StartseiteLänderAmerikaKanadaZusammenfassungÜberblick zur Kooperation mit Deutschland

Überblick zur Kooperation mit Deutschland: Kanada

Für Kanada hat die Zusammenarbeit mit Deutschland in Bildung und Forschung einen hohen Stellenwert. Sowohl als Zielland für kanadische Studierende als auch als Ko-Publikationsland für wissenschaftliche Veröffentlichungen platziert sich Deutschland unter den Top 5 (siehe vorheriger Abschnitt).

Seit der Unterzeichnung des Regierungsabkommens zur wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit im Jahr 1971 haben sich zahlreiche und weitgefächerte Kooperationen entwickelt. Einen guten Einblick bietet die 16. Schwerpunktausgabe des ITB infoservice „Germany & Canada - Celebrating 50 Years of Scientific and Technological Cooperation", die am 30. Juni 2021 veröffentlicht wurde.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert Kooperationsprojekte mit verschiedenen fachlichen Schwerpunkten (Überblick zu bilateralen und multilateralen Projekten mit einer Förderung des BMBF). Ein Fokus liegt dabei auf der Förderung der deutschen Projektpartner in Konsortien, die unter den multinationalen Public-Public Partnerships (P2Ps, demnächst Umwandlung in Europäische Partnerschaften) mit Unterstützung der Europäischen Kommission gebildet werden. Derzeit beteiligt sich Kanada an 21 aktiven P2Ps, vor allem in der Gesundheitsforschung, darunter dem ERA-Net Cofund in Personalised Medicine (ERA PerMed) sowie dem NEURON Cofund2. Insgesamt erhielten unter allen P2Ps bisher 157 Projektkonsortien mit deutscher und kanadischer Beteiligung Fördermitel (Übersicht ERA-LEARN Plattform, Stand Juni 2021).

2018 hat das BMBF erstmals in der fast 50-jährigen Geschichte der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit mit Kanada eine gemeinsame Förderbekanntmachung mit den kanadischen Förderorganisationen, dem National Research Council (NRC) und dem Natural Sciences and Engineering Research Council (NSERC), zu 2+2-Projekten im Bereich „Advanced Manufacturing – Industrie 4.0“ veröffentlicht. Im September 2020 folgte eine Förderbekanntmachung zur Entwicklung und Umsetzung von innovativen Lösungen im Bereich Industrie 4.0 durch den Einsatz von Methoden der Künstlichen Intelligenz unter Beteiligung von Wissenschaft und Wirtschaft (2 + 3-Projekte). Im Juni 2021 haben das BMBF sowie der NSERC unter einem gemeinsamen Förderaufruf zehn Projekte ausgewählt, die die Verbindungen zwischen beiden Ländern in der Wasserstoffforschung stärken werden. Dabei kann auf die langjährige deutsch-kanadische Kooperation in der Brennstoffzellenforschung aufgebaut werden.

Der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) weist 659 offizielle Kooperationen zwischen Deutschland und Kanada aus. 171 deutsche Hochschulen kooperieren mit 95 kanadischen Hochschulen und 2 sonstigen Einrichtungen (Stand: 08/2020).

Internationale Mobilität von und nach Kanada wird durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) gefördert. In der gemeinsamen Verantwortung von DAAD, DFG und AvH wird das German Academic International Network (GAIN) gepflegt, ein Netzwerk deutscher Studierender und Forschender in Nordamerika.

2019 hat der DAAD unter eigenen Programmen Förderung für einen Aufenthalt in Kanada an 1047 Studierende und Graduierte (inkl. Promovierende, Statusgruppen I-III) und 112 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Hochschullehrkräfte (inkl. Post-Docs, Statusgruppe IV) aus Deutschland vergeben. In den gleichen Kategorien erhielten 307 und 63 Geförderte aus Kanada eine Unterstützung des DAAD, um eine Aktivität im eigenen Land oder einen Auslandsaufenthalt, darunter auch Deutschlandaufenthalte, zu finanzieren.

Die AvH fördert Spitzenwissenschaftlerinnen  und -wissenschaftler aller Fächer und Länder, die mit Hilfe von Forschungsstipendien und -preisen in Deutschland tätig werden. 2019 vergab die AvH 25 Forschungsstipendien und 6 Forschungspreise an Geförderte aus Kanada.

Bei der DFG genießt die Kooperation mit Kanada einen hohen Stellenwert. 2019 war Kanada mit 10 Internationalen Graduiertenkollegs (siehe Übersicht, Auswahl aktuell laufende IGKs) noch vor den USA das bedeutendste Partnerland, bei den DFG-Forschungsstipendien für Auslandsaufenthalte deutscher Post-Docs lag Kanada als Zielland mit 50 Stipendien auf Platz 3 hinter den USA und dem Vereinigten Königreich.

