StartseiteLänderAsienIndienZusammenfassungÜberblick zur Bildungs-, Forschungs- und Innovationslandschaft und -politik

Überblick zur Bildungs-, Forschungs- und Innovationslandschaft und -politik: Indien

Im weltweiten Vergleich lag Indien mit Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Höhe von 50,3 Milliarden USD (kaufkraftbereinigt) 2015 auf Rang 7 hinter den USA, China, Japan, Deutschland, Südkorea und Frankreich. Indiens Anteil der gesamten FuE-Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug 2015 jedoch lediglich 0,6 Prozent (Quelle: UIS-UNESCO, Data retrieved 20-04-18). In Bezug auf die Anzahl der wissenschaftlichen Publikationen liegt Indien seit 2014 auf Rang 5 hinter den USA, China, Großbritannien und Deutschland (Quelle: SCImago (2007). SJR – SCImago Journal & Country Rank. Data retrieved August 8, 2017, from www.scimagojr.com). Die Zuständigkeiten für Forschung und Bildung sind heterogen und vielfältig verzweigt. Die organisatorische Struktur ist historisch gewachsen und wenig transparent. Einige Bereiche werden auf nationaler Ebene gesteuert, andere auf unionsstaatlicher Ebene, verteilt auf zahlreiche Akteure. Das Bildungswesen ist stark vom System der ehemaligen britischen Kolonialmacht geprägt. Zudem koexistieren staatliche, semistaatliche und private Einrichtungsformen und die Qualität der Bildungseinrichtungen weist große Unterschiede auf. Gleichzeitig muss Indien mit großen Zuwachsraten durch eine junge Bevölkerung fertig werden: Die Anzahl der Studierenden an den Hochschulen hat sich von etwa 10,5 Millionen im Jahr 2002 auf 32,4 Millionen im Jahr 2016 praktisch verdreifacht (Quelle: UIS-UNESCO, Data retrieved 20-04-18).

Die verschiedenen Fachministerien und deren nachgeordnete Einrichtungen tragen die Verantwortung für die Forschung in ihrem Ressort. Das Ministerium für Wissenschaft und Technologie (MST) als zentrales Ministerium verfügt nur über einen kleinen Stab hochrangiger Beamter für Planung, Haushalt und Personal. Die eigentliche Arbeit des Ministeriums wird von drei ihm unterstellten Departments geleistet, nämlich dem Department für Wissenschaft und Technologie (DST), dem Department für wissenschaftliche und industrielle Forschung (DSIR) und dem Department für Biotechnologie (DBT).

Der öffentliche Forschungssektor in Indien wird durch eine Vielzahl von außeruniversitären spezialisierten Forschungseinrichtungen dominiert, die den Fachministerien unterstehen (z.B. Energie, Biotechnologie, Informations- und Kommunikationstechnologien). Besonders hohe Forschungsausgaben entstehen in den Forschungseinrichtungen für die Ressorts Verteidigung, Kernenergie und Raumfahrt. Andere Fachministerien, das DSIR und das Ministerium für Bildung (MHRD) finanzieren sogenannte Forschungsräte, die ebenfalls in einer Vielzahl von Instituten forschen und teilweise wettbewerblich fördern (z.B. Indian Council of Medical Research (ICMR), Council of Scientific and Industrial Research (CSIR), Indian Council of Social Science Research (ISSRC)).

Die indischen Hochschulen sind traditionell auf die Lehre konzentriert und sie belegen in internationalen Ranglisten häufig hintere Plätze. Bedeutende Forschungsleistungen erbringen hauptsächlich Hochschulen mit einem besonderen Status und besonderer Finanzierung wie das Indian Institute of Sciences (IISc) in Bangalore sowie die Indian Institutes of Technology (IITs).

Unternehmen haben ihren Anteil an Forschung und Entwicklung in Indien in den letzten Jahren ausgebaut. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 1.100 multinationale Unternehmen Forschungs- und Entwicklungszentren in Indien eröffnet haben. Beobachter sehen Stärken vor allem in den Bereichen Biotechnologie, Arzneimittel, Fahrzeugbau sowie Informations- und Kommunikationstechnologien. Das Portal Kooperation International bietet Porträts zu ausgesuchten Hightech-Regionen an (Hightech-Region Bangalore, Hightech-Region Hyderabad, Hightech-Region Pune).

Nach den Wahlen von April/Mai 2014 kam die Hindunationalistische Bharatiya Janata Party (BJP – Indische Volkspartei) von Premierminister Narendra Modi mit klaren Mehrheitsverhältnissen in Regierungsverantwortung. Modis Agenda ist nach Jahren abflauenden Wirtschaftswachstums und steigender Arbeitslosigkeitstark wirtschaftspolitisch bestimmt.

Das wichtigste indische Strategiedokument im Bildungsbereich ist der zwölfte Fünf-Jahresplan (2012-17). Hier werden übergreifende staatliche Ziele für die Elementar- und Hochschulbildung festgelegt. Darüber hinaus hat die Regierung Modi seit 2014 umfangreiche Reformen im Bildungsbereich angekündigt. Die Gründung eines eigenen Ministeriums für Qualifizierung und Unternehmertum („Ministry of Skill Development and Entrepreneurship", MSDE) und die Annahme einer Strategie für Berufsbildung unter der „Skill India Initiative" unterstreichen die politische Bedeutung, die Berufsbildung in Indien seit 2015 zugemessen wird.

Die Strategie „Science, Technology and Innovation Policy (STIP 2013)", die das MST 2013 veröffentlichte, priorisiert folgende Forschungsgebiete: Agrarwirtschaft, Wassermanagement, Umwelt- und Klimaveränderungen, Telekommunikation, Energie, Materialforschung sowie Gesundheit und die Entwicklung von Arzneimitteln. Außerdem soll die Politik dafür Sorge tragen, dass Innovationen für die größtmögliche Anzahl an Menschen erschwingliche Lösungen liefern. Weitere Anreize im Umfeld von Forschung und Innovation setzt die Regierung Modi seit 2014 durch mehrere ressortübergreifende Flaggschiff-Initiativen: Make in India, „Digital India“, „Clean India“, „Creating New Infrastructures“ sowie „Green India“ mit dem Programm „Smart Cities and Urban Development“ (weitere Regierungsinitiativen). Mit Hilfe der Initiativen will die Regierung Modi Anreize für ausländische Investoren schaffen und Indien zu einem Drehkreuz für die herstellende Industrie machen.

Die Bilanz der indischen Regierung im Hinblick auf die in den Dokumenten formulierten strategischen Ziele fällt unterschiedlich aus. Bis 2020 soll Indien zu den Top 5 Forschungsmächten der Welt gehören. Das Zwischenziel, den Anteil der gesamten Ausgaben für Forschung und Entwicklung (GERD) am Bruttoinlandsprodukt (BIP) bis 2018 auf 2 Prozent zu steigern, ist jedoch nicht mehr zu erreichen. Auch das Ziel der Regierung, mindestens fünf indische Hochschulen in den Top 200 der globalen Rankings zu platzieren, wurde verfehlt. Als Folge davon plant die indische Regierung nun umfangreiche Reformen im Hochschulbereich, darunter die Gründung von 20 neuen Spitzenhochschulen (Institutions of Eminence, IoEs) in Indien. 2018 stellte sich im Rahmen der Ausschreibung jedoch heraus, dass lediglich sechs Einrichtungen die notwendigen Voraussetzungen erfüllten. Darunter sind das bekannte Indian Institute of Science (IIsc) sowie zwei der Indian Institutes of Technology (IITs), die bereits vorher einen Sonderstatus inne hatten (siehe oben).

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