Indikatoren für Bildung

Indikator

Ägypten

Deutschland

Stand

Anteil internationaler abschlussorientierter Studierender aus dem Land [Prozent]*

1,2

4,0

2017

Anzahl Studierender im Tertiärbereich insgesamt [Mio.]

2,914

3,092

2017

Anteil internationaler abschlussorientierter Studierender im Land [Prozent]**

1,8

8,4

2016/17

Anzahl Promovierender insgesamt

45.032

198.300

2017

Anteil tertiär Graduierter (ISCED 5 oder höher) an der über 25-jährigen Bevölkerung [Prozent]

6,2

25,7

2017/18

Anteil an neuen Studienabschlüssen in Mathematik, Statistik und Naturwissenschaften (Ingenieurwissenschaften) [Prozent]

3,6 (6,2)

9,2 (21,6)

2016/17

Tabelle 3: Bildungsindikatoren

Quelle: UNESCO Institute of Statistics, Stand September 2019

* UNESCO registriert nur diejenigen internationalen Studierenden, bei denen aufgrund der Aufenthaltsdauer davon auszugehen ist, dass sie einen Abschluss im Ausland anstreben.

** UNESCO registriert nur diejenigen internationalen Studierenden, bei denen aufgrund der Aufenthaltsdauer davon auszugehen ist, dass sie einen Abschluss in dem jeweiligen Land anstreben.

     

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Weitere Informationen
Links/Institutionen

Schulen und Hochschulen

Die folgenden Informationen zum Bildungssystem wurden größtenteils aus dem Profil des World Education Service (WES) (Ramage Y. Mohamed und Stefan Trines (2019): Education in Egypt) entnommen, eine weitere Quelle ist ein Bericht der Europäischen Kommission zu den ägyptischen Hochschulen (Europ. Kommission: Hochschulbericht - Ägypten 2017).

Vorschulen / Kindergarten (Hadana) existieren in Ägypten, diese sind aber nicht Teil des staatlichen Bildungssystems. Das ägyptische Bildungssystem ist in zwei Stufen aufgebaut: Grundschule (Ibtida'i) und Sekundarstufe (‘adadi). Neben den staatlichen Schulen bieten die Al-Azhar Schulen einen alternativen Schulzweig, der alle Stufen umfasst.  Die Unterrichtssprache an den staatlichen Schulen ist Arabisch. Die Schulpflicht beginnt mit 6 Jahren und umschließt nur die neunjährige Grundausbildung, die wiederum in zwei Stufen gegliedert ist: die Eingangsstufe (Klasse 1 bis 6) und die Vorbereitungsstufe (Klasse 7 bis 9). In der Sekundarstufe (Klasse 10 bis 12) besuchen etwa 55 Prozent eine berufsbildende Technische Sekundarschule (siehe nächster Abschnitt), die restlichen 45 Prozent der Jugendlichen streben einen allgemeinbildenden Sekundarabschluss an. Insgesamt geht man von über 20 Millionen Schülerinnen und Schülern in Ägypten aus, davon 12,2 Millionen in der Grundstufe sowie 8,9 Millionen in der Sekundarstufe.

Die Qualität der Schulbildung wird als gering eingestuft: In internationalen Vergleichsstudien gehört Ägypten zu den Schlusslichtern (TIMMS 2015 Rang 41/48 für Wissenschaft und Rang 38/48 in Mathematik).

Den allgemeinbildenden Sekundarabschluss erlangen diejenigen, welche die Abschlussprüfung nach der 12. Klasse erfolgreich absolvieren (General Secondary Certificate Examination, GSCE, arabisch: Thanaweyya al-Amma). Wer die als schwierig geltende Prüfung meistert, erlangt die Hochschulzugangsberechtigung zu den staatlichen Universitäten. Um eine optimale Vorbereitung zu gewährleisten, finanzieren viele ägyptische Familien für ihren Nachwuchs den Besuch von privaten Nachhilfeschulen, welche jedoch hohe Gebühren verlangen.

Das Hochschulsystem ist grundsätzlich in drei Abschnitte und Abschlüsse unterteilt:

  • Bachelor (Bakâlôriyûs) nach 4 bis 6 Jahren, je nach Fachrichtung;
  • Master (Mâjistêr) nach 2 bis 3 Jahren;
  • Promotion (Dukturâh) nach 2 bis 5 Jahren;

Am EU Bologna Prozess nimmt Ägypten nicht teil. Bis heute unterscheiden sich deshalb sowohl die Struktur als auch das Bewertungssystem deutlich von der dreistufigen Bologna-Struktur und dem European Credit Transfer and Accumulation System (ECTS).

