StartseiteLänderAmerikaKanadaZusammenfassungÜberblick zur Kooperation mit Deutschland

Überblick zur Kooperation mit Deutschland: Kanada

Seit der Unterzeichnung des Regierungsabkommens zur wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit im Jahr 1971 haben sich zahlreiche und weitgefächerte Kooperationen entwickelt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert Kooperationsprojekte mit verschiedenen fachlichen Schwerpunkten. Dazu gehören Verbundprojekte zu neurodegenerativen Krankheiten („Centers of Excellence in Neurodegeneration" (COEN) sowie Verbundprojekte zur grünen Biotechnologie („Bioökonomie International“). Außerdem fördert das BMBF das deutsch-kanadische Verbundvorhaben TransTech (2016-19) im Bereich der Ressourceneffizienz. Deutsche Partner sind u.a. RWTH Aachen, kanadische Partner u.a. die University of Toronto. Ein langjähriger Schwerpunkt ist die Brennstoffzellenforschung. Das BMBF fördert derzeit das dritte Verbundprojekt „Diagnose und Entwicklung von Komponenten für automobile Brennstoffzellen“ DEKADE. Ziel ist es, den Brennstoffzellenantrieb wettbewerbsfähig zu machen. Unter Koordination des Fraunhofer ISE entwickeln Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seit Anfang 2017 neuartige Katalysatorsysteme, Elektroden und Membranelektrodeneinheiten, die mit nur wenig Platin auskommen.

2018 hat das BMBF erstmals in der fast 50-jährigen Geschichte der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit mit Kanada eine gemeinsame Förderbekanntmachung mit den kanadischen Förderorganisationen, dem National Research Council (NRC) und dem Natural Sciences and Engineering Research Council (NSECR), zu 2+2-Projekten im Bereich „Advanced Manufacturing – Industrie 4.0“ veröffentlicht. Insgesamt nehmen BMBF und die kanadischen Förderorganisationen fast 10 Millionen Euro für die Initiative in die Hand. Dabei werden Fragen zur Digitalisierung, zum Technologietransfers und zur Zukunft der Arbeit angegangen.

Das BMBF fördert außerdem die deutschen Projektpartner in Konsortien, die unter den multinationalen Public-Public Partnerships (P2Ps) gebildet werden. Ziel der P2Ps in Form von gemeinsamen Programminitiativen und ERA-Netzen ist, wie im letzten Abschnitt ausgeführt, die Intensivierung der Zusammenarbeit im europäischen Forschungsraum sowie die verbesserte Bewältigung von globalen Herausforderungen. Derzeit beteiligt sich Kanada an 23 aktiven P2Ps (Übersicht ERA-LEARN Plattform, Stand Februar 2019). Bisher erhielten unter den P2Ps bereits 90 Projektkonsortien mit deutscher und kanadischer Beteiligung Förderungen.

Laut Hochschulkompass existieren 636 deutsch-kanadische Hochschulkooperationen (Stand 08/2018). Aus kanadischer Perspektive ist Deutschland ein relativ wichtiges Zielland für international mobile Studierende. Mit 789 kanadischen Studierenden (ältere Daten von 2015) stünde es an achter Stelle. Aus deutscher Perspektive nimmt Kanada mit 1.188 Studierenden als Zielland Rang 13 ein (Quelle: UNESCO Institute of Statistics Global Flow of Tertiary-Level Students, erfasst werden nur diejenigen Studierenden, die einen Abschluss im Ausland anstreben. Zu China als Zielland fehlen Daten).

Internationale Mobilität von und nach Kanada wird durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) gefördert. In der gemeinsamen Verantwortung von DAAD, DFG und AvH wird das German Academic International Network (GAIN) gepflegt, ein Netzwerk deutscher Studierender und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Nordamerika. Die Zahl der vom DAAD geförderten Deutschen, die mit einem Stipendium nach Kanada gingen, stieg von 2009 auf 2017 von 595 auf 951 Stipendiaten - maßgeblich durch die hohen Förderzahlen in den neuen Programmen und Vortrags- und Kongressreisen. Bei der DFG genießt die Kooperation mit Kanada einen hohen Stellenwert. Bei den internationalen Graduiertenkollegs ist Kanada noch vor den USA das bedeutendste Partnerland, bei den DFG-Forschungsstipendien (für deutsche Wissenschaftler für einen Post-Doc-Aufenthalt im Ausland) liegt Kanada mit 52 Stipendien auf Platz 3 hinter den USA und Großbritannien.

