FuE-Indikatoren

Indikator

Japan

Deutschland

OECD

Stand

Nationale FuE-Ausgaben [Mio. USD*]

170.901

131.339

1.357.746

2017

FuE-Ausgabenwachstum im Vergleich zum Vorjahr [Prozent]

3,7

9,5

6,0

2017

FuE-Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) [Prozent]

3,2

3,0

2,4

2017

Anteil der FuE-Ausgaben des Staates am BIP [Prozent]

0,5

0,8

0,6

2017/16/16

Anteil der FuE-Ausgaben der Wirtschaft am BIP [Prozent]

2,5

1,9

1,5

2017/16/16

Ausgaben für FuE in Unternehmen (BERD) [Mio. USD*]

134.662

91.019

957.418

2017

Anteil der öffentlich finanzierten Ausgaben für FuE in Unternehmen (direkter Förderanteil) [Prozent]

0,9

3,2

5,3

2017/17/16

Anteil der vom Ausland finanzierten Ausgaben für FuE in Unternehmen [Prozent]

0,8

6,7

7,9

2017/17/16

Ausgaben für FuE in Hochschulen (HERD) [Mio. USD*]

20.530

22.685

233.195

2017

Anteil der unternehmensfinanzierten Ausgaben für FuE in Hochschulen [Prozent]

2,9

13,8

5,8

2017/16/16

Ausgaben für FuE in außeruniversitären öffentlichen Forschungseinrichtungen (GOVERD) [Mio. USD*]

13.354

17.635

135.282

2017

Anteil der unternehmensfinanzierten Ausgaben für FuE in außeruniversitären öffentlichen Forschungseinrichtungen [Prozent]

2,8

11,2

3,7

2017/16/16

Anzahl der Forschenden (Vollzeitäquivalente)

676.292

413.542

4.829.817

2017/17/16

Anzahl der Forschenden (VZÄ) je 1000 Beschäftigte

10,0

9,3

8,3

2017/17/16

Anteil der Forschenden (VZÄ) in privaten Unternehmen [Prozent]

73,7

59,7

61,8

2017/17/16

Anteil internationaler Ko-Patente an Patentanmeldungen unter dem Vertrag über Patentzusammenarbeit (PCT) [Prozent](1)

2,1

16,9

7,7

2014

Tabelle 4: Indikatoren zu Forschung und Entwicklung (FuE)

Quelle: OECD Main Science and Technology Indicators 2018/2, Stand Februar 2019

(1) OECD Patents Statistics, Stand Oktober 2017

* in laufenden Preisen, kaufkraftbereinigt

       

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In den OECD-Ländern mit überwiegend hohem Einkommen finanziert meist die inländische Wirtschaft den größten Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung (OECD Gesamt 62 Prozent, Deutschland 66 Prozent). Die Anteile betragen für den Staat knapp 26 bzw. 28 Prozent und für das Ausland 6 Prozent (OECD Gesamt und Deutschland).

Die inländische japanische Wirtschaft liegt inzwischen mit Finanzierungsanteilen von über 70 Prozent noch deutlich vor Deutschland und den meisten OECD-Ländern. Nur in China und Südkorea ist der Anteil der inländischen Wirtschaft ähnlich hoch. Der japanische Staat hat einen deutlich geringeren Anteil. Auffällig ist der sehr niedrige Anteil an Auslandsfinanzierung.

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Bei der Durchführung von Forschung und Entwicklung nehmen die Unternehmen in den OECD-Ländern meist eine dominante Rolle ein (Anteile für Deutschland und OECD Gesamt liegen bei 69 Prozent). Im Vergleich dazu haben die Unternehmen in Japan ähnlich wie bei der Finanzierung sogar noch höhere Anteile.

Der öffentliche Forschungssektor in Japan ist hochschulzentriert (Verhältnis von GOVERD zu HERD von etwa 40 : 60, ebenso wie OECD Gesamt). Dies gilt in geringerem Maße auch für Deutschland: hier spielen die außeruniversitären Forschungseinrichtungen eine etwas größere Rolle (Verhältnis von GOVERD zu HERD von etwa 45 : 55).