Die Studiengebühren sind in den grundständigen Studiengängen an den staatlichen Universitäten sehr gering. Höhere Gebühren können allerdings seit einigen Jahren für spezielle neu eingerichtete Studienprogramme erhoben werden. Auch für Postgraduiertenstudiengänge fallen höhere Gebühren an.

Die große Mehrheit der Studierenden in Ägypten besucht die 19 staatlichen Universitäten. Da deren Anzahl mit den wachsenden Studierendenzahlen bisher nicht Schritt gehalten hat, ist der Lehrbetrieb dementsprechend überlastet: An der University of Alexandria sind über 180.000 Studierende eingeschrieben. Eine besondere staatliche Universität ist die religiös ausgerichtete Al-Azhar University, die ursprünglich in privater Trägerschaft stand. Mit einer durchgehenden Tätigkeit seit dem Jahr 988 ist sie vermutlich die älteste Universität der Welt und bildet heute über 300.000 Studierende aus.

Neben den staatlichen Universitäten gibt es auch mehr als 50 staatliche nicht-universitäre Bildungseinrichtungen. Die zweijährige Ausbildung an den mehr als 40 Technical Institutes, die mit einem „Technical Diploma“ (ISCED Level 4) abgeschlossen wird, fällt im engeren Sinne unter die Berufsbildung (siehe nächster Abschnitt). Durch ein vier bis fünfjähriges Studium an den sogenannten Higher Institutes kann ein Bachelor-Abschluss erreicht werden. 

Die bereits 1919 gegründete American University of Cairo (AUC) blieb lange Zeit die einzige private Universität in Ägypten. Erst durch den starken Anstieg der Studierendenzahlen sah sich die ägyptische Regierung veranlasst, ab 1992 private Universitäten zuzulassen. Diese können den Zugang selbst regulieren, auch wenn die Regierung Mindeststandards vorschreibt. Die Studiengebühren sind meist deutlich höher als an staatlichen Universitäten, das Studienangebot ist häufig nur auf wenige Fächer begrenzt. An den 26 privaten Universitäten und weiteren nicht-universitären privaten Hochschuleinrichtungen sind heute etwa 20 Prozent der ägyptischen Studierenden eingeschrieben. Geographisch konzentrieren sich diese auf den Großraum Kairo/Neu-Kairo; sie sind meist profitorientiert und damit primär für zahlungskräftige Studierende aus wohlhabenden Familien interessant.  Inzwischen gibt es jedoch auch private gemeinnützige Universitäten (Nile University, Zewail University of Science and Technology).

Alle Einrichtungen der höheren Bildung unterstehen der Aufsicht durch die Hohen Räte (Supreme Council of Universities, SCU; Supreme Council of Private Universities, SCPU; Supreme Council of Higher Institutes, Supreme Council of Al-Azhar). Der SCU wurde bereits 1950 etabliert und setzt sich aus den Präsidenten der staatlichen Universitäten sowie nationalen Bildungsexperten zusammen. Der Minister bzw. die Ministerin für Höhere Bildung ist in Personalunion auch Vorsitzende(r) des SCU. Die Räte koordinieren und beaufsichtigen die Entwicklung von Studiengängen, Lehrinhalten, Prüfungen, die Anerkennung von ausländischen Abschlüssen sowie die strategische Planung und Qualitätsstandards.

Ägypten bemüht sich außerdem, seit einigen Jahren ein Qualitätssicherungssystem für die Hochschulen einzurichten. Die 2007 gegründete National Authority for Quality Assurance and Accreditation in Education (NAQAAE) untersteht dem ägyptischen Premierminister. Theoretisch sollten inzwischen alle Universitäten in Ägypten akkreditiert sein, praktisch gibt es jedoch nur langsame Fortschritte in dem Prozess: Um die Akkreditierung einer Universität abzuschließen, müssen 60 Prozent ihrer Fakultäten akkreditiert sein. Von der Gesamtanzahl der ägyptischen Fakultäten hatten jedoch 2018 erst 20 Prozent eine Akkreditierung erlangt.