Die vier großen deutschen Forschungsorganisationen pflegen die Zusammenarbeit mit Kanada seit Langem intensiv. 2019 beherbergte die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) 164 kanadische Nachwuchs- und Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler und sie führte 123 Projekte mit Partnern in Kanada durch. Die Einrichtung von nunmehr drei internationalen Max Planck Centern stellt die Kooperation mit den Max-Planck-Instituten (MPIs) auf eine neue Ebene. Die Fraunhofer-Gesellschaft (FhG) unterhält ebenfalls ein Project Centre mit Kanada (siehe unten).

Aus der großen Vielzahl von Kooperationen der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF) ragt vor allem die Helmholtz-Alberta Initiative (HAI) hinaus. Im Rahmen der HAI kooperieren seit 2011 ca. 150 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von der University of Alberta und vier Helmholtz-Zentren in der Umwelt- und Energieforschung. Die Zusammenarbeit wurde zwischenzeitlich auf Erdbeobachtung und Gesundheitsthemen, darunter Infektionskrankheiten und neurodegenerative Krankheiten ausgeweitet. Zusätzlich wird seit 2018 die International Helmholtz Research School for Diabetes des Helmholtz Zentrums München mit dem Alberta Diabetes Institute, Kanada, und der TU München gefördert. Ein weiterer Schwerpunkt der Helmholtz-Kooperation mit Kanada ist die Ozean- und Arktisforschung, hier ist das Alfred-Wegener-Institut (Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, AWI) ein Schlüsselpartner. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat im Januar 2018 ein Rahmenabkommen mit dem National Research Council (NRC) zur Intensivierung der Zusammenarbeit abgeschlossen. Schwerpunkt sollen die Zukunftsthemen Raumfahrt, fortgeschrittene Fertigungstechnologien, digitale Technologien, Energie und Umwelt bilden.

Andere Ressorts und Bundesländer sind ebenfalls aktiv. So kooperieren mehrere Forschungseinrichtungen, die dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) zugeordnet sind, mit Kanada. Hier ist vor allem die langjährige intensive Zusammenarbeit der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) mit kanadischen Partnern in der Arktisforschung zu nennen. Das BMWi selbst fördert seit 2016 zusammen mit dem National Research Council (NRC) die deutsch-kanadische Kooperation von kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs), um neue Technologien und Verfahren zu entwickeln. Die deutsche Förderung erfolgt über das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM).

Bereits seit 1990 fördert das Bundesland Baden Württemberg Studierendenaustausch mit der Provinz Ontario, 2010 wurde das Programm auf Forschende ausgedehnt. Bayern und Sachsen pflegen die Zusammenarbeit im Rahmen von Kooperationsprogrammen mit Québec bzw. mit Alberta.

Es folgt eine Auswahl von Einrichtungen vor Ort, die die deutsch-kanadische Kooperation tragen und unterstützen:

  • German-Canadian Centre for Innovation and Research (GCCIR) an der University of Alberta, gefördert durch das Auswärtige Amt. Für die Durchführung innovativer Projekte in Kooperation mit Deutschland können kanadische Unternehmen Förderung erhalten, die Ko-Finanzierung wird durch Programme des BMWi geleistet;
  • DAAD Informationszentrum Toronto mit Sitz an der Munk School of Global Affairs an der University of Toronto;
  • Humboldt Foundation Liaison Office in Canada (HFLOC) an der University of Alberta;
  • Im Juni 2021 wurde das German-Canadian Materials Acceleration Centre (GC-MAC) gegründet. Beteiligt sind auf deutscher Seite das Forschungszentrum Jülich (FZJ) sowie das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und auf kanadischer Seite das Ministerium Natural Resources Canada (NRCan) und der National Research Council (NRC). Ziel des GC-MAC ist es, Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen einzusetzen, um beschleunigt Materialien für klimaneutrale Energietechnologien zu entwickeln. Dazu zählen die Energiespeicherung in Flüssigbatterien, wasserstoffbasierte Brennstoffzellen und Elektrolyseure sowie die Herstellung von synthetischen Brennstoffen aus erneuerbaren Energien und atmosphärischen Quellen wie CO2.
  • Das Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT hat in Kooperation mit der Western University im Juli 2011 das Fraunhofer Project Centre for Composites Research in London (Ontario) eingerichtet;
  • Das Max Planck-University of Toronto-Centre (MPUTC) for Neural Science and Technology wurde am 14. April 2021 in einer virtuellen Veranstaltung eröffnet. Seitens der MPG beteiligen sich an der Kooperation neben dem Max-Planck-Institut für Mikrostrukturphysik, dessen Direktorin Joyce Poon auch Ko-Direktorin des Centres ist, elf weitere, unter anderem in den Neurowissenschaften aktive Institute;
  • Max Planck - UBC - UTokyo Centre for Quantum Materials: Eingerichtet wurde das Forschungszentrum 2010 durch die University of British Columbia, Vancouver. sowie das MPI für Festkörperforschung. Die University of Tokyo trat im Februar 2017 als dritter Partner hinzu;
  • Max Planck - University of Ottawa Centre for Extreme and Quantum Photonics, eingerichtet durch die University of Ottawa und das MPI für Physik des Lichts.

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