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Forschungs- und Förderorganisationen

Zentraler Akteur im japanischen Forschungs- und Innovationssystem ist das Ministerium für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie (MEXT). Bei der Konzipierung von Wissenschafts- und Innovationspolitik wird das MEXT durch das National Institute of Science and Technology Policy (NISTEP) unterstützt. Das Ministerium trägt die Verantwortung für die forschenden Hochschulen, die beiden wichtigsten Fördereinrichtungen (s. unten) sowie fünf wichtige außeruniversitäre Forschungseinrichtungen:

  • Die private Gründung von RIKEN (jap. als Kurzform für Rikagaku Kenkyūjo‚ Physikalisch-chemisches Institut) im Jahr 1917 war inspiriert von der deutschen Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft als Vorgänger der Max-Planck Gesellschaft (MPG). Heute führt RIKEN in verschiedenen öffentlichen Forschungszentren exzellente Grundlagenforschung und angewandte Forschung in den Lebenswissenschaften, Chemie, Physik und Ingenieurwissenschaften durch (Zusammenarbeit mit der Industrie erfolgt über das RIKEN Innovation Centre).
  • Das National Institute for Materials Science (NIMS), dessen Vorgänger 1956 gegründet worden war, führt hochklassige Forschung in den Materialwissenschaften durch.
  • Die 2003 durch eine Fusion gegründete Japan Aerospace Exploration Agency (JAXA) ist die japanische Luft- und Raumfahrtbehörde, die Forschung durchführt.
  • Die 2005 ebenfalls durch eine Zusammenlegung entstandene Japan Atomic Energy Agency (JAEA) ist die wichtigste außeruniversitäre Einrichtung zur Erforschung der Atomenergie. 2015 wurden einige Abteilungen an das neue Quantum Science and Technology Research Institute ausgelagert.
  • Die Japan Agency for Marine-Earth Science and Technology (JAMSTEC) wurde 2004 gegründet.

Industrieforschung durch öffentliche Institute hat in Japan eine lange Tradition, die teilweise bis zu hundert Jahren zurück reicht. Das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) ist zuständig für die zentrale öffentliche Industrieforschungseinrichtung Japans, das 2001 durch Fusionen gegründete National Institute of Advanced Industrial Science and Technology (AIST). Forschungsgebiete des AIST sind Geowissenschaften, Umwelt und Energie, Messtechnik, Materialwissenschaften, Elektronik und Fertigungstechnologie sowie Biotechnologie und Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT).

In Japan haben viele Ministerien eigene Ressortforschungseinrichtungen, wie zum Beispiel das Ministerium für Umwelt (National Institute for Environmental Studies, NIES). Die National Agriculture and Food Research Organization (NARO) sowie das auf Entwicklungsländer ausgerichtete Japan International Research Center for Agricultural Sciences (JIRCAS) gehören zum Ministerium für Landwirtschaft, Forsten und Fischerei. Dazu kommt eine wichtig Forschungseinrichtung des Ministeriums für Inneres und Kommunikation (MIC), das National Institute of Information and Communications Technology (NICT).

Das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Wohlfahrt (MHLW) ist für das National Institute of Public Health (NIPH) verantwortlich, das Forschungen zur Prävention von Krankheiten und Krisenfällen durchführt. Weitere Forschungseinrichtungen sind das National Institute of Biomedical Innovation, Health and Nutrition (NIBIOHN) sowie die National Hospital Research Institutes, die mit staatlichen Krankenhäusern verbunden sind (z.B. National Cancer Center Research Institute NCCRI). Ein international renommiertes Forschungsinstitut ist das National Institute of Infectious Diseases (NIID).

Das MEXT trägt die Verantwortung für die forschenden Hochschulen. Eine Besonderheit Japans stellen die „Inter-University Research Institutes“ (IURIs) dar. IURIs schließen Forschungseinheiten an verschiedenen Hochschulen zusammen, um den Aufbau und Erhalt teurer Forschungsinfrastrukturen und deren breite Nutzung zu ermöglichen. Im Jahr 2004 wurden die japanischen IURIS unter vier „Inter-University Research Institute Corporations“ neu organisiert:

  • die National Institutes for the Humanities (NIHU) die sechs IURIs zusammenführen;
  • die National Institutes of Natural Sciences (NINS), die fünf IURIs zusammenführen;
  • die Research Organization of Information and Systems (ROIS), die u.a. die bedeutenden Forschungseinrichtungen für Informatik und Genetik beherbergt (National Institute of Informatics, NII) und National Institute of Genetics, NIG);
  • das KEK-Forschungszentrum für Hochenergie (High Energy Accelerator Research Organization), das in Japan eine Spitzenposition im Bereich der Plasmaforschung einnimmt.

