StartseiteLänderAsienJapanZusammenfassungÜberblick zur Bildungs-, Forschungs- und Innovationslandschaft und -politik

Überblick zur Bildungs-, Forschungs- und Innovationslandschaft und -politik: Japan

Japan gehört mit seiner leistungsstarken Wirtschaft und seinen großen technologischen Fähigkeiten zu den wirtschaftlich stärksten Ländern der Welt. Zusätzlich ist Japan einer der größten Investoren in Forschung und Entwicklung (FuE): Im weltweiten Vergleich liegt Japan mit FuE-Gesamtausgaben in Höhe von 170 Milliarden USD (kaufkraftbereinigt) 2017 auf Rang 3 hinter den USA und China. Mit deutlichem Abstand folgt Deutschland dahinter auf Rang 4 mit 131 Milliarden USD.

Einen Spitzenplatz nimmt Japan auch in Bezug auf seine FuE-Intensität, das heißt den Anteil der gesamten FuE-Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) ein: Hinter Südkorea (4,6 Prozent), Israel (4,5 Prozent) und Schweden mit 3,3 Prozent liegt Japan mit einem Anteil von 3,2 Prozent weltweit auf dem vierten Rang. Die hohe FuE-Intensität ist in Japan vor allem durch das starke Engagement der Unternehmen bedingt, deren Anteil – ähnlich wie in Südkorea und Israel - mehr als drei Viertel an den Gesamtausgaben ausmacht. Dagegen hat sich der Anteil des japanischen Staates reduziert; er liegt mit einem Anteil von 0,5 Prozent am BIP 2017 unter dem OECD-Durchschnitt (siehe FuE-Indikatoren).

In Bezug auf die absolute Anzahl der wissenschaftlichen Publikationen ist Japan im globalen Vergleich 2017 auf Rang 6 platziert. Nachdem das Land 1996 noch Rang 3 hinter den USA und Großbritannien eingenommen hatte, wurde es zwischenzeitlich von China, Deutschland und Indien überholt (Quelle: SCImago. (2007). SJR — SCImago Journal & Country Rank. Retrieved November 22, 2018, from www.scimagojr.com).

Die Zukunft des Bildungs-, Wissenschafts- und Technologiestandort Japan wird durch die fortgeschrittene Alterung der japanischen Bevölkerung beeinflusst. Nach aktuellen statistischen Erhebungen ist bereits heute mehr als jeder Vierte im Rentenalter, das heißt etwa 35 von 126 Millionen Menschen sind über 65 Jahre alt. Vorhersagen gehen davon aus, dass die Bevölkerung bis zum Jahr 2050 um etwa 20 Millionen abnimmt, während der Anteil der über 65-jährigen weiter wächst. Neben der Alterung der Bevölkerung belasten auch die Folgekosten des „Großen Japanischen Erdbebens von Ostjapan“ vom 11. März 2011 die ohnehin verschuldeten öffentlichen Haushalte. Dies gilt besonders für die damit verbundene Havarie des Atomkraftwerks in Fukushima.

Das Ministerium für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie (Ministry of Education, Culture, Sports, Science and Technology, MEXT) ist das verantwortliche Ministerium für Schulen und Hochschulen. In Bezug auf Aus- und Weiterbildung teilt es sich die Kompetenzen mit dem Arbeitsministerium (Ministry of Health, Labour and Welfare, MHLW).

Während bemerkenswerte 80 Prozent eines Jahrgangs in Japan ein Studium beginnen, schreiben sich nur etwa 50 Prozent in einem klassischen vierjährigen Bachelor-Studiengang ein, der Rest bevorzugt kürzere Studiengänge an College-Einrichtungen. Das japanische Hochschulwesen zeichnet sich durch eine große Anzahl an privaten, öffentlich-lokalen und staatlichen Hochschulen aus. Drei Viertel der Studierenden besuchen teure private Hochschulen. Aber auch an staatlichen und öffentlich-lokalen Hochschulen mussten einheimische Studierende bisher verhältnismäßig hohe Gebühren bezahlen. Dazu tragen regelmäßige Kürzungen in der staatlichen Grundfinanzierung für die Hochschulen seit 2004 bei.

