbildung und der Arbeitslosenversicherung. Alle drei Themen sollen in einem gemeinsamen Gesetzentwurf im Frühjahr 2018 der Nationalversammlung vorgestellt werden.

Zum Nachlesen (Französisch):

Quelle: Les Echos Redaktion: von Kathleen Schlütter, Deutsch-Französische Hochschule Länder / Organisationen: Frankreich Themen: Berufs- und Weiterbildung Fachkräfte Strategie und Rahmenbedingungen

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