Wettbewerbliche Förderung für Hochschulen wird in Japan von Ministerien geleistet, vor allem von MEXT (Grundlagenforschung). Daneben gibt es drei Fördereinrichtungen, von denen die ersten beiden ausschließlich dem MEXT unterstehen:

  • Die 1932 gegründete Japan Society for the Promotion of Science (JSPS) nutzt vor Allem themenoffene Ausschreibungen, um die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses, die Kooperation zwischen Hochschulen und Unternehmen sowie die Wissenschaftskommunikation zu fördern. Die Förderung erstreckt sich auf Geistes- und Sozialwissenschaften, Naturwissenschaften und Technik. Es wird überwiegend Individualförderung vergeben;
  • Die 1996 durch einen Zusammenschluss gegründete Japan Science and Technology Corporation (JST) ist dagegen auf bestimmte thematische Prioritäten fokussiert. Ziel ist es, durch die Förderung der Grundlagenforschung an Hochschulen Erkenntnisse zu generieren, die in Zusammenarbeit mit Unternehmen weiterentwickelt werden können, um gesellschaftlich nützliche Innovationen hervorzubringen;
  • Die 2015 neu gegründete Japan Agency for Medical Research and Development (AMED) soll die Förderung für die gesamte medizinische Forschung von der Grundlagenforschung bis hin zu klinischen Versuchen bündeln und zusammenführen. Für die unabhängige Einrichtung sind der Premierminister, sowie die Ministerien für Wirtschaft (METI), Gesundheit (MHLW) und Wissenschaft (MEXT) gemeinsam zuständig. Die öffentlich-private Kooperation wird durch spezielle Programme gefördert.

Die wichtigste Fördereinrichtung für Unternehmen ist die New Energy and Industrial Technology Development Organization (NEDO). Sie wurde 1980 durch die japanische Regierung gegründet, mit dem Ziel der Entwicklung neuer Energietechnologien als Alternative zum Öl. 1988 wurde das Themengebiet der NEDO auf Forschung und Entwicklung im Bereich der industriellen Technologie erweitert. 1990 kam die Umwelttechnologie hinzu, erneuerbare Energien 1993. NEDO schreibt zur Bewältigung von wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen gezielt Projekte zur Technologieentwicklung aus. Eine weitere wichtige Förderquelle für japanische Unternehmen ist das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI), das Innovationsförderung betreibt (z.B. für Cluster).

Die 2003 gegründete Japan International Cooperation Agency (JICA) fördert die Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern (siehe unter Internationale Kooperationen-Programmatik). Sie verfügt zur Unterstützung über ein eigenes Forschungsinstitut („JICA Research Institute“).

Die japanische Regierung hat den verwaltungsrechtlichen Status der Forschungs- und Förderorganisationen nach der Jahrtausendwende zwei Mal reformiert. Im Jahr 2001 wurden die Organisationen in weitgehend selbständige Körperschaften („independent admininistrative authorities“) umgewandelt. Seitdem besitzen die Institute größere Freiheiten bei der Verfügung über staatliche Zuschüsse, bei der Zusammenarbeit mit Wirtschaft und Industrie sowie bei Umstrukturierungen. Andererseits müssen sie ihre Planung auf die drei- bis fünfjährige mittelfristige Zielsetzung von Seiten der Behörden ausrichten und sich einer strengen Evaluation unterziehen. In einem zweiten Schritt wurden 2015 32 von insgesamt 98 Organisationen in sogenannte „National Research and Development Agencies“ umgewandelt. Diese werden in größeren Abständen evaluiert und können höhere Gehälter zahlen (UNESCO Science Report (2015): Japan, S. 648).

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FuE im öffentlichen und privaten Sektor

In Forschung und Entwicklung (FuE) besonders aktive (Groß-)Regionen sind Tokyo, Kansai und Nagoya. Die einzelnen Regionen weisen dabei auch besondere Spezialisierungen auf. Besonders ausgeprägt sind die Aktivitäten in den Lebenswissenschaften in Kyoto und Kansai, Fahrzeugtechnik und Ingenieurwissenschaften in Nagoya, Materialwissenschaften in Tohuko und Ibaraya, Nanotechnologie in Tsukuba und Umwelttechnologie in Kyushu (Quelle: ERAWATCH-Report 2012, S. 17). Das Portal Kooperation International bietet Porträts zu den Hightech-Regionen Tokio / Kanto Region sowie Kitakyushu Eco Town auf der Insel Kyushu an.

Die Größenordnung der Investitionen im öffentlichen Sektor ist in Japan und Deutschland ähnlich: die beiden Länder geben je gut 20 Mrd USD für FuE an Hochschulen aus. In Japan sind vor allem die staatlichen Universitäten („national universities“) sehr aktiv. Angesichts wachsender internationaler Konkurrenz schlossen sich im Jahr 2009 elf japanische Universitäten zu den Research Universities 11 (RU11) zusammen, darunter neun staatliche und zwei private Universitäten. Die international ausgericheten Forschungsexzellenzentren („World Premier International Research Centers", WPI) wurden fast ausschließlich an den RU11-Universitäten angesiedelt (siehe unter Internationale Präsenz).

