StartseiteLänderEuropaSchwedenZusammenfassungÜberblick zur Kooperation mit Deutschland

Überblick zur Kooperation mit Deutschland: Schweden

Aus schwedischer Perspektive ist Deutschland ein wichtiges Ko-Publikationsland sowie Herkunfts- und Zielland für internationale Studierende. Aus schwedischer Perspektive liegt Deutschland mit 1.780 Studierenden als Herkunftsland an dritter Stelle hinter China und dem Nachbarland Finnland. Im Gegenzug gehört auch Deutschland für international mobile schwedische Studierende zu den zehn beliebtesten Zielländern.

Für deutsch-schwedische Forschungskooperationen gibt es sowohl für in der Grundlagenforschung als auch in der angewandten Forschung und Innovation eine Vielzahl von institutionellen Anknüpfungspunkten und Fördermöglichkeiten, auch im europäischen Bereich.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat bisher kein allgemeines Abkommen zur Wissenschaftlich-Technologischen Zusammenarbeit mit Schweden abgeschlossen. Allerdings hat das BMBF gemeinsam mit der schwedischen Regierung am 15. Juni 2009 ein Memorandum of Understanding (MoU) speziell zur bilateralen Kooperation in den Feldern Materialforschung und Strukturbiologie mit Neutronen und Synchrotronstrahlung unterzeichnet. Im Rahmen des 2009 gegründeten Röntgen-Ångström-Clusters (RAC) arbeiten deutsche und schwedische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gemeinsam an der besseren Nutzung von Großgeräten für Photonen- und Neutronenforschung. Dazu gehören die Europäische Spallationsquelle (ESS) im schwedischen Lund, das im Aufbau begriffene MAX IV Laboratory in Lund, der Röntgen-Laser European XFEL sowie die Erweiterungen von Petra III (Speicherring-Röntgenstrahlungsquelle), die jeweils in Hamburg gebaut wurden. Um die deutsch-schwedische Kooperation bei der Nutzung der Großgeräte zu fördern, führt das BMBF mit dem schwedischen Forschungsrat VR bilaterale Ausschreibungen durch. Am 1. Juli 2018 starteten 9 deutsch-schwedische Projekte mit einer Laufzeit von vier Jahren, die wichtige Grundlagen für neue Medikamente, Materialien und Werkstoffe liefern sollen.

Der Schwerpunkt der deutsch-schwedischen Kooperation liegt allerdings eher im multilateralen als im bilateralen Bereich. So gibt es unter dem Rahmenprogramm Horizont 2020 (2014-20) inzwischen mehr als 1.000 Projekte mit deutscher und schwedischer Beteiligung (siehe vorheriger Abschnitt). In den Jahren 2010, 2011 und 2013 hatte das BMBF Bekanntmachungen zur Förderung eines Ideenwettbewerbs zum Auf- und Ausbau innovativer FuE-Netzwerke mit Partnern in Ostseeanrainerstaaten veröffentlicht. An neun der insgesamt 15 geförderten Projekte der zuletzt veröffentlichten Ausschreibung waren schwedische Einrichtungen beteiligt.

Die Mehrzahl der vom BMBF geförderten Projekte mit schwedischer Beteiligung wird derzeit im Rahmen von Public Public Partnerships (PPPs) wie ERA.NETs, Initiativen für gemeinsame Programmplanung (JPI), Artikel 185 Maßnahmen und EUROSTARS finanziert. Die PPPs vernetzen multilateral eine Vielzahl von Forschenden aus diversen Ländern (siehe vorheriger Abschnitt). Während das BMBF den deutschen Projektpartner fördert, ist eine schwedische Förderorganisation (z.B. Forschungsrat VR, VINNOVA) für die Finanzierung der schwedischen Partnerorganisation zuständig. Thematische Schwerpunkte innerhalb der laufenden Projekte liegen in den Bereichen Informations- und Kommunikationstechnologie sowie Klima, Umwelt, Nachhaltigkeit.

Das 'klassische' EUREKA- "Netzwerkprojekt" mit Partnern aus mindestens zwei verschiedenen Ländern zielt auf die Entwicklung einer klar definierten Technologie ab. Derzeit gibt es derzeit drei gemeinsame bilaterale EUREKA-Projekte mit deutsch-schwedischer Beteiligung. An einem auf längere Sicht angelegten EUREKA-Cluster müssen mindestens fünf EUREKA-Mitgliedsländer beteiligt sein, die über einen Zeitraum von acht Jahren zusammen arbeiten. Hier beteiligen sich Schweden und Deutschland gemeinsam an den Clustern CELTIC-PLUS und ITEA 3 (beide im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien).

