Indikatoren für Bildung

Indikator

Japan

Deutschland

OECD-Gesamt

Stand

Bildungsanteil am Bruttoinlandsprodukt: Bildung insgesamt [Prozent]

4,1

4,2

5,0

2015

Wachstum des Bildungsanteils am BIP (Differenz des BIP-Bildungsanteils zu dem des Vorjahres in Prozentpunkten) [Prozent]

-0,3

-0,1

-0,2

2015

Bildungsanteil am Bruttoinlandsprodukt: tertiäre Bildung [Prozent]

1,4

1,2

1,5

2015

Öffentlicher Anteil an den Ausgaben für tertiäre Bildung [Prozent]

32

83

66

2015

Anteil internationaler abschlussorientierter Studierender aus dem Land [Prozent]*

1

4

2

2016

Anzahl Studierender im Tertiärbereich insgesamt [Mio.]

3,847

3,043

k.A.

2016

Anteil internationaler abschlussorientierter Studierender im Land [Prozent]**

4

8

6

2016

Anzahl Promovierender insgesamt

74.090

197.000

k.A.

2016

Anteil internationaler abschlussorientierter Promovierender im Land [Prozent]**

18

9

26

2016

Anteil 25- bis 34-Jähriger mit einem Abschluss im Tertiärbereich [Prozent]

60***

31

44

2017

Anteil an neuen Studienabschlüssen in Mathematik, Statistik und Naturwissenschaften (Ingenieurwissenschaften) [Prozent]

3 (18)

9 (22)

6 (14)

2016

PISA-Ergebnisse: Lesen [Punktzahl (Platzierung)]

516 (8)

509 (12)

493

2015

PISA-Ergebnisse: Naturwissenschaften [Punktzahl (Platzierung)]

538 (2)

509 (16)

493

2015

PISA-Ergebnisse: Mathematik [Punktzahl (Platzierung)]

532 (5)

506 (16)

490

2015

Tabelle 3: Bildungsindikatoren

Quelle: OECD - Education at a Glance 2018, UNESCO Institute for Statistics und "OECD - PISA 2015: Ergebnisse im Fokus"

* OECD (UNESCO) registrieren nur diejenigen internationalen Studierenden, bei denen aufgrund der Aufenthaltsdauer davon auszugehen ist, dass sie einen Abschluss im Ausland anstreben.

** OECD (UNESCO) registrieren nur diejenigen internationalen Studierenden bzw. Promovierenden, bei denen aufgrund der Aufenthaltsdauer davon auszugehen ist, dass sie einen Abschluss in dem jeweiligen Land anstreben.

*** beinhaltet auch den Bildungsstand „Postsekundarer, nicht tertiärer Bereich“

       

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Schulen und Hochschulen

Das Ministerium für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie (Ministry of Education, Culture, Sports, Science and Technology, MEXT) trägt die Verantwortung für Schulen und Hochschulen. Das National Institute for Educational Policy Research (NIER) ist dem MEXT unterstellt und ist als nationales Bildungsforschungsinstitut verantwortlich für die Konzeption von Bildungsstrategien.

Das im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts nach westlichem Vorbild modernisierte Bildungswesen Japans wurde nach Ende des Zweiten Weltkriegs unter amerikanischem Einfluss in seine heutige Form umgestaltet. Die folgenden Informationen sind dem BQ-Portal entnommen (BQ-Länderseite Japan): In Japan dauert die Grundschule (shôgakkô) sechs Jahre. Eingeschult werden die Kinder nach Vollendung des 6. Lebensjahrs. Nach der Grundschule besucht man die dreijährige Mittelschule (chûgakkô). Zwar endet mit der Mittelschule die Schulpflicht, jedoch besuchen etwa 97 Prozent aller Mittelschulabgänger die dreijährige Oberschule (kôtô gakkô). Der Zugang zu einer Oberschule ist generell durch eine Aufnahmeprüfung geregelt. Zur Vorbereitung besuchen viele Schülerinnen und Schüler zusätzlich zum regulären Schulunterricht an durchschnittlich 2 – 3 Tagen in der Woche (jeweils etwa 2 Stunden) eine Privatschule.

Der Abschluss der Oberschule qualifiziert formal zum Eintritt in eine Universität (Sotsugyoshomeisho). Allerdings gibt es keine Abschlussprüfung im eigentlichen Sinn, sondern man erwirbt den Abschluss durch regelmäßige Teilnahme am Unterricht und durch Bestehen von Klassenarbeiten. Der Übergang von der Oberschule zu einer Hochschule ist generell mit dem Bestehen einer Eintrittsprüfung verbunden. Der Schwierigkeitsgrad der Prüfungen ist mit einer Rangordnung der aufnehmenden Bildungsinstitution gekoppelt, so dass sich eine Hierarchie der Oberschulen und Universitäten entwickelt hat.