Anlass zur Sorge gibt die Platzierung in den internationalen Hochschulrankings, bei der japanische Hochschulen in den letzten Jahren unter Druck geraten sind, sich 2018 jedoch erstmals wieder verbessern konnten. Ein Artikel in dem Wissenschaftsmagazin Nature „What price will Japanese science pay for austerity?“ vom März 2017 führt sinkende Publikationsleistungen in Japan auf die Sparmaßnahmen an den Hochschulen zurück, die seit 2004 durchgeführt wurden.

Die fünf forschungs- und innvationsstärksten Universitäten in Japan sind (in Klammern Platzierung Shanghai Ranking (2018)/ Reuters Innovation Ranking (RIR) 2018):

  • University of Tokyo (22 / 20)
  • Kyoto University (35 / 26)
  • Nagoya University (83 / 99)
  • Osaka University (101-150/ 22)
  • Tohoku University (101-150 /36).

In dem Reuters Innovation Ranking sind insgesamt acht japanische Universitäten unter den TOP 100 platziert. Neben den obengenannten gehören die Kyushu University (46), das Tokyo Institute of Technology (47) sowie die Hokkaido University (90) dazu.

Der Unternehmensverband Keidanren Nippon ermutigt den japanischen Privatsektor, in Forschung und Innovation zu investieren. Mit Ausgaben von 134 Mrd. USD liegen die japanischen Unternehmen deutlich vor den deutschen Unternehmen, die 91 Mrd. USD investierten (2017). Ganz ähnlich wie in Deutschland und China dominiert in Japan der Sektor industrielle Fertigung, in dem 2016 etwa 87 Prozent der gesamten FuE-Ausgaben in Unternehmen anfielen (115 Mrd. von 132 Mrd. USD). Die wichtigste Branche ist wie in Deutschland der Fahrzeugbau, der mit 34 Mrd. USD für ein Viertel der Gesamtausgaben verantwortlich zeichnete. An zweiter Stelle liegen Computer, Elektronik und Optik (26 Mrd. USD), gefolgt von Arzneimitteln (13,4 Mrd. USD). Die wichtigsten FuE-aktiven Branchen im Dienstleistungssektor sind gewinnorientierte FuE-Dienstleister mit Ausgaben von 7,8 Mrd. USD, gefolgt von Dienstleistungen in der Telekommunikation mit 3,3 Mrd. USD (Daten für 2016, OECD Research and Development Expenditure in Industry 2018, ANBERD).

Unter den weltweit 50 größten FuE-Investoren sind 6 Unternehmen mit Hauptsitz in Japan platziert: die drei Fahrzeughersteller Toyota, Honda und Nissan, die Elektronikkonzerne Panasonic und Sony und der Autozulieferer Denso. Zum Vergleich: 9 Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland finden sich unter den TOP 50 (Quelle: 2018 EU Industrial R&D Investment Scoreboard, IRI, Anm.: FuE-Ausgaben je Unternehmen im IRI umfassen Ausgaben für Aktivitäten im Hauptsitzland, aber auch allen anderen Ländern).

Die Unternehmen erhalten für ihre FuE-Aktivitäten vergleichsweise wenig Unterstützung von der japanischen Regierung. Der direkte Förderanteil macht nur 0,9 Prozent aus und wird durch Steuererleichterungen ergänzt. Länder wie Frankreich, Südkorea und die USA fördern ihre Unternehmen deutlich stärker (gemessen als Summe der Anteile der direkten und indirekten Förderung am Bruttoinlandsprodukt, siehe OECD STI Outlook, Daten und Grafik).

Öffentlicher und privater Sektor sind in Japan insgesamt nur wenig verzahnt. Die Unternehmen sind darauf bedacht, FuE primär selbst durchzuführen oder, falls nötig, gewinnorientierte Dienstleister zu beauftragen. Nur selten gehen Forschungsaufträge an staatliche Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, die dadurch jeweils weniger als 3 Prozent ihrer FuE-Ausgaben abdecken. Der aktuelle Fünfjahres-Basisplan (2016-20) sieht daher vor, dass die japanischen Unternehmen die Mittel für die Vergabe von Auftragsforschung an den öffentlichen Sektor bis zum Jahr 2020 um 50 Prozent steigern sollen (siehe unter Forschungs- und Innovationspolitische Ziele und Programme).

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