Internationale Mobilität von und nach Schweden wird unter dem EU-Programm ERASMUS+, durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) gefördert.

Die Mobilität von Deutschland nach Schweden ist gut ausgeprägt. So förderte der DAAD 2017 durch eigene Programme 189 Studierende und Graduierte sowie 24 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern (einschließlich Post-Docs) und Hochschullehrkräfte. Das ERASMUS-Programm ermöglichte zwischen Juni 2016-18 zusätzlich 2.653 Studierenden und 183 Hochschullehrkräften bzw. Hochschulpersonal aus Deutschland einen Aufenthalt in Schweden.

In die Richtung von Schweden aus nach Deutschland ist die Nachfrage naturgemäß geringer: Unter eigenen Programmen finanzierte der DAAD im Jahr 2017 Deutschlandaufenthalte für 36 schwedische Studierende und Graduierte sowie 12 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern (einschließlich Post-Docs) und Hochschullehrkräfte. Mit einer ERASMUS-Förderung kamen zwischen Juni 2016-18 zusätzlich über 518 Studierende sowie 103 Hochschullehrkräfte bzw. Hochschulpersonal aus Schweden nach Deutschland.

Im Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) sind im August 2018 insgesamt 738 Hochschulkooperationen zwischen deutschen und schwedischen Hochschulen verzeichnet. An den Kooperationen sind 205 deutsche und 35 schwedische Hochschulen beteiligt.

Eine wichtige Förderquelle für Grundlagenforschung ist die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die zusammen mit dem schwedischen Forschungsrat VR bilaterale deutsch-schwedische Kooperationsprojekte fördert. 2015 erhielten 74 Projekte und sieben Anbahnungsmaßnahmen eine Förderung. An einem Internationalen Graduiertenkolleg der DFG ist Schweden als Partnerland beteiligt.

Die Zahl der Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler an den Max-Planck-Instituten (MPIs) schwankte von 2010 bis 2016 zwischen 57 und 28, im Berichtsjahr 2017 waren es 35. Hier gilt zu beachten, dass ab dem Berichtsjahr 2014 auch die Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler mit TvÖD-Verträgen mitgezählt wurden, was davor nicht der Fall war. Derzeit sind vier Direktoren mit schwedischer Nationalität an MPIs tätig. Im Jahr 2017 meldete die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) insgesamt 157 Projekte mit schwedischen Partnern. Auf die Chemisch-Physikalisch-Technische Sektion (CPT) entfallen 83 Projekte, auf die Biologisch-Medizinische Sektion (BM) 43 und auf die Geistes-, Sozial- und Humanwissenschaftliche Sektion (GSHS) 31.

Deutschland und Schweden haben am 31. Januar 2017 eine gemeinsame Innovationspartnerschaft unterzeichnet. Diese geht auf eine Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) und des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) zurück. Zentrale Themen sind Mobilität; Prüfstände und Testumgebungen; Digitalisierung in KMUs; eHealth.

Deutsche Forschungs-, Förder- und Mittlerorganisationen sind vor Ort in Schweden wie folgt vertreten:

  • Die Stiftelsen Fraunhofer Chalmers Centrum för Industrimatematik wurde im August 2001 in Form einer gemeinnützigen Stiftung schwedischem Rechts von der Fraunhofer-Gesellschaft und der Chalmers Universität mit Sitz in Göteborg gegründet. Sie betreibt das Fraunhofer-Chalmers Centre for Industrial Matemathics (FCC), das eng mit dem Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITWM) in Kaiserslautern kooperiert. Arbeitsschwerpunkte des FCC sind Materialermüdung und Qualitätstechnik.
  • Das Powertrain Manufacturing for Heavy Vehicles Application Lab (PMH) an der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) in Stockholm wurde im September 2016 eröffnet. Es ist ein Beispiel für die neue Initiative zum Austausch über die Umsetzung von Industrie-4.0-Technologien, die in dem "Swedish-German Testbed for Smart Production" und in der deutsch-schwedischen Innovationspartnerschaft (s.o.) seinen Rahmen findet. Schweden ist weltweit eines der führenden Länder bei der Fertigung von Antriebssträngen für Lastkraftwagen (LKWs) und Nutzfahrzeuge. Daher haben sich die drei Fraunhofer Institute für Produktionstechnologie (IPT), für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU) sowie für Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITWM) mit einem schwedischen Konsortium zusammengefunden, um einen der wichtigsten europäischen Märkte für LKW zu erschließen. Das Labor in Stockholm legt einen Schwerpunkt auf Technologieentwicklung für die Antriebsstrangfertigung sowie die Aus- und Weiterbildung hochqualifizierter Ingenieurinnen und Ingenieure.

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