StartseiteLänderAmerikaBrasilienZusammenfassungÜberblick zur internationalen Kooperation

Überblick zur internationalen Kooperation: Brasilien

Für die internationale Zusammenarbeit in Bildung und Forschung ist federführend das brasilianische Außenministerium (MRE, Itamaraty) u.a. mit einer Abteilung für Wissenschaftskooperation (DCT) und einem Referat für die Bildungskooperation (DCE) verantwortlich.

Die Zahlen von UNESCO und OECD erfassen die Studierenden, inklusive der Promovierenden, die einen Abschluss im Ausland anstreben. Diese Gruppe ist wie in vielen anderen lateinamerikanischen Ländern verhältnismäßig klein. Insgesamt weist Brasilien 2016 mit etwa 20.000 ausländischen Studierenden im Land einen Anteil von 0,4 Prozent auf, darunter 2 Prozent der Promovierenden. Die aus Brasilien stammenden 52.000 Studierenden, die im Ausland einen Abschluss anstreben, entsprechen einem Anteil von 0,6 Prozent aller Studierenden in Brasilien. Mit diesen Zahlen liegt Brasilien unter dem OECD-Durchschnitt von 6 (26) bzw. 2 Prozent (siehe Bildungsindikatoren, Klick auf Grafik oben).

Die wichtigsten Herkunftsländer der ausländischen Studierenden sind Angola und die südamerikanischen Nachbarländer Brasiliens. Brasilianische Studierende bevorzugen für ein Studium im Ausland als Zielländer die USA, Argentinien, Portugal, Frankreich und Großbritannien (Quelle: UNESCO Institute of Statistics Global Flow of Tertiary-Level Students, erfasst werden nur diejenigen Studierenden, die einen Abschluss im Ausland anstreben. Zu China als Zielland fehlen Daten). Zu Deutschland als Zielland fehlen aktuelle Daten, nach den UNESCO-Daten von 2015 läge Deutschland als Zielland für 3.790 brasilianische Studierende auf Rang 5.

In der internationalen Bildungs- und Forschungszusammenarbeit ist neben der Förderagentur für Hochschulbildung (Coordenação de Aperfeiçoamento de Pessoal de Nível Superior, CAPES) und dem Nationalen Forschungs- und Technologierat (Conselho Nacional de Desenvolvimento Científico e Tecnológico, CNPq) auch die Förderagentur des Bundesstaates São Paulo (FAPESP) ein zunehmend wichtiger Akteur. Im Zeitraum von 2011-16 führte die brasilianische Regierung eine große Internationalisierungsinitiative mit Hilfe des Stipendienprogramms „Wissenschaft ohne Grenzen - Science without borders“ (Webseite) durch. Der Schwerpunkt lag auf der Finanzierung von Auslandsaufenthalten von über 90.000 brasilianischen Studierenden; Promovierende und Post-Docs waren dabei in der Minderzahl. Ende 2017 stellte die nationale Förderagentur für Hochschulbildung CAPES einen neuen Ansatz vor: Unter dem Strukturprogramm CAPES/PRINT wird die institutionelle Internationalisierung von ausgewählten brasilianischen Hochschulen gefördert (Pressemitteilung). Der Schwerpunkt von CAPES/PRINT liegt auf Postgraduiertenstudiengängen und Forschungsaufenthalten von wissenschaftlichem Nachwuchs aus dem Ausland in Brasilien.

