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Überblick zur internationalen Kooperation: Brasilien

Für die internationale Zusammenarbeit in Bildung und Forschung ist federführend das brasilianische Außenministerium (MRE, Itamaraty) u.a. mit einer Abteilung für Wissenschaftskooperation (DCT) und einem Referat für die Bildungskooperation (DCE) verantwortlich.

Die Zahlen von UNESCO und OECD erfassen die Studierenden, inklusive der Promovierenden, die einen Abschluss im Ausland anstreben. Diese Gruppe ist wie in vielen anderen lateinamerikanischen Ländern verhältnismäßig klein. Insgesamt weist Brasilien 2017 mit etwa 20.000 ausländischen Studierenden im Land einen Anteil von 0,2 Prozent auf, darunter 2 Prozent der Promovierenden. Die aus Brasilien stammenden 59.000 Studierenden, die im Ausland einen Abschluss anstreben, entsprechen einem Anteil von 0,7 Prozent (gerundet 1 Prozent) aller Studierenden in Brasilien. Mit diesen Zahlen liegt Brasilien unter dem OECD-Durchschnitt (siehe Bildungsindikatoren, Klick auf Grafik oben für Entwicklung seit 2010).

Die wichtigsten Herkunftsländer der ausländischen Studierenden sind Angola, die südamerikanischen Nachbarländer Kolumbien, Peru und Paraguay sowie Japan. Brasilianische Studierende bevorzugen für ein Studium im Ausland als Zielländer Argentinien, die USA, Portugal, Australien und Frankreich. Deutschland folgt nach Kanada auf Rang 7 (Quelle: UNESCO Institute of Statistics Global Flow of Tertiary-Level Students, erfasst werden nur diejenigen Studierenden, die einen Abschluss im Ausland anstreben. Zu China als Zielland fehlen Daten).

In der internationalen Bildungs- und Forschungszusammenarbeit ist neben der Förderagentur für Hochschulbildung (CAPES) und dem Nationalen Forschungs- und Technologierat (CNPq) auch die Förderagentur des Bundesstaates São Paulo (FAPESP) ein zunehmend wichtiger Akteur. Im Zeitraum von 2011-16 finanzierte die brasilianische Regierung Auslandsaufenthalte von über 90.000 brasilianischen Studierenden im Rahmen des Stipendienprogramms „Wissenschaft ohne Grenzen - Science without borders“ (Webseite). Ende 2017 stellte die nationale Förderagentur für Hochschulbildung CAPES einen neuen Ansatz vor: Unter dem Strukturprogramm CAPES/PRINT wird die institutionelle Internationalisierung von ausgewählten brasilianischen Hochschulen gefördert (Pressemitteilung). Der Schwerpunkt von CAPES/PRINT liegt auf Postgraduiertenstudiengängen: Vor allem der wissenschaftliche Nachwuchs aus dem Ausland soll für Forschungsaufenthalte in Brasilien gewonnen werden.

Der Anteil der internationalen Ko-Publikationen an allen wissenschaftlichen Publikationen hat sich in Brasilien uneinheitlich entwickelt. Zwischen 1996 und 2010 ging der Anteil stetig von 36,9 auf 24 Prozent zurück. Nachdem der Anteil seit 2011 wieder steigt, wurden 2018 34 Prozent erreicht. Zum Vergleich: In Deutschland ist – ähnlich wie in vielen anderen westlichen Industrieländern – die internationale Ko-Publikationsrate im selben Zeitraum von 30,9 Prozent auf 51,3 Prozent gewachsen (Quelle: SCImago. SJR — SCImago Journal & Country Rank. Retrieved June 4, 2019, from www.scimagojr.com). Unter den fünf wichtigsten Ko-Publikationsländern liegen an erster Stelle die USA, gefolgt mit weitem Abstand von Großbritannien, während Spanien, Frankreich und Deutschland etwa gleichauf auf Rang 3-5 liegen. China belegt Rang 11, andere lateinamerikanische Länder folgen erst ab dem Rang 13 (Quelle: Scopus-Datenbank, Elsevier, Zeitraum 2016-18).

2005 wurde ein Abkommen zur wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit zwischen Brasilien und der Europäischen Union unterzeichnet. Aktuelle Informationen können auf der Webseite der EU zur Kooperation mit Brasilien im Bereich Forschung und Innovation abgerufen werden. Die europäisch-brasilianische Kooperation hat dabei mehrere Facetten. Eine Spielart setzt auf die Beteiligung Brasiliens an dem EU-Rahmenprogrammen für Forschung und Innovation Horizont 2020 (2014-20), eine jährlich erneuerte „Roadmap for EU-Brazil Science and Technology Cooperation" legt thematische Prioritäten fest. Bis März 2019 warb Brasilien 9,9 Millionen Euro an europäischen Fördergeldern unter Horizont 2020 ein. Unter den insgesamt 104 Projekten, an denen sich das Land bisher beteiligte, wiesen mit 67 Projekten zwei Drittel auch eine deutsche Teilnahme auf (Quelle: H2020-ECORDA-Datenbank). Da europäische Fördergelder nur in ausgesuchten Fällen nach Brasilien vergeben werden, hat die Europäische Kommission im Mai 2018 mit verschiedenen brasilianischen Einrichtungen ein Abkommen zur Ko-Finanzierung geschlossen.

Eine weitere Variante europäisch-brasilianischer Kooperation betrifft die Verbindung verschiedener Fördertöpfe im Rahmen von themenbezogenen Public-Public Partnerships (P2Ps) (Übersicht ERA-LEARN Plattform) und dem bi-regionalen Netzwerk EU CELAC Interest Group (Vorgänger ERA-Net LAC). Die letzte Förderbekanntmachung wurde 2017 veröffentlicht.

Ein neuer Ansatz ist, durch eine Präsenz vor Ort Forschungseinrichtungen und Unternehmen den Zugang zu Brasilien bzw. zu der EU zu erleichtern. 2017 wurde zu diesem Zweck das  European Network of Research and Innovation Centres and Hubs in Brasilien (ENRICH in Brazil) gegründet.

Brasilien beteiligt sich an diversen internationalen Organisationen, die zur Bildung-, Forschungs- und Innovationspolitik in Lateinamerika kooperieren. Dazu zählen die UN - Economic Commission for Latin America and the Caribbean (ECLAC/ CEPAL), die Vereinigung Südamerikanischer Länder (UNASUR), der MERCOSUR (Gemeinsamer Markt Südamerikas) sowie die Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) und die Iberoamerikanische Staatenorganisation (OEI) , die teilweise eigene Programme im Bereich Forschung und Technologie und zur Ausbildung hoch qualifizierter Fachkräfte haben.

Neue Horizonte schafft die Zusammenarbeit mit den anderen BRICS-Ländern Russland, Indien, China und Südafrika. Seit 2016 haben die BRICS-Länder drei Förderbekanntmachungen für prioritäre Themen unter einem gemeinsamen Rahmenprogramm für Wissenschaft, Technologie und Innovation veröffentlicht („BRICS STI FP“, Stand März 2019).

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