StartseiteLänderAsienVietnamZusammenfassungÜberblick zur Bildungs-, Forschungs- und Innovationslandschaft und -politik

Überblick zur Bildungs-, Forschungs- und Innovationslandschaft und -politik: Vietnam

Im globalen Vergleich liegt Vietnam in Bezug auf die Höhe der Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) etwa auf Rang 50. Innerhalb Asiens nimmt das Land nur einen mittleren Rang ein; die Forschungsausgaben steigen im regionalen Vergleich jedoch überdurchschnittlich (Quelle: „2017 Global R&D Funding Forecast“). Vietnams Anteil der gesamten FuE-Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug 2015 nur 0,4 Prozent. Im Vergleich zu 2009 (0,2 Prozent) ist dies ein deutlicher Anstieg auf niedrigem Niveau. Die Unternehmensausgaben (BERD) am BIP haben sich im gleichen Zeitraum mehr als verdoppelt und erreichen nach den neuesten Zahlen mehr als 50 Prozent der FuE-Gesamtausgaben. In Bezug auf die Anzahl der Publikationen liegt Vietnam 2016 auf Rang 57 (Quelle: Scimago, 2018).

Für Forschung und Wissenschaft sowie Bildung sind jeweils eigene Ministerien zuständig, die auch in den Provinzverwaltungen mit Abteilungen vertreten sind. Das Machtmonopol liegt bei der Kommunistischen Partei Vietnams (KPV). Nach dem letzten Parteitag der KPV 2016 wurde Nguyen Xuan Phuc als neuer Premierminister berufen. Seinem Kabinett gehören u. a. Chu Ngoc Anh als Forschungsminister und Phung Xuan Nha als Bildungsminister an.

Kernelement der gegenwärtigen Wissenschafts- und Technologiepolitik ist die Wissenschafts- und Technologieentwicklungsstrategie 2011–2020. Sie identifiziert Wissenschaft und Technologie als Schlüssel für die angestrebte Entwicklung zu einem modernen Industrieland bis 2020 und zu einer Wissensgesellschaft in der Zeit danach. Vietnam strebt an, mit seinen Wissenschafts- und Technologiekapazitäten bis 2020 zu den Top 3 der ASEAN Länder zu gehören und in ausgewählten Gebieten wie Mathematik, theoretischer Physik und Medizintechnik Anschluss an das internationale Niveau zu finden. Bis dahin sollen 60 Nationale Forschungseinrichtungen Weltniveau erreicht haben. In diesem Rahmen soll die Anzahl internationaler wissenschaftlicher Publikationen um 15-20 Prozent pro Jahr gesteigert und die Anzahl der Patentanmeldungen verdoppelt werden. Darüber hinaus soll der Wert von Hightech-Produkten als Ergebnis angewandter Forschung bis 2020 auf 45 Prozent des BIP steigen. Parallel dazu soll die wissenschaftliche Infrastruktur und Transferstrukturen ausgebaut werden. Hierzu zählt der angestrebte Aufbau von Technologieparks und Inkubatoren in Forschungseinrichtungen und Hochschulen. Zudem sollen regionale Wissenschafts- und Technologiestrukturen ausgebaut werden, die je nach regionalen Stärken ausgerichtet werden und gleichzeitig lokale Unternehmen unterstützen.

Thematisch prioritär sollen in den Naturwissenschaften Grundlagen- und anwendungsorientierte Forschung mit hohem Nutzen für die sozioökonomische Entwicklung des Landes mit Schwerpunkten in der Ernährungs- und Energiesicherheit, Gesundheit, Umweltschutz, der „rationalen“ Nutzung natürlicher Ressourcen und in Verteidigungs- und Sicherheitsfragen betrieben werden. In den Ingenieurwissenschaften steht der Auf- und Ausbau der technologischen Kompetenzen und Kapazitäten in den Bereichen Informations- und Kommunikationstechnologien, neue Werkstoffe, Maschinen-/Anlagenbau und Automatisierung, Energie, Raumfahrt, Marine- und Umwelttechnologien im Vordergrund. In der Landwirtschaft, als weiterhin wichtigen volkswirtschaftlichen Sektor, soll sich FuE vor allem auf die Themenfelder Biotechnologie-Anwendungen, Züchtung hochproduktiver Pflanzensorten und Tierrassen, Nutzung genetischer Ressourcen und Bewässerung konzentrieren.