Im Bereich Forschung und Innovation sind die Zuständigkeiten zwischen dem MEXT und dem Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (Ministry of Economics, Trade and Industry, METI) aufgeteilt.

Vor allem die staatlichen Universitäten engagieren sich in der Forschung. Neun staatliche und zwei private Universitäten haben sich 2009 im Interessenverband Research Universities 11 (RU11) zusammengeschlossen. Grundlagenforschung an Hochschulen wird vor allem durch die Japan Society for the Promotion of Science (JSPS) gefördert, während die Japan Science and Technology Agency (JST) für angewandte Forschung zuständig ist. Um den Herausforderungen der alternden Gesellschaft zu begegnen, hat die japanische Regierung 2015 eine neue Förderagentur speziell für Gesundheitsforschung und -innovation gegründet, die Agency for Medical Research and Development (AMED).

Zu den wichtigsten außeruniversitären Forschungseinrichtungen zählt RIKEN (jap. als Kurzform für Rikagaku Kenkyūjo‚ Physikalisch-chemisches Institut). Die renommierte Einrichtung für Grundlagenforschung war 1917 nach dem Vorbild der damaligen Kaiser Wilhelm Gesellschaft, der Vorgängerin der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), gegründet worden. Industrienahe angewandte Forschung wird heute teilweise durch RIKEN, teilweise durch das National Institute of Advanced Industrial Science and Technology (AIST) durchgeführt.

Im privaten Forschungssektor sind viele globale Industriekonzerne tätig. Die aktivsten Branchen sind 1. Fahrzeugbau, 2. Computer, Elektronik und Optik sowie 3. Arzneimittel. Direkte Förderung für Unternehmen ist in Japan vergleichsweise knapp bemessen. Zuständig für die Vergabe ist vor Allem die New Energy and Industrial Technology Development Organization (NEDO). Da japanische Unternehmen nur selten Hochschulen oder außeruniversitäre Forschungseinrichtungen mit der Durchführung von FuE beauftragen, sind öffentlicher und privater Sektor in Japan nur wenig verzahnt.

In Forschung und Innovation besonders aktive (Groß-)Regionen sind Tokyo, Kansai und Nagoya.

Die japanische Regierung legt die wesentlichen Ziele für Bildungspolitik sowie Forschungs- und Innovationspolitik in mehrjährigen Basisplänen fest. Die übergreifende Planungs- und Koordinierungskompetenz für FuE obliegt dem Cabinet Office (CAO) beim Ministerpräsidenten. Dem CAO ist der Council for Science, Technology and Innovation (CSTI) als zentrales Beratungs- und Koordinierungsgremium unterstellt.

Um Reformen vorzubereiten, hat Japan sein Bildungssystem 2018 von der OECD begutachten lassen. Unter dem neuen Basisplan für Bildungsförderung („3rd Basic Plan for the Promotion of Education“, 2018-22) wird die Überarbeitung von Lehrplänen in Schulen sowie die Verbesserung von Bildungschancen für ältere Personen („Lebenslanges Lernen“) und ärmere Bevölkerungsgruppen im Vordergrund stehen (OECD-Studie (2018), Education Policy in Japan: Building Bridges towards 2030, Reviews of National Policies for Education, S. 16 f.).

Unter dem Fünften Basisplan für Wissenschaft und Technologie („5th Science and Technology Basic Plan“, 2016-20) nimmt die Entwicklung von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) bzw. Digitalisierung eine zentrale Rolle ein. Diese sollen helfen, die gesellschaftliche Vision einer Society 5.0 – einer supersmarten, komplett vernetzten Gesellschaft – zu verwirklichen und gleichzeitig die aktuellen sozioökonomischen Herausforderungen Japans, wie die anhaltende Landflucht und die alternde Gesellschaft zu bewältigen. Während Japan grundsätzlich an den Zielen des Fünften Basisplanes (Society 5.0) festhält, wurde im Jahr 2018 zusätzlich eine „Integrated Innovation Strategy" (Zusammenfassung) angenommen, um Forschungs-, Innovations- und Wirtschaftspolitik in Japan stärker zu integrieren. Teil der neuen Strategie ist auch eine stärkere Orientierung an den UN-Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals, SDGs).

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