Von den insgesamt 777 (Voll-)Universitäten (Daigaku) im Jahr 2016 sind (in Klammern die zuständige Hochschulvertretung):

  • 86 staatliche Universitäten (Japan Association of National Universities, JANU);
  • 91 von Präfekturen und Städten gegründete öffentlich-lokale Universitäten (Japan Association of Public Universities, JAPU) und die
  • 600 restlichen – mehr als drei Viertel – in privater Trägerschaft (Federation of Japanese Private Colleges and Universities Associations, FJPCUA; Japan Association of Private Universities and Colleges JAPUC).
  • 2015 wurden zudem 346 Kurzzeit-Universitäten (Tanki Daigaku, Junior College) registriert, die nach 2-3 Jahren den Abschluss Associate Degree (Jungakushi) vergeben (Quelle: DAAD-Bildungssystemanalyse).

2016 haben in Japan etwa 80 Prozent eines Jahrgangs nach dem Schulabschluss einen tertiären Bildungsgang gewählt. Im Vergleich zu anderen Ländern ist dies zwar ein hoher Wert, allerdings entscheiden sich nur 50 Prozent eines Jahrgangs für einen Studiengang, der mit einem Bachelor (gakushi) abschließt. (OECD Education at a Glance, Tabelle B4.5 „First-time tertiary entry rates“, siehe unten). Als Alternative sind in Japan die Kurzzeitstudiengänge an den Junior Colleges und den Technical Colleges beliebt, die mit einem Associate Degree (Jungakushi, ISCED Level 5A) abschließen. Zu den tertiären Bildungsgängen (ISCED Level 5B) zählen auch die berufsbildenden Studiengänge an den Technischen Instituten (professional training colleges, senshu gakko), die allerdings nicht zu Hochschulabschlüssen führen (siehe nächster Abschnitt). Die Gesamtzahl der Studierenden in tertiären Bildungsgängen betrug in Japan 3,8 Millionen, mit 770.000 besucht etwa ein Fünftel davon Level 5-Studiengänge (2016).

Nur wenige japanische Studierende schließen an die Bachelorprüfung einen Masterkurs (daigakuin, zwei Jahre) an, um den Mastergrad (shûshi) zu erhalten. Gewöhnlich nehmen nur diejenigen Studierenden, die sich für eine wissenschaftliche Laufbahn entschieden haben, die Mühen eines mindestens dreijährigen Promotionsstudiums auf sich, um den Doktortitel (hakushi) zu erlangen. Japan gehört außerdem zu den wenigen Ländern in der OECD, in der die Mehrzahl der Studierenden – fast drei Viertel – private Hochschulen mit vergleichsweise hohen Studiengebühren besucht. Aber auch für staatliche und öffentlich-lokale Universitäten in Japan sind die Studiengebühren bisher relativ hoch, das Land gehört innerhalb der OECD zur Spitzengruppe (OECD Education at a Glance (2018), Tabelle und Grafik).

Die finanzielle Unterstützung der Hochschulen ist Aufgabe des MEXT. Auch die privaten Hochschulen erhalten in geringem Umfang Subventionen. Alle staatlichen Universitäten wurden 2004 halbprivatisiert und in „nationale Universitätsgesellschaften“ (university corporations) umgewandelt. Dabei verloren sämtliche Lehrkräfte und Universitätsmitarbeiter ihren Status als öffentliche Bedienstete (UNESCO Science Report, Zusammenfasung, S. 28). Die öffentlichen Zuschüsse an staatliche Universitäten werden seitdem jährlich um etwa 1 Prozent gekürzt.

Die Bildungsergebnisse, die Japan bisher erzielt hat, sind beeindruckend. Unter dem OECD-Programm zur Kompetenzmessung von Schülerinne und Schülern (PISA) gehört Japan regelmäßig zu den Spitzenreitern. Bei den Tests zu den Kompetenzen der erwachsenen erwerbsfähigen Bevölkerung (PIAAC) lag Japan in Bezug auf Lese- und Rechenkompetenzen weltweit auf Platz 1, schnitt allerdings bei den Computerkenntnissen deutlich schlechter ab (OECD-Studie, OECD (2018), Education Policy in Japan: Building Bridges towards 2030, Reviews of National Policies for Education).