Der Anteil der internationalen Ko-Publikationen an allen wissenschaftlichen Publikationen hat sich in Brasilien uneinheitlich entwickelt. Zwischen 1996 und 2010 ging der Anteil stetig von 37 auf 24 Prozent zurück. Nachdem der Anteil seit 2011 wieder steigt, wurde 2017 die Marke von 32 Prozent überschritten. Zum Vergleich: In Deutschland ist – ähnlich wie in vielen anderen westlichen Industrieländern – die internationale Ko-Publikationsrate im selben Zeitraum von 32,3 Prozent auf 49,7 Prozent gewachsen (Quelle: SCImago. (2007). SJR — SCImago Journal & Country Rank. Retrieved September 9, 2018, from www.scimagojr.com). Die fünf wichtigsten Ko-Publikationsländer der letzten drei Jahre entsprechen teilweise den beliebtesten Zielländern für Studierende aus Brasilien: an erster Stelle liegen die USA, gefolgt mit weitem Abstand von Großbritannien, während Spanien, Frankreich und Deutschland etwa gleichauf auf Rang 3-5 liegen. China liegt auf Rang 11, andere lateinamerikanische Länder folgen erst ab dem Rang 13 (Quelle: Scopus-Datenbank, Elsevier, Zeitraum 2016-18).

2005 wurde ein Abkommen zur wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit zwischen Brasilien und der Europäischen Union unterzeichnet. Aktuelle Informationen können auf der Webseite der EU zur Kooperation mit Brasilien im Bereich Forschung und Innovation abgerufen werden. Die europäisch-brasilianische Kooperation hat dabei mehrere Facetten. Eine Spielart setzt auf die Beteiligung Brasiliens an dem EU-Rahmenprogrammen für Forschung und Innovation Horizont 2020 (2014-20), eine jährlich erneuerte „Roadmap for EU-Brazil Science and Technology Cooperation" legt thematische Prioritäten fest. Bis September 2018 warb Brasilien 9,2 Millionen Euro an europäischen Fördergeldern unter Horizont 2020 ein. Unter den insgesamt 87 Projekten, an denen sich das Land bisher beteiligte, wies mit 54 Projekten über die Hälfte auch eine deutsche Teilnahme auf (Quelle: H2020-ECORDA-Datenbank). Da europäische Fördergelder nur in ausgesuchten Fällen nach Brasilien vergeben werden, hat die Europäische Kommission im Mai 2018 mit verschiedenen brasilianischen Einrichtungen ein Abkommen zur Ko-Finanzierung geschlossen.

Eine weitere Variante europäisch-brasilianischer Kooperation betrifft die Verbindung verschiedener Fördertöpfe im Rahmen von themenbezogenen Public-Public Partnerships (P2Ps) (Übersicht ERA-LEARN Plattform) und dem bi-regionalen Netzwerk EU CELAC Interest Group (Vorgänger ERA-Net LAC). Die letzte Förderbekanntmachung wurde 2017 veröffentlicht.

Ein neuer Ansatz ist, durch eine Präsenz vor Ort Forschungseinrichtungen und Unternehmen den Zugang zu Brasilien bzw. zu der EU zu erleichtern. 2017 wurde zu diesem Zweck das  European Network of Research and Innovation Centres and Hubs in Brasilien (ENRICH in Brazil, zuvor „CEBRABIC – Centre for Europe-Brazil Business & Innovation Cooperation) gegründet.

Brasilien beteiligt sich an diversen internationalen Organisationen, die zur Bildung-, Forschungs- und Innovationspolitik in Lateinamerika kooperieren. Dazu zählen die UN - Economic Commission for Latin America and the Caribbean (ECLAC/ CEPAL), die Vereinigung Südamerikanischer Länder (UNASUR), der MERCOSUR (Gemeinsamer Markt Südamerikas) sowie die Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) und die Iberoamerikanische Staatenorganisation (OEI) , die teilweise eigene Programme im Bereich Forschung und Technologie und zur Ausbildung hoch qualifizierter Fachkräfte haben.

Neue Horizonte schafft die Zusammenarbeit mit den anderen BRICS-Ländern Russland, Indien, China und Südafrika. Seit 2016 haben die BRICS-Länder drei Förderbekanntmachungen für prioritäre Themen unter einem gemeinsamen Rahmenprogramm für Wissenschaft, Technologie und Innovation veröffentlicht („BRICS STI FP“, Stand März 2019).

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