Die vier großen außeruniversitären Forschungsorganisationen pflegen die Zusammenarbeit mit Kanada seit Langem intensiv. Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) meldet für 2017/18 110 Kooperationsprojekte mit kanadischen Partnern. Die Einrichtung von zwei internationalen Max Planck Centern stellt die Kooperation auf eine neue Ebene (siehe Übersicht unten). Die Fraunhofer-Gesellschaft (FhG) versucht ebenfalls die Zusammenarbeit auf Projektebene stärker zu institutionalisieren. Seit 2011 bzw. 2015 werden zwei „Fraunhofer Project Centres" an kanadischen Hochschulen aufgebaut (siehe Übersicht unten).

Aus der großen Vielzahl von Kooperationen der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF) ragen vor allem die Helmholtz-Alberta Initiative sowie die Zusammenarbeit in der Ozean- und Arktisforschung heraus. Im Rahmen der Helmholtz-Alberta Initiative (HAI) kooperieren seit 2011 ca. 150 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der University of Alberta und vier Helmholtz-Zentren im Bereich der Umwelt- und Energieforschung. Die bis zum Jahr 2019 verlängerte Zusammenarbeit wurde zwischenzeitlich auf Erdbeobachtung und Gesundheitsthemen ausgeweitet. Das Alfred-Wegener-Institut (Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung - AWI) ist für Kanada nicht nur in der Arktisforschung sondern auch in der Meeresforschung ein Schlüsselpartner.

Andere Ressorts und Bundesländer sind ebenfalls aktiv. So kooperieren mehrere Forschungseinrichtungen, die dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) zugeordnet sind, mit Kanada. Hier ist vor allem die langjährige intensive Zusammenarbeit der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) mit kanadischen Partnern in der Arktisforschung zu nennen. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt hat im Januar 2018 ein Rahmenabkommen mit dem National Research Council (NRC) zur Intensivierung der Zusammenarbeit abgeschlossen. Das BMWi selbst fördert seit September 2016 zusammen mit dem National Research Council (NRC) gemeinsame Ausschreibungen für die deutsch-kanadische Kooperation zur Innovation in kleinen und mittleren Unternehmen.

Bereits seit 1990 fördert das Bundesland Baden Württemberg Studierendenaustausch mit der Provinz Ontario, 2010 wurde das Programm auf Wissenschaftler ausgedehnt. Bayern und Sachsen pflegen die Zusammenarbeit im Rahmen von Kooperationsprogrammen mit Québec bzw. mit Alberta.

Deutsche Ministerien und deutsche Forschungs-, Förder- und Mittlerorganisationen haben folgende Einrichtungen in Kanada:

  • German-Canadian Centre of Innovation and Research (GCCIR) an der University of Alberta, gefördert durch das Auswärtige Amt. Für die Durchführung innovativer Projekte in Kooperation mit Deutschland können kanadische Unternehmen Förderung erhalten, die Ko-Finanzierung wird durch Programme des BMWi geleistet;
  • DAAD Information Centre Toronto mit Sitz an der Munk School of Global Affairs an der University of Toronto;
  • Humboldt Foundation Liaison Office in Canada (HFLOC) an der University of Alberta;
  • Fraunhofer Project Centre for Composites Research an der University of Western Ontario; Fraunhofer Project Centre for Biomedical Engineering and Advanced Manufacturing (BEAM) an der McMaster University in Hamilton;
  • Max Planck - UBC - UTokyo Centre for Quantum Materials: Gegründet wurde das Center 2010 zwischen der MPG (MPI für Festkörperforschung) und der University of British Columbia, Vancouver. Die University of Tokyo trat im Februar 2017 als dritter Partner hinzu;
  • Max Planck-University of Ottawa Centre for Extreme and Quantum Photonics, eine Kooperation des Centre for Advanced Photonics der University of Ottawa und einer Abteilung am MPI für Physik des Lichts, Erlangen.

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