Die ägyptische Regierung plant mit Hilfe der Weltbank einen starken Ausbau des Hochschulsektors. Der Anteil der Alterskohorten, die sich an Universitäten einschreibt, soll ausgebaut und die Anzahl der Universitäten gesteigert werden (siehe unter Bildungspolitische Ziele und Programme). Angestrebt wird, dass ausländische Universitäten bei dem Ausbau des Hochschulsektors einen bedeutenden Beitrag leisten (siehe unter Internationale Kooperation – Programmatik).

In den letzten Jahren ist auch die mangelnde Verwertbarkeit von staatlichen Hochschulabschlüssen auf dem Arbeitsmarkt in den Blickpunkt der Debatte gerückt. Die Graduierten leiden unter hoher Arbeitslosigkeit und benötigen oft viele Jahre, um eine Anstellung zu finden. Häufig kommt nur eine Beschäftigung im informellen Sektor in Frage. Ein Grund für die mangelnde Verwertbarkeit ist auch, dass der Anteil der neuen Abschlüsse in den MINT-Fächern (Mathematik, Natur- und Ingenieurwissenschaften) in Ägypten unter 10 Prozent liegt, während der Anteil in Deutschland über 30 Prozent beträgt (siehe Bildungsindikatoren). 

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Berufliche Bildung

Die folgenden Informationen wurden der iMOVE-Marktstudie Ägypten (2017) entnommen, die das ägyptische Berufsbildungssystem ausführlich darstellt (weitere Informationen auf der Webseite imove-Marktinformationen Ägypten).

Berufliche Ausbildung im schulischen Bereich findet vor allem an den knapp 2000 technischen Sekundarschulen (TSS) statt, die dem Ministerium für Bildung und Berufsbildung (Ministry of Education and Technical Education, MoE) unterstehen. Die Ausbildung, die kostenlos angeboten wird, ist in die drei Bereiche Industrie, Handel und Landwirtschaft untergliedert. Die Schülerinnen und Schüler erhalten je nachdem, ob sie das dreijährige (Klasse 9-12) oder fünfjährige Programm (Klasse 9-12 plus 2) wählen, am Ende entweder das „Secondary School Technical Diploma" oder das „Diploma of Advanced Technical Studies". Während ersteres die Ausbildung von angelernten (middle-level) Hilfsfachkräften anstrebt, sieht letzteres eine Ausbildung zu qualifizierten Facharbeitern bzw. -arbeiterinnen vor. Als post-sekundäre nicht tertiäre Ausbildung gilt der Besuch eines Technical Institutes, der nach zwei Jahren mit einem „Technical Diploma“ (ISCED Level 4) abgeschlossen wird.

Zusätzlich zu den Sekundarschulen bieten staatliche und private Berufsbildungszentren Ausbildungsplätze. Die meisten dieser Zentren (ca. 1.200) werden vom Ministerium für Handel und Industrie (Ministry of Trade and Industry, MTI) betrieben. Weitere Ausbildungsmöglichkeiten finden sich in der Industrie,  bei privaten Bildungsanbietern oder im informellen Sektor, der vielen Jugendlichen über das Prinzip „Learning by Doing“ einen Einstieg in das Berufsleben ermöglicht.

Die Aussichten mit einem berufsbildenden Abschluss in Ägypten einen Arbeitsplatz zu erlangen, sind in den meisten Fällen relativ begrenzt. Dies liegt an der schlechten finanziellen Ausstattung der berufsbildenden Zentren und Schulen. Bei den staatlichen Institutionen kommt dazu, dass die Ausbildung nicht auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes abgestimmt ist.

Ägypten strebt seit langem eine Reform seines Aus- und Weiterbildungssystems an. Internationale Organisationen wie die Weltbank und zahlreiche Staaten, darunter auch Deutschland leisten dabei Unterstützung. Zu den Schwierigkeiten bei der Umsetzung einer Reform trägt die Vielzahl der Ministerien und sonstigen Akteure bei, die in Ägypten für die Berufsbildung verantwortlich zeichnen. Es gibt Ansätze, Elemente einer dualen Ausbildung zu verankern, diese haben jedoch bisher noch nicht in die Breite gewirkt (siehe unter Überblick zur Kooperation mit Deutschland). Der Anteil der Auszubildenden, die eine betriebliche oder handwerkliche  Ausbildung („vocational training“)  durchlaufen, wurde 2015 mit 4 Prozent angegeben. Die ägyptische Regierung strebt an, den Anteil bis 2030 deutlich zu steigern (siehe unter Bildungspolitische Ziele und Programme).

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