Die Forschungsförderung liegt maßgeblich in den Händen des Ministeriums für Wissenschaft und Technologie (MOST) sowie zentraler Fachministerien. Das Förderbudget des MOST wird größtenteils für die laufenden Kosten der staatlichen Forschungseinrichtungen und Forschungszentren der Hochschulen einschließlich Gehälter für wissenschaftliche Mitarbeiter verwendet. Nur etwa 10 Prozent stehen für die Förderung von Forschungs- und Innovationsprogrammen zur Verfügung. Unter MOST ist 2008 die National Foundation for Science and Technology Development (NAFOSTED) gegründet worden, die nach Exzellenzkriterien Mittel für die Grundlagenforschung – und im zunehmendem Maße – auch für angewandte Forschung bereitstellt. Um die Innovationsforschung in Unternehmen voranzutreiben, ist der National Technology Innovation Fund (NATIF) eingerichtet worden, der ebenfalls dem MOST untersteht und seit 2016 Fördermittel vergibt. Im öffentlichen Forschungssektor sind vor allem die Institute der Vietnam Academy of Sciences and Technology (VAST) und die drei führenden Universitäten in Hanoi und Ho Chi Minh Stadt durch internationale Publikationen sichtbar.

Bildung ist ein Schwerpunktthema der vietnamesischen Regierung. Etwa 20 Prozent des Haushaltes werden für diesen Bereich bereitgestellt (5,7 Prozent des Bruttoinlandprodukts). Ziel ist es, Vietnam in eine wissensbasierte Industriegesellschaft zu transformieren und dafür die notwendigen Fachkräfte auszubilden. Reformziele im Tertiären Sektor werden in der "Higher Education Reform Agenda" (HERA) formuliert; u.a. sollen bis 2020 die Immatrikulationsraten eines Jahrgangs von 13 Prozent auf 45 Prozent angehoben, der Anteil promovierter Dozenten von 14 Prozent auf 35 Prozent erhöht und der private Hochschulbereich ausgeweitet werden. Die Hochschulen sollen sich nach den Zielen von HERA - neben ihrem bildungspolitischen Auftrag, auch stärker in der Forschung engagieren und dadurch neue Einnahmequellen erschließen. Den Hochschulen wird dabei eine deutlich größere Autonomie hinsichtlich der Festlegung ihrer Forschungsschwerpunkte, Personalauswahl und -entwicklung sowie der Mittelverwendung zugesprochen. HERA zielt mithin auf eine Stärkung der dezentralen, eigenverantwortlichen Kräfte, um Anreize für eine international konkurrenzfähige Forschung zu schaffen, die einen wesentlichen Beitrag für eine innovationsgetriebene Gesellschaft in Vietnam leisten soll.

In Vietnam gibt es einer weiten Begriffsdefinition folgend 338 staatliche und 83 private Hochschulen. In diesem Text wird der Begriff Hochschulen jedoch ausschließlich auf die 207 Hochschulen mit Universitätscharakter bezogen. Daneben gibt es 214 Colleges, die eher dem Berufsbildungswesen zuzuordnen sind. Im Jahre 2016 waren 2.692.124 Studierende an höheren Bildungseinrichtungen (inkl. Berufscolleges) eingeschrieben; der Frauenanteil liegt bei 50,1 Prozent. Im genannten Referenzjahr schlossen 420.697 Studierende ihr Bachelor- oder Masterstudium erfolgreich ab, 826 erlangten einen Doktorgrad. Das Potential für eine internationale Wettbewerbsfähigkeit haben aus Sicht der vietnamesischen Regierung die Nationaluniversitäten in Hanoi und Ho Chi Minh Stadt sowie die Universität Da Nang und die Vietnamese-German University (VGU, oder Vietnamesisch-Deutsche Universität VDU).

Alle Hochschulen unterstehen der akademischen Aufsicht des Bildungsministeriums, sind jedoch oft noch zusätzlich den jeweiligen Fachministerien wie Landwirtschaft, Gesundheit, Justiz oder den örtlichen Volkskomitees zugeordnet, was die Einhaltung einheitlicher Standards erschwert. Insgesamt betragen die öffentlichen Bildungsausgaben etwa 7.64 Milliarden Euro (2012). Für Hochschulbildung stehen davon 9,9 Prozent, das heißt 754 Mio. Euro zur Verfügung. Die Hochschulen finanzieren sich zu 60 Prozent aus staatlichen Zuwendungen, 40 Prozent werden über Studiengebühren eingenommen (Quelle: DAAD, 2017).

Im Bildungsbereich ist das Nationale Komitee zur Erneuerung der Bildung beratend tätig. Das National Institute for Science and Technology Policy and Strategy Studies (NISTPASS) ist der FuE-Think Tank der vietnamesischen Regierung. Darüber hinaus informiert das National Council for Science and Technology Policy (NCSTP) den vietnamesischen Premierminister über aktuelle FuE-Entwicklungen und bei der strategischen Planung von FuE.

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