Bereits 2012 wurde die Reform des Hochschulwesens begonnen, mit dem Ziel das Land zukunftsfähiger zu machen und seine Innovationskraft zu stärken. Seit 2014 gehört das Programm „Top Global Universities“ dazu (siehe unter Internationale Kooperation – Programmatik). Da sich die Immatrikulationsquote in Japan deutlich erhöht hat, sind die Studierendenzahlen trotz des demografischen Wandels zunächst relativ konstant geblieben. Im Jahr 2018 zeichnet sich jedoch ein deutlicher Rückgang ab. Auch aus diesem Grund sind weitere Reformen in Bezug auf Hochschulzulassung, Studiengebühren, Zusammenschlüsse von Hochschulen und Einführung von berufsbildenden Hochschulen geplant (siehe unter Bildungspolitische Zielsetzungen und Programme).

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Berufliche Bildung

Die berufliche Bildung in der Zuständigkeit des Ministeriums für Gesundheit, Arbeit und Wohlstand (MHLW) wird durch das Berufsbildungsförderungsgesetz geregelt. Es bietet eine umfassende gesetzliche Regelung der öffentlichen und mit öffentlichen Mitteln geförderten beruflichen Ausbildung, Weiterbildung und Umschulung. Gleichzeitig unterstehen jedoch eine Reihe von Einrichtungen wie zum Beispiel die berufsbildenden Oberschulen dem Ministerium für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie (Ministry of Education, Culture, Sports, Science and Technology, MEXT).

Für Japanerinnen und Japaner, die an einer beruflichen Ausbildung interessiert sind, gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, die einzeln oder in Kombination genutzt werden können (Quelle BQ-Portal, Quelle für Zahlen: Australian Government (Department of Education and Training): Vocational Education and Training (VET) in Japan, Updated by Kumiko Tsukamoto, March 2016).

Nach Besuch der ersten 9 Schuljahre und dem Erwerb des Grundschulabschlusszeugnis (Sotsugyoshomeisho), steht es den Schülerinnen und Schülern offen, ob sie sich für eine allgemeinbildende oder eine berufsbildende Oberschule entscheiden. Die Schülerinnen und Schüler an den beruflichen und technischen Sekundarschulen in den Fachrichtungen Landwirtschaft, Technik, Wirtschaft, Marine und Fischerei können folgende berufsqualifizierende Abschlüsse erwerben:

  • Den beruflichen Oberschulabschluss (Kōkō sotsugyō shikaku) nach Absolvierung der 3-jährigen beruflichen Oberschule (koto senshu gakko). 2015 besuchten 618.826 Schülerinnen und Schüler (18,7 Prozent der in der Sekundaroberschule Eingeschriebenen) 2.314 Schulen;
  • das Zertifikat (shomeisho) nach der Absolvierung der 1-jährigen Berufsschule (kakushuukakko). Im Jahr 2015 waren 117.727 Schülerinnen und Schüler an 1.220 Schulen (bis auf wenige Ausnahme in privater Trägerschaft) eingeschrieben;
  • oder einen Associate Degree (Jungakushi) nach erfolgreicher Teilnahme an der 5-jährigen Technischen Fachhochschule (College of Technology, kōtō semmon gakkō). 2015 waren 54.391 Personen an 57 Schulen eingeschrieben. Diese Art der beruflichen Ausbildung ist in den letzten beiden Jahren der Tertiärbildung zuzurechnen, führt zu einem Hochschulabschluss und genießt in Japan hohes Ansehen.

Außerdem können Personen, die eine berufliche Oberschule absolviert oder auch eine allgemeine Hochschulreife erworben haben, eine Berufsausbildung an einem Technischen Institut (professional oder specialised training colleges, senshu gakko) absolvieren. Die Ausbildung, die als Tertiärbildung (ISCED-Level 5B) eingestuft wird, dauert 2 bis 4 Jahre und führt zu einem Technical Associate Degree-Abschluss (Senmonshi), der allerdings kein Hochschulabschluss ist. 2015 besuchten 656.106 Studierende 3.201 Einrichtungen. Die überwiegende Anzahl der Einrichtungen (etwa 3.000) befindet sich in privater Trägerschaft.

Innerhalb des japanischen Bildungssystems ist der Stellenwert der staatlich organisierten und kontrollierten Berufsbildung insgesamt gering. Ein wesentlicher Anteil von Bildungsinhalten wird erst nach den berufsbildenden Abschlüssen in den jeweiligen Betrieben vermittelt. Auf Seiten von Staat oder Öffentlichkeit werden von den Unternehmen jedoch keine Ausbildungsleistungen erwartet, die über ihre betriebliche Verwertbarkeit hinaus reichen.

Im Mai 2017 hat Japan ein Gesetz angenommen, auf dessen Basis ein neuer Typus von Hochschulen ab 2019 berufsbildende College- oder Bachelor-Abschlüssen anbieten kann (siehe unter Bildungspolitische Zielsetzungen und Programme).

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