Bildungspolitische Ziele und Programme

Die grundlegendsten bildungspolitischen Ziele sind in der „National Policy on Education (NPE)“ sowie im „Programme of Action 1992 (PoA)“ festgelegt. Die bildungspolitischen Ziele der NPE decken von der Elementarbildung über die Sekundarbildung bis zur Hochschulbildung, sowohl in ländlichen als auch in den städtischen Gegenden Indiens, alle Bereiche der Bildung ab. Sie unterstreicht folgende drei Schwerpunkte in Bezug auf die Elementarbildung: (1) universeller Zugang zu Bildung, (2) universelle Schulpflicht für Kinder bis 14 Jahre sowie (3) die Verbesserung der Bildungsqualität. Die Themen bilden nach wie vor Schwerpunkte der Politik. 2010 trat der „The Right of Children to Free and Compulsory Education (RTE) Act“ von 2009 in Kraft.

Die Regierung Modi strebt eine grundlegende Reform des indischen Bildungswesens an. Insbesondere die Berufsbildung soll verbessert und ausgebaut werden. Dazu hat das 2015 neu gegründete Ministerium für Qualifizierung und Unternehmertum (MSDE) das zentrale Strategiedokument National Policy for Skill Development and Entrepreneurship" veröffentlicht. Das MSDE schätzt, dass zwischen 2015 und 2022 jedes Jahr etwa 16 Millionen junge Menschen in Indien die Schule beenden und Arbeit suchen. Nur für einen Bruchteil kommt der Besuch einer Hochschule infrage. Vor diesem Hintergrund bemüht sich das Ministerium, so schnell wie möglich einen Rahmen für ein nationales Berufsbildungssystem aufzubauen. Insgesamt sollen bis zum Jahr 2022 104 Millionen Neuankömmlinge für den Arbeitsmarkt geschult werden und zudem knapp 300 Millionen älteren Arbeitskräften ohne formelle Berufsbildung eine Aus-/Weiterbildungsmöglichkeit vermittelt werden.

Dennoch bleiben Zweifel, ob der indische Arbeitsmarkt alle Neuankömmlinge integrieren kann: Zwischen 2004 und 2010 wurden in Indien nur etwa 2,7 Millionen Arbeitsplätze neu geschaffen. Daher wird die Gründung von Start-Up-Unternehmen durch das MSDE besonders gefördert. Zudem wird die indische Jugend ermutigt, eine Beschäftigung im Ausland zu suchen, primär in jenen Industrieländern, die aufgrund von Überalterung an einem Fachkräftemangel leiden. 2017 kündigte die indische Regierung an, insgesamt 50 „India International Skills Centres" (IISC) aufzubauen.

Die Fünfjahresstrategie Strategy for New India@75“, die von Niti Ayog im Oktober 2018 veröffentlicht wurde, gibt bildungspolitische Ziele für den Zeitraum von 2018-22 vor (S. 111-125). Demnach ist eine Steigerung der Immatrikulationsquote und ein Ausbau des Hochschulsektors geplant. Bereits vor der Veröffentlichung der Fünfjahresstrategie führte die indische Regierung einen Wettbewerb um die Ernennung von 20 Spitzenhochschulen durch. 2018 stellte sich jedoch heraus, dass lediglich sechs Einrichtungen die notwendigen Voraussetzungen erfüllten. Darunter sind das bekannte Indian Institute of Science sowie zwei der Indian Institutes of Technology, die im Hinblick auf hohe Studien- und Forschungsqualität zu den „üblichen Verdächtigen“ gehören. Als Institutions of Eminence (IOEs) sollen diese Hochschulen ab 2018 eine besondere Förderung über fünf Jahre erhalten (Quelle: Government of India – Press Information, 9 July 2018, PDF).

Ab 2019 bereitet die indische Regierung nach der Wiederwahl von Präsident Modi eine große Bildungsreform („National Education Policy (NEP) 2019“, Entwurf) vor. Die langfristig angelegte Reform hätte Auswirkungen auf die staatliche Schulpflicht, die Struktur der indischen Hochschullandschaft, die Hochschulregulierung, die interdisziplinäre Ausrichtung sowie die Internationalisierung von Hochschulen. Mehr Details folgen nach der Annahme der Reform.

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Forschungs- und Innovationspolitische Ziele und Programme

Die Fünfjahresstrategie Strategy for New India@75 “, die von Niti Ayog im Oktober 2018 veröffentlicht wurde, gibt forschungs- und innovationspolitische Ziele für den Zeitraum von 2018-22 vor (S. 16-19). Sie hält an dem schon früher formulierten Ziel fest, in Indien einen Anteil der gesamten Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) am Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 2 Prozent zu erreichen. Außerdem sollte Indien 2022/23 unter den TOP 50-Ländern des Global Innovation Index platziert sein. Fünf Forschungseinrichtungen sollten zur Weltspitze gehören.   

Die Fünfjahresstrategie kündigt an, eine neue Institution („empowered body“) zu schaffen, die die indische Wissenschaft mit einem holistischen Ansatz steuert. „Silos“ zwischen Ministerien und sektoralen Einrichtungen sollen aufgebrochen und verschiedene Initiativen besser aufeinander abgestimmt und koordiniert werden.

Weiterhin adressiert die Strategie das Problem, dass außeruniversitäre öffentliche Forschungseinrichtungen – wie der Council of Scientific and Industrial Research (CSIR), der Indian Council of Medical Research (ICMR) sowie die Indian Space Research Organization (ISRO) – nur sehr selten eigentlich vielversprechende Forschungsergebnisse kommerzialisieren und in Produkte umwandeln. In den genannten Institutionen werden nun sogenannte „value addition centres“ aufgebaut, um besser mit der Industrie zusammenzuarbeiten, Technologietransfer und Demonstrationsvorhaben durchzuführen und Marketing zu betreiben.

Die Fünfjahresstrategie fordert zudem die außeruniversitären öffentlichen Forschungseinrichtungen in Indien auf, sozial nützliche („socially relevant“) Technologien z.B. im Hinblick auf sauberes Trinkwasser, Sanitär-, Energie- oder Gesundheitsversorgung zu entwickeln. In jedem indischen Distrikt soll außerdem ein sogenannter „District Innovation Fund“ eingerichtet werden, um Graswurzelinnovationen zu fördern. Durch eine Reihe von Änderungen im indischen Vergaberecht sollen Technologien aus Indien zukünftig verstärkt zum Einsatz kommen.

Auch die nach der Wiederwahl Modis im Juni 2019 angekündigte große Bildungsreform („National Education Policy (NEP) 2019“, Entwurf) hätte voraussichtlich bedeutende Auswirkungen auf die Forschungs- und Innovationspolitik, so z.B. durch die mögliche Schaffung von Forschungsuniversitäten sowie einer neuen Forschungsförderorganisation, der National Research Foundation (NRF).

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